HERBST AM SEMMERING

Müde schleichen die Stunden dahin. Noch einmal ist es mir Zähestem

vergönnt, die herbstliche Pracht meines Kindheitsparadieses (damals gab

es nur Gasthof »Nedwall«) zu erschauen! Brennesselgebüsche und

dunkelbraune vertrocknete Sträucher. Ein kleines Mäderl in Lederhöschen,

mit dicken, rostbraunen Zöpfen, in die grellrote Seidenbänder

eingeflochten sind, repräsentiert mir die »Schönheit der ganzen Welt«.

Die Eltern nennen sie, tief entzückt, schlimm und übermütig. Wie wenn

die Saharet, Ruth St. Denis, Grete Wiesenthal, schlimm und übermütig

sein könnten! Der Schneeberg trieft von zerrinnendem Schnee, und das

Elisabethkirchlein ragt in graue Wolken. Ein Direktor reitet, kranke

Frauen fahren langsam durch den Fichtenwald. Lila Enzian, kurzstengelig,

und Löwenzahn. Aber meine »heilige Stunde« ist von 3 bis 4. Da spielt

nach dem Essen die Amerikanerin mit ihrem großen schlanken Freunde im

Café Karambol. Er belehrt sie natürlich väterlich, die doch _alles_

bereits mitbekommen hat vom Schicksal, Anmut und Beweglichkeit und

Gazellenglieder und Feenhände. Jede ihrer Bewegungen ist vollkommen. Das

ist meine »heilige Stunde«, da ich menschliche Vollkommenheit erblicke.

Da vergesse ich, daß Gottes Träume sich noch nicht realisiert haben — —.

Neues Altes · 第 117 / 126 题