Holder. Wird, unbewußt was mit ihm vorgeht, mit uns schlafen.
Florentin. Ich begreife dich nicht. Wann wirst du dich mir endlich
enträthseln?
Holder. Nach fünfhundert Jahren, wenn du willst, dann will ich dir noch in
Deutschland erklären, was ich bin und wer ich war.
Florentin. O, es ist ein schöner Traum, die Bürger der Erde nach fünf
Jahrhunderten noch einmahl zu erblikken -- allein -- -- --
Holder. Wenn wir dann vielleicht in einer einsamen Hütte friedlich
beisammen sizzen und die neuen Menschen erblikken und die Hand Gottes
anstaunen, dann könnte ich dir vielleicht noch manchen Aufschlus über
manches geben, dann ließe es sich so schön von unsern vergangnen Freuden
und Leiden plaudern.
Florentin. Noch einmahl, Holder, du weißt mir mit jedem Augenblick
unerklärlicher? -- wie ist es möglich, daß Seel' und Körper ein halbes
Jahrtausend unverlezt und sich ihrer bewußtlos existiren? --
Holder. Hast du die Geheimnisse der Natur alle erforscht, vermöge welcher
der Körper auf Jahrtausende unverweslich erhalten, und das Band zwischen
denselben und der Seele gestählt werden kann? -- O Bruder, Hamlet hat
Recht, wenn er sagt, wohl liegen unter dem Monde noch gewisse Dinge
vorhanden, von denen sich das menschliche Geschlecht nichts träumen läßt!
--
Florentin. (bestürzt) Holder!
Holder. (mit unbeschreiblicher Majestät) Wisse, ich bin der Obern einer im
Bündnisse der schwarzen Brüder! -- Eben dies Bündnis sendet mich an die
Brüder nach fünf Jahrhunderten, um unsers Ordens heilige Statuten aufrecht
zu erhalten zum Wohl der Menschheit; Ich _mus_ -- _mus_ dahin! willst du
mich begleiten?
Florentin. Wohl, ich schlage ein; denn was hab ich in diesem Leben noch zu
verlieren, oder was noch zu gewinnen?
Holder. Ich habe jede Vorkehrung getroffen, daß wir, ohne Unordnungen zu
erregen, aus den jetzigen Verhältnissen heraustreten dürfen. Wir reisen nun
nach den Alpen.
_Holder_ hielt Wort. Nach Verlauf weniger Monate standen sie schon beide,
mit dem kleinen Karl, in einer der grausenvollsten, abgelegensten,
unbekanntesten Höhlen des Alpengebürges.
Ein heimliches Schaudern schüttelte allen die Haut. _Holder_ zündete Licht
an, welches durch seinen matten Schimmer diesen unterirdischen Aufenthalt
nur noch fürchterlicher machte. Sie suchten sich, jeder besonders, ihre
künftige Ruhestätt aus; dann langte der Obere des schwarzen Bundes eine
Flasche hervor, gefüllt mit einem unbekannten Getränk. Er goß davon eine
silberne Schaale voll und trank sie rein aus. Er füllte die Schaale zum
andernmahle, und bot sie dem Grafen. Der Graf schauderte und trank. Zum
drittenmahle floß das Getränk in den Silberbecher, und Karlchen, ohne die
seltsamen Wirkungen zu beahnden leerte das Gefäß.
»Jezt ists vollbracht!« rief _Ludwig Holder_ aus: »jezt ists vollbracht!
leb wohl für diesmahl, Welt, nach fünf Jahrhunderten sehe ich dein Licht
wieder!«
Sie umarmtem sich. Das brennende Licht verlöschte plötzlich. Alle sanken
aufgelößt um.
»Herr Gott, erbarm dich unser!« schrie der _Graf_.
»Vater! Vater!« lallte das Kind.