»Sie luden ihn ein auf ihre Besitzung. Er könne dort tun und lassen, was
er wolle, niemand würde Ansprüche an ihn stellen. Er habe seine Freiheit
garantiert. Er kam nicht. Er hatte zu tiefe _Achtung_ vor dem
_Fernverkehr_ zwischen Menschen, die sich wenigstens teilweise
verstehen, zu viel _Verachtung_ für den _Nahverkehr_, der unter allen
Umständen Abgründe öffnet, in denen die Seelen zerschellen. Welche
Freiheit konnte man ihm garantieren, nachdem er als Gast von selbst
infolge seiner inneren Kultur unwillkürlich den Gastgeber ununterbrochen
berücksichtigt hätte? Die großen Abgründe sind leicht mit Freundschaft
zu überbrücken, _unüberbrückbar_ sind die allerkleinsten; was ist es,
wenn der fanatisch geliebte Hund des Gastgebers dem Gaste als ein
verwöhntes, ekelhaftes Beest erscheint? Genügt das nicht, alle Werte
umzuwerten und Verzweiflung in den Nerven zu erzeugen, wo früher edler
Friede war? Ich will von Speisen und Getränken gar nicht reden, von
Tageseinteilungen. Der Gast wird zum »hysterisch-empfindsamsten«
Menschen, weil er eben der »Gast« ist, der Gastgeber ebenfalls, weil er
eben der »Gastgeber« ist! Es entsteht eine Beziehung von
Verantwortlichkeit für das Glück des anderen. Man bemüht sich, ein
anständiges aber ungeschicktes Kompromiß zu schließen zwischen zwei
Nervensystemen. Nun gibt es aber auch noch tragischere Verwicklungen.
Zum Beispiel »Lieblingsspaziergänge«, oder »Lieblingsplätze im Garten«,
ja sogar »Lieblingsbäume und -blumen«. »Gekränkt sein« ist eine von
unserem guten, ja von unserem besten Willen unabhängige Emotion der
Seele. Wodurch könnte man es besiegen!? Durch Entfernung! Napoleon kann
bei seinem Kammerdiener zu Gaste sein, aber nicht bei einem Napoleon!
Außerdem kann man sich auch noch zu allem anderen vielleicht in das
Stubenmädchen der Hausfrau verlieben. »Distanzen lassen« in jeglichem
Verkehr ist die »Genialität der Bescheidenen«, »Distanzen nicht
einhalten« ist die »Stupidität der Größenwahnsinnigen«! Es gibt daher
für einen »_bescheidenen_« Gast eine einzige Form der Einladung an ihn:
»Liebster Freund, wir reisen heute abends ab, unsere Villa steht Ihnen
daher zur Verfügung. Die Köchin wird kochen, was Sie anbefehlen;
außerdem bekommen Sie Tagesdiäten von zehn Kronen. Gedenken Sie unser in
Liebe!«