16. Kapitel.

Was sich mit dem entführten Oliver begab.

Die engen Straßen und Gäßchen mündeten endlich auf einen weiten,

offenen Platz, um den rings Stallungen standen zum Zeichen, daß

hier ein Viehmarkt war. Sikes verlangsamte seinen Schritt, als sie

diese Gegend erreichten, da das Mädchen völlig außerstande war, den

Laufschritt, den sie bisher angeschlagen hatten, länger auszuhalten.

Sich an Oliver wendend, befahl er ihm barsch, Nancys Hand zu fassen.

«Hörst du nicht?» brummte Sikes, als Oliver zögerte und sich umsah.

Sie befanden sich in einem finsteren, ganz abgelegenen Stadtteil, und

Oliver sah nur zu gut ein, daß Widerstand nutzlos war. Er streckte

seine Hand aus, die Nancy fest mit der ihrigen umklammerte.

Der Abend war dunkel und feucht; die Lichter in den Läden konnten kaum

gegen den Nebel ankämpfen, der immer dichter wurde und die Straßen und

Häuser in ein undurchdringliches Grau hüllte. Sie hatten Smithfield

erreicht, als tiefe Glockenschläge die Stunde verkündeten. Sikes und

Nancy standen bei den ersten Schlägen still und wandten sich nach der

Richtung um, aus welcher die Töne erschallten.

«Acht Uhr, Bill», sagte Nancy, als die Glocke aufhörte zu schlagen.

«Ich habe selbst Ohren», erwiderte Sikes mürrisch.

«Ich möchte wohl wissen, ob *sie* es schlagen hören können?» fuhr Nancy

fort.

«Natürlich können sie's», sagte Sikes. «Es war um Bartholomäi, als

ich in Dobes[L] gesteckt wurde, und auf dem ganzen Markt schnarrte

keine Pfennigtrompete, die ich nicht gehört hätte. Nachdem ich für die

Nacht eingeschlossen war, machte der Lärm und das Getöse draußen das

vermaledeite alte Gefängnis so still und einsam, daß ich mir den Kopf

hätte einrennen mögen an den Basteln[M].»

[L] Gefängnis.

[M] Eisenstäbe.

«Die armen Kerls! Ach, Bill, was sie für schmucke junge Leute sind!»

«Ja, ja, so sprecht ihr Weibsbilder alle!» erwiderte Sikes in einem

Anfluge von Eifersucht. «Schmucke junge Leute! Doch sie sind so gut wie

tot, also mag's gleichviel sein.»

Er faßte den Knaben wieder fester und trieb zur Eile an.

«Noch einen Augenblick», sagte das Mädchen; «ich würde nicht

vorbeilaufen, wenn Ihr's wär't, der zum Galgen herausgeführt würde,

wenn's wieder acht schlägt. Ich würde auf und nieder travallen, bis ich

niedersänke, und wenn fußhoher Schnee läge, und ich hätte kein warmes

Tuch, mich einzuhüllen.»

«Das sollte mir wohl viel helfen», bemerkte der nichtsentimentale

Sikes. «Könnt'st du mir nicht ä Kulm[N] und ä zwanzig Ellen Kabot[O]

'neinpraktizieren, so möcht'st du fünfzig Meilen laufen oder ganz zu

Hause bleiben, es wäre mir alles nichts nütze. Vorwärts, steh' hier

nicht länger und paternelle[P] nicht!»

[N] Feile.

[O] Seil, Strick.

[P] mach keine Predigten.

Das Mädchen brach in ein Gelächter aus, ergriff Olivers Hand, und sie

eilten weiter. Oliver fühlte, daß ihre Finger zitterten, und als sie an

einer Gaslampe vorüberkamen, sah er, daß ihr Gesicht totenblaß war.

Sie lenkten nach einer halben Stunde in eine enge, schmutzige Gasse

ein, die fast ganz von Trödlern bewohnt zu sein schien, und standen

vor einem verschlossenen Laden still. Das Haus schien unbewohnt zu sein

und sah halb verfallen aus. Über der Tür war eine Tafel angenagelt, auf

welcher zu lesen war, daß das Haus zu vermieten sei; sie schien jedoch

dort schon jahrelang befestigt gewesen zu sein.

Nancy bückte sich, und Oliver hörte den Ton einer Glocke. Sie gingen

auf die entgegengesetzte Seite der Straße und stellten sich unter eine

Laterne. Ein Geräusch ließ sich hören, als ob ein Fenster vorsichtig in

die Höhe geschoben würde, und gleich darauf öffnete sich geräuschlos

die Tür. Mr. Sikes packte den erschrockenen Knaben jetzt ohne Umstände

beim Kragen, und im nächsten Augenblick befanden sich alle drei im

Innern des Hauses. Hier war es stockfinster. Sie warteten, bis die

Person, die sie eingelassen hatte, die Tür wieder verschlossen und mit

einer Sicherheitskette verwahrt hatte.

«Ist jemand hier?» fragte Sikes.

«Nein!» erwiderte eine Stimme, die Oliver bekannt vorkam.

«Ist der Alte hier?» fragte der Dieb.

«Ja,» antwortete die Stimme, «und er wird sicher sehr erfreut sein, Sie

zu sehen.»

«Machen Sie Licht,» versetzte Sikes, «oder wir brechen uns den Hals

oder treten auf den Hund. Nehmen Sie Ihre Beine in acht, wenn Sie es

tun.»

«Bleiben Sie einen Augenblick stehen; ich werde Licht bringen»,

erwiderte die Stimme. Man hörte, wie sich der Sprecher entfernte, und

eine Minute später erschien die Gestalt John Dawkins', genannt der

«gepfefferte Baldowerer». Der junge Herr gab nur durch ein spöttisches

Grinsen kund, daß er Oliver wiedererkannt habe, und bat die Besucher,

ihm eine Anzahl Stufen hinunter zu folgen. Sie gingen durch eine

leere Küche und traten in ein niedriges, dumpfiges Gemach ein. Ein

lautes Gelächter schallte ihnen entgegen. Charley Bates wälzte sich

im eigentlichen Sinne vor Vergnügen über den gar zu kostbaren Spaß

auf dem Boden, riß sodann Jack Dawkins das Licht aus der Hand, hielt

es Oliver dicht vor das Gesicht und beschaute ihn von allen Seiten,

während ihm Fagin scherzhafterweise tiefe Verbeugungen machte und der

Baldowerer, der von ernsterem Wesen war und sich nicht leicht der

Heiterkeit überließ, wenn es Geschäfte zu verrichten galt, sorgfältig

seine Taschen durchsuchte.

«Ich freue mich unendlich, Sie so wohl zu sehen, mein Lieber», sagte

der Jude. «Der Gepfefferte soll Ihnen geben einen anderen Anzug, damit

Sie den sonntäglichen nicht verderben gleich. Warum schrieben Sie's

nicht, daß Sie kommen wollten -- wir hätten dann treffen können noch

bessere Vorbereitungen -- aber Sie sollen dennoch etwas Warmes bekommen

zum Abendbrot.»

Jetzt lächelte sogar der Baldowerer; da er jedoch in diesem Augenblicke

die Fünfpfundnote hervorzog, so ist es zweifelhaft, ob der Witz Fagins

oder die erfreuliche Entdeckung seine Heiterkeit erregte.

«Holla, was ist das?» rief Sikes und trat auf den Juden zu, als

derselbe die Banknote hinnahm. «Diese ist mein, Fagin!»

«Nein, nein, mein Lieber», entgegnete der Jude. «Mein, Bill, mein; Ihr

sollt die Bücher haben.»

«Bekomm' ich und Nancy sie nicht,» sagte Sikes, mit entschlossener

Miene den Hut aufsetzend, «so bring' ich den Buben wieder zurück.»

Der Jude fuhr empor und Oliver gleichfalls, obgleich aus einem ganz

anderen Grunde; er hoffte, der Streit würde damit enden, daß man ihn

wieder nach Pentonville zurückbrächte. Allein Sikes entriß dem Juden

unter Schelten und Drohen die Banknote, faltete sie kaltblütig zusammen

und knüpfte sie in den Zipfel seines Halstuchs.

«'s ist für unsere Mühe und noch nicht halb genug», sagte er. «Behaltet

Ihr die Bücher, wenn Ihr gern lest, und wo nicht, schlaget sie los!»

«Es sind prächtige Bücher; nicht wahr, Oliver?» fiel Charley Bates ein,

als er die klägliche Miene gewahrte, mit der Oliver zu seinen Peinigern

emporblickte.

«Sie gehören dem alten Herrn», sagte Oliver händeringend, «dem lieben,

guten alten Herrn, der mich in sein Haus nahm und mich pflegen ließ,

als ich todkrank lag. O bitte, schicken Sie sie zurück, schicken Sie

ihm die Bücher und das Geld zurück! Behalten Sie mich hier mein Leben

lang, aber bitte, bitte, schicken Sie sie nur zurück. Er wird glauben,

daß ich sie gestohlen hätte -- und die alte Dame und alle, die so

freundlich gegen mich waren werden es denken. O haben Sie Erbarmen und

schicken Sie die Bücher und das Geld zurück!»

Oliver fiel vor dem Juden auf die Knie nieder und hob flehend und ganz

in Verzweiflung die Hände zu ihm empor.

«Der Bube hat recht», sagte Fagin, listig umherblickend und die

buschigen Augenbrauen zusammenkneifend. «Du hast recht, Oliver, hast

ganz recht; sie werden allerdings glauben, daß du sie gestohlen hast.

Ha, ha, ha!» kicherte er und rieb sich die Hände; «es hätte sich ganz

unmöglich treffen können besser, und wenn wir noch so gut gewählt

hätten die Zeit.»

«Versteht sich», fiel Sikes ein; «ich wußt's gleich im selbigen

Augenblick, als ich ihn durch Clerkenwell mit den Büchern unterm

Arm daherkommen sah. 's ist nun alles gut. Es müssen schwachköpfige

Betbrüder sein -- hätten ihn sonst gar nicht zu sich genommen; und sie

werden auch keine Nachfrage anstellen, aus Furcht, daß sie ihn anklagen

müßten und ihn gerumpelt[Q] zu sehen. Wir haben ihn jetzt fest genug.»

[Q] Auf den Schub bringen -- deportieren.

Oliver hatte unterdes bald Sikes, bald Fagin angesehen, als wenn er

ganz betäubt wäre und kaum verstände, was gesprochen wurde; allein

bei Bills letzten Worten sprang er plötzlich empor und stürzte unter

einem Geschrei nach Hilfe aus der Tür hinaus, daß die nackten Wände des

Hauses davon widerhallten.

«Halt den Hund zurück, Bill,» schrie Nancy, eilte vor die Tür und

verschloß sie, als der Jude mit seinen beiden Zöglingen Oliver

nachgestürzt war; «halt den Hund zurück; er reißt ihn in Stücke!»

«Ist ihm gerade recht!» rief Sikes und suchte sich von dem Mädchen

loszumachen. «Laß mich los, oder ich renn dir den Kopf gegen die Wand!»

«Ist mir alles gleichviel, Bill, ist mir alles gleichviel», schrie das

Mädchen, sich heftig gegen ihn sträubend; «er soll nicht von dem Hunde

zerrissen werden, und wenn es mein Tod ist!»

«So!» tobte Sikes; «sollst nicht lange warten auf deinen Tod, wenn du

nicht im Augenblick ablässest!»

Er schleuderte sie in die fernste Ecke des Gemachs, gerade als der

Jude, Jack und Charley den Flüchtling wieder hereinschleppten.

«Was gibt's hier?» fragte Fagin.

«Ich glaube, die Dirne ist toll geworden», erwiderte Sikes in Wut.

«Nein, ich bin nicht toll», rief Nancy blaß und atemlos dazwischen;

«nein, Fagin, glaubt's nicht!»

«Dann sei ruhig -- willst du wohl?» sagte der Jude mit drohender

Gebärde.

«Das will ich auch nicht!» erwiderte Nancy mehr schreiend als redend.

«Was willst du nun?»

Mr. Fagin war mit den Sitten und Gebräuchen der Spezies von

Menschenkindern hinlänglich bekannt, welcher Miß Nancy angehörte, um

sich ziemlich überzeugt zu fühlen, daß es einigermaßen gefährlich sein

würde, die Unterhaltung mit ihr für den Augenblick fortzusetzen. Er

wendete sich daher, um die Aufmerksamkeit der Gesellschaft abzulenken,

zu Oliver.

«Du wolltest also fortlaufen, mein Lieber?» sagte er, einen Knotenstock

aufhebend, der am Kamine lag; «wolltest rufen die Polizei -- nicht

wahr, mein Schatz? Ich will dich von der Krankheit kurieren, lieber

Engel!»

Er hatte bei diesen Worten Oliver beim Arme gefaßt, versetzte ihm einen

Schlag über den Rücken und hob den Knotenstock wieder empor, als Nancy

auf ihn zustürzte, ihm den Stock aus der Hand riß und in das Feuer

schleuderte.

«Ich leid's nimmermehr, Fagin!» schrie sie. «Ihr habt den Knaben, und

was wollt Ihr mehr? Laßt ihn -- laßt ihn zufrieden, oder ich tue etwas

an Euch, das mich vor meiner Zeit an den Galgen bringt!» Sie stampfte

bei dieser Drohung heftig mit den Füßen und blickte mit verbissenen

Lippen, geballten Fäusten und blaß vor Zorn und Wut abwechselnd den

Juden und Sikes an.

«Ah, Nancy!» sagte der Jude nach einer kurzen, verlegenen Pause

beschwichtigend; «du -- du übertriffst dich wirklich heute abend selbst

-- ha, ha, ha! -- spielst ganz prachtvoll deine Rolle, liebes Kind!»

«So!» entgegnete Nancy; «nehmt Euch nur in acht, daß ich sie nicht zu

gut für Euch spiele. Ich sage es Euch vorher, Ihr werdet Euch sehr

schlecht dabei stehen!»

Es gibt wenige Männer, die sich nicht gern enthielten, ein in Wut

geratenes und obendrein von nichtsachtender Verzweiflung beseeltes

Frauenzimmer noch mehr zu reizen. Der Jude sah ein, daß es ihm nichts

helfen könne, sich noch länger zu stellen, als wenn er Nancys Zorn

für bloß erkünstelt hielte, fuhr unwillkürlich einige Schritte zurück

und blickte halb zitternd, halb verzagend nach Sikes. Dieser mochte

glauben, sein persönliches Ansehen fordere es, Nancy baldigst wieder

zur Vernunft zu bringen, und begann daher seine Operationen mit

zahlreichen und kräftigen Drohungen und Verwünschungen, wobei er den

Beweis lieferte, daß er es in diesem Genre in der Tat zur Meisterschaft

gebracht hatte. Als sie keinen sichtbaren Eindruck machten, ging er zu

noch überzeugenderen Argumenten über. «Was soll das bedeuten, Dirne?»

tobte er unter Hinzufügung einer Verwünschung, die die Blindheit so

gewöhnlich als die Masern machen würde, wenn der Himmel sie nur halb

so oft wahr machte, als man sie auf Erden hört. «Was willst du damit

bezwecken? Weißt du, zum Geier, wer du bist -- was du bist?»

«O ja, ja; ich weiß es nur zu gut!» erwiderte Nancy unter krampfhaftem

Lachen, dabei den Kopf hin und her wiegend, um gleichgültig zu

erscheinen, was ihr jedoch schlecht gelang.

«Dann sei ruhig, oder ich werde dich auf 'ne lange Zeit zum

Stillschweigen bringen.»

Sie lachte abermals, blickte flüchtig nach Sikes, wendete das Gesicht

ab und biß sich die Lippen blutig.

«Du bist mir die Rechte, dich auf die menschenfreundliche und honette

Seite zu legen!» fuhr er verächtlich fort. «Der Bursch würde 'ne

saubere Freundin an dir haben, wozu du dich aufwirfst!»

«Und beim allmächtigen Gott, ich bin es!» rief sie mit

leidenschaftlicher Heftigkeit; «und ich wollte lieber, daß ich auf der

Straße tot niedergefallen oder in das Gefängnis geworfen wäre, statt

derer, denen wir so nahe waren, als daß ich mich dazu hergegeben hätte,

ihn hierher zu bringen. Er ist von heute abend an ein Dieb, ein Lügner,

ein Mörder, ein Teufel und alles, was nur schlecht und verworfen heißen

mag; -- ist das nicht genug für den alten Halunken -- muß er ihn

obendrein schlagen?»

«Hört, Bill,» fiel der Jude dringend und nach dem mit gespanntem

Ohr zuhörenden Knaben hindeutend ein, «wir müssen freundliche Worte

gebrauchen, freundliche Worte, Bill.»

«Freundliche Worte!» schrie das in seiner Wut schrecklich aussehende

Mädchen; «freundliche Worte, Ihr Schuft! Ja, die verdient Ihr auch von

mir! Ich habe gestohlen für Euch, als ich noch nicht halb so alt war

wie dies Kind hier, und bin in demselben Geschäft und demselben Dienst

seit zwölf Jahren gewesen; wißt Ihr das nicht? Sprecht, wißt Ihr es

nicht?»

«Ja, ja doch», erwiderte der Jude besänftigend; «du hast ja aber auch

davon dein Brot.»

«Freilich, ich habe mein Bettelbrot davon,» schrie sie immer heftiger,

«und die kalten, nassen, schmutzigen Straßen sind meine Wohnung; und

Ihr seid der ruchlose Mann, der mich Tag und Nacht hinaustreibt und

mich Tag und Nacht hinaustreiben wird, bis ich im Grabe liege.»

«Ich füge dir ein Leid zu,» versetzte der Jude, durch diese Vorwürfe

gereizt, «ein Leid, das schlimmer ist als das, von dem du sprichst,

wenn du noch ein Wort sagst.»

Nancy erwiderte nichts mehr, zerraufte aber in einem Übermaß von

Leidenschaft ihr Haar, stürzte auf Fagin zu, und auf seinem Gesichte

würden ohne Zweifel sichtbare Spuren ihrer Rache zurückgeblieben sein,

hätte nicht Sikes eben noch zur rechten Zeit ihre Arme festgehalten.

Sie bemühte sich vergeblich, sich von ihm loszureißen, und sank in

Ohnmacht. «Es ist nun alles wieder in Ordnung», bemerkte Sikes, sie in

eine Ecke tragend. «Sie besitzt außerordentliche Körperkräfte, wenn sie

sich in diesem Zustand befindet.» Der Jude wischte sich die Stirn und

lächelte, und sowohl er wie Sikes und die Knaben schienen den ganzen

Vorfall als einen gewöhnlichen, im Geschäft häufig vorkommenden zu

betrachten.

«Es ist doch das Schlimmste, mit Weibern zu tun zu haben», bemerkte

der Jude, den Stock wieder beiseite stellend; «aber sie sind schlauer

als wir, und wir können ohne sie nicht fertig werden. Charley, bringe

Oliver zu Bett.»

«Nicht wahr, Fagin, er soll morgen seine besten Kleider nicht tragen?»

fragte Charley Bates grinsend, und der Jude verneinte, Charleys

liebliches Grinsen erwidernd. Master Bates schien sich seines Auftrages

höchlich zu freuen, führte Oliver in das anstoßende Gemach, in welchem

einige Betten der Art standen, wie er sie bereits kennen gelernt, und

zog mit unbezwinglichem Gelächter die alten Kleidungsstücke hervor, die

sich Oliver so gefreut hatte, ablegen zu dürfen, und die Fagin auf die

erste Spur seines Aufenthaltes bei Mr. Brownlow gebracht hatten.

«Zieh' die Sonntägischen aus,» sagte Charley, «ich will sie Fagin zum

Aufheben geben. Welch' ein prächtiger Spaß!»

Der arme Oliver gehorchte widerstrebend und wurde darauf von Charley im

Dunkeln gelassen und eingeschlossen. Master Bates' Gelächter und die

Stimme Betsys, die nach einiger Zeit erschien, und ihre Freundin zum

Bewußtsein zurückzurufen sich bemühte, wären gar wohl geeignet gewesen,

ihn unter anderen Umständen wach zu erhalten; allein er war erschöpft

und unwohl und schlief daher bald ein.

Oliver Twist(#56586) · 第 23 / 67 题