WIDMUNG AN ANNA KONRAD

O Fraue,

Nicht was du _bist_, bist du!

Das, was _wir_ von dir träumen, _das_ bist du!

Was in der dunklen Wehmut unseres begeisterten Blicks erschimmert, das

bist du!

Der Duft deines Atems, der uns den Duft der ganzen blühenden

geheimnisvollen Welt bringt, _das_ bist du!

Deine _nicht erfüllten_ Sehnsuchten, die auf deinem lieblichen Antlitz

kauern, und die _wir_ mehr miterleben, _miterleiden_ als du selber,

_Das_ bist du!

Die Träne, die aus unsern Augen langsam herabrieselt (wir selber wissen

nicht, aus welchem Leid sie ihre Quellen hat) _das_, _das_ bist du!

Und _unser Lächeln_ bist du, wenn du kommst — — —!

Und unsere _ernste Stille_, wenn du von uns gehst — — —!

Wenn du _uns_ kränkst und wenn du _uns_ verwundest,

Nimmst du _dir selbst_ die Pracht des eigenen Lebens,

Denn was wir von dir fühlen, _das_ bist _du_! Bleib darum milde — — —.

Dreh’ nicht der Nachtigall den Hals um, wenn sie in die lichte Mondnacht

schmettert,

Denn _ihr Lied_ macht erst die Mondnacht zu dem, was sie _ist_!

O Fraue, laß uns singen, sagen, klagen — — —.

Was du _von uns_ vernimmst, _das_ erst bist _du_!

Neues Altes · 第 79 / 126 题