Der Rathauspark duftet nun von edlen Bäumen und edlen Sträuchern. Es ist
kühl und schattig. Aber damals war es eine endlose graue Wiese mit
eingetretenen staubigen oder kotigen schmalen Fußwegen. Eines Tages
stand eine grüne Bretterbude da, das erste Wandelpanorama in Wien,
genannt »Der Rigi«. Es roch nach Öllämpchen, und mein Hofmeister und ich
saßen in der ersten Reihe auf Strohsesselchen. Der Rigi und alle Seen
und Bergesketten zogen an uns vorüber, zu den Klängen eines
italienischen Werkels. Dann wurde es allmählich finster, und die
Berghotelfenster beleuchteten sich, denn sie waren ausgeschnitten und
dahinter Licht. Das gefiel mir. Später machten wir eines Tages die erste
Pferdetramwayversuchsfahrt mit, vom Schottenring bis Dornbach. Es fiel
mir auf, daß es fortwährend klingelte, was bisher bei den Fuhrwerken
nicht zu beobachten war. Man hielt das Ganze für gefährlich und unsicher
und glaubte nicht recht daran, daß es sich einbürgern werde.
Die Sonntage wurden in Hietzing bei »Domayer« verbracht. Es fiel uns
angenehm auf, daß unser Vater dem Fiaker, der uns führte, _du_ sagte und
sich in leutselige Gespräche mit ihm einließ. Er kam uns vor wie ein
milder Potentat. Die Trinkgelder waren enorm, gleichsam die
Entschädigung für das vertrauliche _du_. Die Rückfahrten vom Lande
abends sind das Schönste; da schläft man wie ein Toter. Man verflucht
den Moment der Ankunft, der Wagen ist das wunderbarste Bett gewesen.
Aber jetzt kommt Stiegensteigen, Ausziehen, eine unsäglich beschwerliche
Arbeit.
Gebratene Äpfel spielten bei uns eine große Rolle. Alles duftete in den
Zimmern danach. Das ist ganz abgekommen. Auch gedünstete Kastanien,
goldigglänzend, auf schwarzgrünem Kohlpüree, waren eine Festspeise, die
jetzt im Absterben begriffen ist. Die neue Generation macht sich nichts
daraus.
Wir vergötterten unsere Hofmeister und Gouvernanten, und sie uns. Die
Eltern spielten nur eine zweite diskretere Rolle, traten erst in Aktion
bei außergewöhnlichen Ereignissen. Sie waren einfach der »Oberste
Gerichtshof«. Wir lebten »romantische Idyllen«, deshalb fiel es uns
später so schwer, dem realen Leben Genüge zu leisten — — —.