Was sich mit dem entführten Oliver begab.
Die engen Straßen und Gäßchen mündeten endlich auf einen weiten,
offenen Platz, um den rings Stallungen standen zum Zeichen, daß
hier ein Viehmarkt war. Sikes verlangsamte seinen Schritt, als sie
diese Gegend erreichten, da das Mädchen völlig außerstande war, den
Laufschritt, den sie bisher angeschlagen hatten, länger auszuhalten.
Sich an Oliver wendend, befahl er ihm barsch, Nancys Hand zu fassen.
«Hörst du nicht?» brummte Sikes, als Oliver zögerte und sich umsah.
Sie befanden sich in einem finsteren, ganz abgelegenen Stadtteil, und
Oliver sah nur zu gut ein, daß Widerstand nutzlos war. Er streckte
seine Hand aus, die Nancy fest mit der ihrigen umklammerte.
Der Abend war dunkel und feucht; die Lichter in den Läden konnten kaum
gegen den Nebel ankämpfen, der immer dichter wurde und die Straßen und
Häuser in ein undurchdringliches Grau hüllte. Sie hatten Smithfield
erreicht, als tiefe Glockenschläge die Stunde verkündeten. Sikes und
Nancy standen bei den ersten Schlägen still und wandten sich nach der
Richtung um, aus welcher die Töne erschallten.
«Acht Uhr, Bill», sagte Nancy, als die Glocke aufhörte zu schlagen.
«Ich habe selbst Ohren», erwiderte Sikes mürrisch.
«Ich möchte wohl wissen, ob *sie* es schlagen hören können?» fuhr Nancy
fort.
«Natürlich können sie's», sagte Sikes. «Es war um Bartholomäi, als
ich in Dobes[L] gesteckt wurde, und auf dem ganzen Markt schnarrte
keine Pfennigtrompete, die ich nicht gehört hätte. Nachdem ich für die
Nacht eingeschlossen war, machte der Lärm und das Getöse draußen das
vermaledeite alte Gefängnis so still und einsam, daß ich mir den Kopf
hätte einrennen mögen an den Basteln[M].»
[L] Gefängnis.
[M] Eisenstäbe.
«Die armen Kerls! Ach, Bill, was sie für schmucke junge Leute sind!»
«Ja, ja, so sprecht ihr Weibsbilder alle!» erwiderte Sikes in einem
Anfluge von Eifersucht. «Schmucke junge Leute! Doch sie sind so gut wie
tot, also mag's gleichviel sein.»
Er faßte den Knaben wieder fester und trieb zur Eile an.
«Noch einen Augenblick», sagte das Mädchen; «ich würde nicht
vorbeilaufen, wenn Ihr's wär't, der zum Galgen herausgeführt würde,
wenn's wieder acht schlägt. Ich würde auf und nieder travallen, bis ich
niedersänke, und wenn fußhoher Schnee läge, und ich hätte kein warmes
Tuch, mich einzuhüllen.»
«Das sollte mir wohl viel helfen», bemerkte der nichtsentimentale
Sikes. «Könnt'st du mir nicht ä Kulm[N] und ä zwanzig Ellen Kabot[O]
'neinpraktizieren, so möcht'st du fünfzig Meilen laufen oder ganz zu
Hause bleiben, es wäre mir alles nichts nütze. Vorwärts, steh' hier
nicht länger und paternelle[P] nicht!»
[N] Feile.
[O] Seil, Strick.
[P] mach keine Predigten.
Das Mädchen brach in ein Gelächter aus, ergriff Olivers Hand, und sie
eilten weiter. Oliver fühlte, daß ihre Finger zitterten, und als sie an
einer Gaslampe vorüberkamen, sah er, daß ihr Gesicht totenblaß war.
Sie lenkten nach einer halben Stunde in eine enge, schmutzige Gasse
ein, die fast ganz von Trödlern bewohnt zu sein schien, und standen
vor einem verschlossenen Laden still. Das Haus schien unbewohnt zu sein
und sah halb verfallen aus. Über der Tür war eine Tafel angenagelt, auf
welcher zu lesen war, daß das Haus zu vermieten sei; sie schien jedoch
dort schon jahrelang befestigt gewesen zu sein.
Nancy bückte sich, und Oliver hörte den Ton einer Glocke. Sie gingen
auf die entgegengesetzte Seite der Straße und stellten sich unter eine
Laterne. Ein Geräusch ließ sich hören, als ob ein Fenster vorsichtig in
die Höhe geschoben würde, und gleich darauf öffnete sich geräuschlos
die Tür. Mr. Sikes packte den erschrockenen Knaben jetzt ohne Umstände
beim Kragen, und im nächsten Augenblick befanden sich alle drei im
Innern des Hauses. Hier war es stockfinster. Sie warteten, bis die
Person, die sie eingelassen hatte, die Tür wieder verschlossen und mit
einer Sicherheitskette verwahrt hatte.
«Ist jemand hier?» fragte Sikes.
«Nein!» erwiderte eine Stimme, die Oliver bekannt vorkam.
«Ist der Alte hier?» fragte der Dieb.
«Ja,» antwortete die Stimme, «und er wird sicher sehr erfreut sein, Sie
zu sehen.»
«Machen Sie Licht,» versetzte Sikes, «oder wir brechen uns den Hals
oder treten auf den Hund. Nehmen Sie Ihre Beine in acht, wenn Sie es
tun.»
«Bleiben Sie einen Augenblick stehen; ich werde Licht bringen»,
erwiderte die Stimme. Man hörte, wie sich der Sprecher entfernte, und
eine Minute später erschien die Gestalt John Dawkins', genannt der
«gepfefferte Baldowerer». Der junge Herr gab nur durch ein spöttisches
Grinsen kund, daß er Oliver wiedererkannt habe, und bat die Besucher,
ihm eine Anzahl Stufen hinunter zu folgen. Sie gingen durch eine
leere Küche und traten in ein niedriges, dumpfiges Gemach ein. Ein
lautes Gelächter schallte ihnen entgegen. Charley Bates wälzte sich
im eigentlichen Sinne vor Vergnügen über den gar zu kostbaren Spaß
auf dem Boden, riß sodann Jack Dawkins das Licht aus der Hand, hielt
es Oliver dicht vor das Gesicht und beschaute ihn von allen Seiten,
während ihm Fagin scherzhafterweise tiefe Verbeugungen machte und der
Baldowerer, der von ernsterem Wesen war und sich nicht leicht der
Heiterkeit überließ, wenn es Geschäfte zu verrichten galt, sorgfältig
seine Taschen durchsuchte.
«Ich freue mich unendlich, Sie so wohl zu sehen, mein Lieber», sagte
der Jude. «Der Gepfefferte soll Ihnen geben einen anderen Anzug, damit
Sie den sonntäglichen nicht verderben gleich. Warum schrieben Sie's
nicht, daß Sie kommen wollten -- wir hätten dann treffen können noch
bessere Vorbereitungen -- aber Sie sollen dennoch etwas Warmes bekommen
zum Abendbrot.»
Jetzt lächelte sogar der Baldowerer; da er jedoch in diesem Augenblicke
die Fünfpfundnote hervorzog, so ist es zweifelhaft, ob der Witz Fagins
oder die erfreuliche Entdeckung seine Heiterkeit erregte.
«Holla, was ist das?» rief Sikes und trat auf den Juden zu, als
derselbe die Banknote hinnahm. «Diese ist mein, Fagin!»
«Nein, nein, mein Lieber», entgegnete der Jude. «Mein, Bill, mein; Ihr
sollt die Bücher haben.»
«Bekomm' ich und Nancy sie nicht,» sagte Sikes, mit entschlossener
Miene den Hut aufsetzend, «so bring' ich den Buben wieder zurück.»
Der Jude fuhr empor und Oliver gleichfalls, obgleich aus einem ganz
anderen Grunde; er hoffte, der Streit würde damit enden, daß man ihn
wieder nach Pentonville zurückbrächte. Allein Sikes entriß dem Juden
unter Schelten und Drohen die Banknote, faltete sie kaltblütig zusammen
und knüpfte sie in den Zipfel seines Halstuchs.
«'s ist für unsere Mühe und noch nicht halb genug», sagte er. «Behaltet
Ihr die Bücher, wenn Ihr gern lest, und wo nicht, schlaget sie los!»
«Es sind prächtige Bücher; nicht wahr, Oliver?» fiel Charley Bates ein,
als er die klägliche Miene gewahrte, mit der Oliver zu seinen Peinigern
emporblickte.
«Sie gehören dem alten Herrn», sagte Oliver händeringend, «dem lieben,
guten alten Herrn, der mich in sein Haus nahm und mich pflegen ließ,
als ich todkrank lag. O bitte, schicken Sie sie zurück, schicken Sie
ihm die Bücher und das Geld zurück! Behalten Sie mich hier mein Leben
lang, aber bitte, bitte, schicken Sie sie nur zurück. Er wird glauben,
daß ich sie gestohlen hätte -- und die alte Dame und alle, die so
freundlich gegen mich waren werden es denken. O haben Sie Erbarmen und
schicken Sie die Bücher und das Geld zurück!»
Oliver fiel vor dem Juden auf die Knie nieder und hob flehend und ganz
in Verzweiflung die Hände zu ihm empor.
«Der Bube hat recht», sagte Fagin, listig umherblickend und die
buschigen Augenbrauen zusammenkneifend. «Du hast recht, Oliver, hast
ganz recht; sie werden allerdings glauben, daß du sie gestohlen hast.
Ha, ha, ha!» kicherte er und rieb sich die Hände; «es hätte sich ganz
unmöglich treffen können besser, und wenn wir noch so gut gewählt
hätten die Zeit.»
«Versteht sich», fiel Sikes ein; «ich wußt's gleich im selbigen
Augenblick, als ich ihn durch Clerkenwell mit den Büchern unterm
Arm daherkommen sah. 's ist nun alles gut. Es müssen schwachköpfige
Betbrüder sein -- hätten ihn sonst gar nicht zu sich genommen; und sie
werden auch keine Nachfrage anstellen, aus Furcht, daß sie ihn anklagen
müßten und ihn gerumpelt[Q] zu sehen. Wir haben ihn jetzt fest genug.»
[Q] Auf den Schub bringen -- deportieren.
Oliver hatte unterdes bald Sikes, bald Fagin angesehen, als wenn er
ganz betäubt wäre und kaum verstände, was gesprochen wurde; allein
bei Bills letzten Worten sprang er plötzlich empor und stürzte unter
einem Geschrei nach Hilfe aus der Tür hinaus, daß die nackten Wände des
Hauses davon widerhallten.
«Halt den Hund zurück, Bill,» schrie Nancy, eilte vor die Tür und
verschloß sie, als der Jude mit seinen beiden Zöglingen Oliver
nachgestürzt war; «halt den Hund zurück; er reißt ihn in Stücke!»
«Ist ihm gerade recht!» rief Sikes und suchte sich von dem Mädchen
loszumachen. «Laß mich los, oder ich renn dir den Kopf gegen die Wand!»
«Ist mir alles gleichviel, Bill, ist mir alles gleichviel», schrie das
Mädchen, sich heftig gegen ihn sträubend; «er soll nicht von dem Hunde
zerrissen werden, und wenn es mein Tod ist!»
«So!» tobte Sikes; «sollst nicht lange warten auf deinen Tod, wenn du
nicht im Augenblick ablässest!»
Er schleuderte sie in die fernste Ecke des Gemachs, gerade als der
Jude, Jack und Charley den Flüchtling wieder hereinschleppten.
«Was gibt's hier?» fragte Fagin.
«Ich glaube, die Dirne ist toll geworden», erwiderte Sikes in Wut.
«Nein, ich bin nicht toll», rief Nancy blaß und atemlos dazwischen;
«nein, Fagin, glaubt's nicht!»
«Dann sei ruhig -- willst du wohl?» sagte der Jude mit drohender
Gebärde.
«Das will ich auch nicht!» erwiderte Nancy mehr schreiend als redend.
«Was willst du nun?»
Mr. Fagin war mit den Sitten und Gebräuchen der Spezies von
Menschenkindern hinlänglich bekannt, welcher Miß Nancy angehörte, um
sich ziemlich überzeugt zu fühlen, daß es einigermaßen gefährlich sein
würde, die Unterhaltung mit ihr für den Augenblick fortzusetzen. Er
wendete sich daher, um die Aufmerksamkeit der Gesellschaft abzulenken,
zu Oliver.
«Du wolltest also fortlaufen, mein Lieber?» sagte er, einen Knotenstock
aufhebend, der am Kamine lag; «wolltest rufen die Polizei -- nicht
wahr, mein Schatz? Ich will dich von der Krankheit kurieren, lieber
Engel!»
Er hatte bei diesen Worten Oliver beim Arme gefaßt, versetzte ihm einen
Schlag über den Rücken und hob den Knotenstock wieder empor, als Nancy
auf ihn zustürzte, ihm den Stock aus der Hand riß und in das Feuer
schleuderte.
«Ich leid's nimmermehr, Fagin!» schrie sie. «Ihr habt den Knaben, und
was wollt Ihr mehr? Laßt ihn -- laßt ihn zufrieden, oder ich tue etwas
an Euch, das mich vor meiner Zeit an den Galgen bringt!» Sie stampfte
bei dieser Drohung heftig mit den Füßen und blickte mit verbissenen
Lippen, geballten Fäusten und blaß vor Zorn und Wut abwechselnd den
Juden und Sikes an.
«Ah, Nancy!» sagte der Jude nach einer kurzen, verlegenen Pause
beschwichtigend; «du -- du übertriffst dich wirklich heute abend selbst
-- ha, ha, ha! -- spielst ganz prachtvoll deine Rolle, liebes Kind!»
«So!» entgegnete Nancy; «nehmt Euch nur in acht, daß ich sie nicht zu
gut für Euch spiele. Ich sage es Euch vorher, Ihr werdet Euch sehr
schlecht dabei stehen!»
Es gibt wenige Männer, die sich nicht gern enthielten, ein in Wut
geratenes und obendrein von nichtsachtender Verzweiflung beseeltes
Frauenzimmer noch mehr zu reizen. Der Jude sah ein, daß es ihm nichts
helfen könne, sich noch länger zu stellen, als wenn er Nancys Zorn
für bloß erkünstelt hielte, fuhr unwillkürlich einige Schritte zurück
und blickte halb zitternd, halb verzagend nach Sikes. Dieser mochte
glauben, sein persönliches Ansehen fordere es, Nancy baldigst wieder
zur Vernunft zu bringen, und begann daher seine Operationen mit
zahlreichen und kräftigen Drohungen und Verwünschungen, wobei er den
Beweis lieferte, daß er es in diesem Genre in der Tat zur Meisterschaft
gebracht hatte. Als sie keinen sichtbaren Eindruck machten, ging er zu
noch überzeugenderen Argumenten über. «Was soll das bedeuten, Dirne?»
tobte er unter Hinzufügung einer Verwünschung, die die Blindheit so
gewöhnlich als die Masern machen würde, wenn der Himmel sie nur halb
so oft wahr machte, als man sie auf Erden hört. «Was willst du damit
bezwecken? Weißt du, zum Geier, wer du bist -- was du bist?»
«O ja, ja; ich weiß es nur zu gut!» erwiderte Nancy unter krampfhaftem
Lachen, dabei den Kopf hin und her wiegend, um gleichgültig zu
erscheinen, was ihr jedoch schlecht gelang.
«Dann sei ruhig, oder ich werde dich auf 'ne lange Zeit zum
Stillschweigen bringen.»
Sie lachte abermals, blickte flüchtig nach Sikes, wendete das Gesicht
ab und biß sich die Lippen blutig.
«Du bist mir die Rechte, dich auf die menschenfreundliche und honette
Seite zu legen!» fuhr er verächtlich fort. «Der Bursch würde 'ne
saubere Freundin an dir haben, wozu du dich aufwirfst!»
«Und beim allmächtigen Gott, ich bin es!» rief sie mit
leidenschaftlicher Heftigkeit; «und ich wollte lieber, daß ich auf der
Straße tot niedergefallen oder in das Gefängnis geworfen wäre, statt
derer, denen wir so nahe waren, als daß ich mich dazu hergegeben hätte,
ihn hierher zu bringen. Er ist von heute abend an ein Dieb, ein Lügner,
ein Mörder, ein Teufel und alles, was nur schlecht und verworfen heißen
mag; -- ist das nicht genug für den alten Halunken -- muß er ihn
obendrein schlagen?»
«Hört, Bill,» fiel der Jude dringend und nach dem mit gespanntem
Ohr zuhörenden Knaben hindeutend ein, «wir müssen freundliche Worte
gebrauchen, freundliche Worte, Bill.»
«Freundliche Worte!» schrie das in seiner Wut schrecklich aussehende
Mädchen; «freundliche Worte, Ihr Schuft! Ja, die verdient Ihr auch von
mir! Ich habe gestohlen für Euch, als ich noch nicht halb so alt war
wie dies Kind hier, und bin in demselben Geschäft und demselben Dienst
seit zwölf Jahren gewesen; wißt Ihr das nicht? Sprecht, wißt Ihr es
nicht?»
«Ja, ja doch», erwiderte der Jude besänftigend; «du hast ja aber auch
davon dein Brot.»
«Freilich, ich habe mein Bettelbrot davon,» schrie sie immer heftiger,
«und die kalten, nassen, schmutzigen Straßen sind meine Wohnung; und
Ihr seid der ruchlose Mann, der mich Tag und Nacht hinaustreibt und
mich Tag und Nacht hinaustreiben wird, bis ich im Grabe liege.»
«Ich füge dir ein Leid zu,» versetzte der Jude, durch diese Vorwürfe
gereizt, «ein Leid, das schlimmer ist als das, von dem du sprichst,
wenn du noch ein Wort sagst.»
Nancy erwiderte nichts mehr, zerraufte aber in einem Übermaß von
Leidenschaft ihr Haar, stürzte auf Fagin zu, und auf seinem Gesichte
würden ohne Zweifel sichtbare Spuren ihrer Rache zurückgeblieben sein,
hätte nicht Sikes eben noch zur rechten Zeit ihre Arme festgehalten.
Sie bemühte sich vergeblich, sich von ihm loszureißen, und sank in
Ohnmacht. «Es ist nun alles wieder in Ordnung», bemerkte Sikes, sie in
eine Ecke tragend. «Sie besitzt außerordentliche Körperkräfte, wenn sie
sich in diesem Zustand befindet.» Der Jude wischte sich die Stirn und
lächelte, und sowohl er wie Sikes und die Knaben schienen den ganzen
Vorfall als einen gewöhnlichen, im Geschäft häufig vorkommenden zu
betrachten.
«Es ist doch das Schlimmste, mit Weibern zu tun zu haben», bemerkte
der Jude, den Stock wieder beiseite stellend; «aber sie sind schlauer
als wir, und wir können ohne sie nicht fertig werden. Charley, bringe
Oliver zu Bett.»
«Nicht wahr, Fagin, er soll morgen seine besten Kleider nicht tragen?»
fragte Charley Bates grinsend, und der Jude verneinte, Charleys
liebliches Grinsen erwidernd. Master Bates schien sich seines Auftrages
höchlich zu freuen, führte Oliver in das anstoßende Gemach, in welchem
einige Betten der Art standen, wie er sie bereits kennen gelernt, und
zog mit unbezwinglichem Gelächter die alten Kleidungsstücke hervor, die
sich Oliver so gefreut hatte, ablegen zu dürfen, und die Fagin auf die
erste Spur seines Aufenthaltes bei Mr. Brownlow gebracht hatten.
«Zieh' die Sonntägischen aus,» sagte Charley, «ich will sie Fagin zum
Aufheben geben. Welch' ein prächtiger Spaß!»
Der arme Oliver gehorchte widerstrebend und wurde darauf von Charley im
Dunkeln gelassen und eingeschlossen. Master Bates' Gelächter und die
Stimme Betsys, die nach einiger Zeit erschien, und ihre Freundin zum
Bewußtsein zurückzurufen sich bemühte, wären gar wohl geeignet gewesen,
ihn unter anderen Umständen wach zu erhalten; allein er war erschöpft
und unwohl und schlief daher bald ein.