Es ist tragisch genug, daß die meisten Verbesserungen in jeglicher
Sphäre des Lebens wie von einer heimtückischen bösen Macht, vor allem
vom bösen Zauberer »Gewohnheit« hintertrieben, aufgehalten, zerstört
werden. Bei vielen Dingen kann man Gründe dafür finden, und sich
daher wenigstens teilweise historisch-philosophisch über das
Beharrungsvermögen des menschlichen Geistes beruhigen. Es gibt jedoch
eine ganze Anzahl herrlicher Neuerungen, deren Nichtpopulärwerden man
absolut nicht begreift. Dazu gehört die amerikanische Schuhputzmaschine.
Ich kenne eine einzige in ganz Wien, im Hausflur des Cafés am Mehlmarkt.
Man wirft zehn Heller in den Spalt, und dein Fuß wird dir sanft
hineingezogen in die Maschine, und der Schuh dabei von Staub und Kot
gereinigt. Dann wird er ebenso sanft wieder herausgeschoben und dabei
gewichst und glänzend gebürstet! Man muß nur die Hose ein bißchen
hochheben, da diese weder gewichst noch auch glänzend gemacht zu werden
wünscht. Auch muß dein Fuß der Maschine völlig nachgeben, denn sie
allein weiß, was für deinen Schuh zweckmäßig ist, und sie entläßt ihn
erst zur rechten Zeit. Weshalb sind solche herrlichen und gutmütigen
Maschinen nicht schon längst in den Vestibülen von Hotels, Cafés,
Theatern aufgestellt?! Es ist fast eine Tragödie, es zu erleben, wie
selbst in den allereinfachsten Dingen niemand das Herz und den Sinn
dafür hat, seinen Nebenmenschen das Leben ein bißchen zu erleichtern.
Dabei wäre es noch ein Geschäft, natürlich für beide Teile. Wie muß man
da im vorhinein verzichten, in noch schwierigeren Lagen, unterstützt,
betreut zu werden!?
Jemand sagte zu mir: »Es paßt mir nicht, daß diese Maschine mir meine
zarten Chevreauschuhe mit einer minderwertigen Creme putzt!« Ich
erwiderte ihm, daß die Maschine nur Staub und Kot entferne und dann
glänzend bürste, also eigentlich mit jener Creme, die ein jeder Schuh
schon von selbst habe. »Ach so,« sagte er tief enttäuscht darüber, daß
er der neuen Schuhputzmaschine, die bescheiden ihre Pflicht erfüllt,
kein Klampfl anhängen konnte, ihr kein Bein stellen konnte, über das sie
schmählich stürzen müßte!