Wann soll ich sterben, mich umbringen?! Es ist an der Zeit.
Es ist fünf Uhr morgens. Man sieht noch nicht die großen braunroten
Dächer der alten Wallnerstraßenpaläste. Man hört die Uhren von fünf
Kirchtürmen. Sie folgen einander so merkwürdig, wie um sich nicht
gegenseitig zu stören, lauschendes Menschenohr nicht zu verwirren, das
Ohr von Kranken, die dem heimlichern Tage bang entgegenlauschen — — —.
Wann soll es sein?!
Sie darf nicht geweckt werden aus ihrem mir heiligen Schlaf, durch eine
Nachricht, die jedenfalls erregt und schadet — — —. Wenns ihr auch
schmeichelt, daß es ihretwegen ist — — —.
Ich muß also warten, bis die völlig Ausgerastete die merkwürdige
Botschaft hört,
daß ihr fanatisch getreuester Ritter sie dennoch verlassen mußte,
mitten im Seelendienste, der ihn brach und sie nur störte, die
einsam kranke Frau — — —.
Nach Hamburg wird die Kunde später dringen, und H. M. ist gewappnet
mit Ergebenheiten!
In ihrer Religion sind Kreuzigungen vorhergesehen, und sie wird
leben aus innern Kräften, durch Leid erhöht, betaut, befruchtet!
Bessie wird in Leysin, im Paradies des Wintersports am Genfersee, die
Nachricht hören, und in meinen Briefen vielleicht kramen, die sie
besitzt.
Die Hauptsach’ ist, daß meine vergötterte Frau in Wien nicht durch die
Nachricht aus dem Schlafe kommt, den sie so nötig hat.
Man muß sichs also einzuteilen wissen. Tag, brich an!
Lebet wohl — — —!
Der grelle Tag macht freilich den Abschied schwerer als des
Wintermorgens düstre Dämmerungen!
Jedoch die Frau darf’s erst vernehmen, wenn sie ausgerastet ist von
langem Schlafe — — —.