Kardinal. (empfiehlt sich)

Prinz _Moriz_ empfieng noch an selbigem Tage vom Hofe Befehl in _Kanella_

zu bleiben, weil hier seine Anwesenheit vonnöthen sei. Zwar war ihm dies

eine sehr ungelegne Ordre; doch einige Zeilen von _Benedettos_ Hand

beruhigten ihn, machten ihn sogar zufriedner mit seinem Heimbleiben, als

seiner determinirten Abreise.

Ich darf den Karakter _Morizens_ meinen Lesern nicht erst schildern;

wahrscheinlich kennen Sie den Mann noch, nebst seinem getreuen _Flimmer_,

aus seinen Händeln mit den schwarzen Brüdern und den Grafen _Duur_ in

Herzog _Adolfs_ Residenz. Hier am Hofe zu _Kanella_ wurde er, wie man

sieht, ungemein geschäzt. Besonders bediente sich seiner _Benedetto_

treflich, weil dieser schlaue Mönch durch ihn manches Plänchen zu

realisiren wußte, welches nur durch einen so wilden, rauhen _Moriz_

realisirt werden konnte; denn ausser diesem war das ganze Hofvolk ein Heer

entnervter Wollüstlinge, Sodomitten und Tribaden.

Zweites Kapitel.

Der Landesvater mit seinen Landeskindern.

Am folgenden Tage war es schon früh in den Straßen von _Kanella_ lebhaft.

Soldaten und Bürger, Männer und Weiber, Hohe und Niedrige rannten

durcheinander, sagten sich das Lebewohl, wünschten sich das baldige

Wiedersehn. Die Rosse schnoben, die Fahnen und Standarten wehten, die

Waffen klirrten, die Trommeln wurden gerührt, man sties in die Trompeten,

die Compagnien stellten sich, alles zog sich auf dem großen _St.

Dominikusplaz_ zusammen.

Es war ein rührendes Schauspiel anzusehn, wie sie da standen die Greise,

Männer und Jünglinge unter ihren Waffen. Verzweiflung und Schmerz malte

sich in ihren Mienen -- ein gebrochnes Jammergetön durchdrang die Luft --

keiner aber sprach. Die Männer, welche vorübergingen, riefen ihnen ein

banges: »Gott mit euch!« zu und verbargen die heimlichen Thränen, welche

sich aus ihren Augen stahlen. Aber die Krieger verbissen ihren Schmerz --

still lächelten sie und drükten einander wehmüthig die Hände.

Mit einemmahle sahe man einen langen Zug von Weibern dem _Dominikusplaz_

entgegen wanken; jedes beinahe führte ein Kind an der Hand. Es waren die

Weiber und Kinder der scheidenden Krieger. -- Diese sahen sich, vom Anblik

dieser Szene durchbohrt, an, jedem zitterte eine Thräne vom männlichen Auge

und jeder nahm vom Weibe und Kinde den lezten Abschied. »Lebet wohl, mein

Vater!« riefen die unmündigen Kleinen. -- »Lebet wohl!« lallte ein

weinender Greis und stämmte sich auf seine Flinte: »lebet wohl, ihr kleinen

Engel!«

Die Weiber umschlangen ihre Gatten, stammelten ihnen tausend heiße Wünsche,

und jeder Wunsch wurde von einer Flut von Thränen und Küssen erstikt.

»Gott ziehe mit dir, mein Einziger!« rief ein junges Mädchen und sank

ohnmächtig an den Hals des geliebten Jünglings, und der Jüngling

erwiederte: »Tröste dich unser Gott, meine Traute, wenn ich nicht

heimkomme! In der Ewigkeit sehn wir uns wieder!«

»Ja in der Ewigkeit sehen wir uns wieder und da soll Gott der Gerechte

richten!« heulten einige Weiber, und der Jammer ward allgemein.

Plözlich schwieg alles; Todesschauer faßte jeden und jede, denn es hieß:

»_Moriz_ kömmt! _Moriz_ kömmt!«

Der _Prinz_ kam wirklich von einigen seiner Offizieren begleitet zu Pferde

herbeigesprengt.

»Allons, weg Weiber und Mezzen von den Soldaten; Memmen sinds ohnedem!«

rief er.

»Wären nicht Memmen!« replizirte hierauf einer der Senatoren von Kanella,

der unter dem Volke stand, so deutlich, daß es _Moriz_ hören mußte, wenn er

nicht im dem Augenblik mit Taubheit geschlagen gewesen: »nicht Memmen,

sobald man sie wider die Feinde ihres Vaterlandes ausschikte!«

_Moriz_ stuzte; sein Stolz der hier Angesichts des Volks beleidigt wurde,

wiegelte seinen Zorn auf. Mit fürchterlichem Blik sah er um sich und

fragte: »Wer spricht das?«

Der alte Senator trat aus dem Gedränge hervor und antwortete: »Borsellino,

Prinz, ein edler Kanelleser.«

»»Elender Graukopf, hüte dich!««

»Vor wem? ich bin sicher.«

»»Ich will dir den Lohn deiner Kanellesischen Frechheit auszahlen lassen.««

»Prinz, ich bin ein Bürger Kanellas!«

»»He, Wache herbei!««

»Herr, ich bin der Senatoren einer!«

»»Wache!««

Das Volk stürzte zusammen; der Lärmen ward grösser, zwölf junge Edelleute,

verwandt und unverwandt mit dem Hause _Borsellinos_, umringten den Greis,

ihn gegen Gewaltthätigkeiten zu beschirmen.

Die Wache kam. _Moriz_ befahl _Borsellino'n_ zu ergreifen und wegzuführen.

Die zwölf Kanellischen Edeln baten für ihn, umsonst. Sie drohten; _Moriz_

wurde wüthend.

Der neugierige Pöbel sammelte sich näher; einige im Volle schrieen:

»Borsellino darf nicht angetastet werden, er ist der Senatoren einer!« und

plötzlich riefen mehrere Stimmen: »Wehe, wehe dem, der den braven Bürger

Kanellas mishandelt!« und so grif der Tumult um sich, der Pöbel lärmte,

alles schrie: »Bürgerrechte werden zertreten! steht Borsellino'n bei! wer

thut ihm Gewalt?«

_Moriz_ sas etliche Minuten durch dies ungewohnte Schauspiel versteinert da

auf seinem Rosse; seine Lebensgeister waren entflohen, aber bald kehrten

sie wieder bei ihm ein und wie es schien in Furien umgewandelt. Er rollte

die Augen fürchterlich umher, knirschte laut mit den Zähnen, schäumte,

sties gräsliche Flüche wider die Kanelleser aus und kommandirte das

nächststehende Regiment die Gewehre scharf zu laden und auf seinen Wink

unter das Volk zu feuern.

Beinahe der ganze Adel von Kanella, welcher ausser dem Hofe lebte, war jezt

herbeigeeilt, Morizens Befehl wirkte anfangs allgemeine Bestürzung und

Stille. Aber diese Stille verwandelte sich bald wieder in leises Flüstern

und Murren, das Geflüster in lauteres Murmeln, das Murmeln wurde stärker

und stärker und endlich das vorige Schreien und Toben.

Der alte _Borsellino_ inzwischen glich einem Rasenden. Er hörte _Morizens_

Kommando die Gewehre zu laden und Feuer zu geben; dies sezte ihn ausser

sich, er war seiner nicht Mann, zog den Degen, und versuchte sich durch den

Haufen der Edelleute zu drängen. »Ungeheuer!« rief er mit glühendem

Gesicht: »Ungeheuer! ists erhört, das Blut der Bürger von Kanella zu

vergießen? -- Ungeheuer, wag es, _einen_ Schuß wage! He! will das unser

Landesherr? -- Ungeheuer, wird das Piedro wollen?« --

Man bemühte sich den jähzornigen _Borsellino_ zu überlärmen, zu

besänftigen, aber er ruhte nicht. »Laßt mich hin zu ihm, laßt mich!

Bürgerblut will er vergießen -- hört ihrs denn nicht? Ists nicht genug, daß

man uns zu Sklaven machen will, zum Viehe sollen wir noch herabgewürdigt

werden, das man morden darf, nach Herzenslust! -- Laßt mich, laßt mich! --

Heda, verdammter Fremdling, mit dem Leben der Kanelleser willst du spielen?

ho! ho! -- Bürgerblut! Bürgerblut! -- Männer von Kanella ihr schweigt? --

ho! hindurch!«

Der _Prinz_ sah den schnaubenden _Borsellino_, hörte seine Worte, hörte des

Volkes verwirrtes Geschrei, aber fühlte nicht, daß _er_ es gewesen sei, der

den schlummernden Funken des allgemeinen Unwillens zur lodernden Flamme

angeblasen hatte -- und wurde ob dieser unerhörten Vermessenheit eines

Kanellesischen von Adel dreimahl wilder, als zuvor. Sein Gefolge stämmte

sich ihm entgegen, aber Zwang empört den Zorn, stillt ihn nicht.

Es war ein entsezlicher Anblik, die beiden Wüthenden gegen über, jeder von

den seinigen umringt und zurükgehalten. Aber unmöglich konnte man

_Borsellino'n_ länger widerstehn, er, in dem die Wuth Riesenstärke und

Feuer der Jugend ausgegossen hatte. Er stürmte hervor und sties blindlings

das gezukte Schwerd bis an den Heft dem Rosse des Prinzen in den Leib, und

in eben den Augenblik stürzte _Morizens_ Klinge auf _Borsellinos_ Schädel

herab.

»Gebt Feuer!« schrie der _Prinz_, indem sein Pferd unter ihm sank: »Feuer

auf die Hunde!« und von verschiedenen Seiten fielen -- einzelne Schüsse.

Dies that Wirkung, wie sie _Moriz_ hoffte. Der Pöbel flüchtete; alles wurde

still. -- --

_Borsellino_ lag ohnmächtig, in eignen Blute sich badend, in den Armen

seiner Freunde. Man trug ihn fort. _Moriz_ gab eiligst Befehl zum Aufbruch

der Soldaten. Es flogen die Rosse, die Fahnen und Standarten wehten, die

Waffen klirrten, die Trommeln wurden gerührt, man sties in die Trompeten

und so gieng der Marsch durch die Straßen von Kanella, an das herzogliche

Palais vorüber.

_Piedro_, _Rosaffa_, _Benedetto_ mit verschiedenen Herrn und Damen des Hofs

standen auf den Gallerien und Altanen vertheilt, dem Zuge zuzuschaun.

Aber ehe die verkauften Landeskinder mit klingendem Spiel und fliegenden

Fahnen herankamen, erschien in trauriger Prozeßion der blutende

_Borsellino_, getragen von den Vornehmsten von Adel. Nicht ohne Absicht

schleppte man den Verwundeten, der sich etwas erholt hatte, hier vorüber.

Der _Fürst_ hatte den Lärmen und später nachher das Schießen gehört, und

von einem Adjutanten aus _Morizens_ Suite Nachricht darüber empfangen.

»Wer ist der, welchen Ihr da unten traget?« fragte der _Herzog_ mit Neugier

und heimlichen Schaudern.

»»Der edle Borsellino!«« scholl die Antwort zurük.

Der Verwundete richtete sich mit dem Leibe empor, schlug die Augen auf,

sammlete alle Kräfte und sprach mit matter Stimme: »Herzog Piedro, dein

Landeskind! -- Piedro dein Landeskind, erschlagen von dem Fremdling der

nach dem Blute deiner guten Bürger dürstet! -- Piedro, Rache und Recht,

wenn du Landesvater bist!«

_Piedro_ war erschüttert. -- _Rosaffa_ schrie hinunter: »Schaffet den

abscheulichen Anblik aus unsern Augen!« und _Piedro_ das Echo seiner

_Rosaffa_ intonirte sogleich: »Schaft ihn fort!«

_Borsellino_ seufzte; die ihm umgebenden Edelleute murmelten unwillig unter

sich, und gehorchten der Mätresse ihres Herrn.

Die Truppen marschirten bald darauf vorbei.

»Es lebe Piedro! -- es lebe Piedro, die Lust seines Volkes!« schrien die

Soldaten, wenn sie nahe am Schlosse waren, und wischten zu gleicher Zeit

die Thränen vom Auge, und der _Landesvater_ lächelte huldreich auf sie

herab.

Drittes Kapitel.

Gewitterwolken, die sich zerstreun.

Seit diesen Auftritten herrschten in _Kanella_ tiefe Stille und Ruhe; es

kam nirgends zu öffentlichen Händeln. Aber diese allgemeine Stille glich

der vor einem Gewitter; sie ist schreklich. Die Volksfeste wurden nicht

mehr so lebhaft, als sonst gefeiert; in den Tabagien und Gasthöfen lärmte

nicht mehr der frohe Muthwille; die schönsten Spaziergänge wurden seltner

besucht. Gram und Mismuth war auf jedem Gesichte zu lesen; Armuth wohnte

unter den meisten Dächern, Unthätigkeit, Ekel der Arbeit in den meisten

Werkstuben.

Nichts ist für einen Staat unglükweissagender, als _solche_ Phänomene!

Armuth gebiert Muthlosigkeit, Misvergnügen, Widerwillen gegen alle Arbeiten

beim gemeinen Mann, weil er noch nur das wenigste von dem durch seinen

Fleis Gewonnenen für sich behält, sondern den größten Theil seines Erwerbs

den Pächtern, Monopolisten, Zöllnern, Steuern- und Acciseeinnehmern für den

Fürsten u. s. f. entrichten muß. Träger Müssiggang ist der Vater

gefährlicher Projekte und Träume, wo man sich denn durch irgend ein Wagstük

in die ehmaligen Glüksumstände wieder hinauf zu schwingen hofft.

Der habsüchtige _Benedetto_, der schwelgerische _Piedro_ argwöhnten von

diesem Erfolg ihrer Unternehmungen zur Verbesserung der Finanzen nicht das

geringste. Nothdurft, -- so machiavellisirten sie -- ist das Triebrad im

Staate, welches Industrie, Künste und Handwerke befördert. Reichthum der

Landeseinwohner macht sie frech, luxuriös, träge. Der Unterthan ist ein

Esel, der nur mit Zwang seine Pflichten erfüllt.

Ob _Piedro_ und sein _Universalminister_ richtig argumentirten, wird uns

der Erfolg mit Thatsachen belegen können. -- Nur so viel war jezt schon

gewiß, daß das Gebiet von _Kanella_ um diese Zeiten ungleich mehr verarmte

Familien, Bankeroteurs, Bettler, Beitelschneider, Straßenräuber, und andres

unnüzzes Gesindel aufzuzeigen hatte, als irgend sonst.

Mehr gährte es in den Köpfen des so oft beleidigten, oft ungerecht

herabgewürdigten Senats und Adels. Der erstere hatte kein anderes

Gesezbuch, als die Laune des _Kardinals_, des _Prinzen Moriz_ und der

_Gräfin Rosaffa_, lezterer keine Anwartschaft durch Verdienste sich

emporzuschwingen; Mittel waren nur etwa die Schürze einer fürstlichen

Beischläferin, oder eine Börse gepreßt voller Goldstükken.

_Borsellinos_ Schiksal machte neue Sensazion; dieser unglükliche Greis

starb an seinen Wunden. Vor seinem Ende schrieb er noch an den jungen

_Giovanni_, seinen Sohn, der sich damahls in _Rom_ befand, einen

beweglichen Brief, worin er ihn bat nach _Kanella_ zurükzukommen, um den

Prozeß auszuführen, welchen sein Mörder wider ihn anhängig gemacht hatte.

-- _Giovanni_, dem der ganze Karakter seines Vaters angeerbt war, kam --

und fand _Borsellinos_ Leichnam im Sarge.

»Oh!« rief er, und warf sich über den entseelten Vater, hin: »ich bin zu

spät gekommen! -- Gott, mein Gott, daß ich ihn verlieren könnte, das wußt

ich wohl -- aber so ihn zu verlieren, das vergebe ich dem Mörder nie, wenns

auch der Himmel könnte! -- Erschlagen, meuchelmörderischerweise erschlagen

mein Vater -- nein, das hat er nicht verdient um Kanellas Wohl!« --

Es waren viele Edle und Senatoren in dem Trauerzimmer versammelt -- alle

bemitleideten in den zärtlichsten Ausdrükken den leidenden _Giovanni_.

»Nein, nein,« unterbrach er sie: »tröstet mich nicht, _das_ Werk der

Barmherzigkeit will ich an mir selber verrichten. Das Blut des Mörders

löschet meine Wuth früh oder spät! -- O, namenloser Verbrecher, o Mörder!

Mörder, verflucht seist du vor dem Schöpfer und der Kreatur, verflucht sei

dein Schlaf und dein Wachen, verflucht der Becher, den du leerst, verflucht

sei der Bissen, welcher dich sättigt. -- Es rüttle dich aus

mitternächtlichem Halbschlummer Borsellinos Geist, es verjage dir die

Freude des Tages Borsellinos Gespenst! -- Mörder, entsezlicher Mörder,

sichre dich, denn die Rache schläft nicht. -- Verflucht will ich sein vor

dem Weltrichter ewig, wenn ich nicht die Blutsünden abwasche -- verflucht

sei der Gedanke, welcher sich in meine Seele hineinstiehlt, ohne daß Rache

ihm dieselbe aufschloß -- es verdorre meine Hand, die sich dir friedlich

darreicht, es verblinde mein Auge, wenn es dich anlächelt. Drükke ich einst

den lallenden Säugling an mein Vaterherz, so sei das erste Gebet, welches

ich ihn lehre, der gräslichste Fluch über dich und deine dann vermoderte

Asche! -- Oh! oh!« --

Der ganze Senat, unzähliche vom Adel, zahlloses Volk begleiteten den Sarg

zum Grabe, in einem feierlichen Zuge, desgleichen in Kanella noch unerhört

war.

Was _Giovanens_ Prozeß betraf: so wurde vom _Fürst_ dahin entschieden, daß,

weil _Borsellino_ einen frevelhaften Aufruhr begonnen, derselbe das Leben

gerichtlich hätte verlieren müssen, da aber der natürliche Tod seiner

Strafe zuvorgekommen; so würden die Erben des Delinquenten verbunden sein,

drei Viertel vom Vermögen desselben, als Strafgebühren, zu entrichten. _Von

Rechtswegen_.

_Giovanni_ liebte die schöne _Laura_, Tochter des edeln Kanellesers _Eo_.

Viele Wochen verflossen, ehe _Giovanni_ zu seiner Geliebten ging. Er fand

sie das erstemahl, als er sie wieder erblikte, in Thränen. »Nun, trautes

Mädchen, wirst du nie Giovannens Weib -- was soll dir ein armer Edelmann?«

sagte er. _Laura_ war untröstlich; der junge _Borsellino_ unerschöpflich an

Witz, das arme Mädchen zu foltern. »Ich sehe dich gern leiden, denn dein

Leiden quält mich zum Ziele hin, das mir vorgestekt ist. Morizens lezte

Nacht sei unsre Hochzeitnacht! verstehst du mich?«

»»Ich hab' Euch verstanden, edler _Borsellino_,«« sagte der alte _Eo_,

indem er ins Zimmer hereintrat, und von mehrern Edelleuten begleitet wurde:

»»seht hier Eure Freunde, die Euch zur baldigen Hochzeit helfen wollen.««

_Giovanni_ war bestürzt; er bat um Erklärung des Räthsels und man gab sie

ihm mit den Worten: »Wir alle arbeiten an Morizens Fall -- arbeiten an

Aufrechthaltung des Senats, des Adels und der Bürgerrechte. Piedro ist ein

schwacher Fürst, es gilt _eine_ gewagte That! -- Ihr seid unser Genosse?«

»»Mit Herz und Hand!«« erwiederte glühend _Giovanni_ und warf sich den

Männern in die Arme.

In öftern Zusammenkünften entwarf man den Plan, aber die Meinungen waren

beständig getheilt. Einige drangen nur auf Morizens Wegräumung, andere auf

allgemeine Reform der Regierung.

Man suchte beides zu verbinden -- es gelang; es wurde die lezte nächtliche

Zusammenkunft bestimmt, in welcher die Rollen vertheilt werden sollten.

Die Nacht erschien und jeder der Verschwornen mit ihr im Pallast des _Eo_.

Ihre Zahl war vierzig. Die folgende Nacht wurde zur Ausführung des

patriotischen Entwurfs geweiht. Zehn Edelleute sollten nach Mitternacht in

Morizens Schloß eindringen und ihn ermorden oder lebendig fangen. Eben so

viel sollten sich des Fürsten und des Kardinals zu gleicher Zeit

versichern; dann sollte mit den Glokken gestürmt, das Volk versammelt und

Freiheit ausgerufen werden. Im Fall einer Widersezzung der

Fürstlichgesinnten, müsse jeder der Verschwornen Sorge tragen, eine gewisse

Anzahl Bürger bereit und unter Waffen zu halten.

Der Plan war in der That sehr unreif, doch die Rache- und Freiheitdurstigen

achteten es für Feigheit länger zu projektiren und die Unternehmung

aufzuschieben.

»Auf!« rief der begeisterte _Giovanni_: »laßt uns in dieser lezten Nacht

den Bund besiegeln mit Eiden -- Leben für Leben, Tod oder Freiheit und

Rache!«

»»Leben für Leben! Kanella frei, oder wir verderbt!«« schrien alle, und

wilde Schwärmerei umfaßte sie.

Die Weinbecher wurden gefüllt und geleert. »Borsellinos Geist umschwebt

uns!« rief _Giovanni_: »er sieht wohlgefällig unsern Bund! wohlan, laßt uns

gehn und ringen, als Brüder oder sterben mit Brudertreue. Heda, wir trinken

Bruderschaft, nicht etwa in Wein, sondern in unserm Blute. Auf, folgt mir

nach!«

Er ergrif ein Messer, sties es sich in die linke Hand, daß das rauchende

Blut in seinen Pokal stürzte. Jeder that ein gleiches; ging durch einander

her, lies jedem von seinem blutigen Becher kosten, und trank von des andern

Blut.

Aber mitten in dem Rausch dieser Begeisterung öffneten sich die Thüren --

es blizten Gewehre herein -- die Verschwornen erstarrten, die Leibwache

Piedros besezte rings das Zimmer und rief: »ergebt euch auf Gnade und

Ungnade!«

Viertes Kapitel.

Das Haus im rothen Walde.

»Es ist unverzeihlich, daß wir _Florentinen_ so lange verließen, ohne uns

zu bekümmern, wem das Haus im Walde angehörte, wer die Thür öfnete, wen

_Florentin_ hier erblikte und welche Miene er annahm, als er wieder

herausging? Was interessirte uns der wollüstige, Kabalensüchtige Hof zu

Kanella? was jenes unzufriedne feige Volk, das nicht Muth genug hatte seine

Ketten abzuwerfen? was die _Borsellinos_, _Giovanni's_, _Lauren_ und

_Eo's_?«

Machen Sie mir keine Vorwürfe, meine Leser! Es ist nun einmal meine

Absicht, mich ungenirt auf meinem wilden Pegasus _Fantasie_ herum zu

tummeln, und ohne mich nach den Launen und der Neugier meiner Beobachter zu

richten, bald in Osten, bald in Westen, bald unter guten, bald unter

schlechten Menschen, bald in den lieblichen Revieren ländlicher Einfalt und

Unschuld, bald an Höfen, wo Kunst die Natur verstümmelt und verzerrt, bald

auf schauerlichen Wahlpläzzen, wo ein leidendes Volk verzweiflungsvoll nach

Freiheit ringt, zu schwärmen.

Doch, ohne uns länger die edle Zeit mit Gezänken zu verderben, laßt uns mit

_Florentin_ in die ehrwürdige Provinzialversammlung der _schwarzen Brüder_

treten. Wahrscheinlich erhält mancher Leser, welcher nach Aufklärung über

das Wesen derselben dürstet, mit dem gräflichen Novitz, Befriedigung.

»Wer hauset hier?« fragte _Florentin_ den Bruder Holzhakker.

»»Der Forstmeister _Blattrabe_, ein Schwarzer!«« antwortete _Hugo_. Dieser

führte seinen Mann in ein Zimmer, kleidete ihn da in ein schwarzes Gewand,

öffnete darauf eine Nebenthür und lies den frohbestürzten _Duur_

hineintreten.

Florentin sah sich wieder in der Mitte der Unbekannten, wieder in seinen

Traum zurükgesezt. Es war ein großer, prächtiger Saal, erleuchtet von

unzähligen Wachskerzen, angefüllt von einer ansehnlichen Menge schwarzer

Herrn. Viel derselben eilten ihm sogleich entgegen, umarmten ihn, wünschten

ihm Glük zur Aufnahme in den Bund der schwarzen Brüder, sprachen mit ihm

von gewissen Szenen seines Lebens so bekannt, so vertraut, als wären sie

Zuschauer und Theilnehmer derselben gewesen.

Man mischte sich brüderlich untereinander, füllte die Weingläser, sang

feierliche Bundesgesänge; trank Gesundheiten und rief mehr als einmahl: _es

lebe republikanische Freiheit_.

Aber _Florentin_ wußte sich eigentlich noch nicht in diesen Wirrwarr zu

finden; sein Herz sehnte sich nach dem, was _Holder_ ihm verheissen hatte,

und welches er gewiß hier antreffen sollte. Doch es vergiengen anderthalb

Stunden, ehe man Miene machte, die Nacht mit etwas anderm, als Singen,

Trinken, freundschaftlichen und politischen Diskursen hinzubringen. -- --

--

Mit einemmahle änderte sich die Szene. Jeder riß den Faden des Gesprächs

ab; dieser sezte das schon zum Trinken aufgehobne Weinglas nieder, jener

verzog sein Lächeln in die Falten des Ernstes. Aufmerksam wandte sich jedes

Angesicht zu einem erhabnen Stuhle, welchen ein Greis so eben in Besiz

genommen hatte.

Einige Minuten herrschte eine ungewöhnliche Stille, wie in einer

Todtengruft; alles schien sich zu einer merkwürdigen Sache vorzubereiten.

»Nun, Vinzenz,« sprach der _Greis_ vom Stuhle herab, indem er dem _Grafen_

mit der Hand winkte: »nun tretet mir näher.« _Florentin_ gehorchte; er ging

näher zu dem Manne, dessen Anstand, Gebehrden, Sprache und Gesichtszüge

ganz dem Ideale entsprach, welches sich unsre Einbildungskraft von

Ehrfurcht erwekkender persönlicher Majestät zu machen gewohnt ist.

_Florentin_ hatte vor Fürsten gestanden, aber nie einen solchen Grad der

Hochachtung empfunden als izt.

»Wir haben Euch werth gefunden ein Glied in der Kette der schwarzen Bruder

zu werden!« fuhr der Mann fort, welcher Verehrung abzwang: »Euer Wunsch sei

Euch gewährt. -- Bruder, unser aller Bruder, bedenket wohl, zu welcher

Menschengattung Ihr gerathen seid! Bedenket wohl, daß von nun an das

allgemeine Glük des Menschen euch näher liegt, als sonst -- daß Ihr nicht

mehr so sehr für Euer Interesse allein arbeiten dürfet -- daß klippenvolle

Umwege künftig Eures Lebens Pfade, Gefahren Eure Führerinnen, Mühe und

Sorgen Eure Erholungen, und Undank der Menschen Eure Belohnungen sind! --

Noch einmahl dürfet Ihr wählen: bleibt und seid unser Bruder, oder gehet,

und schweiget von dem was zwischen uns vorgefallen ist.«

Florentin. (stark) Ich bleibe, bin Euer Bruder.

Greis. Du hast gewählt, von nun an ist jeder Rüktritt unmöglich. Du bist

und bleibest unser im Guten und Widrigen; nie werden wir dich verlassen,

aber nie wirst du auch, als Verräther, unserm Arm entwischen können, es sei

denn, durch die Pforten des Todes. Hörst du, du bist unser! _ganz unser!_

zerbrochen hast du jezt alle Ketten, die dich an andre Verhältnisse binden,

-- sei _treu_, Vinzenz, um deiner _Wohlfarth_ willen, sei treu! Und bist du

in der Treue bewährt -- dann mache Ansprüche auf unsere Vergeltung deiner

Thaten. Und vergelten wollen wir, so wahr Gott allgegenwärtig ist, der

unser Versprechen hört, und den Bruch desselben rüge in Zeit und Ewigkeit!

-- Auch träume nicht, Vinzenz, schon jezt die _höchste Stufe_ in unserm

Orden erstiegen zu haben, dahin erheben dich erst _Verdienste_. Doch so

viel du als Bundesglied erfahren darfst in deinem Range, wollen wir dir

nicht verheelen.

Der _Greis_ winkte. Einer der _schwarzen Brüder_ trat hervor, wandte sich

zum _Grafen_ und redete also:

»Unser Bruder! treue Freundschaft ist die Quelle unsers Glüks. Disharmonie

zerstört Staaten. Dies war von jeher der Grund, auf welchen alle Systeme

irrdischer Glükseeligkeit erbaut wurden. Banditen und Räuber verbanden sich

mit einander auf die Ruinen fremden Glüks das ihrige zu gründen. Aberglaube

und Schwärmerei verbrüderten sich auf das Elend der Zeitgenossen das große

Gebäude einer allgemeinen Hierarchie zu errichten -- warum sollten sich nun

nicht auch _brave_ Männer mit _denkenden_ Köpfen vereingen, dem allgemeinen

Unwesen, welches die Menschheit unter tausenderlei Verkappungen verheert

und elend macht, _entgegen -- zu arbeiten_? -- Soll ich Euch das

menschliche Elend in seiner ganzen, schauerlichen Größe malen? soll ich

Euch die mancherlei Klassen öffentlicher und heimlicher Bösewichter vom

Thron herab bis zum Bettler durch alle Stände schildern? -- Fordert Ihrs;

so trage ich Mitleid mit Eurer wenigen Kenntniß der Welt, und Eurer

_Stubenweisheit_; Ihr wärt kein Mann für uns.«

»Nur Leute vom erprobtesten guten Herzen und gutem Kopfe werden in unsern

Bund aufgenommen, und diese befördern wir nach allen Kräften zu _den

vorzüglichern Aemtern_ des Staats, damit sie für _ihr_ Herz und _ihren_

Kopf den ausgebreitetsten Wirkungskreis auf das _Wohl des Ganzen_ erhalten.

Der Staat gewinnt dadurch Männer in seine Aemter, wie sie sein _sollten_;

Dummköpfe, die durch Geld, Familienansehen oder andre Schleichwege nach

glänzenden Posten trachten, werden zurükgedrängt. Und finden wir einen

herrlichen Mann auf dem Wege zu solchem Amte; so helfen _wir_ ihm _selber_

empor, und ist er noch der schwarzen Brüder keiner, so wird ers dann

_jedesmahl_. -- Daher kömmts, daß wir jeden schäzbaren Mann, er lebe im

Staate wo und in Dunkelheit gehüllt, wie er wolle, auf _unsrer Liste_

führen und bei Gelegenheit hervorziehn. Auch geringere Leute stehn in

unsern _Sold_, an uns gekettet durch die festesten Banden, und dieß sind

unsre Spione, nothwendige Helfershelfer -- sie wissen nichts von dem, was

unter uns _Höhern_ vorgeht, und erscheinen seltner in unsern Synoden.«

»Ungeachtet aber wir einander selber unser zeitliches Wohl befördern: so

sind Menschen doch immer _Menschen_, oft von schwachen Grundsäzzen, oder

voll unglaublicher Verstellung. Verschwiegenheit und Treue zu beobachten

werden die Novizen mit einem _Eide_ verpflichtet. Wen Wort und Versprechen

nicht mehr bindet, verdient nicht Mitglied im Orden der redlichen

Menschheit, geschweige in unserm Bunde, zu sein. Doch wollte ein _solcher_

auch nachtheilig für uns werden, uns _verrathen_: so wird er doch nur

Kleinigkeiten auszuschwazzen wissen, denn er kennet wenige Mitglieder, von

den meisten nur den _angetauften Ordensnamen_ der Bündner und Städte. Das

Noviziat dauert nach Beschaffenheit der Verhältnisse länger oder kürzer --

Treue, Eifer und große Thaten weihen erst zum Anschaun tieferer Misterien

ein. Wehe aber dem _Verräther_! unmittelbare Strafe folgt ihm auf dem Fuße

nach, die um so furchtbarer ist, je _ausgedehnter_ die Macht des Bundes, je

_unsichtbarer_ die _Rächer_ sind!«

»Von Seiten der Verrätherei haben wir also wenig nur zu befürchten. Jezt

hört mehr! Ihr seid künftighin verbunden, wie jedes andre Glied unsrer

Kette _vierteljährige_ Nachrichten von Euern _Plänen, Thaten,

Familienumständen, Veränderungen des Aufenthalts, neuen Bekanntschaften u.

s. f._ ohne Heuchelei und Trug an den _Ordensregenten_ Eurer Provinz

einzuliefern, das heißt, der _Ordensprovinz_, in welcher Ihr Euch befindet.

Die Regenten haben unter sich wiederum einen _Obern_, der uns allen

unbekannt ist, die wir nie auf dem Regentenstuhle saßen. An diesen Obern

fließen die merkwürdigsten Gegenstände aus der Geschichte des Bundes in

Auszügen von den Regenten aus ihren Provinzialmemoiren geliefert. Dieser

_Obere_ überblikt das _Ganze_; _unbekannt_ wirkt er auf alle; theilt den

Regenten Entschlüsse mit; formt Staaten um und hat Kunde von den

Kabinettsgeheimnissen aller Mächte in Norden, Süden, Westen und Osten, --

wo denn _ein_ Federzug von ihm, sobald es der Menschheit heilsam ist,

Kriege, Aufrühre, Staatsumwälzungen und Friedensschlüsse verursacht. Er ist

ein _Gott_, welcher über die Fürsten dieser Welt durch die ausgebreitetste,

fein- und festgewebteste, ehrwürdigste Verbindung der besten Köpfe und

Karaktere jedes Reichs, _erhaben_ steht; welcher Potentaten lenkt am

unsichtbaren Faden seiner Macht; ihnen beglükende Pläne zuspielt, oder

schlechte zerreißt. Ihr staunet? -- Ha, _Vinzenz_, es ist schmeichelhaft,

die Laienwelt unvermerkt hinzudrängen zum Ziele alles Strebens, zum

_allgemeinen Wohl_! -- Es ist schmeichelhaft, mit seinen Augen die Zukunft

guten Theils schon jezt durchschauen zu können; Entwürfe in unsern

_Archiven_ zu erblikken, welche diesem oder jenem Monarchen vorgeschrieben

wurden, die er ausführte oder noch vollenden soll. Noch ists nicht die

Zeit, aber einst wird sie tagen, wo wir _Urkunden über die Motive mancher

ehmaligen Begebenheiten_ ausstellen, und die neuere Geschichte der Welt

fürchterlich _reformiren_ werden. Wer, meint Ihr, Vinzenz wars, der die

_Jesuiten_ entthronte? wer, der die Befreiung _Nordamerikas_ beschlos und

vollenden half? wer, durch dessen Arm Künste und Wissenschaften in die

nördlichern unkultivirten Gegenden des Erdbodens verpflanzte? wer, der den

Geist des Freidenkens und Aufklärens über _Deutschland_ ausgoß? -- O,

könnte mancher _Todte_, dürfte mancher _Lebende_, von dem man es am

_wenigsten_ erwarten sollte, _reden_! -- Vinzenz -- doch ich schweige!

Aber, wer _Ohren_ hat zu hören, der _höre_! wer _Augen hat zu sehen, der

sehe nun!_ -- Es kann noch kein Jahrhundert verfließen: so wird man nie

geträumte Verwandlungen in den Staatsverhältnissen Europens wahrnehmen;

_Kanella, Holland, Brabant, Frankreich, Pohlen, Ost- und Westindien_ werden

unter den Händen der schwarzen Brüder neue, dem menschlichen Geschlechte

wohlthätige Formen gewinnen. -- Ihr zweifelt?«

»»Ich erstaune!«« rief _Bruder Vinzenz_, und schlug die Hände zusammen.

»Wenn Ihr wißt, daß wir aus unsrer Mitte die Männer liefern, welche die

interessantesten Rollen im Staate zu spielen haben; die Räthe zum

christlichen Ministerio, Konsisiorio, Militair, Schulwesen, und so liefern;

wißt, daß Schriftsteller, Hofleute, Aerzte, Bischöffe, Lehrer,

Prinzenerzieher, Buchhändler, Kapitalisten, Kriegsleute, Schauspieler unsre

Genossen sind, die _eine Kette_ in _vielen_ aneinanderhängenden _Gliedern_

ausmachen, so denke ich, werdet Ihr nicht mehr zum Erstaunen Ursach haben.«

»»Aber wie,«« entgegnete bestürzter, als je, der _Graf_: »»wie ists

möglich, daß Männer von so verschiednen Talenten und Launen für den

schwarzen Bruderbund gewonnen, festgehalten, und an _einem_ Ziele

hingestimmt werden können?««

»Eben ihre _Talente, Schiksale_ und _Launen_ sind es, deren wir uns

bedienen, sie an uns zu ziehn, und festzuhalten!« erwiederte der _Redner_:

»Denket an _Euch_! _Holder_ ließ Euch einen Traum von zween Tagen träumen;

ein Schlaftrunk brachte Euch in unsere Gewalt; berauschende Getränke

schlossen uns Euern Karakter ganz auf; wir gaben Euch durch mancherlei

Maschienerien diejenige Seelenstimmung, welche wir wollten; wir enthüllten

Euch, so viel Ihr anfangs wissen dürftet, um lüstern nach mehrern

Offenbarungen zu werden. Euer Traum war vorbei. Wir beobachteten Euch nach

demselben; Ihr gewannet unsern Beifall, Euer Schiksal an Adolfs Hofe machte

Euch ganz zu unserm Eigenthum. Jezt seid Ihr unser, so wie wir Euer, Ihr

werdet gern zur Ausführung unsrer wohlthätigen Absichten für die Menschheit

stimmen, wenn Ihr anders das Biederherz in der That besizzet, welches Ihr

zu besizzen durch mehr, als eine, Handlung zu verrathen gabet. -- Und so,

Vinzenz, wie _Ihr_, auch _tausende_. Glaubt mir, _es ist nichts leichter,

als Menschen zu erobern und an Entwürfe festzuschmieden, wenn man ihr

Temperament zur Kette für sie macht!_«

Florentin. Aber wie mag nun dieser ungeheure Koloß zur Bewerkstelligung

_einer einzigen_ großen Absicht hingeleitet werden? Sollten nie

Uneinigkeiten unter Euch herrschen? sollte in Eurem Bunde das Sprüchwort

zum erstenmahle lügen: viel Köpfe, viel Sinne?

Redner. Uneinigkeiten sind nach der Einrichtung unsere Bundes _unmöglich_.

Die weisesten, edelsten, leidenschaftslosesten Männer machen das kleine

Corps unserer Obern aus -- und wo die Leidenschaft _schweigt_, findet sich

das _Gute_ und die _Wahrheit_ bald. Sodann gehn die Befehle von dem Munde

der Regenten an die einzelnen Bündner, und zwar so, daß jeder _Kopf_ etwas

_seinem_ Sinne behagliches zur Ausführung empfängt. Jeder Befehl ist weiter

nichts, als die _besondre_ Aufmunterung zu einer _jezt vorzüglich

nothwendigen guten That_. Jeder _Kopf_ wirkt nun nach seinem _Sinn_ wie wir

es wünschen im Staatsrathe, in dem Sinedrio, in Parlamenten, in

Reichsversammlungen, Landtägen, Kirchen, Schulen, Schriften, Schauspielen

-- kurz von allen Seiten her wirkt alles nun nach _einem_ Mittelpunkt hin.

--

Florentin. (begeistert) Man sagt in der gewöhnlichen Welt; der Flug des

menschlichen Geistes sei in unsern Tagen kühn und erhaben, aber, bei Gott,

hier däucht mir jede große That, wie Knabentändelei gegen das Werk eines

Riesen.

Redner. Ihr scheint außer Euch zu sein, Vinzenz, schon berauscht zu sein

vom ersten flüchtigen Abschlürfen des Bechers, welchen wir Euch reichen --

wie wird es werden, wenn Ihr ihn ganz auszuleeren Erlaubnis und Macht

empfanget?

Florentin. Also harrt meiner noch eine Zeit, welche viel grössere

Geheimnisse abschleiern kann?

Redner. Wohl harrt sie Eurer!

Florentin. Ihr stürzt mich von einem Erstaunen ins andre; ich komme nicht

zu mir selber.

Redner. Glaubet mir, Bruder, daß zwischen Erd und Himmel noch _Wahrheiten_

und _Möglichkeiten_ im geheimnisvollen Dunkel wohnen, noch _Sinne_ für

_gewisse Dinge_ vorhanden sind, von welchen der großen Schaar hochgelahrter

Akademisten und Stubengelehrten noch nicht die flüchtigste Muthmaaßung

angeschwebt ist! -- Doch vor izt habet Ihr genug erfahren; große Handlungen

bahnen Euch den Weg zu erhabnern Einsichten. Amen!

_Florentins_ Bestürzung läßt sich unmöglich beschreiben. Man hörte auf zu

ihm allein zu reden, sondern die Unterhandlung wurde wie vorher,

gemeinschaftlicher, lebhafter. Nur _Florentin_, mit unter einander

geschlagnen Armen, in tiefer Betrachtung herabgesenktem Haupte, stand

unbeweglich da auf seiner Stelle, und achtete nicht auf das, was um ihn her

vorging.

Einer der _Schwarzen_, der höhern Ranges im Bunde zu schien, schlos sich

jezt an ihn:

»Die Zeit unsers Beisammenbleibens ist kurz; vergrabet Euch nicht in Euch

selber, Vinzenz, sondern benuzzet die flüchtigen Minuten!«

Florentin. Gott! sollt' es möglich sein alles das, was ich so eben gehöret

habe? -- Ist die Gewalt unsers Bundes in der That so groß?

Ein Schwarzer. Unstreitig.

Der Redner. Jeden Zweifel in Eurer Brust zu tödten ist unsre und Eure

Pflicht; unbegränztes Vertrauen auf die Macht der schwarzen Brüder ist Euch

nothwendig. Fordert deswegen von dem Orden ein Beweisstük dessen, was ich

Euch im Namen der Brüder vortrug.

Florentin. (zurükgezogen) Ich fodre nicht, -- ich zweifle nicht mehr.

Der Redner. Ihr sollt durch Thatsachen überführt werden, daß wir nur

Wahrheit reden und nicht prahlen können. Wünschet!

Florentin. Ich -- doch nein, jeder Wunsch würde beleidigenden Verdacht

äussern müssen.

Viele Brüder. Verlanget! wünschet! wir bitten Euch.

Florentin. (stokkend) Führt mir die liebenswürdige Schwester des Herzog

Adolf, und wenn auch nur auf eine kurze Zeit, zu.

Der Greis. (lächelnd) Mehr nicht?

Florentin. (staunend) Ich befürchtete, um eine Unmöglichkeit gebeten zu

haben.

Der Greis. Ihr habt jezt, weil Ihr von allen andern Verbindungen durch Eure

Landesverweisung abgerissen seid, für den Orden, in Sachen der

_menschlichen Freiheit_, eine ansehnliche, baldige Reise vor Euch. Diese

läßt sich unmöglich aufschieben -- aber auch in fremden, ziemlich

entfernten Landen soll Euch Euer Wunsch gewährt werden.

Florentin. Wann -- wann soll ich die Prinzessin Louise sehn?

Der Greis. Dann, Vinzenz, wann Euch Erquikkung nach der Arbeit noth ist. --

Dies könnte wohl bald geschehn!

Florentin. In einem entlegnen Lande die Prinzeßin wiederfinden? Ist das

möglich?

Der Greis. (ihm die Hand drükkend) Vertrauet uns!

Einige der Schwarzen. Der Morgen graut! laßt uns zum Ziele eilen!

Der _Greis_ nahm sogleich seinen Thronsessel von neuem ein; die schwarzen

Brüder stellten sich um denselben schweigend hin und der _Redner_ führte

abermals den _Grafen_ vor den _Greis_ und die Versammlung.

»Laut Nachrichten, die wir von dem Obern empfangen,« begann der _Redner_:

»beläuft sich die Zahl der schwarzen Brüder in Kanella nicht hoch. Es sind

ihrer nur zehn; seit dem Tode Borsellinos noch _neun_. Die Zahl derselben

muß vermehrt, und Kanellas despotische Regierungsform umgeschmolzen werden.

Die Bürger Kanellas bedürfen eines Anführers, um frei zu werden,

loszuschütteln die angelegten Ketten, zu zerschmettern den Thron, um

welchen die Elenden, als Sklaven kriechen. -- Vinzenz, wir haben Euch

geprüft! Ihr seid zum Befreier Kanellas berufen?«

Florentin. (den Redner anstarrend) Ich _berufen_?

Redner. Verhüllt Eure Talente, Eure Wissenschaften, Euern unternehmenden

Geist nicht vor uns in den unnüzzen Mantel der Bescheidenheit -- Kanella

hofft von Euch Freiheit.

Florentin. Werd _ich_ sie dem unglüklichen Staate geben können? -- An Muth

mangelts dieser Brust nicht, ein solches gefährliches Wagstück zu wagen;

schon der Gedank' ist begeisternd, es zu unternehmen, was nur die größten

Männer je unternahmen, wenn auch eignes Unglük nothwendig an das Glük

Kanellas gebunden läge -- aber -- -- --

Fünftes Kapitel.

Etwas für Republikaner.

Ich weis nicht, ob ich nicht mancher meiner Leser -- ermüden würde, wenn

ich ihm von den politischen Plänen der schwarzen Herrn vorplauderte; ich

weis aber auch nicht, ob ich manchem gefallen könnte, wenn ich die Gründe

des schwarzen Bundes zu Staatsreformen verschwiege -- beiden also ein

Genüge zu thun, widme ich diesem Stoffe ein eignes Kapitelchen, welches nun

nach Belieben zu lesen oder zu überblättern ist.

_Florentin_, der düstre, wilde _Florentin_, welcher so unglüklich war,

Alles zu verlieren, was ihm hienieden Seeligkeit war, eine Geliebte, viele

Freunde und Freundinnen, Verwandte, Vaterland, Aussichten in ein

Thatenreiches Leben zu verlieren; _Florentin_, dessen brennender,

unersättlicher Durst nach Ruhm und großen Handlungen aus jeder seiner

ehmaligen Absichten zu erkennen war, und welcher jezt in der Mitte von

Männern, die mit ihm so sehr in diesem Punkte harmonirten, doppelt anwuchs;

_Florentin_, der jedes, auch das geringste Elend des Menschen so innig

mitfühlte, der aus jenem erkünstelten, wachendgeträumten Traum einen

fürchterlichen Haß wider alle fürstliche Despotie eingesogen hatte --

dieser _Florentin_, sage ich, konnte unmöglich länger einem Antrage

widerstehn, der so sehr allen Gefühlen, Affekten und Leidenschaften in ihm

schmeichelhaft klang.[A] -- Er hätte lieber aufjauchzen mögen im Hoch- und

Frohgefühl seiner Seele, bei dem Zuruf der _Schwarzen_: »seid Kanella's

Retter!« als einen unnatürlichen Widerwillen oder Gleichgültigkeit zu

simuliren. -- Er konnte nicht lange diese Maske tragen; er warf sie ab und

alle Anwesende riefen ihm Beifall und Glükwünsche.

[Fußnote A: Hier hatte der Orden praktisch bewiesen, daß nichts leichter

sei, als jemanden am Zaum seiner Neigungen zu einem beliebigen Ziele

hinzuleiten!]

Der _schwarze Redner_ aber reichte ihm ein versiegeltes Paket Schriften,

welches fernerweitige Instrukzionen des Ordens bei dieser seiner Operation

enthielt, welche der _Graf_ zu sich nahm, und worauf jener so eine Apologie

dieser Handlung des Ordens anhub:

»Brüder, der Zwek unsers alten Bundes wars immer: Beförderung menschlicher

Glükseligkeit, sie zu bewachen in einzelnen Personen und im Ganzen. Der

feinsten Moral wird durch diesen Grundsaz nicht wehe gethan, eben so wenig

durch die Mittel denselben anwendbar zu machen!«

»Und wenn nun ein ganzes Volk unterm Tyrannenjoche seufzend, seine Rechte

zertreten, seinen Handel und Gewerbe blütenlos, seine Freuden vernichtet

sieht -- sollte solch ein Gegenstand, welcher das Gefühl jedes Menschen

empört, nicht auch unser Erbarmen rege machen? Freiheit ist nun einmahl der

Natur schönstes Vermächtnis an den Sterblichen, darf ein Mensch dieses dem

andern gewaltsam oder listigerweise rauben? Sklaverei ist der Tod alles

irdischen Glüks! --«

»Zwar hat das Volk seinem Fürsten gewisse Rechte zuerkannt, aber nie das

Recht der allgemeinen Freiheitsräuberei. Das Volk ist nicht um des Fürsten

willen, sondern der Fürst um des Volkes willen vorhanden.«

»Jeder Staat ist an sich eine Republik; bürgerliche Ordnung und Sicherheit

zu erhalten mögen _mehrere_, oder _einer_ die Aufsicht über das gemeine

Wesen haben, -- gleichviel, wenn nur die Beschüzzer der Ordnung und Ruhe

ihre Pflicht erfüllen, daß Gott und Menschheit zufrieden sein dürfen. Wie

aber, wenn das Gegentheil eintritt? soll da das Volk verzweifeln und

schweigen? soll der zertretne Wurm sich nicht krümmen dürfen unter den

eisernen Fersen der Grausamkeit? soll das freigebohrne Volk seine geraubte

Freiheit nicht wiederfodern dürfen?«

»O, es müssen viele Szenen vorangehn, ehe die Nazionen sich auflehnen, ehe

die Liebe zu ihren Beherrschern ausgetilgt wird! Nur die _Verzweiflung_

wagt erst einen solchen Schritt, aber dieser ist dann auch desto

_fürchterlicher_!«

»Nur erst, wenn jede andre Hoffnung dem bedrängten Volke entschwindet, wenn

eine ganze Reihe von Tyrannen und Tyranneien die Geduld desselben ermüdete,

wenn neue Neronen zum Ruin des Landes ausgebildet, die traurigste Aussicht

in die Zukunft darstellen, nur dann erst ist das Volt berechtet,

eigenmächtige Veränderungen in seiner Regierung vorzunehmen.«

»Brüder, sehet auf manche Staaten Europens -- und fühlet Ahndungen. Nicht

vergeblich hat der Orden der schwarzen Brüder allenthalben und durch

mannigfache Mittel den Geist der Freiheit auszubreiten gesucht -- nicht

umsonst sind dadurch hie und da kleine Revolten entsprungen; alles dies

geschah die Landesherrn aufmerksamer auf ihr, ihnen vom Volke anvertrautes,

Amt zu machen, wehe ihnen, wenn sie diese unsre Winke mißverstehen!«

»Hätten alle Nazionen nur _Josephe_, _Friedriche_, und _Wilhelme_ auf ihren

Thronen, o, so würde nie ein Miston in die Hymnen derselben auf ihre

Fürsten einschleichen! Aber mancher Staat ist unglüklich genug, einen

_Piedro_, einen _Ludwig_ als seinen Landesvater verehren zu müssen,

unglüklich genug noch eine ganze Reihe von _Piedronen_ und _Ludwigen_

erwarten zu müssen, -- darum, Freunde habet auf die Folgen wohl acht!«

»Auf, Vinzenz, flieget nach Kanella, feuert den Genius des Volkes wieder

an, groß und liebenswürdig zu sein, wie ehmals; durchspähet die Intriguen

der Mittyrannen Piedros, wiegelt Volk und Fürsten gegen einander auf,

verlieret eher Euer Leben, als Euern Muth. Freilich ist der Kampf zwischen

Sklaverei und Freiheit schreklich, er wird mit Bürgerblut verbunden sein;

aber der Staat laborirt an einer Todeskrankheit, Ihr seid der Arzt; laßt es

immer hin zur furchtbaren Krisis kommen, die Krankheit muß sich brechen.

Eilet hin, _Piedros_ Grausamkeiten ein Ziel zu sezzen, -- ein andrer soll,

später oder früher _Ludwigen_ ein Gleiches thun![A]«

»Aufklärendes, herrliches Jahrhundert, du erschienst den Erdbewohnern in

einem glänzenden Gefolge -- führst du uns nicht auch die goldne

republikanische Freiheit zu? -- Geht, Vinzenz, wir sehen im Geiste einen

schönen Ausgang Eurer Unternehmungen zuvor. Und sollte Euer Muth

erschlaffen: so suchet in den Jahrbüchern der Welt die seligsten Perioden

der meisten Völker auf, Ihr werdet sie finden unter der Rubrik:

_republikanische Staatsverfassung_. Forschet dann nach den traurigsten

Zuständen der meisten Völker, Ihr findet sie größtentheils unter der

Regierung monarchischer Despoten. _Rom_ und _Griechenland_ sanken, als sie

nicht mehr frei waren, die _nordamerikanischen Freistaaten_ stiegen empor,

da sie frei wurden!«

[Fußnote A: Die _schwarzen Herrn_ sind fürchterliche Worthalter; wem ist

Frankreichs jezzige Lage, _Ludwigs_ mislungene Flucht aus seinem Reiche

unbekannt?]

»Gegen einen _Numa, Titus, Mark Aurel, Alraschid, Nusirvan, Heinrich_ IV.

_Friedrich_ II. _Joseph_ II., _Fr. Wilhelm_ II. findet Ihr immer zehn

_Alexanders, Solimanne, Tarquine, Neronen, Kaligulas, Herodesse,

Genserichs, Christierne, Mulei Ismaels, Karl_ XII., _Philippe_ II. u. s. w.

Gelüstet Euch zur Belustigung von _Bluthochzeiten_, oder Greueln eines

_Alba_ zu lesen: so forschet in den monarchischen Regierungen nach. Und

erwacht dann nicht Euer Muth, empört sich dann nicht Euer Herz, erglühet

dann nicht Euer Busen vom Thatensüchtigen, Hülfe und Rettung suchenden

Erbarmen: so habt ihr nie an den Brüsten einer Sterblichen gesogen! -- Auf,

es lebe die Freiheit, sei es in Demokratien, oder weisen Monarchien![A]«

Der _Redner_ riefs, und die Versammlung der _schwarzen Brüder_ stimmte

Tutti ein: es lebe die Freiheit! die Gläser wurden geschwänkt, Gesänge der

Freiheit wurden gesungen, und, trunken von lieblicher Schwärmerei schied

man beim Anbruch des Morgens auseinander. In einer Chaise des Forstmeisters

_Blattrabe_ traf _Florentin_ an eben dem Tage wieder zu _Munchenwall_ ein.

[Fußnote A: Meints der schwarze Redner _so_, wer wird da nicht freudig

mitrufen: es lebe die Freiheit!? -- Und wenn er mit dem vorigen sagen will,

daß Laune eines Fürsten oft _tausende_, dahingegen die Laune eines

republikanischen Volkes nur _einzelne_ Bürger elend machen kann: so wird

ihm niemand Unrecht geben.]

Sechstes Kapitel.

Die Eremitage.

Keiner war lustiger, als der ehrliche _Badner_, da er seinen Herrn

wiederkommen sah.

»Wars mirs doch schon gewaltig bang' um Sie!« rief er ihm entgegen: »ich

dachte, hohl' mich, straf mich! unser gnädiger Herr hat ein unglükliches

Abentheuer gehabt, siehst ihn gewis nicht vergnügt wieder!«

»»Du hast dich diesmahl unnöthig geängstet!««

»Hab ichs? nun, meiner Sixt! das freut mich.«

Der alte, gute Mann lief jezt Trepp an, Treppe nieder, seinem Grafen alle

Wünsche zu erfüllen, die er nur aus dessen Blicken zu lesen glaubte.

Nachdem sichs _Florentin_ bequem gemacht, und _Badner_ die Schokolate

besorgt hatte, mußte sich der leztre zu ihm niedersezzen.

»Höre, Badner,« _Florentin_: »bezahl' unserm Wirthe die Rechnung, sorge für

alles, was zu einer ziemlich langen Reise nothwendig ist, pakke ein, und

halte alles bereit, damit wir Morgen in der Frühe Munchenwall verlassen

können.«

Badner. Gehts wirklich schon fort? -- scharmant! mir behagts auch meiner

Treu in diesem Neste nicht mehr.

Florentin. Aber wirds dir auch dort behagen, wohin ich jezt reise, und wo

ich wahrscheinlich mehr als ein Jahr zubringen werde?

Badner. Das ist --?

Florentin. In Kanella.

Badner. Hu, so weit vom deutschen Vaterlande?

Florentin. Meine Pflicht ruft mich dahin.

Badner. Gnädger Herr, Sie wissen doch daß es dort in jezzigen Tagen ein

unsichers Leben ist?

Florentin. Ich weis es.

Badner. Der Herzog soll ja, wie die Zeitungen lauten, ein leibhaftiger

Behemot sein!

Florentin. Eben deswegen.

Badner. Wie? Sie werden sich doch nicht in die Händel dort hineinmengen

wollen?

Florentin. Vielleicht.

Badner. Ei! ei!

Florentin. Willst du mit mir? willst du da Glük und Unglük einige Jahre mit

mir theilen?

Badner. (sich hinter den Ohren krauend) Wenns nur im heiligen deutschen

Reiche wäre -- aber, meiner Sixt, die Kanelleser sind heuer gar nicht

aufgelegt, einem das Leben angenehm zu machen.

Florentin. Zwingen will ich dich nicht, mir zu folgen. Willst du bleiben im

Vaterlande, so widerstehe ich dir nicht, ich bezahle dir meine Schuld, gebe

dir Empfehlungen, so viel ich geben kann, und scheide von dir, als Freund.

Badner. (bieder) Nein, gnädiger Herr, ich folge; und wenn sie zu den

Hottentotten gingen, ich folgte. Verlassen will und kann ich Sie nicht. --

Wollen Sie mich behalten?

Florentin. Eine unnöthige Frage, lieber Badner!

Badner. Na, so bin ich der Ihrige mit Seel und Leib bis an mein seelges

Ende. Ich gehe in Gottes Namen mit Ihnen aus Deutschland, -- zurükbringen

werden Sie mich wohl nicht wieder.

Florentin. Frag Gottholden, ob er Lust hat nach Kanella zu gehn, weigert er

sich, so zahle ihm seinen vollen Lohn aus.

Badner. O, der bleibt bei uns! -- na, allons, eingepakt, 's geht risch nach

Kanella!

Der _Alte_ entfernte sich froh gelaunt; _Florentin_ erbrach das Paket,

welches er in der nächtlichen Versammlung der schwarzen Brüder empfangen

hatte und las mit Begierde alles darin, was lesbar hies.

Was für uns beinahe nicht weniger Interesse darunter haben könnte, als für

_Florentin_, theile ich mit. Erstlich ein Empfehlungsschreiben Sr. Herzogl.

Durchlaucht, _Adolfs_, an den Hof zu Kanella. Dies hatten die _schwarzen

Brüder_ vom Herzog _Adolf_ für den Grafen von _Duur_ ausgewirkt.

_Florentin_ verwunderte sich bas ob dieser Erscheinung, denn dies schien

offenbar zu verrathen, daß auch sein ehmaliger fürstlicher Freund unter die

fürchterliche Anzahl der schwarzen Brüder gehöre. Und überdies war es an

sich nichts Unmögliches, weil _Adolfs_ politisches Interesse durch eine

solche Verbindung schlechterdings Nuzzen gewann. Und warum hätten die

Schwarzen nicht einen so guten Fürsten unter sich aufnehmen sollen, und

können, da sie hier eine wichtige Stüzze erhielten, und es nicht grössere

Mühe kostet einen Fürsten in ein gewisses Interesse zu verspinnen, als

einen andern Menschen? Kurz, es war ungemein wahrscheinlich! -- Das

Empfehlungsschreiben mußte zu seiner Zeit die gewünschte Wirkung

hervorbringen, um so mehr, da _Adolf_ mit dem Geblüte _Piedros_ weitläuftig

verwandt war.

Ich könnte hier noch die besondern Instrukzionen des Ordens erwähnen, oder

der Wechselbriefe, welche Florentinen im Fall der Noth zum Herrn

ansehnlicher Summen machen konnten; aber ich schlüpfe über das alles

stillschweigend hin, weil die Folgen der Instrukzion und Wechsel vielleicht

künftig sichtbar werden werden, und gehe zu einem Briefe über, den Freund

_Holder_ aus Sorbenburg geschrieben, und mit zwei Miniaturgemälden,

_Holdern_ und _Louisen_ vorstellend, beschwert.

»_Lieber Graf!_«

»Ich bin izt von einer kurzen Reise heimgekommen, setze mich sogleich hin

und schreibe dir, weil ich wünsche, daß dich dieser Brief noch in

Munchenwall antreffen mögte. -- Du gehst also nach _Kanella_? Glük zu,

Bruder! ich denke du wirst dort in deinem Elemente leben, denke, daß die

Zerstreuungen daselbst dich von den melancholischen Anfällen des etwannigen

Heimwehs heilen werden.«

»Die Rolle, welche du zum Spiel übernommen, ist gefahrvoller, als die

gefährlichste bisher gespielte. Siehe, dich vor; bewache dein Leben, wenn

du noch lüstern bist, mit mir nach einigen Jahrhunderten wiederum einmahl

diese Erdenwelt zu bewandern -- und nirgends steht dein Leben mehr dem Tode

nahe, als zu Kanella. -- Hüte dich!« --

»Gott, wenn wir alle hier in Sorbenburg dich einst, als den Befreier

Kanellas umarmen sollten! -- kannst du dir mit der üppigsten Fantasie eine

wollustvollere Szene vorträumen? -- Geh, junger Mann, sei gros! mußt du

gleich einen wichtigen Theil deiner schönsten Lebensfreuden einbüßen, mußt

du gleich fern von einer angebeteten Fürstin, fern von dem guten Rikchen,

fern von dem braven Onkel und deinem Holder wohnen, o so wird doch die

Nachwelt, werden auch die Zeitgenossen dich seegnen, der du lieber selber

ein Leidender warst, um die Leiden eines Volkes zu enden! --«

»Aellmar schrieb mir, daß du mein Bildnis zu besizzen wünschtest -- ich

schikke dirs, und noch ein andres, welches dir gewis tausendmahl angenehmer

sein muß -- _Louisens_ Bild. Ich habe sie gesehn; Florentin, nein, du bist

kein Sünder, daß du sie liebtest und liebst! Sie ist zurükgekehrt an den

herzoglichen Hof und wieder, wie einst, die Seele, desselben geworden.

Aber, wie mich dünkt, ists nicht mehr das feurige lachende Mädchen, -- eine

sanfte Schwermuth wohnt in ihrer Seele, strahlt aus ihren Blikken, aus

ihren liebezeugenden Mienen hervor. Weißt du's schon -- doch wie solltest

du nicht? -- daß sie -- daß sie von einem Knaben entbunden worden, dessen

Vater du Ueberglüklicher bist? -- Ich habe das Kind gesehn -- Florentin,

ich glaube dich in einen jungen Abkömmling der Menschheit verwandelt zu

erblikken. Es ist dir ganz ähnlich, und blüht in voller Gesundheit. -- Wenn

du einst heimkehrst über Jahr und Tag, o Bruder, und der Knabe (_Karl_

heißt er) dir entgegenspringt, und dein Onkel, und ich mit meinem Weibchen

dich auf immer in unsre Mitte aufnehmen -- wenn wir dann wieder da liegen

auf dem bekannten Hügel, wo wir sonst den Sonnenaufgang und Untergang

betrachteten, oder wir im Garten, wo du unter dem Fliederbaum so gern

träumtest, umherwandeln, -- -- nein, Florentin, ich breche ab, -- die

Freude über deine noch so entfernte einstige Wiederkunft macht mich

schwärmen. Leb wohl! -- wir alle sind gesund hier, und glüklich, so sehr

wir es ohne dich sein können. Noch einmahl, mein Bruder, leb wohl. Die

Zeitungen und Journale werden mir wahrscheinlich bald von dir mehr sagen,

als deine Briefe. -- Nun, es lenke der Arm des Schiksals alles wohl,

gedenke oft deines

_Holder_«

Wie wär' es möglich gewesen, daß _Florentin_ diesen Brief hätte lesen

können, ohne von den traurigsten und schmeichelhaftesten Empfindungen

gequählt und entzükt zu werden? Mit heisser liebender Inbrunst drükte er

wechselsweis _Louisens_ und _Holders_ Bildnisse an seine Lippen, er dachte

sich nun alle Szenen zurük, welche ihm in der Gesellschaft dieser schönen

Seelen verflossen waren, dachte hinaus in die Zukunft, wo er sie vielleicht

nicht wieder genießen würde, und übermannt von Lust und Wehmuth entquollen

seinen Augen ein paar sprechende Thränen.

Am folgenden Tage verließ der _Graf_ mit seinen Getreuen das interessante

Munchenwall. Ohne Verzug strich man quer durchs deutsche Land, und gesund

langte man auf die äussersten Gränzen desselben an.

_Badner_ hielt seinen Gaul an, schob sich den runden Hut von der Stirn, und

nahm mit seinen Blikken rührenden Abschied von den geliebten

vaterländischen Gegenden. Die Sonne sank unter; die Landschaft war

romantisch schön. Dies bewog auch den _Grafen_ still zu halten,

abzusteigen, einen Felsen hinanzuklettern und da unter einer Fichte sich

hinzulagern, in deren Wipfel feierlich der Abendwind säuselte. _Badner_

that desgleichen, kroch zu seinem Herrn hinauf und legte sich neben ihm

nieder. _Gotthold_ blieb allein unten.

»Ade, ade! deutsches Mutterland; habs nicht geglaubt, daß ich noch hinaus

wandern würde im Alter über deine Gränzen, -- aber das Schiksal hat oft

wunderliche Launen!« rief _Florentins_ Reisegesell, und murmelte noch

einige Worte vor sich nieder.

Florentin. Sei ruhig, Badner, lacht nicht Gottes Sonne allenthalben schön?

-- Sieh doch hinaus, wie prachtvoll sich jene Gegenden vor uns hinlagern,

jene Gegenden, in denen wir bald heimisch sein werden! Sieh dort die

niedlichen Berggruppen, die schwarzen, buschreichen Thäler, und droben über

den kühn himmelangethürmten Felsen das rothflammende Wolkengebürge

schweben.

Badner. Ach, gnädiger Herr, ich bitte Sie, sehn Sie doch hinter sich die

Straße hinab, welche wir daherzogen -- das ist noch deutsches Land!

Florentin. Eine traurige, weitläuftige, die Augen ermüdende Ebne, sandigt

und dürr -- nirgends ein Wäldchen, nirgends ein Hügel, nirgends -- --

Badner. Ja, ja, Sie haben recht! aber, dort hinten ragt ein einsames

Gesträuch hervor, und da muß sichs doch schön drunter ruhen lassen; bei

Gott, schöner als in jenen fremden, buschigten Thälern. Der angenehme

deutsche Strauch würde mir angenehmere Kühlung verleihen, es würde mir

drunter sein, wenn der Wind durch ihn spielte, als spräche er zu mir: ruh

aus alter Badner, du bist ein Sohn meines Landes, schläfst hier sicher! --

bei Gott, so würde mirs sein.

Florentin. Wir werden wieder heimkehren ins Vaterland.

Badner. Werden! -- und wann?

Florentin. Zu seiner Zeit.

Badner. Zu seiner Zeit! (ernstvoll) zu seiner Zeit!

Indem sie noch mit einander dies und das plauderten, und sie einander ihre

Seelen unwillkürlich trüber stimmten, wurden sie gewahr, daß _Gotthold_ mit

einem fremden Manne sprach. Sie sahen, daß _Gotthold_ nach ihrem Felsen

herauf zeigte, daß er heftig mit den Händen gestikulirte, drohte und mit

dem Fremden in einem unangenehmen Wortwechsel verwikkelt sein müsse.

Jach sprangen _Florentin_ und _Badner_ auf; so eilend, als möglich stiegen

sie hinab, nun flogen sie hin zu ihrem Reisegefährten.

»Was ist hier?« schrie _Florentin_, indem er herbei kam.

Gotthold. Ein Räuber!

Fremder. (zugleich) Ein Bettler und Grobian!

Gotthold. (aufgebracht) Der Kerl macht Ansprüche auf unsre Mundprovisionen.

Fremder. Ich bat darum.

Gotthold. Wills uns mit Gewalt abnehmen.

Fremder. (trozzig) Wird und muß geschehn, wenn man mirs nicht giebt, was

ich will.

Florentin. (mit Ernst) Mensch, was treibt dich uns auf der Landstraße

anzugreifen?

Fremder. Herr, der Hunger.

Florentin. (zu Gotthold) Reich ihm von unserm Speise- und Weinvorrath.

_Hunger_ ist ein fürchterlicher Treiber. Wes Landes bist du?

Fremder. Kanella's.

Florentin. Verstehst du kein andres Gewerbe, als Menschen anzufallen?

Fremder: (mit großer Eßlust die dargebotnen Speisen verschlingend) Ich habe

Hunger.

Der _Graf_ lächelte über die Sonderbarkeit des Menschen, welcher ihm seine

unzeitigen Fragen so trokken verwies, lies ihn sich sättigen und fuhr in

seiner Unterredung fort mit ihm.

»Ich war ehmahls,« erzählte der _Kanelleser_: »ich war ehmals ein Bürger,

in einer von den Vorstädten Kanellas ansässig, hatte mein Haus und Gut und

ein herrliches Mädchen zur Braut. Die vielen und ewigen Abgaben brachten

mich zurük, ich verlor dadurch einen ansehnlichen Theil meines Vermögens;

ein Kammerdiener des Fürsten verführte meine Verlobte, -- sie wurde

schwanger, und ich bei der ersten Nachricht davon rasend. Der Schurke,

welcher mir meine _Ladda_ geschändet hatte, kam mir einst auf der Straße

entgegen; jach fuhr ich mit der Hand in die Tasche, riß ein Messer hervor,

und schnitt dem Buben den Anfangsbuchstaben, meiner _Ladda_ ins Gesicht.

Ich wurde gefänglich eingezogen, mein Vermögen verprocessirt, und ich nach

jahrlangem Gefängnis, als ein Bettler, entlassen. So wollten mich meine

Verwandte nicht mehr kennen, -- was sollt ich thun, um nicht vor ihren

Thüren betteln zu gehn? -- ich verlies das heillose Kanella, siedelte mich

hier in der Nachbarschaft an, wo ich nun vom Vogelfangen, Quirlschneiden

und Korbmachen lebte. Ein kümmerliches Leben, -- oft fehlt' mirs trokne

Brod, und dann bettl' ich. Heut bettelte ich, bekam nichts, und um nicht

Hunger zu sterben, mußt ich Gewalt drohen. Das ist meine Geschichte und

mein Name _Dulli_.« --

Der edle _Duur_ mit seinen Dienern hörten mitleidig die Geschichte des

Unglüklichen an; jeder von ihnen zog die Geldbörse hervor und jeder gab, so

viel er geben konnte.

»Ho!« rief _Dulli_: »was fehlt mir nun noch? womit soll ich danken?«

Florentin. Daß du uns den nächsten Weg zum bequemsten Wirthshause zeigest.

Dulli. Wenn Ihr nicht die Nacht hindurch traben wollet; so werdet Ihr

ausser einigen elenden Dörfern 3 Meilen in der Runde nichts Gutes finden.

Doch, still, behagts Euch, so nehmt bei mir Herberge in meiner Einsiedelei.

Eßlust soll Euch da die Speisen würzen, Müdigkeit und eine weiche Streu

Euern Schlaf. Für die Pferde ist Grasung noch vorhanden, und für Eure

Unterhaltung meine Person und die lustige Thalgegend.

Florentin nahm nach einigem Bedenken das Anerbieten an; man sezte sich zu

Pferde und folgte dem Eremiten zu seiner Eremitage nach, die in der That

angenehm umgegnet war, wenn mir der Ausdruk erlaubt ist.

Siebentes Kapitel.

Florentin in Kanella.

Der Abend war schön, die Landschaft begeisternd unterm Rosenscheine, --

_Florentins_ Seele hochgestimmt zu lieblichen Empfindungen; darum blieb er

lange bis in die sinkende Nacht mit dem sonderbaren _Dulli_ vor dessen

Hütte sizzen.

Ihr Gespräch bezielte vornämlich die ewigen Unordnungen in Kanella;

_Florentin_ suchte vom _Dulli_ den Geist der Kanelleser zu studieren; er

lies sich Adel und Volk durch einzelne Anekdoten karakterisiren, und erfuhr

aus alle dem so viel, daß jenen Unglüklichen, welche vom Druk einer ganzen

Reihe Despoten schier zu allem Großen entnervt waren, nur ein schlauer,

kalter Wagehals mangelte, um die Ketten zu sprengen, das Joch abzuwerfen,

den Tyrannen zu stürzen.

Florentin. Dulli, begleite mich dahin.

Dulli. (ihn angaffend) Nach Kanella?

Florentin. Nach Kanella.

Dulli. Mag ich nicht. Habt Ihr denn noch nicht genug gehört, um Abscheu

wider Kanella zu fassen?

Florentin. Nein, ich bin nur doppelt gereizt dahin zu eilen.

Dulli. Bei Gott, das versteh' ich nicht.

Florentin. Kehr' in meinem Gefolge nach deiner Vaterstadt zurük.

Dulli. Nein. Ich hasse die Stadt. Meine Ladda lebt noch!

Florentin. Desto besser.

Dulli. Desto schlimmer.

Florentin. Vielleicht bist du im Stande deinem seufzenden Vaterlande zu

helfen.

Dulli. Helfen? -- hi, hi! schaden würd' ich, schaden! rächen würd' ich

mich, wo mir die Gelegenheit auch nur einen Finger, statt der Hand, böte.

Florentin. Desto besser, wenn du mit solchem Plan und solchem Muth nach

Kanella kämest.

Dulli. Was?

Florentin. Mir scheints, als würd' es bald zu großen Auftritten kommen, als

werde bald Blut vergossen werden, um die alte Freiheit wieder zu erringen.

Dulli. Sagt lieber, um den Strik fester zu drehen, welchen man der Freiheit

an den Hals legt.

Florentin. Ich stehe den Kanellesern wider ihre Tyrannen bei. -- Ich sage

dir, Dulli, komm mit mir!

Dulli. (lachend) Meint Ihr?

Florentin. Ein Mann deines Schlages fehlt mir.

Dulli. Nein, nein, schleppt mich nicht wieder zurük zu jener Schädelstatt

Kanella!

Florentin. Aber wenn du nun hören wirst, wie sich der Staat frei gemacht

hat, wie Piedro, wie Benedetto, wie Moriz und der ganze fürchterliche

Anhang geschlagen worden sind -- wenn du nun das hören wirst! -- --

Dulli. Das sollte mich doch ärgern, wär ich nicht dabei gewesen.

Florentin. Hast du Muth?

Dulli. Gebt mir ein Messer und ich schlage mich wieder zwei, drei Degen.

Florentin. Bist du treu?

Dulli. Wie Euch Euer Schatten.

Die schwarzen Brüder: Eine abentheuerliche Geschichte. 2/3 · 第 6 / 36 题