Mademoiselle Myosa, das Original mit dem tiefen wunderbaren Blick, in
dem direkt eine Art von fanatischer Tanzmission glüht und fiebert, ist
von unbeschreiblicher Anmut. Die übrigen Tänzerinnen tanzen, aber sie
ist der Tanz selbst, sie versinkt, ertrinkt im Tanzen. Sie existiert
nicht mehr. Sie kann sich, auch im Leben, in nichts anderm äußern. Man
hat die Empfindung: sie ißt nicht, sie trinkt nicht, sie schläft nicht,
sie will kein Geld und keine sonstigen scheinbar unentrinnbaren
Leidenschaften — — — sie will tanzen, tanzen, tanzen! Der Fisch will
Wasser, nur Wasser; und sie will den Tanz, nur den Tanz! Sie ist das
erste Tanzgenie, das ich je erblickt habe, wegen ihrer fast
pathologischen Konzentration. Sie rührt und macht erstaunen. Hat Gott
die Welt nur erschaffen, damit Myosa sich darin austanze?! »Ja!« sagen
ihre düstern Blicke. Sie hat Bewegungen, die man noch nie bei einer
Tänzerin gesehen hat, wie wenn oft ihr wunderbarer kindlicher Leib von
einer inneren Macht gezwungen würde. Dabei ist sie ununterbrochen
verzweifelt, daß es in diesem Vergnügungsetablissement nicht still und
feierlich ist während ihres heiligen Tanzens wie in einer Kirche;
sprechen, lachen, verletzt sie tödlich; ein Zug unaussprechlichen
ergreifenden Leidens ist da mitten im Tanzen auf ihrem herrlichen
Antlitz. Da haßt sie die Menschen und die Welt! Sie ist eine tragische
Persönlichkeit, feindselig und abhold dem leichten Dasein der Stunde.
Sie ist ein Phänomen, eine Einzige, eine in sich Gekehrte, starre
Unerbittliche des Tanzes! Und das alles dort, wo man sich bei uns
amüsieren, zerstreuen will!? Arme, arme Myosa — — —!