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Letzter Aufenthalt in Valparaiso (Chile).

Auch mein Aufenthalt in Valparaiso bot wenig mehr, was halbweg

interessant genannt werden dürfte. Es war die weitere Richtung der

Reise bestimmt worden, ich wollte mit dem Dockenhuden nach Tocopilla

gehen, dann nach Peru, von dort aus aber um Kap Horn nach Hause. Ich

ordnete und verpackte die gesammelten Naturalien, unternahm Streifzüge

in die benachbarte Gegend, so z. B. nach Quillota, etwa 24 Stunden von

Valparaiso, und in andere kleinere Orte, welche wohl im Stande waren,

mir den Charakter des chilenischen Lebens klarer zu entfalten, schärfer

einzuprägen, aber kaum verdienen, dem Leser vorgeführt zu werden.

Doch will ich einer Persönlichkeit erwähnen, welche zu jener Zeit in

Valparaiso auftauchte. Es war dieß ein =Dr.= B., ein französischer

Schweizer, welcher sich längere Zeit in Nordamerika aufgehalten hatte,

und von dort kommend nach Californien zu gehen beabsichtigte. Er gab auf

der Durchreise in Valparaiso Gastrollen auf dem Felde des thierischen

Magnetismus, und war ein würdiger Vorläufer des edeln Tischrückens,

obgleich erst fast drei Jahre später halb Europa sich durch diese

nordamerikanischen Schnurren berücken ließ. B. rückte nun zwar keine

Tische, aber dafür zog er mit den ausgestreckten Fingern seiner

Hand Menschen an sich, ließ dieselben »durch seinen überwiegenden

Magnetismus« nach Belieben sprechen, fechten, boxen, tanzen, kurz die

verrücktesten Dinge treiben, und dieß alles vor einem Publikum von 500

bis 600 Menschen, von welchen jeder, ein Hauptpunkt, einen Peso Entrée

zahlen mußte. Seine Mitspieler, etwa sechs oder sieben an der Zahl,

waren meist ebenfalls Nordamerikaner, oder doch wenigstens Leute, die

sich längere Zeit dort aufgehalten hatten. Die ganze Erscheinung hatte

indessen etwas harmloses an sich, und ich glaube nicht, daß von allen

Zuschauern nur zehn halbweg an die Wahrheit der Komödie geglaubt haben.

Man besuchte eben die sogenannte Vorlesung des Doctors, wie man

einen Taschenspieler besucht, oder einer anderen unschuldigen

Abendunterhaltung beiwohnt: man lachte und scherzte. Dieß scheint der

Geist zu sein, welcher überhaupt in der neuen Welt herrscht. In Europa

hingegen und namentlich in Deutschland belacht man anfänglich wohl auch

ähnliche Possen, und hilft zum Scherze Andere zu täuschen. Bald aber

kommt der deutsche Ernst in's Spiel, man fängt an, selbst gläubig zu

werden und blamirt sich nicht selten auf das Gründlichste.

Vielleicht bleibt das Wesen des wirklichen thierischen Magnetismus

für immer in Dunkel gehüllt. Der Weg aber zur wissenschaftlichen

Erforschung seiner räthselhaften Erscheinungen wird durch Kinder und

Damen schwerlich gefunden, durch Charlantanerie aber und Selbstbetrug

sicher versperrt.

Nun ich scheide von Chile, das mir werth geworden in der kurzen Dauer

eines etwa siebenmonatlichen Aufenthaltes, nehme ich auch Abschied von

den dort wohnenden deutschen Landsleuten, und wiederhole, daß ich die

herzliche Aufnahme, die ich bei ihnen gefunden, dankbar und freudig

bewahre, und daß sie mir eine der schönsten Erinnerungen geblieben ist

an meine Reise.

* * * * *

#Meteorologische Notizen über Chile.#

_Temperatur der Luft._ In den südlichen Provinzen von Chile darf die

Temperatur als eine niedrige angesehen werden, wenn man die Breitegrade

in Erwägung zieht. Gegen Norden zu, z. B. in Copiapo und Coquimbo bei

Dürre und anhaltendem Regenmangel ist eine ziemlich bedeutende Hitze.

Ich habe zwar eine Reihe von Beobachtungen angestellt, allein da sie an

verschiedenen Orten und Tageszeiten vorgenommen wurden, so haben sie nur

wenigen Werth, und nur bei einigen konnten Mittel gezogen werden.

Reise in Südamerika. Zweiter Band. · 第 13 / 23 题