und schossen unaufhörlich mit ihren Musketen. Darauf kamen drei Kanus
mit Jauchzen und Schreien an Bord. Sie hatten ihren Häuptling bei sich,
der sein Heer zusammengezogen hatte, um wider die Bewohner von Isseni
in den Krieg zu ziehen. Er kaufte von uns einige Fäßchen Branntwein und
an 800 Pfund Pulver, hielt sich aber nicht lange auf, sondern sprach:
»Wenn ich glücklich aus der Schlacht komme, will ich morgen wieder bei
euch sein.« Darauf verfügte er sich wieder zu seinem Heer, das ihn mit
vielen Musketenschüssen bewillkommnete. Die Neger ziehen mit großen
Streitkräften in den Krieg. Einige gebrauchen Musketen, andere Speere
und große Schlachtmesser; sie fechten so rachgierig, daß sie in offener
Schlacht niemals Pardon geben, sondern wie blind ins Getümmel sich
stürzen und, wenn sie keine Rache üben können, sich selbst mit eigenen
Händen ums Leben bringen.
Am Tage darauf langten wir am Kap St Apollonia an. Wieder kamen die
Schwarzen mit vielem Gold an Bord. Wohl zwanzig Neger blieben über
Nacht bei uns im Schiff und brachten diese mit solchem Gerase zu, daß
es unmöglich war, ein Auge zu schließen. Des Morgens kauften sie an
500 Musketen und 400 Pfund Pulver, ihren Krieg fortzusetzen. Abends
stieß unsre Fregatte »Morian« wieder zu uns.
Unsre weitere Fahrt brachte uns, vorüber an einigen holländischen Forts
und Faktoreien, nach Commende, wo wir wieder Anker warfen. Als wir
hier einen Tag lagen, auch bereits eine ziemliche Menge Gold empfangen
hatten, schickte der holländische Generaldirektor der Guineischen
Küste seinen Oberkaufmann mit zwei Assistenten an unser Schiff, um zu
protestieren: wir täten ihrem Handel großen Abbruch und hätten doch
gar kein Recht, hier Handel zu treiben. Sie ersuchten uns deshalb,
uns mit unsern Schiffen zu packen; andernfalls würden sie sich der
natürlichen Rechte bedienen und uns mit Gewalt von dannen treiben. Wir
hielten hierauf Kriegsrat und gaben den Deputierten zur Antwort, daß
wir verpflichtet seien, dem Befehl Sr. Kurfürstlichen Durchlaucht von
Brandenburg nachzukommen, und weil sie sich Herren der ganzen Goldküste
nannten, wären wir damit einverstanden, daß sie ihren Untertanen den
Handel mit unsern Schiffen verböten. Weil sie dies aber nicht tun
könnten, wäre es klar, daß es sich um ein freies Gebiet hier handle, in
dem jeder seinen Geschäften nachginge, den die Eingeborenen zuließen.
Würde im übrigen der Generaldirektor sich seiner Machtmittel bedienen,
so müßten wir den Ausgang eben abwarten und würden uns unsre Freiheit
mit den Mitteln, die wir selbst besäßen, zu bewahren suchen. Wir
behandelten die Deputierten sehr höflich und ließen bei ihrer Abfahrt
unser ganzes Geschütz scharf Feuer geben, um ihnen zu zeigen, daß wir
stündlich bereit wären, denjenigen, der uns hier vertreiben wollte,
gebührend zu empfangen. Am anderen Tag sandten wir beschleunigten
Befehl an den »Morian«, sich augenblicklich zu uns zu verfügen.
Zugleich mit ihm kam ein Lordenträger (Kaperschiff) aus Seeland,
»Grau-Gat« genannt, und legte sich nicht fern von uns. Wir nahmen uns
vor, hier 6 Tage zu bleiben und zu warten, was die Holländer tun oder
lassen würden, und machten uns zum Kampf bereit.
Während wir dergestalt den Feind erwarteten, kamen am nächsten Tage
die erwähnten drei Deputierten wieder und ersuchten uns namens ihres
Generaldirektors und der ganzen Guineischen Kompagnie, ihnen behilflich
zu sein, den seeländischen Lordenträger, der ungefähr auf Schußweite
von uns vor Anker lag, zu nehmen und an das Fort zu bringen. Dagegen
erboten sie sich, uns allen etwa daraus entstehenden Schaden zu
ersetzen und die Beute zur Hälfte mit uns zu teilen. Wir hielten
abermals Kriegsrat und beschlossen aus vielen Gründen, dem Ansuchen der
Holländer zu willfahren, lehnten jedoch jeden Anteil an der Beute für
uns ab. Damit machten wir uns zur Verfolgung des Kapers fertig. Der
aber hatte unser Vorhaben bereits bemerkt und floh. Wir setzten ihm
mit beiden Fregatten nach, hatten aber das Unglück, daß uns die große
Marssegelrahe brach, was uns zwei Stunden in unsrer Fahrt aufhielt,
so daß der Kaper entkam. Wir kehrten also um und ließen durch die
Deputierten dem Generaldirektor melden, daß es nicht an unserm guten
Willen gelegen hätte, sondern daß der Kaper uns im Segeln überlegen
gewesen wäre. Am nächsten Tag sandte uns der Holländer durch einen
Schwarzen ein Schreiben, darin er sich für unsere Mühe und Hilfe
bedankte, zugleich uns aber auch Vollmacht erteilte, alle holländischen
Kaper, wo wir sie antreffen würden, nach Belieben zu nehmen.
Weil uns nun gewisse Geschäfte nach dem Kap Tres Puntas riefen, wandten
wir unseren Kurs wieder zurück. Vor Bautry trafen wir ein Schiff der
holländischen Handelskompagnie, das »Wappen von Sizilien«, an mit einer
Admiralsflagge, weil es den neuen Generaldirektor hierhin überführt
hatte. Sein Kommandant war der Kapitän de Voß, der Vater unsres
Kapitäns. Ich setzte mich mit dem Bootsmann in die Schaluppe und fuhr
an das Schiff, den Kapitän zu sprechen, traf ihn aber nicht an, da er
im Fort bei dem Faktoreileiter zu Gast war. So ließ ich mich denn dahin
rudern. Der Kaufmann und der Kapitän entsetzten sich sehr, daß wir
Brandenburger uns trauten, an ihr Fort zu kommen. Als wir ihnen aber
das Schreiben des Generaldirektors zeigten, das uns ermächtigte, an
alle holländischen Schiffe zu fahren und ihre Bestallungen zu lesen, ob
es nicht etwa Kaperschiffe wären, erstaunten sie noch mehr.
Des Morgens früh gingen wir unter Segel und erreichten nach zwei
Tagen das Dorf Attaba. Von hier aus zogen wir unser Schiff an einem
Wurfanker an die zwei Meilen stromauf und kamen an ein kleines, im
Bau befindliches Dorf, dessen Bewohner durch Krieg vertrieben worden
waren. Die Neger brachten uns viele Ananasse und Palmwein zum Kauf. Wir
bewirteten sie alle mit Branntwein und machten Männer wie Frauen damit
trunken. Um sich dafür dankbar zu erweisen, ließ der Häuptling ein Huhn
mit Malgette (Pfeffer) zurichten und lud uns zu Gaste. Wir wurden in
ein kleines Lehmhäuschen geführt und setzten uns dort zu Tische. Ein
jeder hatte ein paar schwarze Dianen zur Seite. Rundherum war die ganze
Hütte von Mohren erfüllt, die übel »dufteten«. Der Häuptling steckte
alle Finger in die Schüssel und kostete so die Suppe, zum Zeichen, daß
wir keine Vergiftung zu befürchten hätten. Ich war zweifelhaft, ob ich
meine Augen an den »anmutigen« Frauengestalten oder den Magen an dem
»appetitlichen« Huhn sättigen sollte. Ich hätte fast vergessen, das
Merkwürdigste bei diesem Gastmahle zu melden: der ganze Tischapparat
nämlich bestand lediglich aus dem -- Erdboden. Nach der Mahlzeit ging
es wieder an die frische Luft. Zufällig flog ein Raubvogel über uns
hinweg. Ich ergriff meine Flinte und schoß ihn im Fluge. Da begannen
die Schwarzen, zu schreien und mir Glück zu wünschen, und es hätte nur
wenig bedurft, mich für einen Zauberer auszugeben. Mir lag aber an den
Glückwünschen herzlich wenig, da sie mir im Hinzudringen beinahe die
Kleider vom Leibe rissen.
Wir gingen wieder an Bord und richteten unsern Kurs auf die erste
Spitze des Kap Tres Puntas (Dreispitzenkap). Da liegt ein großes,
langgestrecktes Dorf Accada, das wir noch am selben Abend besahen.
Die Gegend und die ganze Lage gefiel uns so wohl, daß ich bei den
Häuptlingen anfragen ließ, ob sie damit einverstanden wären, daß wir
hier ein brandenburgisches Fort erbauten. Sie gaben freudig ihre
Einwilligung. Ich ersuchte sie deshalb alle, am nächsten Tag auf den
»Kurprinzen« zu kommen, und versprach, sie in unsern Booten abholen
zu lassen. Am Nachmittage kamen auch acht Häuptlinge zu uns an Bord,
mit denen ich zunächst mündlich einen Vertrag abschloß, den ich am
nächsten Tag aufsetzen und von ihnen unterzeichnen lassen wollte.
Wir bewirteten sie hernach auf Deck unter dem Sonnenzelt, und sie
mußten schließlich wegen ihrer Trunkenheit an Seilen in die Fahrzeuge
hinabgelassen werden. Sie wollten aber nicht eher vom Schiff, als bis
ich sie sämtlich beschenkt hatte.
[Illustration]
Obschon wir sehr daran zweifelten, daß an der ganzen Küste von Guinea
ein günstigerer Ort zur Erbauung eines Forts zu finden wäre, wollte ich
dennoch nichts Schriftliches mit den Eingeborenen von Accada abmachen,
bevor ich nicht die Häuptlinge von Tres Puntas, an die ich abgeschickt
und mit denen ein Jahr vorher schon Kapitän Blonck einen Vertrag
geschlossen hatte, gesprochen und ihr Gebiet gesehen hätte.
Ich fuhr deshalb mit den beiden Kapitänen und Ingenieuren an Land,
die Nacht dort zu verbringen und bei Tagesanbruch nach Tres Puntas
zu fahren. Die Eingeborenen waren sehr höflich und brachten uns nach
Möglichkeit unter. Als wir des Morgens uns erhoben hatten, versprachen
sie uns, beim Bau des Forts jede Hilfe zu leisten, worauf wir ihnen
einen silbernen Degen zum Pfande ließen, daß wir wiederkommen würden.
Noch in der Ausfahrt trafen wir den Faktoreileiter von Bautry mit einem
Boot und vielen kleinen Kanus. Als wir ihn nach dem »Wohin« fragten,
gab er zur Antwort: »Ich bin vom Generaldirektor nach Accada gesandt,
hier so lange zu wohnen, bis die Faktorei fertiggestellt ist. Der
Häuptling von Accada hat mich dazu abgeholt.« Damit fuhr er an Land
und ließ auf einem der Häuser die holländische Flagge hissen. Als wir
uns so betrogen sahen, fuhren wir ihm nach und verwiesen den Schwarzen
ihre Untreue, die uns herzlich gern behalten hätten und uns die
Halbinsel zum Bau schenken wollten, wofern wir begehrten, uns neben
den Holländern bei ihnen niederzulassen. Weil wir auf dieses Anerbieten
nicht eingehen konnten, fuhren wir an unser Schiff. Bei Anbruch der
Dunkelheit aber brachen wir wieder nach Tres Puntas auf.
Uns war zwar die Gegend bekannt, in der jene drei Häuptlinge hausten,
mit denen Kapitän Blonck seinen Vertrag geschlossen hatte, nicht
aber ihre Dorfschaften. So ruderten wir denn beim Morgengrauen an
Land, stiegen über hohe Berge, arbeiteten uns durch dichtes Buschwerk
hindurch und gelangten endlich in eine weite Ebene, wo wir viele
fruchtbare Bäume, jedoch nur eingefallene und verlassene Negerhütten
fanden. Wir glaubten, unsere Schaluppe würde uns längs der Küste
folgen, sie war aber am Landungsplatz liegengeblieben, weswegen wir vor
Durst fast verschmachteten. Die Sonne brannte so heiß, daß wir es nicht
eine Stunde mehr hätten aushalten können, wenn nicht Kapitän Blonck von
ungefähr eine Quelle in den Felsen entdeckt hätte. Daran erlabten wir
uns; trotz aller Bemühungen fanden wir im übrigen jedoch nichts als
Verwüstungen. Endlich wurden wir eines hohen Berges gewahr, der eine
halbe Meile von uns entfernt lag. Weil die andern uns vor Erschöpfung
nicht folgen konnten, machte ich mich mit dem Kapitän allein weiter auf
den Weg, in der Hoffnung, Schwarze anzutreffen, die uns Nachricht von
den Häuptlingen geben könnten. Diese Hoffnung trog aber; wir fanden
nichts als ein großes, zerstörtes Negerdorf, das uns wunderliche
Gedanken machte. Während wir nun den Berg einer genauen Musterung
unterzogen -- er schien uns zur Erbauung eines Forts sehr günstig --,
kamen gegen zwanzig mit Musketen bewaffnete Neger den Berg hinauf, die
uns berichteten, daß alle Bewohner dieser Gegend durch die Neger von
Adom vertrieben und erschlagen worden wären, welches Schicksal gewiß
auch unsere drei Häuptlinge betroffen hätte. Damit gingen sie ihren und
wir unsern Weg.
Als wir wieder zu den Unsrigen gelangt waren, berichteten wir ihnen
von unsern Erkundungen und sandten einen Neger zu unsrer Schaluppe,
mit dem Entschluß, kommenden Tages die Lage des Berges und die ganze
Situation noch genauer zu erforschen. Unterdessen stiegen wir alle,
um einigermaßen Kühlung zu haben und uns vor der Grausamkeit der
unerträglichen Hitze zu bergen, bis an den Hals ins Wasser und fingen
mit bloßen Händen viele Fische, die uns, kaum daß wir sie ans Land
trugen, von den Raubvögeln gleichsam unter den Händen weggenommen
wurden. Deswegen mußte einer nach dem andern bei den Fischen mit bloßem
Degen Schildwache halten. Endlich kam unser Fahrzeug, konnte aber wegen
der großen Sturzseen nicht landen, sondern wir mußten ihm bis an die
Klippen entgegengehen.
Am nächsten Tag fuhr ich mit meinen beiden Ingenieuren und Kapitän de
Voß an Land, die Situation des Berges genau zu erkunden und ihn zu
vermessen. Als das geschehen, sahen wir 1000 Schritt vom Berge einen
kleinen Fluß, zu dem wir gingen und in dem wir beim Loten herrliche
Austern in großer Menge fanden. Unterdessen sahen wir neun bewaffnete
Neger auf uns zukommen, die uns ausführlich berichteten, wie die drei
Häuptlinge ums Leben gekommen und die Einwohner vertrieben worden waren.
Weil wir nun den Berg zur Erbauung einer Festung für sehr günstig
gelegen erkannt hatten, beriet ich mich mit den beiden Kapitänen und
Ingenieuren darüber, und wir beschlossen, ohne fernere Weitläufigkeiten
hier Fuß zu fassen. Ich ließ daher die Soldaten zusammentreten, stellte
ihnen vor, daß wir willens wären, hier ein Fort zu errichten, und
fragte sie, wer von ihnen Lust hätte, hier eine Zeitlang in Garnison zu
bleiben. Darauf meldeten sich unter gewissen Bedingungen sämtliche.
Also zogen wir nach einem Salut von fünf Schüssen unter Trommeln und
Pfeifen an Land und erfuhren hier, daß zwei Häuptlinge uns auf dem
Berge erwarteten. Mit fliegender Fahne marschierten wir bergan, die
Häuptlinge kamen uns entgegen, nötigten uns in eine Hütte, hier gab ich
ihnen mein Vornehmen kund, und nach wenigen Worten erklärten sie ihr
Einverständnis. Noch am selben Tage ließ ich sechs Feldkanonen auf die
Spitze des Berges schleppen, was ohne Hilfe der Eingeborenen unmöglich
gewesen wäre; denn der Berg war hoch und der Weg schwierig. Ich ließ
mir selber ein Zelt aufschlagen und blieb über Nacht am Lande.
Am folgenden Tage, dem 1. Januar 1683, brachte Kapitän de Voß die
große Kurfürstlich Brandenburgische Flagge vom Schiff, die ich
alsbald unter Trommeln und Pfeifen aufholen, mit allen unter Gewehr
stehenden Soldaten begrüßen und an einem hohen Flaggenstock aufziehen
ließ, während ich zugleich mit fünf scharf geladenen Feldstücken das
Neue Jahr salutierte; jedes der Schiffe antwortete ebenso, und ich
dankte wiederum mit drei Schüssen. Und weil Seiner Kurfürstlichen
Durchlaucht Name in aller Welt groß ist, nannte ich den Berg den
»Großen Friedrichs-Berg«. Diesen Tag bauten sich unsere Soldaten ihre
Baracken, und ich ließ durch die Neger für mich und meine Offiziere
auch eine lange Baracke errichten. Inzwischen berief ich die beiden
Häuptlinge zu mir ins Zelt, gab ihnen mein Vorhaben nochmals zu
verstehen und begehrte, mich ihrer Treue durch einen Eid zu versichern.
Sie antworteten, ich brauchte daran nicht zu zweifeln, sofern ich mit
ihnen »Fetisch« trinken würde, daß auch wir es treu mit ihnen meinten,
sie nie verlassen und sie gegen ihre Feinde verteidigen wollten. Als
ich einwilligte, wurde eine Schale Branntwein gebracht und Schießpulver
hineingerührt. Daraus mußte ich die »angenehme« Gesundheit zu trinken
anfangen, die beiden Häuptlinge folgten und beschmierten mit dem Reste
den umstehenden Schwarzen die Zunge, damit auch sie treu bleiben
möchten. Nach Verrichtung dieser herrlichen Zeremonie beschenkte ich
die Häuptlinge und ihre Untergebenen reichlich, in der Meinung, ich
würde nicht mehr nötig haben, noch weitere Präsente auszuteilen.
Allein, die Zeit hat mich nachmals eines andern belehrt. Am selben Tage
brachten wir noch zwei Sechspfünder auf den Berg.
Den nächsten Tag ward von den Ingenieuren das Fort abgesteckt. Die
Neger schafften Palisaden heran, und meine Soldaten stellten sie auf.
Während wir noch an unsrer Arbeit waren, meldete sich bei uns ein
Häuptling aus Axim, der eine holländische Flagge bei sich hatte, mit
dem Auftrage von dem dortigen Faktoreileiter, diese Flagge auf dem
Berge wehen zu lassen, wofern wir noch nicht dort Fuß gefaßt. Er mußte
aber, wie er gekommen, wieder abziehen.
Täglich passierten viele Häuptlinge mit ihren Leuten den Berg, weil
eine Straße über ihn führte; sie machten fast alle bei uns ihren Besuch
und beschenkten uns mit einer Schüssel Reis oder ein paar Hühnern,
wofür ich meinerseits Gegengeschenke und vor allem ihnen Branntwein
zu trinken geben mußte. Einige zogen weiter, andere blieben bei uns
und bauten sich Hütten am Berge zwischen unseren. Zum Kommandanten des
Forts ernannte ich Kapitän Blonck, der darauf den »Morian« unter das
Kommando von Kapitän de Voß stellte und auf dem Berge bei uns Quartier
bezog. Kurz darauf kam ein englisches Schiff; es war das erste, das
unsere Flagge mit Kanonenschüssen begrüßte und bei uns ankerte. Kapitän
de Voß ging dann mit dem »Morian« nach Kap St. Apollonia, um dort
Handel zu treiben.
Ich kann nicht unterlassen, hier der Freigebigkeit der Schwarzen zu
gedenken, wenn ich sie beschenkt oder ihnen etwas versprochen hatte.
Sie fuhren alsdann behend zur Erde, ergriffen ein Stückchen Holz, oder
was sie sonst erwischen konnten, und steckten es mir zum Zeichen der
Dankbarkeit in die Hand. Wenn sie mir nun ein Huhn oder eine Schüssel
Reis brachten, wollte ich mich auch ihrer Mode bedienen. Aber das
wollten sie nicht gelten lassen: sie waren vielmehr der Ansicht,
solcher Brauch sei nur bei den Schwarzen, nicht aber auch bei den
Weißen Mode!
Des andern Tages warf ein dänisches Kaperschiff bei unserer Festung
Anker und begrüßte sie mit fünf Schüssen. Ich fuhr zu ihm, erquickte
meinen Geist mit gutem Zerbster Bier und übernachtete hernach im
»Kurprinzen«. Als ich im besten Schlafe lag, berichteten mir meine
Leute die Ankunft einer heimlichen Gesandtschaft, die mich sprechen
wollte. Weil aber den Schwarzen nicht allzeit zu trauen ist, zumal des
Nachts nicht, ich auch den Grund dieses nächtlichen Besuches nicht
erraten konnte, gab ich ihnen zunächst keine Audienz. Als sie mir
aber keine Ruhe ließen, nahm ich ein paar Pistolen unter den Rock und
ließ sie vor. Ich erkannte in ihnen Eingeborene aus Accada, die mich
überreden wollten, unsern Berg zu verlassen und bei ihnen ein Fort zu
erbauen. Als ich sie wegen ihrer Untreue tadelte, sprach der Gesandte:
»Herr, sieh, hier bin ich ein Häuptling, dieser ist mein Bruder, da
ist seine Frau und sein Kind; die lasse ich dir als Geiseln. Begehen
wir eine Untreue an dir, so tue ihnen, was dir gefällt.« Ich beschied
sie auf den andern Tag wieder, da ich erst über ihr Angebot Rat halten
mußte. Wir teilten ihnen dann mit, sie müßten sich gedulden, bis wir
übers Jahr mit unseren Schiffen wiederkämen; dann ließe sich darüber
reden, was in dieser Sache zu tun wäre.
Folgenden Tags brachte ich den Vertrag zu Papier, den ich mit den
Häuptlingen geschlossen; es wohnten nunmehr deren vierzehn auf dem
Berge, und sie hatten mehrmals darauf gedrungen. Als ich ihnen von
der Gesandtschaft aus Accada Mitteilung machte, waren sie noch
mißtrauischer und hatten Furcht, wir könnten sie im Stich lassen.
Deshalb berief ich sie in mein Zelt, begab mich mit dem Kommandanten
Blonck und ihnen zu Tisch, setzte ihnen noch einmal die einzelnen
Punkte des Vertrags auf portugiesisch auseinander und verlangte, sie
sollten diese Punkte beschwören. Sie forderten zunächst bestimmte
Waren, wofür sie uns den Berg und die Umgegend zu Eigentum verkaufen
wollten. Dann ließ ich eine Schale mit Branntwein, Wermutextrakt und
Violensaft zubereiten, nahm einen Löffel zur Hand und fragte den
Ältesten, ob er gewillt sei, Fetisch zu trinken. »Ja, ich trinke,«
sagte er, »die Punkte, die man mir vorgelesen hat, zu halten, unter
dieser über uns wehenden Flagge zu leben und zu sterben. Breche ich
meinen Eid, so lasse mich der große König im Himmel augenblicklich
sterben.« Einige der Häuptlinge wollten zwar Fetisch trinken, könnten
aber, sagten sie, mit den Ihrigen nicht vor Verlauf von 3, 4-6 Monaten
den Berg beziehen, was die andern nicht zugeben wollten. Nachdem sie
nun alle den Eid geleistet, nahm der älteste Häuptling die Schale in
die Hand und begehrte: Ich sollte nebst dem Kommandanten ihnen allen
schwören, sie wider ihre Feinde zu beschirmen und in keiner Not zu
verlassen, ihnen Weib und Kind nicht fortzunehmen oder zu verkaufen
und sie namentlich gegen die Holländische Kompagnie zu verteidigen.
Wir versprachen ihnen, das alles zu halten, ausgenommen, wenn sie
den Holländern Anlaß zu einem Eingriff gäben oder etwas entwendeten.
Damit steckte mir der Häuptling einen Löffel voll des Tranks in den
Hals, daß ich sechs Wochen davon genug hatte. Dann kam der Kommandant
an die Reihe, der scherzweise äußerte, wenn er nicht die Frauen und
Kinder nehmen solle, so müßten sie ihm ein Weib geben. Sogleich fiel
ihm einer der Häuptlinge in die Rede: Wenn wir nach Landesbrauch uns
verheiraten wollten, so würden sie uns ihre Töchter geben. Wir nahmen
das Anerbieten im Scherz an, beschenkten die Häuptlinge und ließen sie
ziehen.
Andern Tags ließ sich der Faktoreileiter von Axim bei mir melden, er
habe einen Auftrag auszurichten. Als ich ihn zu mir entbieten ließ, kam
er feierlichst mit zwei Fähnlein angezogen. Ich sandte ihm einen der
Ingenieure entgegen mit der Bitte, er möchte doch seine Begleitung und
die Fahnen unten am Berge lassen; denn der Berg vertrüge nicht mehr
als eine Fahne. Er gab dem Ansuchen auch statt. Als meine Soldaten
in Reih' und Glied standen und die Trommeln und Pfeifen ertönten,
stieg der Herr Gesandte den Berg herauf. Er trug einen scharlachenen
Rock mit durchbrochenen, silbernen Knöpfen; auf der Schulter, am Hut
und Degen hatte er einen großen Busch von Bändern, wie ihn die alten
Klopffechter zu tragen pflegten. Unter dem Rocke zeigte sich ein
leberbraunes Kamisol, blautaftene Hosen und an einem fleischfarbenen
Gürtel ein langes, grünes Degengehenk. Die Schuhe waren gestickt und
die Strümpfe von weißer Seide. Wären noch mehr Farben bei den Pariser
Krämern zu finden gewesen -- ich wette, er hätte sie sich auch auf
den Leib gehängt. Hinter ihm schritten seine zwei Assistenten fast in
gleicher Livree. Darauf folgten acht Schwarze, die auf ausgehöhlten
kleinen Elefantenzähnen eine seltsame Musik vollführten, zu der ein
Kerl auf einer kleinen Trommel mit einem krummen Haken den Takt schlug.
[Illustration: Der Herr Gesandte stieg den Berg hinauf.]
Das klang so, als wenn bei uns auf den Dörfern die Hirten zur
Christmesse blasen. Nachdem ich den vornehmen Herrn ins Fort genötigt
hatte, ließ er sich durch einen Schwarzen entkleiden, damit wir auch
die goldenen Knöpfe, die er an Hemd und Hosen trug, zu sehen bekämen.
Er erlabte sich dann an einem Trunk Weins und brachte schließlich
einen Protest zum Vorschein. Ich fertigte ihn aber kurz ab, indem ich
erklärte: »Wir haben dieses Gebiet von den Schwarzen gekauft«; wollten
sie dagegen protestieren, so möchten sie das in Berlin tun. Würde er
aber mit seiner Kompagnie unser Freund bleiben, so wollten wir ihm
von unserer Seite alle Gegenfreundschaft erzeigen. Andernfalls stände
ihnen frei, zu tun, was sie nicht lassen könnten. Hierauf ward noch
etlichemal getrunken, und dann verabschiedete er sich.
Allmählich begannen meine Leute, einer nach dem andern, krank zu
werden. Ich arbeitete so lange mit den Schwarzen, bis auch mich die
schwere Landseuche (Malaria) durch ein grausames Fieber niederwarf. Als
das Fieber auf einen Tag etwas nachgelassen, kamen unsere Häuptlinge
mit ihren Frauen und brachten mir und dem Kommandanten unsere Bräute.
Es waren Kinder von 9 Jahren, und sie waren mit allerlei Farben bemalt.
Ich mußte mich in meinem Schlafpelze mit dem Kommandanten zu Tische
setzen, und unsere Zukünftigen nahmen neben uns Platz. Ein rechtes
Hochzeitsmahl wurde zugerichtet, und daß der Wein nicht fehlen durfte,
kann man sich wohl denken. Die Männer saßen dabei nach Landesbrauch
abseits und tranken treulich auf den Branntwein los. Hernach wurden
uns unsere Bräute von den Eltern übergeben und empfohlen. Unterdessen
begannen die Frauen mit solchem Geschrei zu tanzen, daß ich gezwungen
ward, die angenehme Gesellschaft zu verabschieden und mich wieder zu
Bett zu begeben. Weil unsere Bräute kein Portugiesisch verstanden,
ließen wir ihnen durch meinen Jungen sagen, sie sollten jetzt nur
wieder nach Hause gehen; wenn wir sie nötig hätten, würden wir sie
schon holen lassen. Meine Krankheit machte mir viel zu schaffen; mein
schwarzer Engel besuchte mich täglich, was freilich meistenteils
deswegen geschah, den hungrigen Magen zu füllen und etwas geschenkt zu
bekommen.