Als Kinder saßen wir Abend für Abend mit unsern geliebten Eltern im
Stadtpark, im Kursalon. Wir bekamen Eis und Hohlhippen und hatten
keinerlei Sorgen. Der Vater geht nun seit Jahren nicht aus seinem
bequemen Zimmer mehr heraus, und die Mutter nicht aus dem bequemen
Totenschrein. Ich, glatzköpfig und sorgenvoll, komme nun in den
Stadtpark, Kursalon, auf die Terrasse, an denselben Tisch, an welchem
wir einst sorgenlos mit den geliebten Eltern saßen. Ich bestelle
dasselbe Eis, Himbeerschokolade, wie als Kind, mit recht vielen und
knisternden, also frischen Hohlhippen. Vor mir die Gartenbeete wie
einst, ein bißchen bunter, origineller. Ich sehe Eltern mit ihren
Kindern. Sie zanken und schelten. Unsre Eltern zankten und schalten nie,
nie. Vielleicht war es schlecht, daß sie es nie taten, aber sie hatten
Achtung vor ihren eigenen Erzeugnissen, und Zuversicht! Wir haben sie
enttäuscht; aber sie haben es hingenommen als Schicksal und Verhängnis.
Wir haben ihre Tränen, die sie um uns weinten, nie gespürt — — —. Nun
sitze ich, Glatzköpfiger, Sorgenvoller, wieder im Stadtpark, im
Kursalon, auf der Terrasse, an demselben Tisch wie einst mit den
geliebten Eltern, esse dieselbe Portion Himbeerschokolade wie einst, mit
vielen knisternden, also frischen Hohlhippen — — —. Die Gartenbeete, auf
die ich herabblicke, sind ein wenig bunter, origineller. Aber sonst hat
sich nichts verändert, in den Zeiten vom dummen Kind zum müden Mann! Ich
sehe Eltern, die ihre Kinder im Park schelten; unsre Eltern schalten uns
nie; sie erhofften es, daß wir sie einst belohnen würden für ihre Güte;
aber wir taten es nicht. Wir hatten eine schöne Kinderzeit; so tauchen
wir denn hinab in Erinnerungen, da wir vom seienden Tage nicht leben
können. Wir hatten allzu sanftmütige, hoffnungsfreudige,
schicksalergebene Eltern. Es war ein Fluch und ein Segen! Man kann nun
an Zeiten zurückdenken, die paradiesisch waren — —. Nicht jeder, der vor
sich das Dunkel sieht, kann liebevollen Herzens der lichten Zeiten
dankbar sich erinnern — — —.