So ganz ohne weiteres kann der Satz für den Geschäftsreisenden nicht

Geltung haben. Was für einen Weltenbummler zutreffen mag, trifft nicht

auf ihn zu. Mag dort viel Gepäck eine Last sein -- unangenehm ist es

auch für den Geschäftsreisenden, unangenehmer ist es aber, wenn infolge

der Gepäckersparnis auf der Reise vermißt wird, was uns daheim eine

liebe Gewohnheit war oder zu unserer Bequemlichkeit sehr viel beitrug.

Der Reisende soll deshalb immer das +notwendige+ Gepäck mitnehmen.

Verursachen kleine Gegenstände, die man nicht entbehren mag, wirklich

ein um einige Kilo größeres Gewicht, so ist das zu ertragen. Wir haben

heute in den Eisenbahnwagen breite Gepäcknetze, die Gepäckfracht macht

nicht die stärkste Belastung aus, und wir haben eine Kofferindustrie,

die sich die vielen Erfahrungen unseres Reiselebens zunutze gemacht hat

und leichte, dabei doch dauerhafte Koffer auf den Markt bringt.

Der Wäschekoffer

(er dient, wie wir gleich sehen werden, durchaus nicht nur der

Wäscheaufbewahrung) muß leicht, dauerhaft, handlich, bequem und sofort

erkenntlich sein. Wenn man es irgend haben kann, so soll er nicht

größer sein, als für die Mitnahme im Eisenbahnabteil zulässig. Immer

geht das nicht an! Wer mehrere Anzüge und andere Bekleidungsstücke

doppelt mitnehmen will oder muß, der kommt mit einem sogenannten

Coupékoffer nicht aus. Wer aber nur wochenlang -- es können auch

wenige Monate sein -- reisen muß, der kann sich sehr wohl dieses

handlichen Koffers bedienen. Er ist dann nicht immer auf fremde Hilfe

angewiesen, sondern kann sich so, wie er will, fortbewegen. Die

Wäschekoffer können Rohrplattenkoffer sein, auch Ledertaschen werden

vielfach ausreichen. Die Rohrplattenkoffer sind besonders leicht und

äußerst dauerhaft. Einen ganz vorzüglichen Koffer kauft man bei einer

bekannten Firma in Leipzig. Die Rohrplatten, die zu den Koffern dieser

Firma verwendet werden, unterscheiden sich wesentlich von anderen

Erzeugnissen. Meistens wird die Rohrplatte mit Leim auf Segeltuch

und Leder geklebt. Es liegt auf der Hand, daß die Dauerhaftigkeit

durch die eintretende Spröde des Leims ungünstig beeinflußt wird.

Die Rohrplatten der Leipziger Firma sind jedoch derart, daß die

Rohrstäbe, ohne jeden Zusatz von Leim, dicht und fest in bestes

Flachssegeltuch eingewebt werden. Dadurch erhalten die Platten eine

sehr starke Widerstandsfähigkeit und Dauerhaftigkeit. Die Koffer

sind dabei -- was ein großer Vorzug ist -- sehr leicht, sie werden

für die verschiedensten Ansprüche hergestellt und die seitherigen

Erfahrungen haben weitgehende Berücksichtigung gefunden. Ganz verwöhnte

Reisende finden im „Kommodenkoffer“ alles, was sie nur immer von einem

Koffer verlangen können. Wer weniger große Ansprüche stellt, wird den

sogenannten 25 Kilo-Koffer, der nur 10,3 kg wiegt, wählen, wer sich

noch mehr bescheiden kann, greift zum Coupékoffer, der aus Rohrplatte

in ausreichender Größe 45 Mk., aus festgewalzter Faserstoffplatte, mit

Segeltuch bezogen, ebenfalls in ausreichender Größe, nur 25 Mk. kostet.

Der Koffer soll aber auch leicht erkenntlich sein, damit er sowohl

bei der Gepäckabfertigung als auch in gut besuchten Hotels leicht

herausgefunden werden kann. Es empfiehlt sich, ihn mit einigen farbigen

Streifen um deswillen versehen zu lassen.

Was soll nun der Koffer enthalten? Unbedingt einen Reserveanzug! Dabei

sei gleich auf einiges hingewiesen. Der Reisende muß Wert darauf legen,

daß sein Anzug nicht schmutzt, nicht „speckig“ wird und immer ein

feines Aussehen hat. Helle Anzüge scheiden deshalb ohne weiteres aus.

Schwarze Anzüge wird der Reisende, der praktisch denkt, auch nicht

tragen, blaue auch nicht, es sei denn, daß er nichts dabei findet, wenn

der Anzug öfters gereinigt werden muß. Am besten lohnt sich ein dunkles

Grau, das einfarbig und auch meliert sein kann. Als Stoffart kommt in

der Hauptsache Cheviot in Betracht. Als praktische Form ist der Sakko

zu empfehlen. Aeltere Herren können zum Rock greifen! Im allgemeinen

ist der Rock weniger praktisch, weil versessene Rockschöße immer

einen unordentlichen Eindruck machen. Der Anzug muß öfters gebügelt

werden, ist er fleckig, so muß er gereinigt werden, „speckige“ Anzüge

sollten ein Gräuel für jeden Reisenden sein. Er merke sich immer, daß

er draußen das „Haus“ ist, nach ihm und seinem Auftreten wird sein

Haus beurteilt. Zur Reiseausrüstung gehört ferner ein Ueberzieher.

Der Reisende sollte niemals in einem Wetterkragen zur Kundschaft

gehen, er macht immer darin einen saloppen Eindruck. Der Spazierstock

gehört dem Spaziergänger, der Begleiter des Reisenden -- der mit allen

Möglichkeiten rechnen muß und nicht nur zur Kundschaft gehen kann, wenn

die Sonne lacht -- ist der Regenschirm. Die neuerdings stark in den

Verkehr gekommenen Stockschirme sind praktisch, handlich und elegant.

Die Stiefel des Reisenden sollen dem Reisebedürfnis angepaßt sein. Ein

Paar schwarze und ein Paar braune Stiefel erlauben den Wechsel und

genügen allen Ansprüchen. Will der Reisende nicht die Schererei mit

dem Hausdiener haben, kann er Lackleder bevorzugen. Als Kopfbekleidung

wählt der praktische Reisende einen weichen Filzhut von nicht zu heller

Farbe. Steife Hüte sind zwar eleganter, aber weniger praktisch.

Vom äußeren Menschen.

Die Leibwäsche wird sich ganz dem Geschmack des Reisenden anpassen.

Der eine wird Oberhemden tragen, der andere kommt mit Vorhemden aus.

Trägt man eine hoch geschlossene Weste, wird man immer farbige Wäsche

tragen können, die natürlich nicht in grellen Farben strahlen darf.

Sie schmutzt nicht so wie die weiße Wäsche und kann deshalb länger

getragen werden, eine schlechte Plätterin kann auch nicht so viel an

ihr verderben, wie an der weißen Wäsche. Die Wäscheindustrie bringt

heute abwaschbare Leinenwäsche auf den Markt. Ich habe sie noch nicht

probiert; hat sie die Vorzüge, die man ihr nachrühmt, so ist sie für

den Reisenden wie geschaffen. Am besten trägt der Reisende wollene oder

Macco-Unterkleider. Man rümpft zwar im internationalen Verkehr die Nase

über den Jägerhemden tragenden Reisenden, das schadet aber nichts.

Jedenfalls bewahrt sie den Reisenden, der den schärfsten Wechseln der

Witterung ausgesetzt ist, vor vielen Erkältungskrankheiten, denen er

sich aussetzt, wenn er durchaus, um der Unterkleidung willen, nicht als

Deutscher gelten will.

Das alles muß der Wäschekoffer aufnehmen, und doch ist es noch nicht

genug. Wir kommen zu den Kleinigkeiten, die nicht entbehrt werden

können. Erst einmal zur Körperpflege! Der Reisende ist durch die

Hotelkost -- besonders bei der Table d’hôte -- gezwungen, seinen Zähnen

mehr zuzumuten, als sonst ein Sterblicher. Zahnkrankheiten stellen

sich deshalb beim Reisenden recht oft ein, besonders dann, wenn er den

Zähnen nicht die notwendige Pflege angedeihen läßt. Die Zähne werden

faulig, der üble Mundgeruch stellt sich ein, der einem mit dem besten

Menschen verfeinden kann; und ein fauler Zahn holt sich den anderen.

Mundwasser, Zahnpulver und Zahncreme gehören deshalb, natürlich auch

die Zahnbürste, unbedingt zur Ausrüstung. Genau so, wie der Reisende

regelmäßig sich die Zähne nachsehen und faulige plombieren lassen muß.

Zu den Utensilien der Körperpflege gehört dann das Rasierzeug!

Es wohnen Barbiere überall, meint der Leser, und deshalb sei das

Rasierzeug überflüssig! Zum Barbier zu laufen gehört Zeit und

Gelegenheit! Nebenbei bemerkt kostet es auch ein ganz hübsches

Sümmchen, wenn man täglich die Hilfe des Verschönerungsrates in

Anspruch nehmen muß. Rasiert man sich selbst, so kann man das jeden

Morgen vornehmen, es kostet kein Geld und nicht so viel Zeit, wie

das Rasieren beim Barbier. Genug, wenn man den Barbier aufsuchen muß

zum Haarschneiden oder Bartscheren. Und darauf sollte der Reisende

sehr wohl achten -- auch das gehört zur Körperpflege. Das Haar nicht

zu kurz, wenn es „gut“ aussehen soll; legt man nur Wert auf das

Praktische, dann ruhig den 3 mm-Schnitt anwenden lassen! Haar und Bart

müssen gepflegt werden, sie können viel zum vorteilhaften Aeußeren

beitragen. In den Wäschekoffer gehört auch ein Schlafsack! Wenn wir

den Reisenden in sein Gasthaus begleiten, werden wir auf manche Mängel

unseres Hotelwesens aufmerksam werden, besonders soweit die Bettwäsche

in Betracht kommt. Die Taschenapotheke gehört zur Ausrüstung; wer

mit einem wiederkehrenden Leiden behaftet ist, tut gut, sich mit

schnell wirkenden Gegenmitteln zu versehen. Zur Ausrüstung gehört aber

besonders eine gut gehende, dauerhafte Taschenuhr. Ein Reisender, der

keine richtiggehende Taschenuhr hat, ist ein armer Kerl! Er muß die

Zeit voll ausnutzen und oft mit Minuten rechnen. Hat er eine gutgehende

Taschenuhr, so ist er wohl versorgt, hat er sie nicht -- dann kann

er sich, wenn er das Nachschauen hinter einem abgegangenen Zuge hat,

überlegen, wo er sie kauft.

Kommen wir zu dem, was der Wäschekoffer an

„Handwerkszeug“

enthalten muß. Hierher gehören: Reservekommissionsbuch, Kursbuch,

Schreibmappe und Kundenregister. Hierher gehört auch die Kopierpresse,

von der wir im Abschnitt: „Der Reisende und sein Haus“ sprachen.

Vorhin erwähnte ich, daß sich auch der Reisende eine Kartei anlegen

möchte. Er hat es dann in der Hand, entweder die Karten, die er für

seine Tour braucht, mitzunehmen, oder sich die wichtigen Notizen in

sein Kundenregister zu übertragen. Die Schreibmappe muß hinreichend

Briefbogen und Umschläge enthalten, auch Postanweisungsformulare

sollten nicht fehlen. Wer große Umschläge braucht, nehme sich diese

besonders mit. In den Gasthäusern sollte man sie eigentlich in jedem

Schreibzimmer finden. Nur findet man sie nicht -- wenn man sie braucht.

Niemals nehme man Briefumschläge mit der Firma des Hauses! Wozu den

Konkurrenten zeigen, wer man ist und für wen man kommt? Eine gute

Reisekopierpresse liefert F. Soennecken in Bonn. Besonders geeignet

ist die Presse Nr. 19. Sie nimmt nur ganz wenig Raum weg, wiegt ohne

Buch nur 2 kg und kostet einschließlich des notwendigen Materials und

eines Buches nur 13 Mk. Wer nicht so viel zu kopieren hat, kommt auch

mit Soenneckens Reisekopierrolle, die nur 3.50 Mk. mit dem notwendigen

Material kostet, bereits aus. Diese Rolle wiegt nicht ganz ½ kg.

Was sonst noch zur Ausrüstung gehört? Eine Reisedecke, wer

nicht ohne sie auskommen kann. Für Reisende, die meine Winke im

übernächsten Abschnitt beachten, die Postausweiskarte, für alle die

Legitimationskarte, für ehemalige Soldaten des Beurlaubtenstandes

der Militärpaß. Ein steter Begleiter des Reisenden sollte auch ein

Verzeichnis der Messen und Märkte sein. Es findet sich in den Kalendern

in Buchform. Es spart dem Reisenden manche unnütze Fahrt.

Ehe der Reisende auf die Tour geht, soll er daran denken, daß er

mancherlei Gefahren ausgesetzt ist. Die Bahn haftet zwar für Schaden

und auch der Gastwirt, wenn er ihn verschuldete; es können aber

gerade den Reisenden Unfälle betreffen, für die ihm niemand haftet.

Er sollte deshalb gegen Unfall versichert sein, mindestens aber

eine Reiseunfallversicherung abschließen, die er zu sehr billigen

Prämien haben kann. Der Reisende des Beurlaubtenstandes oder der

Ersatzreservist wird sich als „auf Reisen“ befindlich abmelden.

Er hat dann nur jeweils zum 15. April und zum 15. November seinem

Bezirkskommando anzuzeigen, wo er sich befindet und wohin Befehle ihm

zugeschickt werden sollen.

Gehen wir nun an das Packen des Musterkoffers.

Der Musterkoffer

muß wie der Wäschekoffer leicht, handlich, bequem, dauerhaft,

leicht erkenntlich und leicht zu öffnen sein. Wer einen guten

Koffer haben will, bitte die Firma Moritz Mädler um kostenfreie

Uebersendung ihres Katalogs. Beim Kauf eines Musterkoffers ist man

noch mehr als beim Wäschekoffer darauf angewiesen, dort zu kaufen,

wo die Erfahrungen immer ausgenutzt wurden. Moritz Mädler hat zwei

große Gruppen Musterkoffer. Die besseren „Monopol-Koffer“ und die

„Continent-Koffer“. Die Monopol-Koffer sind nur wenig teurer, aber

entschieden dauerhafter. Das aber ist bei Musterkoffern, die man nicht

immer wie den Wäschekoffer unter den Augen hat, besonders zu beachten.

Wie schonungslos wird oft mit diesen Koffern umgegangen, ganz besonders

auf kleinen Stationen, wo der Zugaufenthalt gering ist! Je schwerer

der Koffer, je schonungsloser die Behandlung. Die Monopol-Koffer

werden aus astfreiem kanadischen Pappelholz hergestellt. Das Holz

ist für Kofferzwecke an und für sich besonders geeignet und es wird

außerdem jahrelang ausgetrocknet. Es ist leicht und zäh, deshalb sehr

widerstandsfähig und doch nicht frachtverteuernd. Die Continent-Koffer

sind ebenfalls aus gut getrocknetem zähen Holz gearbeitet, sie

erreichen aber an Dauerhaftigkeit doch noch nicht die Monopol-Koffer.

Die verschiedensten Wünsche werden bei der Anfertigung berücksichtigt.

Die vielfache Auswahl, die verschiedenen Arten der Koffer erlauben aber

größtenteils, von der besonderen Anfertigung abzusehen. Die Firma hat

Koffer mit feststehender und aufzuklappender Vorderwand, mit geradem

oder mit einem Faßdeckel, mit Einsätzen und ohne sie auf Lager. Für

einzelne Branchen sind besondere Koffer hergestellt. So für Stöcke,

Wollwaren, leichte Konfektion, Hüte usw. Für die Konfektion wird ein

Hängekoffer auf den Markt gebracht, der trotz seiner vielen Vorzüge

als Monopol-Koffer schon für 85 Mk., als Continent-Koffer für 70 Mk.

zu haben ist. Als besondere -- geschützte -- Neuheit bringt Mädler die

verstellbare Riemenbefestigung. Bisher war man beim Festschnallen der

Koffereinlage immer an die angenieteten Riemen gebunden. War der Koffer

nicht bis zum Niet gefüllt, konnte die ganze Einrichtung nichts nützen.

Die neue Einrichtung gestattet das Festschnallen in verschiedensten

Höhen, sie gestattet auch das Trennen der Einlage durch mehrfaches

Festschnallen.

Als Handmusterkoffer verdienen diejenigen mit Deckelklappe den

Vorzug vor anderen. Sie sind ebenfalls aus kanadischem Pappelholz

hergestellt; die eine Breitfläche ist vollständig zu öffnen, die Klappe

selbst ist gut und doch handlich verschlossen. Letzteres ist für den

Reisekoffer ein Haupterfordernis. Nur keine Koffer mit langweiliger

Riemenverschnürung anschaffen!

Die Muster selbst, die der Koffer birgt, müssen gut zusammengestellt

sein und immer sauber gehalten werden. Der aufgeklappte Koffer muß

allein reizen, in den Herrlichkeiten, die er birgt, herumzustöbern!

Soll er das, darf nicht der innere Bezug heruntergerissen sein, dürfen

Stoffmuster keine Ecken haben, darf ihnen nicht die Kappe fehlen,

müssen Zigarrenmuster immer den „Spiegel“ zeigen, und wo Glas als

Behälter in Frage kommt, darf es nicht nach der Bertillonschen Methode

die Fingerabdrücke des Reisenden zeigen, ebenso wie es keinen guten

Eindruck machen wird, wenn Flüssigkeitsbehälter nur halb gefüllt sind.

Ausgefranste Muster sehen gräßlich aus, schmierige Schachteln, Kästen

und Büchsen erregen durchaus kein Wohlgefallen.

Die Muster selbst bedürfen vorteilhafter Verteilung im Koffer. Der

Reisende sollte sich deshalb mehrfach üben, seinen Koffer zu packen. Es

kann ihm sonst passieren, daß er den Inhalt seines gefüllten Koffers

nicht wieder unterbringt, wenn es mit dem Einpacken schnell gehen muß.

Auch lernt der Reisende durch das Probepacken die Muster kennen, die

er mit sich führt, und nicht erst dann, wenn er schon einige Dutzend

Kunden durchgeklappert hat. Er findet bei gleichmäßiger Anordnung

auch immer sofort, was er braucht. Und das ist sehr gut! Es wird ihm

vielfach vorkommen, daß er das Interesse eines Kunden erregen kann,

wenn er im Augenblick einen bestimmten Artikel vorzuzeigen vermag. Dann

darf er nicht erst lange suchen müssen.

Und nun, nachdem die Koffer gepackt sind, der Abschied von den Lieben

genommen ist, auf die Bahn.

Der Reisende und die Eisenbahn.

Die Personenbeförderung.

Einen großen Teil seines Lebens verbringt der Reisende auf der

Eisenbahn! Von Ort zu Ort, von Land zu Land führt sie ihn! Kein Wunder,

daß zwischen Reisenden und Eisenbahn sich ein freundschaftliches

Verhältnis herausbildet, daß sich beide vorkommen wie alte, gute

Bekannte. Allerdings bringt dieser gute Bekannte oft und recht viel

Aerger, besonders dann, wenn man die Bestimmungen des Eisenbahnverkehrs

nicht kennt und dann die Bahn verantwortlich macht für die Dinge, die

man selbst sehr gut hätte verhüten können. Der Reiseonkel oder der

Handlungsgehilfe, der es werden will, tut gut, diesen Abschnitt nicht

zu übergehen. Es wird ihm helfen, mancher Unannehmlichkeit aus dem Weg

zu gehen, es wird ihn manche Ersparnis machen lassen.

Im Verhalten zu den +Bahnbeamten+ muß man immer berücksichtigen, daß

diese Angestellten einen schweren und verantwortungsvollen Dienst

haben. Man erspare ihnen kleine Scherereien und behellige sie nicht

unnötigerweise. Was man verlangen kann, verlange man höflich und

bestimmt, was man darüber hinaus gern möchte -- kleine Gefälligkeiten

-- erreicht man am besten durch ein Trinkgeld, eine Zigarre oder

besondere Höflichkeit.

Fahrpreise und Fahrkarten.

Die +Fahrpreise+ sind jetzt im Reich fast einheitlich festgelegt. Nur

einige Ausnahmen bestehen noch. Allgemein beträgt der Fahrpreis für

die 4. Klasse 2 Pf. (in Baden und Bayern rechts des Rheins gültig für

3. Klasse Personenzug), 3. Klasse 3 Pf., 2. Klasse 4,5 Pf. und 1.

Klasse 7 Pf. für den Kilometer. Diese Fahrpreise erfordern noch die

Fahrkartensteuer, die für die 3. Klasse 5 Pf. bis 2 Mk., für die 2.

Klasse 10 Pf. bis 4 Mk., für die 1. Klasse 20 Pf. bis 8 Mk. beträgt.

Die vierte Klasse ist steuerfrei. Die Fahrkarten berechtigen zur Fahrt

auf Personenzügen und zuschlagfreien Eilzügen. Für Schnellzüge und

D.-Züge ist ein Zuschlag zu zahlen, der 25 Pf. für die 3., 50 Pf. für

die 2. und 1. Klasse beträgt in der 1. Zone (1-75 km), 50 Pf. für die

3., 1 Mk. für die 2. und 1. Klasse in der 2. Zone (75-150 km) und 1

Mk. in der 3., 2 Mk. in der 2. und 1. Klasse für die 3. Zone (über 150

km). Die Platzkarte in D.-Zügen kostet nichts mehr. Die +Rückfahrkarte+

gibt es allgemein nicht mehr. Im Verkehr mit bestimmten Plätzen ist

sie noch bestehen geblieben, sie gewährt aber innerhalb des Reiches

keine Fahrpreisermäßigung, kommt auch für den Reisenden allgemein nicht

in Frage. Die +Rundreisehefte+ bestehen fort. Sie sind im Preis etwas

billiger, als wenn man immer auf einfache Fahrkarten Schnellzug fährt,

weil dann jeweils der Zuschlag und die Steuer die Fahrt verteuert.

Rundreisehefte berechtigen zur Benutzung aller Züge mit Ausnahme

der Luxuszüge, ohne daß ein Zuschlag gezahlt zu werden braucht. Die

Steuer wird nur einmal und zwar vom Gesamtbetrage erhoben. Auf die

Gepäckbeförderung ist das Rundreiseheft ohne Einfluß, nachdem das

Freigepäck auf gewöhnliche Fahrkarten weggefallen ist.

Die Geltungsdauer

der einfachen Fahrkarten beträgt vier Tage, die Geltungsdauer des

zusammengestellten Rundreiseheftes beträgt mindestens 45 Tage,

sie erhöht sich, wenn eine bestimmte Anzahl Kilometer durchfahren

wird. Innerhalb der Geltungsdauer der Fahrkarten ist eine einmalige

+Unterbrechung+ an einem beliebigen Tage der Geltungsdauer gestattet,

bei Rückfahrkarten je einmal auf der Hin- und Rückfahrt, bei

Rundreiseheften an jeder Station, die befahren wird.

Zwischenfälle.

Die Fahrkarte wird +zurückgenommen+, wenn der Zug besetzt ist und der

Reisende auch in einer höheren Klasse nicht befördert werden kann oder

nicht in einer niederen gegen Rückerstattung des Preisunterschiedes

befördert werden will. Die Bahnsteigsperre wird vom Betrag gekürzt;

auf durchlochter Karte ist ihre Nichtbenutzung zu bescheinigen.

Oft kommt es vor, daß der Reisende erst im letzten Augenblick den

Bahnhof erreicht. Er kann dann +ohne Fahrkarte+ befördert werden, er

zahlt, wenn er dem Schaffner sofort unaufgefordert meldet, daß er

keine Karte hat, den Fahrpreis und einen Zuschlag von 1 Mk. Hat der

Reisende eine Karte, die abgelaufen ist und konnte er eine neue für die

Weiterbeförderung nicht lösen, so hat er unter gleichen Voraussetzungen

nur den Fahrpreis nachzuzahlen. Züge, die erfahrungsgemäß stark

besetzt sind, suche man früh auf, um sich einen guten +Platz zu

belegen+. Handelt es sich um einen D.-Zug, bekommt man gegen Vorzeigung

der Fahrkarte vor Abfahrt des Zuges kostenfrei eine Platzkarte

ausgehändigt. Bei einem Uebergang in eine höhere Wagenklasse (manche

Schnellzüge führen nur 1. und 2. Klasse, im Kursbuch kenntlich gemacht)

ist ein entsprechender Zuschlag zu zahlen. Hat man eine Fahrkarte

gekauft und schon zum Teil benutzt und sieht man sich veranlaßt, einen

anderen Reiseweg zu benutzen, so kann die +Fahrkarte umgeschrieben+

werden, wenn sie dann über eine kürzere Strecke lautet. Das gleiche

gilt von Fahrscheinheften. Die +Schlafwagen+-Benutzung kostet besondere

Gebühr, die Wagen können nur von Inhabern 1. und 2. Klasse-Fahrkarten

benutzt werden. Bei Zugverspätungen kann der Reisende, wenn er

Anschlußfahrkarte hatte und den +Anschlußzug versäumte+, zur

Ausgangsstation mit dem nächsten Zuge zurückkehren, er erhält dann die

Kosten der Hin- und Rückreise zurückerstattet. Die Verspätung und die

Zugversäumnis muß bescheinigt werden. Will der Reisende jedoch die

Fahrt fortsetzen, so kann er ohne Zuschlag einen anderen Reiseweg oder

einen Zug mit höherer Klasse benutzen, wenn dadurch die Ankunft am Ziel

beschleunigt wird. Die Fahrkarten müssen für den Hilfsweg oder den

Hilfszug umgeschrieben werden. In besonderen +Notfällen+ ist auch die

Mitfahrt im Güterzug gestattet. Der Reisende hat dann zwei Fahrkarten

3. Klasse zu lösen und einen festen Zuschlag von 3 Mk. zu entrichten.

Der Reisende kann sein +Handgepäck+ mit in sein Abteil nehmen. Dort

steht ihm der Raum über und unter seinem Sitzplatz zur Verfügung. Im

Verkehr gegen Mitreisende wird man immer höflich und gefällig sein.

Oft lernt man nette Menschen dadurch kennen, die es verstehen, die

Langeweile der Fahrt zu verkürzen. Gegen Konkurrenten ist eine gewisse

Verschlossenheit angebracht. Worin reisen Sie? so lautet die Frage,

an der man fast immer den Reisenden erkennt! Am besten umgehe man

die Antwort auf diese neugierige Frage. Daß im Nichtraucherabteil

nicht geraucht werden darf, ist bekannt, weniger bekannt ist, daß

der Reisende ein Recht darauf hat, ein Fenster zu öffnen und zwar das

der Windseite entgegengesetzte. Darum wird es manchmal Streit geben,

dann rufe man jedoch ruhig den Schaffner, der die Sache in Ordnung

bringen wird. Gesunden Menschen schadet ein geöffnetes Eisenbahnfenster

viel weniger, als die oft unerträglich schlechte Luft des Abteils.

+Welche Klasse+ man benutzen soll? Das hängt vom Geldbeutel ab! In

Norddeutschland kann man ruhig 3. Klasse fahren. Im Sommer ist sie

entschieden angenehmer als die zweite, und Sommer und Winter sind

die Ansteckungsgefahren in ihr geringer als in der gepolsterten 2.

Klasse. In Süddeutschland, besonders in Bayern rechts des Rheins und

in Baden tut man gut, wenn man Personenzüge benutzen muß, die 2.

Klasse zu wählen. Weil diese Länder keine 4. Klasse haben, nehmen die

Personenzüge diesen Verkehr in die 3. Klasse auf. Und der Knaster der

Landleute, der Duft der Marktwaren ist nicht jedermanns Geschmack.

Im Ausland, auf das wir noch zu sprechen kommen, fährt man immer

vorteilhafter 2. Klasse.

Wir wollen noch einmal kurz auf die Ansteckungsgefahren zurückkommen.

Sie sind durchaus nicht so leicht zu nehmen. Zwar werden Personen, die

sichtlich mit ansteckender Krankheit behaftet sind, entweder allein

befördert oder von der Beförderung ganz ausgeschlossen, aber wem sieht

man denn die ansteckende Krankheit an? Man vermeide es, die bloße Haut

mit der Inneneinrichtung des Wagens in Berührung zu bringen, trage

Handschuhe und schütze auch das angelehnte Denkerhaupt durch eine

Reisemütze. Nach jeder Eisenbahnfahrt wasche man sich gründlich, um so

etwaige Krankheitskeime zu beseitigen.

Die Gepäckbeförderung.

Gepäck. -- Gepäckgebühren.

Vom Reisen und Reisen lassen · 第 5 / 12 段