der Hand von dem Marai her an unser Schiff. Als sie ziemlich nahe
waren, fingen sie einen feierlichen Gesang an, dessen Inhalt sich
auf die letzte traurige Begebenheit zu beziehen schien, wie wir aus
dem oft wiederholten Worte »Orono« und ihrem Hindeuten auf den Platz,
wo Kapitän Cook erschlagen worden war, schließen mußten. Sie setzten
ihren klagenden Gesang 12 oder 15 Minuten lang fort und blieben während
der Zeit immer im Wasser. Nachher gingen sie an Bord der »Discovery«,
gaben ihre Speere ab und schwammen dann nach kurzem Aufenthalt ans Ufer
zurück. Wer sie geschickt hatte, und was der Sinn dieser Feierlichkeit
war, konnten wir nie erfahren.
In der Nacht wurden die gewöhnlichen Vorsichtsmaßregeln zur Sicherung
der Schiffe getroffen. Als es finster ward, kamen unsere beiden
Freunde der vorigen Nacht wieder. Sie versicherten uns, die Häuptlinge
hätten ihre feindliche Absicht keinesfalls aufgegeben, obgleich sie
diesen Nachmittag durch die Wirkung unseres Geschützes außerordentlich
erschreckt worden wären, und gaben uns den Rat, auf unsrer Hut zu sein.
Am folgenden Tag gingen die Boote beider Schiffe an Land, um Wasser zu
füllen. Die »Discovery« legte sich nahe an den Strand, um sie bei der
Arbeit zu decken. Wir bemerkten bald, daß die Nachricht, die uns die
Priester gegeben hatten, nicht unbegründet sei. Denn die Eingeborenen
schienen entschlossen, uns auf alle Weise zu schädigen, ohne sich
selbst in große Gefahr zu begeben.
Auf dieser ganzen Inselgruppe liegen die Dörfer meistens nahe der See,
und der umliegende Boden ist von 3 Fuß hohen Mauern eingeschlossen. Wir
glaubten anfangs, diese sonderten nur die verschiedenen Besitzungen ab.
Nunmehr entdeckten wir aber, daß sie ihnen als Verteidigungswerke gegen
feindliche Einfälle dienen und wahrscheinlich gar keine andere Aufgabe
haben. Sie bestehen aus lockeren Steinen, und die Eingeborenen sind
sehr gewandt, diese aufs schnellste aus einer Lage in die andere zu
bringen, um die Brustwehr so zu verändern, wie es die Angriffsrichtung
erfordert. Am Abhang des Berges, der über die Bucht hervorragt, gibt
es kleine Höhlen von ansehnlicher Tiefe, deren Eingang ähnlich durch
eine solche Mauer geschützt war. Hinter diesen Brustwehren hielten sich
die Eingeborenen beständig versteckt und beunruhigten unsere Leute am
Wasserplatze mit Steinwürfen, und die wenigen Soldaten, die wir am
Lande hatten, waren nicht imstande, sie durch ihr Musketenfeuer zu
vertreiben. Unter diesen Umständen hatten unsere Leute genug zu tun,
um für ihre eigene Sicherheit zu sorgen, so daß sie während des ganzen
Vormittags nur eine Tonne Wasser füllen konnten. Man sah nun ein, es
sei unmöglich, diese Arbeit zu verrichten, ehe nicht die Eingeborenen
weiter zurückgetrieben wären, und es ward den Kanonen der »Discovery«
Befehl gegeben, sie zu vertreiben. Dies ward auch mit wenigen Schüssen
erreicht, und unsere Leute landeten nun ungehindert. Dessenungeachtet
kamen die Eingeborenen bald wieder zum Vorschein und fingen ihre
gewöhnlichen Angriffe an, so daß man es für notwendig hielt, einige
zerstreute Häuser unweit der Mauer, wo sich die Eingeborenen verborgen
hielten, in Brand zu stecken. Es tut mir weh, gestehen zu müssen,
daß sich unsere Leute dabei zu unnötiger Grausamkeit und Verwüstung
hinreißen ließen.
Man hatte, wie gesagt, befohlen, nur einige zerstreute Hütten zu
verbrennen; wir erstaunten also sehr, als wir das ganze Dorf in Feuer
aufgehen sahen. Ehe noch ein Boot das Ufer erreichen konnte, um der
Verheerung Einhalt zu tun, standen auch die Wohnungen unserer Freunde,
der Priester, in Flammen. Zu meinem großen Verdruß hielt mich diesen
Tag eine Unpäßlichkeit an Bord zurück. Die Priester hatten immer
unter meinem besonderen Schutze gestanden. Unglücklicherweise aber
hatten die heute diensttuenden Offiziere wenig Gelegenheit gehabt, das
Marai zu besuchen, und kannten die Lage des Ortes zu wenig. Wäre ich
zugegen gewesen, so hätte ich vielleicht Mittel gefunden, die kleine
Priesterschaft vor dem Verderben zu bewahren.
Als sich die Eingeborenen aus dem Brande retten wollten, wurden einige
von ihnen erschossen, und zweien von ihnen schnitten unsere Leute die
Köpfe ab und brachten sie mit sich an Bord. Einen von den Gefallenen
beklagten wir sehr. Er war an den Bach gekommen, um Wasser zu schöpfen.
Einer von den Seesoldaten schoß auf ihn, traf aber nur seinen
Flaschenkürbis. Diesen warf der Insulaner sogleich von sich und suchte
zu entfliehen. Man verfolgte ihn bis in eine der oben beschriebenen
Höhlen, deren Bestimmung wir eben durch diesen Vorfall kennenlernten.
Keine Löwin hätte ihre Jungen mutiger verteidigen können als er sein
Leben. Zuletzt fiel er aber, nachdem er zweien unsrer Leute lange
widerstanden hatte, über und über mit Wunden bedeckt.
Um diese Zeit ward ein älterer Mann gefangengenommen und gebunden
in ebendemselben Boot, in dem die Köpfe seiner beiden Landsleute
lagen, an Bord geschickt. Nie habe ich einen so heftigen Ausdruck des
grauenvollsten Schreckens gesehen, als in dem Gesichte dieses Mannes,
aber auch nie einen so plötzlichen Übergang zur grenzenlosesten Freude,
als man ihn losband und sagte, er könne unbehindert gehen. Sein
nachheriges Betragen bewies uns seine Dankbarkeit; denn er brachte
uns mehrmals Geschenke an Lebensmitteln und leistete uns verschiedene
andere Dienste.
Bald nachdem das Dorf niedergebrannt war, sahen wir einen Mann über den
Berg kommen, den fünfzehn bis zwanzig Knaben mit weißen Tüchern und
grünen Zweigen in der Hand begleiteten. Ich weiß nicht, wie es zuging,
daß diese friedliche Gesandtschaft von einer unserer Abteilungen mit
Flintenschüssen empfangen wurde. Dies hielt sie indessen nicht auf,
vielmehr setzte sie ihren Weg fort, und der diensthabende Offizier
eilte zeitig genug herbei, um eine zweite Salve zu verhüten. Als sie
näher kamen, sahen wir, daß es unser trefflicher Freund Kärikia war,
der bei dem Brande die Flucht ergriffen hatte, jetzt aber zurückkehrte
und an Bord der »Resolution« geführt werden wollte.
Als er ankam, war er sehr ernst und gedankenvoll. Wir versuchten, ihm
begreiflich zu machen, daß wir notwendig das Dorf hätten in Brand
stecken müssen, wobei denn seine und seiner Brüder Wohnungen ohne
unsere Absicht mit verzehrt worden wären. Er verwies uns unsern Mangel
an Freundschaft und Dankbarkeit. Wir erfuhren erst jetzt, welch einen
großen Verlust die Priester durch uns erlitten hätten. Er sagte uns,
im vollen Vertrauen auf mein Versprechen und auf die Versicherungen
der Männer, die uns die Überreste des Kapitäns abgeliefert, hätten die
Priester ihr Vermögen nicht wie die übrigen Einwohner tiefer ins Land
geschafft, sondern ihre wertvollsten Güter nebst allem, was sie von uns
gesammelt gehabt, in ein Haus nahe dem Marai zusammengetragen, wo es zu
ihrem großen Jammer vor ihren Augen ein Raub der Flammen habe werden
müssen.
Als er an Bord gekommen war, hatte er die Köpfe seiner Landsleute auf
dem Verdeck liegen sehen. Dieser Anblick war für ihn so empörend, daß
er ernstlich bat, man möchte sie über Bord werfen, was auch auf Kapitän
Clerkes Befehl augenblicklich geschah.
Des Abends kehrte die Abteilung, die Wasser schöpfte, zurück, ohne
weiter beunruhigt worden zu sein. Die folgende Nacht war äußerst
traurig; denn am Lande ertönten das Geschrei und die Klagen lauter als
jemals. Unser einziger Trost dabei war die Hoffnung, daß wir künftig
nie wieder Gelegenheit zu solcher Strenge haben würden.
Den nächsten Morgen kam Koah wie gewöhnlich an die Schiffe. Da wir aber
nicht mehr nötig hatten, uns Zurückhaltung aufzuerlegen, hatte ich
völlige Freiheit, ihm gebührend zu begegnen. Als er sich daher während
seines üblichen Gesanges dem Schiffe näherte und mir ein Schwein und
einige Bananen anbot, befahl ich ihm, nicht näher zu kommen, und drohte
ihm, wenn er sich je wieder sehen ließe, ohne die Gebeine Kapitän Cooks
mitzubringen, solle er sein nie gehaltenes Versprechen mit dem Tode
büßen.
Er schien von diesem Empfange nicht gedemütigt zu sein, sondern kehrte
ans Ufer zurück, wo er sich zu einem Haufen seiner Landsleute gesellte,
die unsere Arbeiter beim Wasserschöpfen mit Steinen warfen. Diesen
Morgen fand man auch den Leichnam des jungen Menschen, der sich gestern
so tapfer verteidigt hatte, am Eingang der Höhle. Ein paar von unseren
Leuten deckten eine Matte über ihn und bemerkten kurz nachher, daß
ihn einige Männer auf den Schultern forttrugen und auf dem Wege einen
Trauergesang anstimmten.
Als die Eingeborenen sahen, daß wir ihre Beleidigungen nicht aus Mangel
an Mitteln, uns zu rächen, so lange geduldet hatten, hörten sie endlich
auf, uns länger zu beunruhigen, und am Abend kam ein Häuptling namens
Eappo, ein Mann von höchstem Ansehen, der uns bisher nur selten besucht
hatte. Er brachte uns Geschenke von Terriobu und bat uns in dessen
Namen um Frieden. Wir nahmen die Geschenke an und schickten ihn mit
der alten Antwort zurück, daß die Insulaner auf keinen Frieden hoffen
könnten, bis wir die Gebeine unseres toten Kapitäns zurückerhalten
hätten. Wir erfuhren von diesem Manne, daß das Fleisch von allen
Leichnamen unsrer Leute nebst den Rumpfknochen verbrannt worden sei.
Die Gliedmaßenknochen der Seeleute wären unter die geringeren Klassen
der Vornehmen verteilt worden, die des Kapitäns hingegen den ersten
Häuptlingen zugefallen, so daß ein großer »Erih« den Kopf, ein andrer
das Haar, Terriobu aber die Lenden, die Hüften und die Arme erhalten
hätte. Als es dunkel ward, näherten sich verschiedene Eingeborene
mit Wurzeln und Früchten, und Kärikia schickte uns zwei ansehnliche
Geschenke an Lebensmitteln.
Der 19. Februar verging größtenteils mit Botschaften zwischen Kapitän
Clerke und Terriobu. Eappo gab sich viele Mühe, es dahin zu bringen,
daß einer von unsern Offizieren an Land gehen möchte, und erbot sich,
unterdessen als Geisel zu bleiben. Man hielt es aber nicht für ratsam,
auf diesen Vorschlag einzugehen. Hierauf verließ er uns mit dem
Versprechen, er wolle am folgenden Tage die Gebeine bringen. Übrigens
erfuhren die Leute, die am Wasserplatz beschäftigt waren, nicht mehr
den geringsten Widerstand von den Eingeborenen, die ungeachtet unsres
vorsichtigen Betragens sich wieder ohne das geringste Mißtrauen unter
uns mischten. Am 20. hatten wir die Freude, bei guter Witterung den
Vordermast wieder aufrichten zu können. Dies Geschäft war indessen sehr
beschwerlich und mit Gefahr verknüpft, da unsere Stricke so verfault
waren, daß sie mehr als einmal dabei rissen.
Zwischen 10 und 12 Uhr sahen wir eine Menge Volks in einer Art von
feierlicher Ordnung den Berg herunterkommen, der sich hinter der Bucht
erhebt. Ein jeder von ihnen trug ein oder zwei Stück Zuckerrohr auf
der Schulter und Brotfrucht, Yamswurzeln und Bananen in der Hand. Zwei
Trommelschläger, die vor ihnen hergingen, steckten bei ihrer Ankunft am
Strande eine weiße Fahne auf und rührten darauf ihre Trommeln, während
die übrigen einer nach dem andern herantraten und ihre Geschenke
niederlegten und dann in derselben Ordnung wieder zurückgingen. Bald
nachher zeigte sich Eappo in seinem langen befiederten Mantel und trug
mit großer Feierlichkeit etwas auf seinen Händen herbei. Er setzte sich
auf einen Felsen und machte ein Zeichen, daß man ihm ein Boot zusenden
möchte. Da Kapitän Clerke vermutete, daß Eappo die Überreste Kapitän
Cooks brächte, fuhr er selbst zu ihm hin, um sie in seiner Schaluppe in
Empfang zu nehmen. Mir wurde befohlen, in einem andern Boote zu folgen.
Als wir am Ufer anlegten, kam Eappo in die Schaluppe und überreichte
dem Kapitän die Gebeine, die in eine Menge schönes neues Zeug gewickelt
und mit einem bunten Gewande aus schwarzen und weißen Federn bedeckt
waren. Nachher begleitete er uns zur »Resolution«, ließ sich aber nicht
bewegen, an Bord zu kommen, wahrscheinlich weil er aus einem Gefühl von
Schicklichkeit nicht bei der Öffnung des Bündels zugegen sein wollte.
Wir fanden darin den größten Teil der Gebeine unseres unglücklichen
Kommandanten. Den folgenden Morgen kam Eappo mit des Königs Sohn und
brachte die übrigen Gebeine Kapitän Cooks, außerdem die Läufe seiner
Flinte, seine Schuhe und einige Kleinigkeiten. Eappo bemühte sich,
uns zu überzeugen, daß Terriobu und er selbst den Frieden wünschten,
und daß sie uns den besten Beweis, der in ihrer Macht stünde, hiermit
gegeben hätten. Er setzte hinzu, sie würden sich gewiß weit früher
zu diesem Schritte bereit gefunden haben, wenn nicht die anderen
Häuptlinge, die noch unsere Feinde wären, sie daran gehindert hätten.
Er beklagte mit einiger Wehmut den Tod der sechs Vornehmen, die wir
erschossen hatten, und von denen einige unsere besten Freunde gewesen.
Das Boot hätten uns Parias Leute entwendet. Vermutlich hatte er sich
durch den Raub für den Schlag rächen wollen, den er von unsern Leuten
empfangen hatte. Tags darauf habe er es in Stücke hauen lassen. Die
Gewehre der Seesoldaten, die wir auch zurückgefordert hatten, wären
unwiederbringlich verloren, weil das gemeine Volk sich ihrer bemächtigt
hätte. Bloß die Knochen des Befehlshabers wären als Eigentum des Königs
und der Erihs aufbewahrt worden.
Wir konnten nun nichts weiter tun, als unserm großen, unglücklichen
Befehlshaber den letzten Dienst erweisen, und schickten deshalb Eappo
mit dem Auftrag ab, er solle Sorge tragen, daß die ganze Bucht mit dem
Tabu belegt würde. Nachmittags versenkten wir die Gebeine, nachdem
wir sie in einen Sarg gelegt und das Begräbnisgebet verlesen hatten,
unter kriegerischen Ehrenbezeigungen ins Meer. Die Welt mag beurteilen,
welche Gefühle wir in diesem Augenblicke hatten. Diejenigen, die dabei
zugegen gewesen sind, können mir das Zeugnis geben, daß ich außerstande
bin, sie zu schildern.
Am 22. Februar sah man den ganzen Vormittag kein Kanu in der Bucht,
da das Tabu, womit Eappo sie tags zuvor auf unser Verlangen hatte
belegen lassen, noch nicht aufgehoben war. Endlich kam Eappo zu uns.
Wir versicherten ihm, daß wir nun vollständig befriedigt seien, und
daß die Erinnerung an alles Vergangene mit dem »Orono« begraben sei.
Nachher baten wir ihn, er möchte das Tabu aufheben und den Eingeborenen
bekanntmachen, sie sollten uns wie gewöhnlich Lebensmittel bringen.
Die Schiffe waren denn auch bald von Kanus umringt; viele Vornehme
kamen an Bord und bezeigten uns ihre Trauer über das Vorgefallene
und ihre Freude über die Wiederherstellung des Friedens. Mehrere von
unseren Freunden, die uns nicht besuchten, schickten uns Schweine und
andere Lebensmittel zum Geschenk.
Da nun alle Anstalten, in See zu stechen, getroffen waren, erteilte
Kapitän Clerke den Befehl, die Anker zu lichten, weil er besorgte, es
möchte einen schlechten Eindruck machen, wenn das Gerücht von diesen
Vorfällen früher zu den benachbarten Inseln käme als wir selbst. Gegen
8 Uhr abends schickten wir die Eingeborenen alle an Land zurück, und
Eappo nebst dem freundschaftlichen Kärikia nahmen gerührt Abschied von
uns. Wir lichteten darauf die Anker und steuerten aus der Bucht, und
als wir längs der Küste hinfuhren, erwiderten die Eingeborenen, die
sich dort in großen Haufen versammelt hatten, unser letztes Lebewohl
mit allen Äußerungen ihrer Zuneigung und Freundschaft.
[Illustration]
[Illustration]
Eine Unglücksreise nach der Nordwestküste Amerikas
Von Kapitän _John Meares_
Mir war der Auftrag geworden, Seeotterfelle von den Indianern an der
Nordwestküste Amerikas einzuhandeln und nach Kalkutta zu schaffen.
Am 20. Januar 1786 kaufte ich deshalb zu dieser Expedition zwei
Fahrzeuge. Das eine erhielt den Namen »Nutka« und faßte 200 Tonnen
Last. Das zweite, von 100 Tonnen, ward die »Seeotter« genannt. Das
Kommando über die »Nutka« übernahm ich selber, das über das andere
Schiff Herr William Tipping, Leutnant in der königlichen Flotte. Den
20. Februar, da beide völlig segelfertig waren, ward dem Ausschuß,
der im Namen sämtlicher Eigentümer die Ausrüstung besorgte, ein
doppeltes Anerbieten gemacht. Das eine bestand darin, daß man die
»Seeotter« mit einer Ladung von Opium nach Malakka schicken wollte,
wobei ungefähr dreitausend Rupien zu gewinnen waren. Der Ausschuß der
Eigentümer zögerte keinen Augenblick, diesen Vorschlag anzunehmen, und
die »Seeotter« ging unverzüglich nach Malakka ab, von wo aus Kapitän
Tipping seinen Lauf nach der Nordwestküste von Amerika fortsetzen
und die nötigen Vorkehrungen treffen sollte, um sich dort mit mir
zu vereinigen. Das zweite Anerbieten bestand darin, daß wir den
Oberkriegszahlmeister der königlichen Truppen in Indien nebst seinem
Gefolge nach Madras bringen sollten, wofür er ebenfalls dreitausend
Rupien versprach. Diesen Vorteil konnte man auch nicht ausschlagen, und
so richtete die »Nutka« ihren Kurs zunächst nach Madras.
Den 12. März verloren wir das Land aus dem Gesicht und setzten unsere
Fahrt ununterbrochen bis zum 27. fort, da wir auf der Reede von
Madras vor Anker gingen. Man hielt unsere Fahrt in dieser Jahreszeit
für außerordentlich schnell. Nachdem wir unsere Passagiere gelandet
und noch allerlei Vorräte von Lebensmitteln an Bord genommen hatten,
machten wir uns segelfertig und stachen am 7. April in See. Man
hatte es während unseres Aufenthaltes an nichts mangeln lassen, was
zu unserer Aufmunterung und Unterstützung dienen, und was von Güte
und Aufmerksamkeit gegen uns zeugen konnte. Man muß sich dabei vor
Augen halten, daß zur Zeit unserer Abreise von Bengalen alle Arten
von Schiffsvorräten dort so schwer zu erhalten waren, daß unser
Schiff nur karge Provisionen auf ein Jahr mitbekommen hatte. Unsere
Lebensmittel reichten nicht einmal für diesen Zeitraum aus, und man
sah es für unmöglich an, unter solchen Umständen eine Reise von dieser
Art zu vollbringen. Auf Madras hatten wir uns daher gewissermaßen
verlassen, und mit der Hilfe, die uns dort zuteil ward, hofften
wir nunmehr 18 Monate auszukommen. Unser Schiff hatte eine starke
Bemannung. Allein, sie war so beschaffen, daß nur die Not unsere Wahl
rechtfertigen konnte. Den Zahlmeister, den Wundarzt, fünf Offiziere und
den Bootsmann miteinbegriffen, waren wir unser vierzig Europäer, zu
denen wir in Madras noch zehn Laskaren annahmen. Aber alle Bemühungen,
einen Schiffszimmermann zu bekommen, schlugen fehl, und diesen Mangel
fühlten wir während der ganzen Reise auf das empfindlichste.
Am 23. Mai erreichten wir Malakka nach einer ungewöhnlich langen
Fahrt, die dem Skorbut Zeit ließ, sich unter uns zu zeigen. Schon in
dieser frühen Periode unserer Reise verloren wir unseren Bootsmann,
einen der vortrefflichsten Männer an Bord, dessen Verlust unersetzlich
blieb. In Malakka erfuhren wir, daß Kapitän Tipping schon abgesegelt
war, nachdem er sein Geschäft hier beendet hatte. Wir versorgten uns
mit Holz, Wasser und Erfrischungen, von welch letzteren wir so viel
an Bord nahmen, daß wir nicht nur die schon verbrauchten Lebensmittel
ersetzten, sondern uns auch im Stande sahen, Kapitän Tipping auf
alle Art behilflich zu sein, wenn wir ihn an der Küste von Amerika
anträfen. Am 29. Mai gingen wir in See, nachdem wir das holländische
Fort mit neun Kanonenschüssen begrüßt und einen Gegengruß von gleicher
Anzahl zurückerhalten hatten. In sehr wenigen Tagen kamen wir in das
Chinesische Meer und setzten dann mit Hilfe eines starken südwestlichen
Monsuns unsern Lauf bis zum 22. Juni fort. An diesem Tage kamen die
Baschi-Inseln in Sicht. Es währte indes bis zum 26., ehe wir bei der
Grafton-Insel in einer kleinen anmutigen Bucht Anker werfen konnten.
Rund um diese Bucht ist das Land hoch und bis an die Gipfel der
Berge angebaut. Die Pflanzungen, die überall mit sehr netten Zäunen
umschlossen sind, gewähren einen freundlichen Anblick. Auf einer
sanften Anhöhe unweit der See lag ein Dorf; Gruppen oder Haine von
schönen Bäumen schmückten romantisch den Abhang der Berge, von denen
ein munterer Bach hinunter ins Tal rauschte. Die ganze Gegend prangte
wirklich in außerordentlicher Schönheit. Die Spanier hatten etwa vier
Jahre vorher diese Inseln in Besitz genommen, weil sie hofften,
daß sie in dem Innern der Gebirge edles Metall finden würden. Der
Gouverneur und seine Besatzung begegneten uns mit vieler Höflichkeit
und versuchten es auf keinerlei Weise, unsern kleinen Tauschhandel
mit den Eingeborenen, allem Anschein nach ganz harmlosen Menschen, zu
stören. Wir hielten uns hier vier Tage lang auf und bekamen während
dieser Zeit gegen rohes Eisen eine Menge Schweine, Ziegen, Enten,
Hühner, Yams und süße Bataten.
Am 1. Juli verließen wir die Baschi-Inseln und richteten unseren Lauf
nordostwärts längs der japanischen Inselgruppe, die wir indes nicht zu
Gesicht bekamen. In den Karten findet man verschiedene Inseln, über die
wir hätten hingesegelt sein müssen, wenn sie richtig angegeben gewesen
wären. Sobald wir über den 25. Grad nördlicher Breite hinausgekommen
waren, hatten wir einen undurchdringlichen Nebel, der oft so dicht war,
daß wir keine Schiffslänge weit voraussehen konnten. Am 1. August,
nachdem wir die vorige Nacht beigelegt hatten, vermuteten wir in der
Nähe Land, und bei Tagesanbruch erblickten wir es auch wirklich durch
die Nebelbänke hindurch. Es waren die Inseln Amluk und Atscha. Wir
näherten uns der ersten und lagen daselbst zwei Tage lang vor Anker,
wobei uns sowohl die Russen als die Eingeborenen besuchten. Auf unserer
Fahrt von hier nach Unalaschka trieben wir zwischen fünf Inseln
hindurch und sahen uns so auf allen Seiten von Gefahr umringt; denn wir
waren außerstande, unseren Weg zu erkunden. Dennoch kamen wir glücklich
und unbeschädigt heraus. Seitdem wir über den 35. Grad nördlicher
Breite gekommen waren, hatten wir des ununterbrochenen Nebels wegen
nur zweimal Gelegenheit gehabt, die Sonnenhöhe zu beobachten. Desto
glücklicher konnten wir uns schätzen, eine astronomische Uhr an Bord zu
haben, die uns die größten Dienste leistete.
Die fünf Inseln, zwischen denen wir in so große Verlegenheit gerieten,
beschreibt Coxe in seinen russischen Entdeckungen unter dem Namen
Pjät Sopka (das heißt die fünf Vulkankegel), und er nennt auch
viele zwischen diesen Inseln und Kamtschatka verunglückte russische
Seefahrer. Sie sind unbewohnt und scheinen weiter nichts als ungeheuere
Felsenmassen zu sein. Zwei davon sehen einander sehr ähnlich und haben
ziemlich genau die Form eines Zuckerhutes.