»Sechs riesenstarke Männer und eine _Sechzehnjährige_, wunderbaren
verklärten Antlitzes, und gewachsen wie ein edler Knabe. Man warf sie
wie einen Gummiball, fing sie nach zahllosen Umdrehungen auf
herkulischen Schultern geschickt auf. Dennoch zitterte man jedesmal für
ihre edelzarten, unbeschreiblich rührenden, gebrechlichen Glieder. Sie
blickte ekstatisch, ließ sich in die Luft wirbeln und auffangen und
hätte, zufällig auf den Boden geschleudert und ermordet, zerbrochen,
zerquetscht, keinen Laut von sich gegeben! Ekstatisch blickend wäre sie
gestorben. Da dachte ein Graf: »Ich werde sie ihren Peinigern entziehen
und ihrem Selbstmorde. Ich werde sie schützen, pflegen und behüten!«
Aber das _wunderbar verklärte_ Antlitz hätte sie dann sogleich verloren,
und den edlen süßen Heldenblick wie in einer Schlacht, in der man gern
vor dem Tode steht! Denn »leben ohne Ehre« ist da überflüssig geworden!
O, Fräulein, gedenken Sie eines armseligen Zeitungsreferenten, der es
nicht drucken lassen darf, daß er vor Ihnen hätte hinknien mögen!
Sondern er mußte schreiben: »Einen wirklichen Rekord in der
Parterreakrobatik bot die jugendliche Tochter des Truppendirektors. Eine
Vereinigung von Kraft und Anmut — — —. Stürmischer Beifall belohnte aber
auch ihre Leistung!« O, Menschheit, pfui über dich, die du noch immer
die »spanische Stiergefechtsseele« hast, ohne Erbarmen und ohne Liebe,
pfui! Fräulein M., Ihre edelzarten Glieder sind mehr wert als das
begeisterte Gejohle einer herzlosen Menge. Gott beschütze Sie,
Allerzarteste, in Ihrem gefahrvollen Berufe! Möge dennoch ein Graf Sie
zuletzt erretten!«