Handelsweges nach Ostasien und Indien als gescheitert betrachtet
werden, so hatte die letzte Entdeckungsreise Cooks doch andrerseits die
Aufmerksamkeit der englischen Kaufleute auf die nordwestamerikanische
Küste als auf ein besonders aussichtsreiches Pelzhandelsgebiet
hingelenkt. Von den Versuchen, sich diesen bedeutenden, freilich, wie
sich herausstellte, von den Russen schon vorher besetzten Markt zu
erschließen, erzählt der hier mitgeteilte Bericht des Kapitäns Meares
(spr. mihrs) von seiner Unglücksfahrt dorthin.
In eine andre Zeit und ein andres Erdgebiet versetzt uns die
Schilderung, die der famose kurbrandenburgische Major _Otto Friedrich
v. d. Groeben_ von seiner Reise nach der Küste Westafrikas im Jahre
1682 hinterlassen hat. Im Auftrage Friedrich Wilhelms des Großen
Kurfürsten sollte er dort eine Kolonie gründen, d. h. eine Festung
erbauen, und wie er diesen Auftrag ausführte, was er an den Küsten
Guineas erlebte, das hat er in seiner »Guineischen Reisebeschreibung«
mit köstlichem Humor und guter Beobachtungsgabe aufgezeichnet.
Friedrich Wilhelm von Brandenburg hatte seine Jugendjahre fern von der
Heimat, am Hofe Friedrich Heinrichs von Oranien, seines Verwandten,
des großen Kriegsmannes und Statthalters der Niederlande, verlebt.
Die Eindrücke, die er hier in Holland von dem Reichtum und der Macht
empfing, den Seehandel und der Besitz blühender Kolonien einem Volke
zu verleihen vermögen, sind auf ihn sein ganzes Leben hindurch wirksam
geblieben. »Seefahrt und Handlung sind die vornehmsten Säulen eines
Staats«, wurde schon früh sein volkswirtschaftlicher Leitsatz. Als
Friedrich Wilhelm 1640 zur Regierung kam, fegte über Deutschland
noch der Dreißigjährige Krieg dahin. Kämpfe gegen die Polen, mit den
Schweden und Franzosen ließen den Kurfürsten erst rund 40 Jahre später
zur Ausführung seiner Kolonialpläne kommen. Der holländische Reeder
Benjamin Raule war es, der, in brandenburgische Dienste getreten,
Friedrich Wilhelm vorschlug, Handelsfahrten nach Afrika zu unternehmen.
Im Herbst 1680 stachen das »Wappen von Brandenburg«, eine Fregatte
von 22 Kanonen, und der »Morian«, eine solche von 18 Kanonen, in See
nach Westafrika. Die größere Fregatte wurde trotz des Friedens von den
Holländern an der Guineaküste genommen, dem »Morian« aber gelang es
unter Führung des Kapitäns Philipp Pietersen Blonck an der Goldküste,
in der Nähe des Dreispitzenkaps, mit drei unabhängigen Negerhäuptlingen
am 16. Mai 1681 einen vorläufigen Handelsvertrag abzuschließen und
einen zur Anlage einer Festung geeigneten Ort zu erwerben. Die
Negerhäuptlinge erhielten, nebenbei bemerkt, dafür: »2 Stück indischen
Stoffs, 1 Rapier, 1 Hut, 2 zinnerne Schüsseln, 2 Faden (= 4 m)
türkischen Stoff, 1 Kleidchen« und endlich die brandenburgische Flagge,
»womit sie erweisen könnten, daß sie S. Kurfürstliche Durchlaucht für
ihren Herrn angenommen haben«. Um diesen Vertrag nutzbar zu machen,
wurde auf Raules Betreiben im März 1682 die »Afrikanische Kompagnie«
begründet, gewissermaßen eine »Gesellschaft mit beschränkter Haftung«,
deren Grundkapital ganze 50 000 Taler betrug, und im Juli eine
militärische Expedition unter Führung des Majors v. d. Groeben nach
Westafrika entsandt.
Der Kurfürst hätte keine glücklichere Wahl treffen können: Groeben
war ein an Kriegserfahrungen reicher, für seine Zeit hochgebildeter
Offizier, dazu ein weitgereister Mann, der sich schon manchen Wind um
die Nase hatte wehen lassen. Noch nicht 17 Jahre alt, unternahm er in
Gemeinschaft mit einem polnischen Obersten eine achtjährige Reise, die
durch Italien zunächst nach Malta führte. Von hier aus ließ er sich
als Freiwilliger auf einem gegen die Türken kreuzenden Kaperschiff
anwerben. Aus dem Beuteerlös -- er war übrigens gleich im ersten
Treffen verwundet worden -- bestritt er die Kosten einer Reise durch
Palästina. Auf der Rückkehr nach Deutschland ward sein Schiff von den
Türken genommen; er entkam mit knapper Not, gelangte nach Tripolis
und schloß sich einer Karawane nach Ägypten an. Auch die Rückreise
von Ägypten aus war reich an Gefahren und Kriegsabenteuern: wiederum
wurde Groeben bei einem Kampfe mit Seeräubern verwundet. Wir finden ihn
hernach für kurze Zeit in spanischen Diensten, und mit den Spaniern
durchzog er ganz Italien. Auf Anweisung seiner Eltern besuchte er dann
zu weiterer Ausbildung Frankreich, England und Holland. Den endlich in
die Heimat Zurückgekehrten zog der Große Kurfürst an seinen Hof, und
dem erst Fünfundzwanzigjährigen vertraute er die Leitung der Expedition
nach Guinea an.
Schildern wir noch in Kürze schließlich den Fortgang der
brandenburgischen Kolonisation. Zum Fort »Groß-Friedrichsburg«
gesellten sich 1684 das benachbarte Fort »Dorothea« und etwas später
die Forts »Taccarary« und »Sophie Luise«, alle in derselben Gegend
gelegen. Die fortgesetzten Feindseligkeiten der Holländer taten dem
brandenburgischen Unternehmen aber bald viel Abbruch. Sie kaperten
die Schiffe und überfielen, allerdings erfolglos, 1687 die Forts.
Die »Afrikanische Handelskompanie« hielt sich noch ohne rechte
Lebenskraft bis zum Regierungsantritt Friedrich Wilhelms I., der das
ganze Unternehmen für 6000 Dukaten an die Holländer verkaufte. --
Als im Jahre 1884 die deutsche Korvette »Sophie« in der Gegend des
einstigen Forts »Groß-Friedrichsburg« landete, zeigten die Eingeborenen
den Offizieren die Trümmerstätte. Aus dem Schutte grub man die alten
Brandenburgischen Geschützrohre hervor. Sie werden heute in der
Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses aufbewahrt, die letzte Erinnerung
an die erste deutsche Kolonie in Afrika.
Dr. _Adolf Heilborn_.
Fußnoten
[1] Es darf hier nicht verschwiegen werden, daß die geographische
Forschung späterer Tage das Problem des Südkontinents doch in anderm
Sinne als Cook zu lösen und auf der Kugelkappe um den Südpol ein
Festland größer als Europa festzustellen vermochte.
[2] Es sei hier gleich erwähnt, daß Cook 1778 vom Beringmeer aus nur
bis an das Nordkap von Asien gelangte. Die »nordöstliche Durchfahrt« um
Asien herum ist später dem berühmten schwedischen Polarforscher Adolf
Nordenskjöld (spr. nurdenschöld) auf der »Vega« (1879) gelungen. Die
»nordwestliche Durchfahrt« um Amerika herum glückte erst 1906/07 dem
kühnen Norweger Roald Amundsen auf der »Gjöa«.
[3] Auch die farbigen Rassen erbleichen nach dem Tode.
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| Anmerkungen zur Transkription |
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| Der Schmutztitel wurde entfernt, das Inhaltsverzeichnis an den |
| Anfang des Buchs verschoben. Folgende Inkonsistenzen wurden |
| belassen, da beide Schreibweisen üblich waren: |
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| anderen -- andern |
| anderer -- andrer |
| argwohnten -- argwöhnten |
| benutzen -- benützen |
| bewillkommten -- bewillkommneten |
| danach -- darnach |
| Felsenklippen -- Felsklippen |
| heut -- heute |
| Instruments -- Instrumentes |
| portugiesisch -- Portugiesisch |
| Schiffs -- Schiffes |
| ungeheure -- ungeheuere |
| ungenutzt -- ungenützt |
| unserer -- unsrer |
| unseren -- unsern |
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| Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen: |
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| S. 85 "Taburai" in "Tuburai" geändert. |
| S. 144 "Eris" in "Erihs" geändert. |
| S. 188 "Molotai" in "Molokai" geändert. |
| S. 193 "Kauina" in "Kanina" geändert. |
| S. 220 "trotz alle" in "trotz aller" geändert. |
| S. 239 "Giseng" in "Ginseng" geändert. |
| S. 243 "wiederabfahren" in "wieder abfahren" geändert. |
| S. 252 "wann" in "wenn" geändert. |
| S. 282 « eingefügt. |
| S. 290 "Eingebornen" in "Eingeborenen" geändert. |
| S. 292 "Tasmann" in "Tasman" geändert. |
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