Ich hasse die Frauen nicht nur wegen der falschen Krawatten, die sie
anhaben, wegen der falschen Schirmgriffe, der falschen Hüte, der
falschen Manschettenknöpfe und so weiter — ich hasse sie in neuerer Zeit
wegen der »Pflanzhunde«, die sie sich mit teuerm Gelde zulegen, um eine
Art von verlogener Tierromantik mit ihnen aufzuführen.
Meine wunderbar schöne Schwester fand in ihrem fünfzehnten Lebensjahre
ein schreckliches verhungertes Tier auf der Bergstraße nach Kaiserbrunn,
direkt ein Scheusal. Aber sie betreute es fanatisch; und als sie es
eines Sommermorgens im Bottich des kleinen duftenden Gemüsegartens
ertränkt fand, legte sie sich ins Bett und verweigerte acht Tage lang
die Nahrung.
Heutzutage aber kaufen sie sich für schwere Tausende prämierte Russische
Windhunde, Springer erster Klasse, die zwar unerhört hohe Barrieren
überspringen, aber nicht einmal den Seelengeruch aufbringen, die Wohnung
ihrer scheinbar geliebten Herrin allein wieder aufzufinden!
Herzlose Idioten von äußerlich schönen Tieren favorisieren sie,
schändliche Masken von Idealen, einen Abglanz ihrer eigenen leeren
Persönlichkeiten, drapiert mit modernen Gewandungen! Wie sie selbst!
Seinerzeit war der getreueste Freund des Menschen favorisiert, der
aufopferungsfähige weiße oder schwarze Pudel.
Heute aber liebt man den infam perfid treulosen Dackel, den grotesken
Clown Foxterrier, und den stupiden herzlosen und gleichgültigen
Russischen Windhund.
Heute geht man auf Farbe und Form. Aber das melancholisch-treuherzige
Auge ist euch gleichgültig geworden! Es wird sich natürlich an euch
rächen! Auch die »Ästhetik« kann nur aus den mysteriösen Tiefen des
Herzens kommen; sonst ist es eine Blüte, die an ihrer eigenen schamlosen
Kälte verkommt, verdorrt! Nur das Herz hat ewig belebende tropische
Wärme. Schönheit allein mordet!