1. ~Der Benedictialtar~, die Statue von Bildhauer Erler; besonders
schön ist die Einfügung des Heiligenscheines in das rückwärts
angebrachte Fenster.
2. ~Der Altar des heiligen Leopold~, des Stifters. Die Statue von
Bendel. Beide Altäre sind 1890 gebaut.
Im Chorabschluß.
1. Im Prospect des linken Seitenschiffes erhebt sich an der Mauer
des Chorabschlusses ~der Bernhardialtar~ 1894 erbaut. Auf einem
Unterbau aus rothem und weißem Salzburger Marmor erhebt sich der
reiche Aufbau aus Goldbronce. Unter dem Baldachin steht die vom
Bildhauer Beyer modellirte Statue des Heiligen. Links und rechts von
demselben Künstler entworfen: Darstellungen aus dem Leben des Heiligen
(Hautereliefs) u. zw.: Aufnahme in das Kloster, Bekehrung Herzogs
Wilhelm von Aquitanien, die Kreuzzugpredigt zu Speier und eine Vision
Mariens.
2. In der Mitte des Chorabschlusses vor dem großen gänzlich
restaurirten Chorfenster steht ~der Kreuzaltar~, der zugleich als
~Speisealtar~ dient. Ueber der Kreuzigungsgruppe im Giebelfeld ~der
Pelikan~, der seine Jungen mit eigenem Blute nährt, -- ein Symbol des
Altarsacramentes.
3. Das Gegenstück zum Bernhardialtar ist der ebenfalls 1894
aufgeführte ~Marienaltar~ mit der heiligen Maria als Himmelskönigin.
Die Reliefs stellen dar: Geburt Christi, Anbetung der heiligen drei
Könige, _Pietà_ und Tod Mariens. Der figurale Theil ist ebenfalls von
Beyer.
Im rechten Chorschiff.
Im selben Styl und zu gleicher Zeit (1890) sind:
1. ~der Josefsaltar~ und
2. der Altar des heiligen Stefan gebaut. Die Statuen beider Altäre
sind von Erler. Beachtenswerth ist auch die schöne Anordnung der
Altäre rechts und links: Links ~der Heilige Benedict~, der Verfasser
der Regel für die abendländischen Mönchsorden, rechts ~der heilige
Stefan~, der Verfasser der _charta charitatis_, der Grund-Constitution
des Cistercienser-Ordens, welche der Heilige in der Hand hält; links
~der heilige Leopold~, der Gründer des Stiftes, rechts der heilige
Josef, der Patron der ganzen Kirche; links ~der heilige Bernhard~, der
größte Heilige des Ordens und rechts ~die heilige Maria~, die Königin
aller Heiligen, sowie der gesammten Christenheit; als Abschluß endlich
~am Kreuzaltar~ der gekreuzigte Heiland der Menschen.
Auf dem neu -- 1875 -- gebauten romanischen Musikchor ist die ~kleine
Orgel~ mit 11 Register aus der Zeit des Abtes Robert (1728-1755)
angebracht, darunter sieht man eine frühgothische, jetzt vermauerte
Thür, die in die ehemalige Sacristei führte; davor stehen ~vier
romanische Leuchter~ aus der Gründungszeit des Stiftes. -- ~Der
gothische Taufstein~ mit Broncedeckel wurde unter Abt Edmund
(1841-1877) hergestellt.
=Der Kreuzgang.=
Vom rechten Seitenschiff des romanischen Theiles der Kirche gelangt man
durch eine romanische Pforte (die romanische Thür aus dem Jahre 1884)
~in den Kreuzgang~, der im blühendsten Uebergangsstyle gebaut, mit
seinen über 300 rothen Marmorsäulchen einen äußerst prächtigen Eindruck
macht. Der Bau stammt seinem architektonischen Charakter nach aus dem
Ende des 12. und der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, ungefähr aus
derselben Zeit, wie die Façade der Kirche. Unter dem Herrn Prälaten
Grünbeck wurde er restaurirt und 1894 mit einem neuen Pflaster versehen.
a) ~Fußwaschungsgang~.
Eine neue Stiege mit dem Stifts- und Prälatenwappen -- 1894 ebenfalls
von Professor D. Avanzo ausgeführt -- führt ~in den Fußwaschungsgang~,
so genannt, weil hier am Gründonnerstage zwölf Greisen von ebensovielen
Mitgliedern des Stiftes nach dem Beispiele des Heilandes die Füße
gewaschen werden. Dieser Theil enthält überaus werthvolle Glasmalereien
aus dem Beginne des 13. Jahrhunderts; besonders reich sind auch die
Capitäler, Consolen und Schlußsteine. Die Glasmalereien oben in den
Rundfenstern des Fußwaschungs-, Capitelhaus- und Pförtnerganges sind
durchaus, die in denen des Refectoriumsganges zum Theil neu. Die beiden
Gruppen an den Enden des Fußwaschungsganges, ~die Büßerin Magdalena
und die Fußwaschung~ sind wie die in diesem Gange angebrachte Session
und Kanzel aus der Meisterhand Giulliani's. Die Oelgemälde in den
Bogenfeldern, Scenen aus dem Leben des heiligen Bernhards darstellend,
stammen aus der Zeit des Abtes Marian I. (1693-1705) gemalt vom
Laienbruder Stefan Molitor.
b) ~Pförtnergang~.
Capitäler, Kelchform aufweisend, Consolen und Schlußsteine sind durch
reiche Blattornamente geziert. Dieser Gang mit den zwei anstoßenden
Travees des Fußwaschungsganges scheint der älteste Theil des
Kreuzganges zu sein.
Längs der Wand sind die früher an verschiedenen Stellen des Bodens
gelegenen ~Grabsteine der Wohlthäter des Stiftes~ aufgestellt.
1. Hugo von Aigen, erste Hälfte des 13. Jahrhunderts.
2. Ulrich von Himberg, erste Hälfte des 13. Jahrhunderts.
3. Heinrich von Zebingen, erste Hälfte des 13. Jahrhunderts.
4. Conrad von Wildeck, erste Hälfte des 13. Jahrhunderts.
5. Adelheid von Ulrichskirchen † 1246.
6. Dietmar v. Engelschalksfeld † 1271.
7. Otto Turso, 13. Jahrhundert.
8. Otto in Foro (vom hohen Markt), Wiener Bürger † 1277 oder 1288.
9. Berthold v. Arnstein, zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts.
10. Conrad Mazo † nach 1286.
11. Otto v. Haslau † 1289.
12. Bertha von Ror, zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts.
13. Sifrid Leublo, Bürger von Wien † 1289.
14. Berthold Treun, Marschall von Oesterreich, 13. Jahrhundert.
15. Albert Veuslo, † um 1294.
16. Abt Johann I. von Heiligenkreuz † 1321 und seine Mutter Gisla.
17. Otto Turso v. Rauheneck † 1331.
18. Wulfing v. Harssendorf † 1324.
19. Gräfin Eulalia de Avis † 1338.
20. Bischof Nicolaus von Tribau † 1402.
21. Johann v. Neudeck, 14. Jahrhundert.
Bemerkenswerth ist auch ~die neue romanische Pforte~ 1894.
c) Refectoriumsgang.
In den Fenstern ist ein Theil ~der alten Glasgemälde~ erhalten, ebenso
wie im Fußwaschungsgange, aus dem Anfange des 13. Jahrhundertes
stammend. Die Thür vis-à-vis dem Brunnenhause führt in's
~Sommerrefectorium~, einen langen Saal mit prachtvoller Stuckarbeit,
Fresken (Tercola) und Oelgemälden, 1687 gebaut, 1712 restaurirt. An
der linken Wand in Oelgemälden die allegorischen Gestalten der Demuth,
der vier Cardinaltugenden und Glaube, Hoffnung und Liebe; über der
Hauptthür das Porträt des Erbauers, des Abtes Clemens (1658-1693).
~An der Wand in den Bogenfeldern~:
1. Der heilige Bernhard,
2. der heilige Malachias,
3. der heilige Bonifaz, Bischof von Lausanne,
4. der heilige Conrad,
5. die Bestätigung des Cistercienser-Ordens,
6. die Familie des heiligen Bernhard,
7. das Colossalgemälde »die Speisung der 5000«, 1742 von Altomonte
in seinem 83. Lebensjahre gemalt.
~In der Mitte der Wölbung sind die Fresken~:
1. Esau und Jacob,
2. Vision des heiligen Bernhard,
3. Heiliger Benedict in der Einsamkeit,
4. Abraham und die Engel,
5. die Büßerin Magdalena,
6. das Abendmahl.
Außerdem begleiten diese Fresken rechts und links eine Reihe von
Bildern, von denen die linksseitigen die österreichischen und die
rechtsseitigen die ungarischen Güter des Stiftes mit den betreffenden
Donatoren darstellen. Gegenüber dem Refectorium erhebt sich ~das
gothische Brunnenhaus~ aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
Die berühmten Glasgemälde stammen zum Theile aus dem Ende des 13.
Jahrhunderts. Das vereinzelte Glasgemälde im zweiten linksseitigen
Fenster stellt den König Alexander auf dem Panther reitend dar --
Zeichen des Sieges.
~Das linksseitige Fenster mit den Bildern der Babenberger zeigt~
Heiligenkreuz -- Klosterneuburg,
(Ansichten der beiden Stifte in ursprünglicher Gestalt);
dann folgen:
Heiliger Leopold -- Agnes,
Adalbert -- Leopold IV. der Freigebige,
Otto von Freisingen -- Heinrich II. Jasomirgott,
Ernest -- Conrad, Erzbischof von Salzburg.
~Im rechtsseitigen Fenster, neu~,
Lilienfeld -- Zwettl,
Leopold V. der Tugendhafte -- Heinrich I. der Katholische,
Heinrich von Mödling -- Raiza seine Gemahlin,
Heinrich der Grausame -- Richardis seine Gemahlin,
Friedrich II. der Streitbare -- Gertruds seine Gemahlin.
Im Vereinigungspunkt der Rippen als ~Schlußstein~ der Heiland mit dem
Lebensbuch (Original im Museum). Unter den Fenstern läuft ringsum ein
mit spitzförmigen Blindbögen und mit reichem Maßwerke geschmücktes
gothisches Parapet. -- ~Der alte Brunnen in der Mitte aus Blei~ bildet
eines der kostbarsten Alterthümer des Stiftes.
d) ~Capitelhausgang~.
An den Ostflügel des Kreuzganges, Capitelhausgang genannt, ist das
sogenannte untere Dormitorium, die Todtenkapelle, das Capitelhaus und
die Annakapelle angebaut.
~Vor dem Eingang in das Capitelhaus~ stehen an der Fensterwand: ein
Grabsteinfragment, Ulrich von Ebersdorf, 14. Jahrhundert, dann die
Grabsteine der Offnia von Seefeld und ihrer Kinder und des Dietrich von
Lichtenstein, beide aus dem 13. Jahrhundert.
I. ~Die Annenkapelle~, früher die Sacristei, wurde von dem in
dieser Kapelle ruhenden Abt Gerhard (1705-1728) in die jetzige Gestalt
gebracht.
II. Weniger verändert wurde das aus dem 13. Jahrhundert stammende
~Capitelhaus~, wenn es auch von Abt Gerhard und Abt Robert
(1728-1753) mit Fresken in der Manier der Barocke ausgeschmückt
wurde. Die Freskenbilder der hier begrabenen Babenberger sind ein
Werk des Laienbruders Mathias Gusner († 1772), die Glasgemälde,
darunter das 1863 auf der Pariser Ausstellung aufgestellte Radfenster
(Katharinenrad) wurden neu eingesetzt.
Dieser ernste Raum ist ~doppelt geheiligt~, durch den Ordensgebrauch
und die Erinnerungen der Geschichte. Hier versammelten sich die
Ordensbrüder zur Berathung über die wichtigsten Angelegenheiten und
dann ruhen hier unter einfachen Grabsteinen die Fürsten des ruhmreichen
Babenbergergeschlechtes, nämlich:
1. Herzog Friedrich II. der Streitbare, gefallen in der Schlacht
gegen die Ungarn 1246. Der Tumbadeckel, den Herzog darstellend, ist
eines der ältesten mittelalterlichen Sculpturwerke dieser Art in
Oesterreich.
2. Herzog Friedrich I. der Katholische † 1198; sein Grabstein ist
ganz einfach und liegt am Boden im Vordertheile des linken
Seitenschiffes der Halle;
3. Neben ihm ruht, wie ein ebenfalls einfacher Grabstein besagt,
Herzog Leopold V. der Tugendhafte † 1194, der Spender der großen
Kreuzpartikel;