9 Früh 12 Mittags 10 Abends

Höchster Stand + 21.0° R. + 21.5° + 16.2°.

Niedrigster Stand + 16.5° " + 18.0° + 15.0°.

Mittlerer Stand in

14 Beobachtungen + 17.7° " + 19.8° + 15.6°.

Es sinkt indessen in der Bai die Temperatur während der Nacht und gegen

Morgens kaum noch tiefer als die angegebenen 15.0° R.

Ueber die Temperatur am Lande ist es schwierig, besonders für die kurze

Zeit meines Aufenthalts, eine sichere Angabe zu liefern. Theils der

Seewind, theils der Luftzug aus den einzelnen Schluchten, auf der andern

Seite aber auch wieder die Nähe von Felsen, welche durch die Sonne

stark erhitzt sind, verursachen zu bedeutende Schwankungen.

Vielleicht kann man für den Sommer dort als höchste Temperatur

während des Tages + 24° R., und das niedrigste für die Nacht,

+ 16° R. annehmen, und nach dem was ich von den Bewohnern der Bai

erfahren konnte, sind die Unterschiede für den Winter nur gering.

_Atmosphärischer Druck._ Die wenigen angestellten Versuche ergaben

Folgendes:

Höchster Stand 757.3 M. M.

Niedrigster Stand 754.0 "

Mittlerer Stand 755.8 "

Dieß ist das Resultat von 16 Beobachtungen des Mittags um 12 Uhr

angestellt. Die _stündlichen_ Schwankungen des Barometers trafen sehr

genau ein, doch war die Versuchsreihe zu klein, um irgend einen Werth zu

haben.

Daß _Regen_ gänzlich in der Bai fehlt, indessen gegen Abend

Nebelschichten alle Spitzen der Berge bedecken, habe ich bereits

berichtet. Was die Feuchtigkeit der Luft betrifft, so stand mir freilich

nur ein Fischbein-Hygrometer nach de Luc zu Gebot. Relative Werthe

können aber immerhin mit demselben erhalten werden. Es stand mein

Instrument des Tags über constant auf 32, und fiel während der Nacht

etwa auf 33 bis 34. Am Lande aber, nicht weit entfernt vom Ufer der See,

stieg derselbe stets um einige Grade.

Als vergleichenden Anhaltspunkt will ich beifügen, daß bei Kap Horn

dasselbe Hygrometer auf 101 stand, während es auf der Cordillera

von Chile auf 0 und noch höher stieg, so daß ich genöthigt war

provisorisch die Scala zu vergrößern.

_Windrichtung._ Ziemlich regelmäßig beginnt der Wind des Morgens

zwischen 9 und 10 Uhr von Süd-West und Süd-Süd-West zu wehen, und

springt gegen 3 bis 4 Uhr des Nachmittags in Nord-West, öfter aber

in Nord-Ost um. Gegen Abend und die Nacht hindurch ist es stille. Sehr

selten weht starker Wind.

Eigenthümlich sind die warmen Luftwellen, die gegen Abend, wenn fast

schon vollständige Windstille eingetreten ist, sich der Küste

entlang bewegen. Etwa 10 bis 15 Sekunden lang dauert ein solcher warmer

Luftstrom, der sich nicht immer der letzten Windrichtung nach bewegt,

und dessen Temperatur wenigstens 2 bis 3 Grade höher ist als die der

übrigen Luft.

Die Erscheinung ist ohne Zweifel bedingt durch eine Ausgleichung der an

einigen Stellen des Gebirges mehr als an andern erhitzten Luft, und ich

habe an der Cordillera in Chile ganz dasselbe gefunden.

_Gewitter_ kommen auch hier so wenig wie auf dem Flachlande von Chile

vor.

_Erdbeben_ sollen nach Aussage der Einwohner etwa eben so häufig

vorkommen als in Chile. Es fand indessen während meines Aufenthaltes

in der Bai kein einziger Erdstoß statt. Daß Erderschütterungen

dort auftreten, davon geben aber schon die von den Abhängen der

Berge herabgestürzten Felsblöcke und andere ähnliche Erscheinungen

Zeugniß. Hebungen und Senkungen der Küste aber, wie sie sich in Chile

fast allenthalben mit Sicherheit nachweisen lassen, haben, wie ich

glaube, seit langer Zeit in der Nähe der Bai nicht stattgefunden,

wenigstens fehlen alle Anzeichen, nach welchen man auf solche schließen

kann.

* * * * *

Ich füge diesen meteorologischen Notizen einige Nachrichten über

die Wüste von Atakama selbst bei, welche ich fast gänzlich der

freundlichen Güte meines geehrten Freundes, des Dr. Ried in Valparaiso,

verdanke, und welche um so interessanter sind, da Ried einestheils mit

einem scharfen Beobachtungsgeiste ausgerüstet, andererseits aber die

Wüste selbst nur wenig von Gelehrten besucht worden ist.

Es beginnt die eigentliche Wüste sogleich hinter den von mir öfters

erwähnten Küstengebirgen, deren höchste Höhe Ried, so wie ich, auf

etwa 3000 Fuß angiebt. Hinter diesen Gebirgen kömmt Tafelland und

die Wüste erstreckt sich durch die ganze Breite des Landes bis an die

Cordillera. Die _Länge_ des zu Bolivien gehörigen Theils der Wüste

ist etwa 150 Stunden, aber Ried giebt die Länge der eigentlichen

Wüste bedeutend größer an, ohne Zweifel, weil die gegen Nord und

Süd angrenzenden Theile von Peru und Chile ebenfalls analogen Charakter

tragen. Auf das die Wüste bildende Tafelland kömmt man durch jene

Flußbeete, welche ich oben bereits erwähnt, und als durch mächtige

und periodische Schmelzungen des Cordillera-Schnees entstanden,

bezeichnet habe. Das Tafelland ist hügelig und uneben, und mehrfache

jener Flußbeete durchschneiden es; Spuren mächtiger Strömungen werden

an ihnen gefunden und nicht selten sind die steilen granitischen Wände

derselben durch die Masse rasch vorübergeführter Gesteinstrümmer

polirt und abgeschliffen. Jetzt sind sie trocken.

Dem Granite scheinen hier und da jüngere Formen aufgelagert; so fand

Ried an einer Stelle Saurierreste.

Der beste Eingang in die Wüste ist von Cobija aus. Von dort aus beginnt

man sogleich zu steigen, eine Höhe von 3000 Fuß wird in vier bis

fünf Stunden überstiegen, und auch dort finden sich jene mächtigen

Wasserrisse. Etwa 22 Stunden weit von der Küste trifft man auf einen

Gebirgszug, der so ziemlich parallel mit der ersteren verläuft. Die

höchsten Punkte dieser Kette schätzt Ried auf 7000 bis 8000 Fuß. Ein

ähnlicher Charakter der allgemeinen Bildungsform zeigt sich also auch

hier wie in Chile, nur großartiger wie es scheint.

Hat man diese Kette überschritten, so erblickt man im Hintergrunde

die hohe Cordillera, die oft beschriebene und dennoch unbeschreibbare

riesige Kette der Anden. Zwischen ihr und dem Wanderer liegt die Wüste,

das Bild des Todes, wenn auch nicht der Verwesung, denn die lange

Straße von Leichen, welche sich durch dieselbe hinzieht, besteht aus

nur _vertrockneten_ Thieren. Pferde und Maulthiere sind mumificirt,

Haare, ja selbst die Augen noch erhalten an ihnen. Hunger, Durst

und Ermattung hat sie getödtet, aber die klimatischen Verhältniße

gestatten keine Fäulniß der Körper, während eben so wenig dort

irgend ein Insekt existirt, welches sie verzehrt.

Etwa nach 27 Leguas (40½ Stunde) kommt man an einen Fluß der Loa

heißt. Er besteht aus geschmolzenem, von der Condillera kommendem

Schneewasser. Unferne von dort liegt ein indianisches Dorf, Chiuchia,

und dort tritt zu dem Loa ein vulkanischer Strom. Das Flußbett ist 300

bis 400 Ellen breit und mächtig tief. Aber das Wasser des vulkanischen

Flusses enthält Kupfer und eine Menge anderer Salze in Auflösung, es

verursacht Leibweh, wird aber dennoch getrunken. Die Wassermenge ist

nur gering, wird aber gegen die See hin noch geringer und verliert sich

endlich ganz.

Im Wasser selbst konnte Ried keine Spur irgend eines Geschöpfes

entdecken, hingegen sah er in der Nähe desselben eine kleine Eidechse,

eine Fliegenart und Musquitos.

Höchst interessant sind die Beobachtungen über die Temperatur, die

Windrichtung und den Regen.

Die Mittagshitze ist drückend. Ried giebt 96 bis 120 Fahrenheit an,

also + 28 bis + 39 Reaumur. Gegen vier Uhr des Nachmittags nimmt die

Hitze ab, und die Temperatur sinkt rasch. Nach Mitternacht tritt Frost

ein und der Thermometer stand auf 32° Fh., also 0° Reaumur, manchmal

noch tiefer.

Die natürliche Folge hievon ist Pneumonie und Pleuritis, und Thiere und

Menschen erliegen nicht selten derselben.

In der Wüste selbst regnet es nie und man wird sich erinnern, was ich

im Vorhergehenden über die Regenlosigkeit der Küste ausgesprochen

habe. Auf der Cordillera aber selbst und etwa 15 Stunden weit von

derselben gegen Westen fällt Regen, nie aber weiter. Aber jene Regen

fallen blos im Winter, d. h. vom Mai bis zum September. In Bolivien, in

so ferne es gegen Osten von der Cordillera aus liegt, regnet es hingegen

im Winter nie, aber im Sommer fast täglich, zugleich treten zwischen

Nachmittag und Mitternacht sehr häufig starke Gewitter auf.

In der Wüste weht von Morgens 10 bis gegen Sonnenuntergang ein sehr

starker Westwind, also von der See _gegen die Cordillera_ hin und dieser

Wind, stets stark, wird manchmal so heftig, daß man kaum gegen ihn

ankommen kann. Mit der Sonne zugleich sinkt auch der Wind, und es tritt

bis gegen 9 oder 10 Uhr fast Windstille ein. Gegen Mitternacht indessen

beginnt der Wind von der entgegengesetzten Seite von Osten her, also von

der Cordillera _gegen die See_ zu wehen, und zwar erkältet durch den

Schnee und daher jenes oben erwähnte Frostphänomen.

Ried hat diese Erscheinungen vereinigt, und eine einleuchtende Theorie

derselben aufgestellt.

Die Wüste, sagt er, liegt von der Cordillera aus gegen Westen, eine

ungeheure des Tags über glühende Fläche, noch weiter, in gleicher

Richtung gegen Westen, die Südsee, deren Oberfläche stets kühler ist,

als die der Wüste, es ist also bei Tage ein Ostwind nicht möglich.

Im Winter regnet es, während es im Gebirge schneit, und es bilden sich

von der ewigen Schneelinie herunter große Schneelager. Die Sonne hat

nicht Kraft genug sie zu schmelzen, erst im Sommer ist sie dieß im

Stande. Steht man bei Sonnenaufgang auf der Ostseite der Cordillera, so

bemerkt man, daß der Himmel auf dieser Seite hell, klar und blau ist.

Aber schon gegen sieben Uhr beginnt der Schnee zu schmelzen, es bilden

sich Dämpfe auf den Gipfeln der Anden, diese vereinigen und erheben

sich und es umwölkt sich der Himmel. Mittlerweile hat sich der vom

See über die Wüste kommende Westwind erhoben, jagt diese Wolken gegen

Osten und über die vulkanische Reihe der Anden, und sie sind es, welche

als Gewitterwolken auf der Ostseite auftreten und die dort häufigen

Gußregen erzeugen.

Von den _Erdbeben_ endlich bemerkt Ried, daß sie in der Wüste ziemlich

häufig sind, aber nur westlich von den Anden und bis an den Fuß des

eigentlichen Gebirgs. Auf diesem und auf der östlichen Seite hören sie

gänzlich auf. -- In Chile sind diese Verhältnisse anders. Zwar spürt

man auf der hohen Cordillera Erdstöße weniger als im Flachlande,

wie ich schon oben erwähnte, aber sie treten auf der Ostseite wieder

deutlicher auf; indessen fehlen _gleichzeitige_ Beobachtungen, welche

sicher von hohem Interesse wären.

Reise in Südamerika. Zweiter Band. · 第 18 / 23 题