Vöslau, eigentümlicher Ort, einzige wirkliche Sentimentalität, die ich
habe. Deine grünbefranste Station ist geblieben wie eh und je. Nur
meine wunderschöne Mama, die mich im Damenbade sorgsam auf ihren Armen
wiegte, ist längst nicht mehr. Die Lindenblüten rochen wunderbar, und
das sonnengedörrte Holz der Kabinen und die Wäsche der triefenden
Schwimmanzüge. Der Kies brannte die zarten Kinder- und Frauensohlen.
Vom Wald kam Tannenharzduft, und von den Hausgärten kamen
Millefleursgerüche. Meine Mama hielt mich zärtlichst mitten im Teiche,
der für mich ein Ozean war! Sie verschwendete ihre romantische
Zärtlichkeit an ein egoistisches, verständnisloses Kindchen, das ihren
Hals in Angst umklammerte. Wunderbar ist der eingedämmte Bach, von der
Station aus bis zum Bade. Links ungeheure üppige Wiesen, die zu nichts
zu dienen scheinen und herrliches, dichtes Unkraut produzieren, für
nichts und wieder nichts. Der Wind rauscht eigentümlich in den Tannen.
Man hält es für einen mysteriösen Aufenthalt für Rekonvaleszenten, für
kleine zarte Mäderln. Es ist so ein Sanatorium für müde Menschen. Die
graublaue Ursprungsquelle von vierundzwanzig Grad Celsius ist wie
lebenspendend. Sie spricht nicht viel, sie murmelt und gewährt! Viele
Hausgärten sind voll von Frieden und Pracht. Im Cafégarten hart beim
Bade ist es kühl vor Baumschatten wie in einem Keller. Daneben ein
unbekannter Park wie ein Urwald. Niemand hat ihn vielleicht je
betreten, ihn gestört in seinen überschüssigen Kräftespendungen! Wozu
braucht man Brasilien und Lianenverstrickungen und Blütendunst und
Geranke?!? Dieser Park ist Urwald. Vöslau, immer noch, seit
fünfundvierzig Jahren, ist deine Station grünbefranst, und in dem
Bache plätschern lustig die Enten, die unmittelbar darauf abgestochen
werden, denn der murmelnde Bach ist nur ein letztes Reinigungsbad,
gleichsam eine Vorleichenwaschung. Beim Bade duftet es nach
Lindenblüten. Nichts hat sich verändert. Nur meine Mama ist nicht
mehr.