Das Innere der Kirche bietet einen fast überwältigenden Anblick. Zwei
Reihen von 20 quadratischen Pfeilern theilen das Langhaus in drei
Schiffe. Die Wände derselben entbehren jedes decorativen Schmuckes, wie
es den Cisterciensern durch ihr Ordensstatut geboten war. Die einzige
Abwechslung bilden die Gurtenträger hoch oben an den Scheidewänden
des Mittelschiffes, welche durch Halbpfeiler mit angefügten Säulchen
gebildet werden.
Grabsteine.
Im Pfeiler vor dem rechten Wasserbecken ist der Grabstein des
Bildhauers und Lehrers Raphael Donners, eines langjährigen Familiars
des Klosters
Giovanni Giulliani † 1744,
in der Nähe des linken Weihwasserbeckens jener des
Martin Altomonte † 1745,
eines der bedeutendsten Kirchenmalers des vorigen Jahrhunderts,
angebracht.
~Im rechten Seitenschiffe~ stehen die Grabsteine der Aebte:
1. Marian I. † 1705,
2. Michael II. † 1658,
3. Clemens, † 1693, des zweiten Gründers des Stiftes,
4. Johann VI. † 1599;
~im linken Seitenschiff~:
1. Ritter Johann Griffo, Bürger von Wien,
2. Ritter Stephan Ciciling, beide aus dem Anfange des 14.
Jahrhundertes,
3. Abt Johann Franz von Schlierbach † 1644,
4. Abt Conrad III. von Heiligenkreuz, † 1558 mit Epitaph, auf der
Vorderseite den heiligen Conrad mit der Spinne im Kelch zeigend
(dieser soll, wie die Legende erzählt, durch den Genuß einer Spinne,
welche in den Kelch gefallen war, gestorben sein), die Kehrseite zeigt
einen vor dem »_Ecce homo_« knienden Cistercienser mit dem Spruchbande:
_Fili Dei, miserere mei_.
Im Mittelschiff sind besonders beachtenswerth die ~eingelegten
Kirchenbänke~, 1802 verfertigt von den Laienbrüdern Caspar Willer und
Lucas Barth.
B. Der gothische Chor.
Eine dreischiffige Halle, die den Charakter der Kirchenbauten des 14.
Jahrhunderts trägt. Auffallend ist ~der geradlinige Chorabschluß~,
eine Eigenthümlichkeit der Cistercienserkirchen, wie beispielsweise
bei dem Mutterkloster Citeaux. Interessant ist auch die Gruppirung
der Seitenaltäre um den freistehenden Hochaltar, ebenfalls eine
Eigenthümlichkeit der Kirchen dieses Ordens. Der Einbau der Thurmstiege
stammt aus dem Jahre 1466. Bemerkenswerth sind auch die Eckknollen an
den Füßen der Vierungssäulen.
~Die Bodenfliese~ sind neu, jedoch Imitation der aufgefundenen, im
Museum verwahrten Originale.
Ein Meisterwerk ist die von Professor D. Avanzo entworfene ~Kanzel~,
gebaut 1885, in den Giebeln des Deckels die vier Kirchenväter.
Eine Steinschranke mit einem Eisengitter schließt das Presbyterium von
dem übrigen Theile des Chores ab.
Links vom Eingange erscheint wieder das Wappen des Stiftes, rechts
jenes des Abtes Heinrich Grünbeck (grüner Bach im goldenen Feld). Das
Gitter aus Weinlaubmotiven zusammengesetzt, wurde angefertigt vom
Kunstschlosser Baierlein in Wien. Innerhalb der Schranke erhebt sich
der im Jahre 1887 gleichfalls vom Prof. D. Avanzo erbaute ~Hochaltar~;
der Unterbau aus Marmor mit Glasmosaiken geziert. Die Retabel, dem
sogenannten Verduner-Altare in Klosterneuburg nachgebildet, ist aus
Goldbronce. Die Emails stellen Scenen aus dem Leben der heiligen
Maria dar, welcher sowohl Kirche als Altar geweiht ist, u. zw. links
die Geburt und Darstellung im Tempel, rechts die Verkündigung und
Heimsuchung, im Mittelstück die Krönung; darüber wölbt sich auf vier
Säulen aus Unterberger Marmor ein reicher ~Bronce-Baldachin~, gekrönt
mit einem doppelten Thürmchen, in welchem die heilige Dreifaltigkeit
dargestellt ist.
=Session.=
Im gleichen Style mit dem Hochaltar ist die reiche Session. Die
prächtigen Stühle aus Goldbronce und die Umrahmungen nach Entwürfen des
Prof. D. Avanzo. Die Rückwand der Session wird gebildet von einem circa
1500 gewebten flandrischen Gobbelin, den Stifter -- heiligen Leopold --
mit seiner Familie darstellend, eine Widmung des Dr. Fuchsmagen. Nicht
zu übersehen ist die ~hängende Ampel~.
=Im linken Chorschiff.=
An der Wand des romanischen Querschiffes das Altarblatt, des nach der
Türkeninvasion errichteten alten barocken Hauptaltares, ~ein großes
Gemälde von Rottmayr~, die Krönung Mariens darstellend.
Zu den schönsten Kunstüberresten nicht bloß des Stiftes sondern des
Mittelalters überhaupt gehören ~die gemalten Glasfenster des gothischen
Chores~, die in den oberen Partien dem Ende des 13. Jahrhunderts
angehören.
Die Farben der Fenster sind von wunderbarer Tiefe und Kraft, die
Zeichnung der Figuren einfach und strenge, die romanischen Kunstformen
entlehnten Ornamente sind im hohen Grade elegant und vollendet. Die
Figuren in den Fenstern stellen dar, u. zw. ~die alten in dem linken
Fenster des Chorabschlusses~ von oben nach unten: Zacharias, Habakuk,
Samuel; ~die neuergänzten~: Abraham, Joachim, Josef. ~Im rechten
Seitenfenster ebenso~: Vitus, Hippolytus, Mauritius; die neuergänzten:
Ephraim, Augustinus, Gregorius. Das mittlere Fenster ist gänzlich
restaurirt. Die Figuren nach Zeichnung des Professors Klein stellen von
oben nach unten je vier Apostel, Märtyrer, Bekenner und Jungfrauen dar.