mehr als ihrer 5 Wacht tun konnten. Wir andern lagen alle zu Bette.
Ich war oft besinnungslos und raste, der Kommandant, die Ingenieure,
der Feldscher und alle Soldaten konnten sich nicht rühren. Täglich
starb einer und so schleunig, daß man tagsüber nichts zu tun hatte
als Gräber zu machen. Mich selbst hatte man schon zweimal für tot
gehalten. Ich war in so elendem Zustande, daß die Häuptlinge alle ihre
Mittel versuchten, mir zu helfen. Als ich einmal in tiefer Ohnmacht
lag, kam einer mit einem Haufen Riemen, an denen eiserne Nägel hingen;
die zählte er über meinem Kopfe hin und her und sprach dazu bestimmte
Worte, die meine Leute nicht verstehen konnten. Ein anderer segnete
mich mit einem Ei. Ein dritter brachte einen jungen Hund, in den er all
meine Krankheit bannte; hinterher ertränkte er das Tier. Unterdessen
fraß der Tod die beiden Ingenieure, den Sekretär, einen Sergeanten,
zwei Matrosen und vier Soldaten.
Die angefangene Arbeit blieb liegen, weil auch unsere zwei Zimmerleute
krank waren. Endlich kam der »Morian« zurück. Von dem nahmen wir
15 Matrosen an Land, die nebst einigen noch gesunden Soldaten das
Wohnhaus und die Baracken fertigstellten und die Palisadenumzäunung mit
Erde ausfüllten.
Kaum war unser Werk getan, da schickte der Häuptling von Axim seinen
Sohn und ließ uns warnen, wir möchten gute Wache halten. Denn die Neger
von Adom wollten uns binnen zwei Tagen mit drei- bis viertausend Mann
überfallen. Mir war bei der Sache nicht wohl zumute. Waren wir doch nur
ungefähr fünfzig Mann, die vom Schiffe mitgerechnet, und zweihundert
wohlbewaffnete Schwarze.
Am nächsten Tage kamen in aller Frühe unsere Häuptlinge mit der Bitte,
wir möchten doch ihr Weib und Kind, Hab und Gut ins Fort nehmen; denn
der Feind wäre schon da. Zugleich hörten wir auch etliche tausend Mann
unweit im Gebüsch mit ihren Musketen knallen. Wir hatten uns auch
fertiggemacht und unsere Kanonen mit Kartätschen geladen. Da nun der
Feind, der vielleicht meinte, wir sollten vor Schreck davonlaufen,
unter stetem Schießen näher rückte, befahl ich, mit einem Sechspfünder
unter sie zu schießen. Die Kugel schlug recht in den größten Haufen
ein. Damit hatte der Krieg ein Ende; denn die Mohren können nichts
weniger als das grobe Geschütz vertragen. Sie hörten auf zu schießen
und flohen in aller Eile. Unsere Schwarzen setzten ihnen noch ein gut
Stück Weges nach.
[Illustration: Die Kugel schlug recht in den größten Haufen ein.]
Als nun der »Krieg« beendet und unsre Festung in Verteidigungszustand
versetzt war, stellte ich den Kommandanten als solchen den Soldaten
vor, nahm Abschied von meiner Truppe und den Häuptlingen und begab
mich, noch schwer krank, auf den »Morian«. Alle Leute zweifelten an
meinem Wiederaufkommen, da ich einem Toten ähnlicher sah als einem
Lebendigen. Und was das ärgste war: ich kam in ein Schiff, das nichts
anderes hatte als verschimmelte Zwiebäcke, dreißig Pfund verdorbenen
Stockfischs, verdorbenes Fleisch und faule Erbsen. Davon konnte ein
Kranker nicht genesen. Dieser Proviant benahm mir selbst und allen
meinen kranken Leuten die Hoffnung. Aber Gott verläßt die Seinen
nicht. Nachdem wir voneinander Abschied genommen, beabsichtigten wir,
über den Äquator zu schiffen. Zu der Kranken Glück trieb aber ein
ungünstiger Wind uns längs der Küste nach der Insel St. Thomas, wo
wir uns mit Schweinen, Hühnern, Zuckerrohr, Kokosnüssen und andern
Erfrischungen reichlich versehen konnten, die uns auch unsre Gesundheit
wiederherstellten.
[Illustration]
Geschichtliches und Geographisches zu den Berichten der Entdecker
Bald nach Antritt seiner Regierung faßte Georg III. von England den
Entschluß, Schiffe auf Entdeckung unbekannter Länder auszusenden, um
dadurch die Ausbreitung des englischen Handels zu befördern. Wir, die
wir im Zeitalter des Dampfes und der Elektrizität leben, können uns
kaum vorstellen, welche Schwierigkeiten sich der Ausführung solches
Planes damals entgegenstellten. Ein Segelschiff ist einzig und
allein auf den Wind als die Quelle eigener Fortbewegung angewiesen.
Widrige Winde werfen es aus seinem Kurs, halten es im Hafen fest
oder fern von ihm, lassen es zum Spielball gefährlicher Strömungen
und der Brandung werden. Monate-, ja, jahrelang war der Seefahrer
oft von aller Kultur wie abgeschnitten: die unsichern politischen
Verhältnisse und Völkerrechtsanschauungen mußten ihn so in jedem
Schiff anderer Nationen einen zu fürchtenden Feind sehen lassen;
Kaperschiffen aller seefahrenden Völker waren die Meere erwünschte
Jagdgebiete. Zur Unkenntnis der Erdkunde, die sie ja durch ihre Fahrten
erst erhellen sollten, gesellten sich für die kühnen Seefahrer die
Schwierigkeiten der Verpflegung: der Skorbut, jene bei ausschließlichem
Genuß von gepökeltem Fleisch und Konserven und dem Mangel frischer
Pflanzennahrung auftretende Blutkrankheit, raffte sie zu Hunderten
dahin. Auf Cooks (spr. kuhks) zweiter Reise um die Welt (1772), auf
der die beiden berühmten deutschen Naturforscher und Philosophen
Johann Reinhold und Georg Forster (Vater und Sohn) seine Begleiter
waren, nahm man deshalb -- das mag hier der Kuriosität halber erwähnt
sein -- sechzig große Faß Sauerkraut und die kurz vorher in England
erfundenen, aus frischem Rindfleisch, Knochen und Abfall verfertigten
»Bouillonkuchen«, wir würden heut sagen: Bouillonwürfel, mit gutem
Erfolge mit.
Der erste der Entdecker, deren Berichte hier nach dem Werke von John
Hawkesworth (spr. hohksuöß) mitgeteilt sind, Kapitän Samuel Wallis
(spr. uohls), trat seine Weltumseglung am 22. Juli 1766 von Plymouth
(spr. plimmes) aus auf dem »Dolphin« (d. h. »Delphin«) an, einem
»Kriegsschiff sechsten Ranges«, das 24 Kanonen führte, und dessen
Bemannung aus 3 Offizieren, 37 Unteroffizieren und 150 Mann bestand.
Ihn begleitete anfänglich Kapitän Philipp Carteret (spr. kahtert) auf
der Schaluppe »Swallow« (spr. suollo, d. h. »Schwalbe«), der aber
von der Magalhaensstraße (spr. machaljahngs) an ein besonderes Ziel
verfolgte. Nachdem Wallis zunächst Patagonien einen Besuch abgestattet
hatte, wandte er sich mit nordwestlichem Kurs der Südsee zu und
entdeckte neben einigen kleineren Inseln der Paumótugruppe am 18. Juni
1767 Tahiti oder Otaheite, das er »Königs Georg III.-Insel« nannte. Die
Entdeckung schildert unser Bericht, dem wir nur noch hinzufügen wollen,
daß die Insel bereits im Jahre 1605 von dem spanischen Seefahrer Pedro
Fernandez de Quiros gesehen worden war. Auf seiner weiteren Fahrt fand
Wallis noch einige kleine Inseln südlich der Samóa- und in der Gilbert-
und Marshall-(spr. mahschell-)Gruppe auf. Seine Reise endete auf den
Marianeninseln, von wo aus er über Batavia und das Kap der Guten
Hoffnung am 13. August 1768 England wieder wohlbehalten erreichte.
Unser zweiter Bericht erzählt von einem Besuche des Kapitäns Cook
auf Tahiti. Der Anstoß zu dieser Reise ging von der »Königlichen
Gesellschaft der Wissenschaften« zu London aus, die im Februar 1768
dem Könige den Wunsch aussprechen ließ, zur Beobachtung des für das
Jahr 1769 zu erwartenden »Venusdurchgangs«, d. h. des Vorüberziehens
des kleinen Planeten Venus vor der Sonnenscheibe, eine Expedition
in die Südsee zu entsenden, um auf einer günstig gelegenen Insel
dort das wichtige astronomische Ereignis beobachten zu können. Der
König willfahrte dem Wunsche der gelehrten Gesellschaft, und die
Admiralität stellte die Bark »Endeavour« (spr. endiwe, d. h. »Streben«)
zur Verfügung, ein Schiff von dreihundertundsiebzig Tonnen, das
ursprünglich für den Kohlenhandel bestimmt und ein ausgezeichneter
Segler war. Das Kommando darüber wurde dem damaligen Leutnant in der
Königlichen Marine James (spr. djehms) Cook übertragen. Dieser nachmals
berühmteste aller englischen Entdecker war damals schon vierzig Jahre
alt.
Als Sohn eines Landarbeiters am 27. Oktober 1728 in dem Dörfchen Marton
(Grafschaft York, Nordengland) geboren, hatte Cook nur den einfachsten
Schulunterricht genossen und war dann mit 13 Jahren zu einem Hutmacher
und Krämer in die Lehre gekommen. Dieser selbstgewählte Beruf gefiel
ihm aber nicht: schon nach einem Jahre entlief er seinem Lehrherrn
und wurde Schiffsjunge auf einem Kohlenschiffe. Als solcher machte er
Reisen nach Petersburg und Norwegen mit und wußte sich dabei das Geld
für den Unterricht in der höheren Nautik (Schiffahrtskunde) zu ersparen
und zum Untersteuermann aufzurücken. Den im Jahre 1755 zwischen England
und Frankreich ausbrechenden Krieg um die nordamerikanischen Kolonien
machte er als Vollmatrose auf einem Kriegsschiffe mit und kehrte erst
1759 wieder nach England zurück. Durch Fürsprache seines bisherigen
Kapitäns erhielt er nunmehr die Stellung eines »Master« (spr. mahste,
d. h. Lotsen) auf der »Mercury« (spr. mökjuri, d. h. »Quecksilber«).
Jetzt hatte er, zitiere ich Hennigs Darstellung, Gelegenheit, seine
glänzenden Fähigkeiten, seine große Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit
in der Aufnahme von Seekarten zu beweisen, die seine späteren
Entdeckungen zugleich zu einem wertvollen Erwerb der geographischen
Wissenschaften machen sollten. Die Zuverlässigkeit seiner Aufnahmen im
St. Lawrence- (spr. lorenz-) Strom und -Golf, die den Flottenangriff
auf die Stadt Quebec (spr. kwibek) vorbereiten halfen, ist um so
bemerkenswerter, als die Arbeit angesichts des Feindes, teilweise
bei Nacht, ausgeführt werden mußte, und rechtfertigte das Vertrauen,
das sich in seiner Versetzung an Bord des Admiralschiffes aussprach.
Hier trieb er -- im strengen Winter der nordamerikanischen Küste --
die für seinen Beruf so notwendigen mathematischen und astronomischen
Studien. Nach der Eroberung von Neufundland (1762) kehrte er für ein
paar Monate in die Heimat zurück und vermählte sich hier mit Elisabeth
Battes, einer Kaufmannstochter. Er wurde bald wieder nach Neufundland
zurückberufen, und im vierjährigen Vermessungsdienste hier erweiterte
und festigte er seine nautischen und astronomischen Kenntnisse. Seine
Arbeiten trugen ihm die Beförderung zum Leutnant und die Berufung
zur Führung der wissenschaftlichen Expedition zur Beobachtung des
Venusdurchganges ein.
Auf der mit 10 Kanonen und 12 Drehbassen für die Fahrt ausgerüsteten
»Endeavour« befanden sich außer der 84 Mann starken Besatzung der
Astronom Green (spr. grihn), der gemeinsam mit Cook die Beobachtung
machen sollte, der junge Gelehrte Josef Banks, ein wohlhabender
Mann, der aus Liebe zu den Naturwissenschaften die gefahrvolle Reise
mitmachte und als seinen Assistenten den schwedischen Botaniker Dr.
Solander, einen Schüler Linnés, bei sich hatte. Diesen beiden Forschern
verdankt, nebenbei bemerkt, die Naturwissenschaft die Kenntnis einer
großen Anzahl von Pflanzen und Tieren, die auf den von Cook entdeckten
Inseln gefunden wurden. Dem hier mitgeteilten Hawkesworthschen Berichte
liegen so neben Cooks eigenen Aufzeichnungen auch die Tagebücher von
Banks zugrunde.
Am 26. August 1768 lichtete die »Endeavour« in Plymouth die Anker und
steuerte über Madera und Rio de Janeiro (spr. riu de janehru) zunächst
nach Feuerland, wo interessante Beobachtungen an den Eingeborenen, der
Tier- und Pflanzenwelt gemacht wurden. Über Kap Horn ging es dann nach
dem im Jahr zuvor entdeckten Tahiti, um hier den Venusdurchgang zu
beobachten. Das Leben auf Tahiti schildert nach dem Bericht von Cook
und Banks unser »Südsee-Idyll«; Cook hatte Befehl, nach Erledigung des
astronomischen Auftrags weitere Entdeckungen in der Südsee anzustellen.
So wandte er sich denn nach genauer Vermessung und Umschiffung Tahitis
und Auffindung der übrigen Gesellschaftsinseln südwestlich, um das
Südmeer nach dem schon im Altertum vermuteten großen »Südkontinent«
abzusuchen. Am 13. August 1769 entdeckte er eine der Inseln der
Tubuai-Gruppe und richtete seinen Kurs dann auf Neuseeland. Durch
Umsegeln, wobei er im Januar 1770 die nach ihm benannte Cookstraße
entdeckte, stellte er fest, daß Neuseeland aus zwei Inseln besteht. Er
richtete hierauf seinen Kurs westlich nach der Ostküste Australiens
und landete am 28. April in der von ihm nach den zahlreichen hier
gefundenen Gewächsen benannten »Botany-Bai« (spr. bŏteni, d. h.
Botanik). Der Küste entlang nach Norden ziehend, am großen Barrierriff
beinahe scheiternd, fand er am 21. August die Torresstraße wieder auf,
jene Durchfahrt zwischen Australien und Neuguinea, die von dem kühnen
Steuermann des schon erwähnten Spaniers de Quiros, Luis Vaez de Torres,
im Jahre 1605 den Namen empfangen hatte, der wissenschaftlichen Welt
und den Seefahrern des 18. Jahrhunderts aber nicht mehr bekannt war.
Von Neuguinea aus segelte die »Endeavour« nach Batavia und über das Kap
der Guten Hoffnung nach England zurück, wo er am 12. Juli 1771 vor
Dover Anker warf. »Unser Tauwerk und die Segel«, schrieb Cook schon
Mitte Juni in sein Tagebuch, »waren jetzt so schlecht, daß täglich das
eine oder das andere in Stücke ging.«
Die außerordentlichen Erfolge Kapitän Cooks brachten es mit sich,
daß er bald von neuem mit einer Weltumseglung beauftragt wurde.
Die Aufgabe, die man ihm nunmehr stellte, galt der Erforschung
des sagenhaften, sich angeblich bis zum 30. Grad südlicher Breite
erstreckenden »Südkontinents«. Trotzdem Cook auf der ersten Reise,
bis zum 40. Grad südlicher Breite vorstoßend, nirgends ein Festland
gefunden hatte, glaubte man in den Kreisen der Geographen doch nach
wie vor (s. a. u.), es müsse wie im Norden der Erdhalbkugel auch in
ihrem Süden ein großes Festland vorhanden sein -- »zur Erhaltung des
notwendigen Gleichgewichts,« wie Georg Forster in seiner Würdigung
der Verdienste Cooks launig spottet, »um, ich weiß nicht welch
ein Überschlagen unsres Planeten zu verhüten«. Cooks Instruktion
lautet demnach, die Sommermonate der südlichen Halbkugel (d. h. also
unsre Wintermonate) zu Entdeckungen in der Richtung auf den Südpol
anzuwenden, die stürmischen, trüben Wintermonate aber zu genauerer
Erforschung der kürzlich entdeckten Südseegebiete zu benutzen. Fände er
keinen Südkontinent, so sollte er, so nahe dem Südpol als nur möglich,
ostwärts fahren, bis er die Erdkugel umsegelt hätte.
Wieder wählte Cook wie bei seiner ersten Reise aus Gründen der
Zweckmäßigkeit gut segelnde und geringen Tiefgang habende, dabei
verhältnismäßig sehr geräumige Kohlenschiffe für die Fahrt. Das
größere, 462 Tonnen haltende und mit 16 Kanonen bestückte Schiff,
die »Resolution« (spr. resolljŭhschn, d. h. »Entschluß«) führte er
selber. Er hatte 112 Mann Besatzung, und an Bord befanden sich die
schon erwähnten beiden deutschen Naturforscher Reinhold und Georg
Forster, der Astronom Wales (spr. uéhls) und der Landschaftsmaler
Hodges (spr. hŏdjs). Am Kap der Guten Hoffnung kam noch der schwedische
Naturforscher Andreas Sparrmann dazu. Das kleinere Begleitschiff, die
»Adventure« (spr. edwĕntsche, d. h. »Abenteuer«), stand unter dem
Befehl des Kapitäns Fourneaux (spr. furnoh).
Am 13. Juli 1772 verließen die beiden Schiffe Plymouth und segelten
über das Kap der Guten Hoffnung hinaus in die südlichen Polargegenden.
Hier trennte ein Sturm die Schiffe, die sich der Verabredung gemäß
erst in Neuseeland wieder vereinigten. Die folgenden Südsommer immer
wieder mit neuen Vorstößen ins Südliche Eismeer zubringend, entdeckte
Cook nach der Rückkehr in die Südsee am 23. September 1773 die Cook-
oder Hervey-Inseln (spr. hérweh); am 1. Oktober fand er die von dem
Holländer Abel Tasman 1643 entdeckten Tonga-Inseln, am 11. März 1774
die Osterinsel und am 8. April die Marquesasgruppe (spr. markēsas)
wieder auf. Im Juli und August des Jahres stieß er auf die von de
Quiros und kurz vorher von dem Franzosen Bougainville (spr. bŭgängwil)
schon gesehenen Neuen Hebriden, und am 4. September entdeckte er
Neukaledonien. Die Rückkehr führte über Feuerland und das Kap der Guten
Hoffnung, und am 30. Juli 1775 ließ die »Resolution« auf der Reede von
Spithead (spr. spítthed) die Anker fallen. Die »Adventure«, die die
Verbindung mit dem Hauptschiff bei der zweiten Ankunft auf Neuseeland
endgültig verloren hatte, war schon ein Jahr früher heimgekehrt.
Das Ergebnis dieser zweiten Reise, die zugleich die erste Weltumseglung
von Westen nach Osten darstellt, hat Cook beim Verlassen des
Polargebiets in seinem Tagebuch folgendermaßen zusammengefaßt:
»Ich habe jetzt die Umseglung des Südlichen Meeres in hoher Breite
ausgeführt (er war bis über den 70. Breitengrad hinausgedrungen) und
es _so_ durchquert, daß keinerlei Raum mehr für das Vorhandensein
eines Festlands bleibt -- abgesehen von der Nähe des Pols außerhalb
des Schiffahrtsbereiches. Indem ich das Tropenmeer (Südsee) zweimal
besuchte, habe ich nicht nur die Lage einiger früherer Entdeckungen
festgelegt, sondern auch manche neue gemacht und, wie ich glaube, in
diesem Gebiet wenig mehr zu tun übriggelassen. So schmeichle ich mir
denn, daß der Zweck der Reise in jeder Hinsicht vollständig erfüllt,
die Südhalbkugel genügend erforscht und der Suche nach einem südlichen
Kontinent, der so lange die Aufmerksamkeit der Seemächte auf sich
gezogen und eine Lieblingstheorie der Geographen aller Zeiten gebildet
hat, endgültig ein Ziel gesetzt ist«[1].
Diese zweite Entdeckungsfahrt gab Cooks Namen europäische Berühmtheit.
Der König ernannte ihn zum Postkapitän und verlieh ihm dazu eine mit
einem Ehrensolde verbundene Stelle. Die Königliche Gesellschaft der
Wissenschaften wählte ihn zu ihrem Mitgliede und schmückte ihn mit der
goldenen Medaille. Aber mehr als alles andere zeigen uns den Weltruhm
Cooks zwei Schriftstücke, die freilich erst nach seinem unerwarteten
und damals auch in Europa noch unbekannten Tode veröffentlicht wurden.
Zwischen England, Amerika und Frankreich war 1775 der Krieg um die
Unabhängigkeit der ehemals englischen Kolonien Nordamerikas entbrannt:
am 4. Juli 1776 hatten die dreizehn vereinigten Staaten unter Leitung
Washingtons (spr. uŏschingtn) und Franklins (spr. fränklin) ihre
Unabhängigkeit erklärt. Cook, der, wie wir gleich erfahren werden, 1776
seine dritte Entdeckungsreise angetreten hatte, war dem Kriegsbrauche
nach also als Feind Frankreichs und Amerikas zu betrachten. Deshalb
erließ der französische Marineminister, als Cooks Rückkehr nach
Europa zu erwarten stand, auf Anregung des großen Staatsmannes Turgot
(spr. türgo) im März 1779 folgenden Befehl an alle französischen
Schiffskommandanten: »Da Kapitän Cook, der an Bord der >Resolution< im
Juli 1776 Plymouth verließ, um an den Küsten, auf den Inseln und in den
Meeren von Japan und Kalifornien Entdeckungen zu machen, im Begriff
ist, nach Europa zurückzukehren und solche Entdeckungen von allgemeinem
Nutzen für alle Nationen sind, so ist es des Königs Wille, daß Kapitän
Cook wie der Befehlshaber einer neutralen und verbündeten Macht
behandelt werden soll, und daß alle Kapitäne, die diesem berühmten
Seefahrer begegnen, ihm die diesbezüglichen Befehle des Königs
vorzeigen.« Gleichzeitig sandte Benjamin Franklin, damals Gesandter der
Vereinigten Staaten zu Paris, ein ähnlich lautendes Schreiben an alle
Schiffskommandanten der amerikanischen Flotte, mit der Aufforderung,
»den so berühmten Seefahrer und Entdecker mit aller möglichen
Höflichkeit und Güte zu behandeln und ihm als gemeinsamem Freunde der
Menschheit allen Beistand zu leisten, dessen er etwa benötige«.
Das Ziel der dritten Entdeckungsreise Cooks war die Auffindung
eines für den Handel so wichtigen kürzeren Weges nach Japan, China
und Indien: die Aufsuchung einer nördlichen Durchfahrt aus dem
Atlantischen in den Stillen Ozean. Man wußte es Cook nahezulegen, sich
mit diesem Plane, auf dessen Ausführung eine Prämie von 20000 Pfund
Sterling gesetzt war, eingehend zu befassen, und er war nicht der
Mann danach, vor den großen, unleugbaren Gefahren dieses Planes
-- er sollte sich auch dem Nordpol soweit als möglich nähern --
zurückzuschrecken[2]. So ging er denn noch vor Ablauf eines Jahres,
nämlich am 12. Juli 1776, von neuem mit der »Resolution«, die für die
neue Bestimmung besonders sorgfältig ausgerüstet war, unter Segel.
Als Begleitschiff wurde ihm diesmal die »Discovery« (spr. diskăweri,
d. h. »Entdeckung«) unter dem Befehl des Kapitäns Clerke (spr. klák)
mitgegeben, die nach ähnlichen Prinzipien gebaut und ausgerüstet war.
An Bord hatte die »Resolution« einen interessanten Gast. Kapitän
Fourneaux hatte nämlich bei seiner Heimfahrt einen jungen Eingeborenen
von Uliĕtēa (Gesellschaftsinseln) namens Omai an Bord genommen und
nach England gebracht. Der junge, liebenswürdige Südsee-Insulaner
hatte in der Londoner Gesellschaft begeisterte Aufnahme gefunden,
war überreich mit allen erdenklichen Dingen beschenkt worden und
sollte nun zu seinen braunen Landsleuten zurückkehren, um ihnen »die
erhabensten Begriffe von der Macht und Großmut der britischen Nation
beizubringen«. Omai vergoß zwar bittere Tränen beim Abschied von seinen
englischen Freunden, verriet aber doch ebenso unzweifelhaft seine
helle Freude, wieder nach Ulietea zurückkehren zu dürfen. Man hatte
den Schiffen ferner als nützliches Geschenk für die Südsee-Insulaner
verschiedene Haustiere wie Kühe, Schafe, Ziegen, Hühner, Enten,
Getreide- und Gartenpflanzensamen mitgegeben, wie denn Cook schon auf
seiner vorherigen Reise mehrfach die Eingeborenen durch solche Gaben
zur Viehzucht und zum Getreidebau (allerdings mit geringem Glück) zu
veranlassen versucht hatte. Hohe Menschlichkeit und tiefes Verständnis
für die Eigenarten fremder Völker ist ja überhaupt einer der schönsten
Züge im Charakterbilde dieses bedeutendsten aller englischen
Entdecker, ein Charakterzug, der hell aufleuchtet auch aus der hier
mitgeteilten Schilderung des Kapitäns James King von der Ermordung
Cooks.
Über das Kap der Guten Hoffnung und die kurz zuvor von dem
französischen Seefahrer Kerguelen (spr. kĕrgeläng) entdeckten
gleichnamigen Inseln ging die Reise nach Tasmanien und Neuseeland; ein
paar Inseln im Cook-Archipēl (griech. = Inselmeer) und am 24. Dezember
1777 die nördlich des Äquators gelegenen Weihnachtsinseln wurden bei
weiteren Fahrten aufgefunden. Dazu kam als wichtigste Entdeckung am
18. Januar 1778 die der Sandwich (spr. ßänduitsch) oder Hawáii-Inseln.
Cook wählte diese Gruppe als Stützpunkt für die nunmehr beginnende
Suche nach der nördlichen Durchfahrt. Etwa unter dem 45. Breitengrad
traf er zuerst auf die nordwestamerikanische Küste und gelangte dann
unter heftigen Stürmen und mancherlei Gefahren nach Alaska und zu
den Alëūten. Durch das Beringmeer nordwärts vorstoßend und schon am
Eingang der Beringstraße zwang ihn eine unüberwindliche, nach dem
Süden treibende Eismauer zur Umkehr. Um die erzwungene Muße nicht
ungenutzt zu lassen, kehrte er nach Hawaii zurück, und hier fand er am
14. Februar 1779 den gewaltsamen Tod, wie unser Bericht schildert.
Die Eingeborenen hatten in Cook anfänglich eine Gottheit, den
wiederkehrenden Geist eines verstorbenen großen Häuptlings, gesehen,
wofür ja auch seine weiße »Leichen«farbe[3] zu sprechen schien.
Mancherlei Vorfälle trugen dazu bei, diesen göttlichen Nimbus zu
zerstören: die Häuptlinge, die ihren Einfluß sinken fühlten, schürten
eine Gegenbewegung. Mißverständnisse, aus der Unkenntnis der Sitten
und der religiösen Anschauungen der Eingeborenen beruhend, ließen
die Flamme der Empörung immer heller auflodern, und so kam es zu dem
beklagenswerten Ende des großen Entdeckers. Ein Obelisk bezeichnet
heute die Stelle, wo er den Tod fand.
Nach seinem Tode versuchte Kapitän Clerke, der das Kommando auf der
»Resolution« übernommen hatte, noch einmal einen Vorstoß zur Entdeckung
der nördlichen Durchfahrt. Er war vom Glück wenig begünstigt und starb
auf der Rückfahrt nach Kamtschatka. Kapitän King, der ursprünglich
als Navigationsoffizier und ausgezeichneter Astronom an Bord der
»Resolution« gewesen war, und Kapitän Gore führten dann die Schiffe
über China und das Kap der Guten Hoffnung in die Heimat zurück, wo
sie erst am 22. August 1780, nach einer Abwesenheit von mehr als vier
Jahren also, eintrafen.