Heiligenkreuz

in Niederösterreich.

[Illustration]

Wien.

_~Selbstverlag des Stiftes.~_

Druck von Rudolf Brzezowsky & Söhne.

[Illustration]

~Die Cistercienser-Abtei Heiligenkreuz~ wurde 1135 vom Markgrafen

Leopold III. dem Heiligen gegründet. Auf Bitten seines Sohnes, des

berühmten Geschichtsschreibers Otto, später Bischofs von Freisingen,

berief er in die neue Stiftung Mönche des vom heiligen Robert im Jahre

1098 gegründeten Cistercienser-Ordens, und zwar aus dem burgundischen

Kloster ~Morimund~, dem Otto damals als Abt vorstand. Trotzdem

die Abtei zu wiederholten Malen von Bränden heimgesucht, von den

feindlichen Ungarn und Türken überfallen wurde, blieb sie dennoch in

ihren Haupttheilen in fast ursprünglicher Form erhalten, eine seltene

Ausnahme unter den Klosterstiftungen.

=Der große Hof.=

Die Abtei wird gegen West und Nord von einem Meierhofe, Gasthofe und

von Beamtenwohnungen umschlossen, welche ~den äußeren Stiftshof~

bilden. Die Façade des eigentlichen Stiftsgebäudes ist im Barockstyl

erbaut. Unmittelbar über dem Hauptportale ist ein Wappenschild zu

sehen, dessen linkes Feld ~eine schwörende Hand~ -- das Wappen des

Stiftes Heiligenkreuz, -- zeigt, wie solches in den Räumen des Stiftes

wiederholt angebracht ist.

Das Hauptportale, durch das man in den von Arcaden umschlossenen

~inneren Stiftshof~ kommt, überragt ein Thurm mit dem vom Abt Gerhard

im Jahre 1720 erbauten ~Hornwerk~, einer mächtigen Orgel, welche an

hohen Feiertagen den C-Accord durch mehrere Octaven hindurch erklingen

läßt -- bei 1000 Pfeifen.

Gegenüber dem Portale der Kirche erhebt sich eine herrliche vom G.

Giulliani erbaute ~Dreifaltigkeitssäule~, welche einem Gelübde des

Abtes Gerhard wegen der glücklichen Abwendung der im Jahre 1713

wüthenden Pest von Heiligenkreuz ihren Ursprung verdankt. Die Säule

ließ erst Abt Robert in den Jahren 1734-1736 erbauen. Die drei Statuen

in den Nischen des Unterbaues _vis-à-vis_ der Kirche stellen den

Gründer des Stiftes Leopold den Heiligen, links den heiligen Benedict,

rechts den heiligen Bernhard, die oberen Statuen links den heiligen

Sebastian, rechts den heiligen Rochus, rückwärts den heiligen Carl

Borromäus vor. Die dazwischen liegenden Reliefs bedeuten auf der

Vorderseite die heilige Rosalia, links die heilige Magdalena, rechts

den heiligen Petrus, darüber thürmt sich eine Wolkensäule auf, deren

Spitze die heilige Dreifaltigkeit krönt und in deren Mitte die Krönung

Mariens dargestellt ist. Gleichfalls ein Werk Giulliani's ist der

idyllische, unter Abt Robert (1728-1755) errichtete ~Josefsbrunnen~,

den heiligen Josef mit dem Jesukind darstellend. Um den Sockel herum

drei Engel, Glaube, Hoffnung und Liebe vorstellend. Die Reliefs: Jesus

am Jacobsbrunnen, Hagar und Ismael, Jacob und Rebekka.

=Gemälde-Gallerie.=

Im ersten Stocke des westlichen Hoftractes ist ~eine kleine

Gemälde-Gallerie~ untergebracht. Fresken und reiche Stuckarbeit

schmücken den imposanten Saal. Aus der Gemäldesammlung sind

hervorzuheben: Eine Sammlung altdeutscher Gemälde, Moses in der Wüste

und Studienkopf von Jordans, Blumenstück, Niederländer-Mondlandschaft

von van de Noer, heiliger Franziskus von Carraccio, Judith von Cortona,

_Mater dolorosa_, Kreuzabnahme und Krönung Mariens von Altomonte, Maria

mit dem Kinde von Peter v. Strudel, großes Schlachtgemälde »Entsatz

Wiens 1683« von Rugendas.

=Museum.=

Der erste Saal enthält eine reiche ornithologische und mineralogische

Sammlung, dann Conchilien und Petrefacten. Aus den im zweiten Zimmer

untergebrachten Gegenständen sind zu erwähnen: zwei Broncestatuen aus

dem 16. Jahrhundert, Adam und Eva, reizende Nippchen aus Porzellan und

Elfenbein, eine egyptische Mumie, gegen 170 Thonskizzen Giulliani's,

darunter: Dreifaltigkeitssäule, Josefsbrunnen, Kreuzwegstatuen,

Vexirbilder und eine kleine Sammlung von alten Waffen.

=Kirche.=

Die äußere Façade, streng im romanischen Styl, -- Mitte des 12.

Jahrhunderts -- wirkt durch die beabsichtigte Unsymmetrie äußerst

interessant.

Das Cistercienserstift Heiligenkreuz in Niederösterreich · 第 2 / 6 题