Ich lag wieder einmal im Sterben. Einer sandte mir daher Kalbsfußgelee
in Glasdose, statt mir seine junge, schöne Geliebte zu senden, die mich
unbedingt eher hätte erretten können als Kalbshaxen! Das Kalbsfußgelee
hatte einen geheimnisvollen, uneröffenbaren Verschluß. Daher war es auch
ganz gleichgültig, daß es vor dem Eröffnen zwei Stunden lang in Eis
liegen sollte. Einer kam sehr teilnahmsvoll und besprach es mit mir
ziemlich eingehend, ob er seiner Mitzi den Laufpaß geben solle oder
nicht, nachdem doch, wie ich wisse —. Wir berieten hin und her, und er
meinte schließlich, er sehe, ich sei nicht ganz bei der Sache. Zum
Schlusse sagte er: »Hast du große Schmerzen?! Merkwürdig, daß diese
Anfälle in letzter Zeit so häufig wiederkommen. Vielleicht sieht man
dich übrigens morgen im Gasthaus. Da können wir es weiter besprechen.«
Eine Dame kam, und ich teilte ihr mit, daß sie die schönsten Ohren,
Hände von der Welt habe. Sie meinte, ich bliebe noch in der Sterbestunde
ein Dichter, ein wirklicher Künstler. Einer kam und legte seine
Zigarettenasche auf mein Nachtkästchen aus Bambus, neben die große,
tiefe Aschenschale. Einer trug mir ein Buch weg, unter dem Vorwande, ich
könne in meinem jetzigen Zustande ohnedies nicht die Sammlung finden, es
zu lesen. Einer sagte mir, man dürfe sich nicht so sehr nachgeben,
sondern müsse die Krankheit durch Energie überwinden. Gott, wo käme er
selbst hin, wenn er sich immer gleich ins Bett legen wollte und sich
pflegte!? Eine junge Dame schrieb: »Verehrter Meister, ich höre, daß Sie
schwerkrank sind. Darf ich um ein Autogramm bitten?!« Als ich wieder
genesen war, sagte man zu mir: »Nun, Peter, du ewig Unzufriedener, hast
du es nicht jetzt wieder einmal erlebt, von wieviel Sympathie und echter
Freundschaft du in schweren Zeiten dennoch umgeben bist?!« Ich blickte
gerührt vor mich hin — das heißt, ich dachte: Verbrecher und
Schafsköpfe!