hervor mit grünen Zweigen in den Händen, die sie am Strande in die
Erde steckten; alsdann gingen sie wieder fort. Bald nachher brachten
sie Schweine, denen sie die Füße festgebunden hatten. Hierauf holten
sie aus dem Walde etliche Bündel von dem Zeuge, dessen sie sich zur
Kleidung bedienen, und das dem chinesischen Papier einigermaßen ähnlich
sieht, legten diese gleichfalls am Strande nieder und riefen uns zu,
daß wir alle Sachen abholen möchten. Da wir ungefähr 3 Kabeltaulängen
von der Küste entfernt lagen, konnten wir nicht genau erkennen, woraus
dieses Sühneopfer im einzelnen bestand. Daß es Schweine und auch
ein ganzer Ballen von ihrem heimischen Zeuge sein mochte, errieten
wir. Als wir aber auch andere Tiere, mit ihren Vorderfüßen über dem
Nacken gebunden, verschiedene Male aufstehen und eine kleine Strecke
auf den Hinterfüßen fortlaufen sahen, hielten wir sie für seltsame,
uns unbekannte Wesen und waren daher sehr neugierig, sie näher zu
betrachten. Ein Boot wurde also schnell an Land geschickt, wo natürlich
die Verwunderung sich bald löste: es waren nämlich Hunde. Unsere Leute
fanden außer den Hunden und dem Zeuge neun tüchtige Schweine. Diese
wurden an Bord gebracht, die Hunde dagegen ließ man los, auch das Zeug
blieb am Lande liegen. Für die Schweine legten unsere Leute einige
Beile, Nägel und andere Dinge auf dieselbe Stelle hin und winkten
einigen von den Eingeborenen, die sich sehen ließen, daß sie unsre
Gegengaben nebst ihrem Zeuge abholen und behalten sollten. Bald nachdem
das Boot am Schiff wieder angelegt hatte, brachten die Insulaner noch
zwei Schweine und machten uns Zeichen, diese zu holen. Das Boot kehrte
demnach an Land zurück und brachte die beiden Schweine mit, ließ das
Zeug jedoch wieder unbeachtet liegen, obwohl uns die Eingeborenen zur
Mitnahme aufforderten. Unsere Leute berichteten mir, daß die Wilden
von all den Sachen, die ich für sie auf den Strand hatte hinlegen
lassen, nichts angerührt hätten; einer von uns war der Meinung, daß sie
die Geschenke deswegen nicht nehmen mochten, weil wir auch das Zeug
abgewiesen hätten, weshalb ich befahl, nunmehr auch dieses zu holen.
Der Ausgang bewies die Richtigkeit dieser Meinung. Denn sobald das Boot
das Zeug eingeladen hatte, kamen die Insulaner herab und trugen alles,
was ich ihnen geschickt hatte, unter den größten Freudekundgebungen mit
sich in den Wald fort. Unsere Leute liefen hierauf an der Küste bis zu
dem Ort hin, wo es frisches Wasser gab. Hier füllten sie alle unsere
Wasserfässer, die fast 6 Tonnen hielten, und brachten diese zum Schiff.
Wir fanden, daß die Fässer, während sie im Besitz der Eingeborenen
gewesen waren, keinen Schaden erlitten hatten, büßten aber einige
lederne Eimer und Schläuche ein, die mit den Fässern zugleich in ihre
Gewalt geraten und nicht wieder zurückgegeben worden waren.
Am folgenden Morgen schickte ich die Boote mit einer Wache an Land,
um noch mehr Fässer mit Wasser füllen zu lassen; bald nachdem die
Mannschaft gelandet war, erschien ebenderselbe Greis, der am ersten
Tage über den Fluß zu ihnen gekommen war, wiederum am jenseitigen
Ufer und hielt von da aus eine lange Rede an unsere Leute, nach deren
Beendigung er endlich zu uns herüberkam.
Als er nahe genug war, zeigte ihm der Offizier die Steine, die wie
Kanonenkugeln am Strande aufgehäuft und seit unsrer ersten Landung
dahin gebracht worden waren; er wies ihm auch einige Säcke voller
Steine, die man in den auf meinen Befehl zerstörten Kanus gefunden
hatte. Er gab sich Mühe, dem alten Manne begreiflich zu machen, daß
seine Landsleute der angreifende Teil gewesen wären, und daß wir nur
aus Notwehr ihnen hätten schaden müssen. Der Greis schien zu begreifen,
was der Offizier sagen wollte, über die Frage des Angriffs aber nicht
gleicher Meinung mit ihm zu sein. Er hielt indessen sogleich eine Rede
an das Volk, wies mit großer Rührung auf die Steine, Schleudern und
Säcke, und bisweilen waren seine Blicke, Stimme und Gebärden drohend
und aufs höchste erregt. Doch nach und nach legte sich der Sturm seiner
Leidenschaften wieder, und der Offizier, der es herzlich bedauerte, daß
er von der ganzen Rede nicht ein Wort hatte verstehen können, bestrebte
sich, ihn durch Beihilfe aller nur möglichen Zeichen zu bereden,
daß wir in Freundschaft mit ihnen zu leben und von Herzen gern alle
Beweise unserer guten Gesinnung zu geben wünschten. Zur Bestätigung
dessen reichte er ihm die Hand, umarmte ihn und schenkte ihm einige
Kleinigkeiten, die er sich selbst aussuchen durfte. Der Offizier
konnte außerdem dem Greise verständlich machen, daß wir Lebensmittel
einzuhandeln wünschten, daß die Eingeborenen aber nicht in zu großer
Zahl kommen und auf der einen Seite des Flusses, wie wir auf der andern
bleiben sollten. Hierauf ging der Greis sichtlich befriedigt hinweg,
und noch vor Mittag kam ein ordentlicher Handel zustande, vermittels
dessen wir Schweine, Federvieh und Früchte genug bekamen, daß das
gesamte Schiffsvolk, ob krank oder gesund, reichlich und so viel von
diesen Lebensmitteln erhielt, als es nur verzehren konnte.
Als die Angelegenheit nun glücklicherweise so gut beigelegt war,
schickte ich den Schiffsarzt mit dem zweiten Leutnant ab, das Land in
Augenschein zu nehmen, um irgendwo einen bequemen Platz auszusuchen,
wo ich für die Kranken Landwohnungen aufschlagen könnte. Als sie
zurückkamen, meldeten sie, daß die ganze Insel, soweit sie sie gesehen
und untersucht hätten, hierzu überall gleich bequem und gesund sei.
Wenn es aber zudem auf Sicherheit ankäme, so könnten sie nur die
Wasserstelle empfehlen, weil allda die Kranken sowohl vom Schiffe als
von der Wache her geschützt wären. Man würde sie zugleich an diesem
Orte leicht beaufsichtigen können, daß sich keiner von ihnen allzu
tief ins Land hineinwagte; man würde sie endlich von dort auch leicht
zu den Mahlzeiten rufen können. Ich schickte daher die Kranken nebst
den Leuten, die Wasser holen sollten, zur Wasserstelle und übertrug
dem Waffenoffizier das Kommando über die Bedeckungsmannschaften.
Um die Kranken gegen Sonne und Regen zu schützen, wurde ein Zelt
aufgeschlagen, und ich ließ den Schiffsarzt mit an Land gehen, damit er
über ihr Wohlbefinden wachen und die nötigen Maßnahmen treffen könnte.
Als das Zelt aufgeschlagen war und er die Kranken ziemlich versorgt
hatte, nahm der Arzt eine Flinte unter den Arm und ging ein wenig
spazieren. Unterwegs traf es sich, daß eine wilde Ente über seinem
Kopfe dahinflog, er schoß also nach ihr und traf sie so gut, daß sie
mitten unter eine Gruppe der Eingeborenen jenseits des Flusses tot
niederfiel. Das jagte den Wilden einen solchen Schrecken ein, daß sie
im ersten Augenblick alle davonliefen. Erst nach einer ganzen Strecke
blieben sie wieder stehen. Er winkte ihnen nunmehr zu, sie sollten
ihm die Ente herüberbringen. Einer von ihnen traute sich vor, kam
über den Fluß und legte blaß und zitternd das Tier zu seinen Füßen
nieder. In ebendiesem Augenblick flogen noch verschiedene andere
Enten von ungefähr an dem Schützen vorbei. Er schoß also wieder und
traf glücklicherweise noch drei davon. Dieser Vorfall flößte den
Eingeborenen eine solche Furcht vor der Feuerwaffe ein, daß sie, wenn
man ihnen eine Flinte wies, sofort wie eine Herde Schafe davonliefen.
Da ich mir im voraus vorstellen konnte, daß zwischen denjenigen
von unseren Leuten, die am Lande waren, und den Eingeborenen ein
Schleichhandel nicht ausbleiben würde, und daß, wenn man sie in dieser
Sache nach ihrem Gutdünken ungestört handeln ließe, nichts als Unheil
und Zwistigkeiten daraus entstehen würden, befahl ich, daß aller Handel
zwischen beiden Parteien durch die Hände des Waffenoffiziers gehen und
von ihm ganz allein betrieben werden solle. Ich trug ihm auf, ernstlich
darauf zu achten, daß unsere Leute den Insulanern kein Unrecht täten,
weder durch Gewalt noch durch Betrug; er solle sich ferner auf alle
Weise bestreben, den alten Mann, der sich uns hilfreich erwiesen, zum
Freunde zu behalten. Der Offizier entledigte sich dieses Auftrags mit
großer Gewissenhaftigkeit. Wir hatten dem erwähnten Greise vieles zu
verdanken. Durch seine Vorsicht brachte er unsere Leute dahin, daß sie
gegen die Insulaner beständig auf ihrer Hut waren, und wenn er sah, daß
der eine oder der andere vom Zeltort sich entfernte, geleitete er ihn
jedesmal wieder dahin zurück. Die Eingeborenen stahlen zwar bisweilen
etwas, doch durch die bloße Furcht vor einer Flinte, die in Wahrheit
nie ernstlich gebraucht wurde, konnte der Waffenoffizier die Rückgabe
der entwendeten Gegenstände erzwingen.
Eines Tages schlich sich ein Kerl unbemerkt über den Fluß und stahl
ein Beil. Sobald der Waffenoffizier den Verlust bemerkte, gab er dem
Greise zu verstehen, was vorgefallen war, und tat, als ob er sich mit
allen seinen Leuten fertigmachen wolle, um in den Wald zu marschieren
und dem Diebe nachzusetzen. Allein, der Greis gab ihm durch Zeichen zu
verstehen, daß er sich diese Mühe sparen könne. Er ging sofort allein
in den Wald und brachte auch bald darauf das Beil wieder. Alsdann drang
der Waffenoffizier darauf, auch den Dieb in seine Hände zu bekommen;
zwar ließ sich der alte Mann offenbar nur schwer dazu bewegen, tat es
aber endlich doch. Als der Kerl herbeigebracht wurde, erkannte ihn der
Offizier sofort als einen von denen wieder, die uns schon mehrmals
bestohlen hatten, und schickte ihn daher gefangen an Bord. Ich war
nicht gesonnen, das Verbrechen anders als durch die bloße Furcht
vor Bestrafung zu ahnden, setzte den Dieb daher nach vielen Bitten
und Fürbitten wiederum in Freiheit und schickte ihn an Land. Ob die
Eingeborenen über seine glückliche Rückkehr mehr erstaunt oder erfreut
waren, ist schwer zu entscheiden. Soviel aber ist gewiß, sie empfingen
ihn mit Frohlocken und führten ihn in die Wälder mit sich fort. Den
folgenden Tag kam unser wieder in Freiheit gesetzter Gefangener
freiwillig zurück und brachte dem Waffenoffizier einen beträchtlichen
Vorrat an Brotfrucht und ein gebratenes Schwein, vermutlich um den
Offizier wieder mit sich auszusöhnen.
Um diese Zeit beschäftigten sich meine Leute an Bord, das Oberdeck des
Schiffes zu kalfatern und neu zu streichen, wickelten das Takelwerk
auseinander und brachten es in Ordnung, räumten auch das Magazin auf.
Kurz, ein jeder tat in seiner Art, was notwendig war. Unterdessen
hatte meine Krankheit, die eine Art Gallenkolik war, sich so sehr
verschlimmert, daß ich an diesem Tage bettlägerig wurde. Das ganze
Kommando fiel also an den ersten Offizier. Diesem gab ich seine
Verhaltungsmaßregeln und ermahnte ihn, auf die Landmannschaft ganz
besonders achtzugeben. Ich ordnete auch an, daß man dem Schiffsvolk
Früchte und frische Lebensmittel reichen sollte, solange dergleichen
nur zu bekommen wäre, und daß nach Sonnenuntergang die Boote niemals
vom Schiffe abwesend sein dürften.
Eines Nachmittags kam der Waffenoffizier mit einer Frau an Bord; sie
war von großer Statur, mochte ungefähr 45 Jahre alt sein und hatte
außer einer angenehmen Gesichtsbildung einen wirklich majestätischen
Anstand. Er sagte mir, sie sei erst kürzlich in diese Gegend des Landes
gekommen, und da er beobachtet hätte, daß die andern Eingeborenen viel
Ehrfurcht vor ihr bezeigten, habe er ihr einige Geschenke gemacht.
Um diese zu erwidern, habe sie ihn in ihre Wohnung eingeladen, die
ungefähr zwei Kilometer talaufwärts liege, und dort habe sie ihm einige
recht große Schweine geschenkt. Nachher sei sie mit ihm nach der
Wasserstelle zurückgegangen und habe Verlangen bezeigt, mit an Bord des
Schiffes zu gehen. Er habe es für ratsam gehalten, ihr Verlangen zu
erfüllen, und habe sie begleitet. Sie schien gleich beim Betreten des
Schiffes ganz ohne Mißtrauen und Furcht, überhaupt ganz ungezwungen zu
sein, und die ganze Zeit über, die sie an Bord bei uns war, betrug sie
sich mit einer ungekünstelten Freimütigkeit, die man bei allen Personen
zu bemerken pflegt, die sich ihrer Vorzüge bewußt und zu herrschen
gewohnt sind. Ich gab ihr einen großen blauen Mantel, der ihr von
den Schultern bis auf die Füße hinabreichte, hing ihr diesen um und
band ihn mit Bändern fest. Auch gab ich ihr einen Spiegel, Glasperlen
und viele andre Sachen mehr. Alles nahm sie auf die würdigste Art an
und bezeigte ihr Wohlgefallen darüber. Sie bemerkte, daß ich krank
gewesen war, und wies aufs Land. Ich deutete mir das so aus, als ob sie
meinte, ich solle dahin gehen, um meine Gesundheit wieder vollkommen
herzustellen, und gab ihr also durch Zeichen zu verstehen, daß ich
den anderen Morgen ihren Rat befolgen wolle. Als sie sich endlich
anschickte, wieder zurückzukehren, befahl ich dem Waffenoffizier, sie
zu geleiten. Nachdem er sie an Land gebracht hatte, begleitete er
sie ganz nach ihrer Wohnung und beschrieb mir diese nachher als sehr
groß und wohlgebaut. Er sagte, sie habe viele Leibwachen und Bediente
in diesem Hause, und in einiger Entfernung noch ein anderes Gebäude,
welches von einer Art Gitterwerk umgeben sei.
Den folgenden Morgen ging ich also zum ersten Male an Land, und meine
Fürstin oder vielmehr Königin -- denn ihrem Ansehen nach schien sie
einen solchen Rang zu haben -- kam bald nachher mit einer zahlreichen
Begleitung zu mir. Da sie bemerkte, daß ich von meiner Krankheit noch
sehr schwächlich war, befahl sie ihren Leuten, mich auf ihre Arme zu
nehmen und nicht nur über den Fluß, sondern auch den ganzen Weg bis an
ihr Haus zu tragen. Weil sie beobachtete, daß einige meiner Begleiter,
insbesondere der erste Leutnant und der Schiffszahlmeister, ebenfalls
krank gewesen waren, ließ sie auch diese auf die gleiche Art tragen.
Ich hatte, als ich an Land ging, eine Leibwache mitgenommen, und diese
folgte uns bei diesem Aufzuge nach. Unterwegs drängte sich eine sehr
große Volksmenge um uns herum, sobald aber die Herrscherin mit ihrer
Hand einen Wink gab, wichen die Eingeborenen zurück und machten vor uns
Platz, ohne daß sie auch nur ein Wort gesprochen hätte.
[Illustration: Der Schiffsarzt nahm die Perücke vom Kopfe.]
Als wir uns ihrem Hause näherten, kam uns eine große Zahl Leute
beiderlei Geschlechts entgegen. Sie stellte mir alle Leute vor und gab
mir zu verstehen, daß dies alles Anverwandte von ihr wären. Hierauf
faßte sie meine Hand und reichte sie der ganzen Verwandtschaft zum
Küssen dar. Endlich betraten wir das Haus, das etwa 100 Meter lang
und 12 Meter breit war. Es bestand aus einem mit Palmzweigen bedeckten
Dache und ruhte auf Pfosten, deren sich auf jeder Seite 39 und in
der Mitte 14 befanden. Bis an die oberste Dachspitze gerechnet, war
das Gebäude innen etwa 10 Meter hoch, die Pfosten aber, auf denen
das Dach am Rande ruhte, waren nur etwa 4 Meter hoch. Unterhalb des
Daches waren die Seiten alle frei und offen. Sobald wir das Innere
des Hauses betreten hatten, nötigte die Königin uns zum Niedersitzen
und rief sogleich vier junge Mädchen. Als diese herbeikamen, ließ sie
sich von ihnen helfen, mir Schuhe, Strümpfe und den Rock auszuziehen,
sodann befahl sie ihnen, mir die Haut mit ihren Händen ganz leicht zu
massieren. Das gleiche ließ sie mit dem kranken Schiffszahlmeister und
dem ersten Offizier vornehmen. Während diese Kur an uns vorgenommen
wurde, suchte sich der Schiffsarzt, der sich auf dem Gange hierher
sehr erhitzt hatte, ein wenig abzukühlen, und nahm in dieser Absicht
seine Perücke vom Kopfe. Einer von den Eingeborenen bemerkte das und
gab seinem Staunen durch einen lauten Schrei Ausdruck. Das lenkte die
Aufmerksamkeit aller übrigen so sehr auf den guten Chirurgus, daß in
einem Augenblick aller Augen auf das Wunderding geheftet und mit einem
Male alle Verrichtungen unterbrochen waren. Die ganze Versammlung
stand einige Zeit über in sprachlosem Erstaunen ganz unbeweglich
da. Sie hätten sich wahrhaftig nicht erstaunter anstellen können,
wenn sie gesehen hätten, daß unser Landsmann sich alle Glieder vom
Leibe geschraubt hätte. Endlich gingen die jungen Mädchen, die uns
massierten, wiederum an ihre Arbeit, und als sie diese ungefähr eine
halbe Stunde lang fortgesetzt hatten, kleideten sie uns wieder an.
Man kann sich indessen leicht vorstellen, wie ungeschickt sie sich
dabei benahmen. Indessen bekam sowohl mir als dem Leutnant und dem
Schiffszahlmeister die Massage sehr wohl.
Bald darauf ließ unsere gütige Wohltäterin einige Ballen von
landesüblichem Rindenzeug herbeibringen und kleidete mich nebst meiner
ganzen Gesellschaft mit diesem Zeuge nach der Mode ihres Landes.
Anfangs verbat ich mir diese Gunstbezeigung. Weil ich indessen nicht
gerne den Eindruck erwecken wollte, als ob mir das nicht gefiele, was
in bester Absicht mit mir geschah, ließ ich mich endlich nach ihrem
Willen kleiden.
Als wir weggingen, befahl sie, daß ein sehr großes und tüchtiges
Mutterschwein zum Boot hinabgebracht werden sollte, und sie selbst
begleitete uns in Person dahin. Sie hatte ihren Landsleuten geheißen,
mich wie auf dem Herwege auf den Armen zu tragen. Da ich aber jetzt
lieber gehen wollte, so bot sie mir den Arm, und sooft wir an eine
Wasserpfütze oder eine morastige Stelle kamen, hob sie selbst mich
hinüber und das offenbar mit ebenso geringer Mühe, als es in gesunden
Tagen mich würde gekostet haben, ein Kind hinüberzuheben.
Am folgenden Morgen schickte ich ihr durch den Waffenoffizier sechs
Beile, sechs Sicheln und noch verschiedene andere Dinge. Bei seiner
Zurückkunft meldete mir der Offizier, daß er sie bei der Mahlzeit
angetroffen, und daß sie in ihrem großen Hause eine erstaunliche Anzahl
von Leuten, die seiner Schätzung nach sich auf mindestens 1000 Personen
belaufen mußte, mit einem Gastmahl bewirtet habe. Die Speisen wurden
bei dieser Gelegenheit alle von den Bedienten, die sie zubereitet
hatten, aufgetragen. Das Fleisch war in Kokosnußschalen gefüllt.
Diese waren in hölzerne Tröge gesetzt, die unseren Fleischermulden
einigermaßen ähnlich sahen, und die Regentin teilte diese Speisen
eigenhändig an die Gäste aus, die im Hause rundherum in Reihen saßen.
Als sie mit der Austeilung der Gerichte fertig war, setzte sie sich
selbst auf einem etwas erhöhten Sitze nieder; zwei Mädchen stellten
sich alsdann zu ihren beiden Seiten auf und reichten ihr die Speisen
so zu, daß sie nur den Mund aufzumachen brauchte, um sie zu genießen.
Sobald sie des Waffenoffiziers ansichtig wurde, ließ sie ihm auch
gleich eine Mahlzeit auftragen. Er konnte nicht eigentlich sagen, was
es war, das er aß; er hielt es für kleingehacktes Hühnerfleisch mit
daruntergeschnittenen Äpfeln, in Salzwasser zurechtgemacht. Es war
alles sehr schmackhaft zubereitet. Die Königin nahm die Geschenke, die
ich ihr schickte, mit großem Vergnügen an. Als wir auf solche Art mit
ihr in ein gutes Einvernehmen gekommen waren, fanden wir, daß weit mehr
Lebensmittel aller Art als zuvor auf den Markt gebracht wurden. Allein,
obgleich alle Tage Federvieh und Schweine genug ankamen, mußten wir
diese Dinge doch teurer bezahlen als im Anfang.
Eines Tages erblickte der Waffenoffizier, der noch immer des Handels
wegen am Lande blieb, eine alte Frau jenseits des Flusses, die
bitterlich weinte. Sobald sie merkte, daß sie seine Aufmerksamkeit
erregt hätte, schickte sie einen Jüngling, der mit ihr gekommen war,
mit einem Bananenzweige in der Hand über den Fluß zu ihm hinüber. Als
der junge Mensch vor ihm stand, hielt er eine lange Rede und legte
alsdann seinen Zweig zu des Waffenoffiziers Füßen nieder. Darauf ging
er zurück, die alte Frau selbst zu holen, während ein anderer Mann zwei
große gemästete Schweine herbeibrachte. Die Frau sah unsere Leute einen
nach dem andern an und brach abermals in Tränen aus. Als der Jüngling,
der sie über den Fluß gebracht hatte, das Mitleid und Erstaunen des
Offiziers sah, hielt er eine zweite große Rede, die länger als die
vorhergehende war, nach deren Ende man aber die Ursache, warum die
Frau so jämmerlich weinte, ebensowenig wußte als vorher. Endlich gab
sie zu verstehen, daß ihr Mann und drei von ihren Söhnen beim Angriff
auf das Schiff umgekommen wären. Während dieser Erklärung wurde sie
von ihrem Kummer so ergriffen, daß sie zuletzt nicht mehr reden konnte
und ohnmächtig niedersank; die zwei Jünglinge, die sie in ihren Armen
hielten, schienen ähnlich bewegt zu sein. Vermutlich waren es zwei
andere ihrer Söhne oder doch nahe Blutsverwandte. Der Waffenoffizier
tat alles, was nur möglich war, um ihre Betrübnis zu lindern. Sobald
sie nur einigermaßen wieder getröstet war, befahl sie, daß man ihm die
beiden Schweine bringen solle, und reichte ihm die Hand zum Zeichen
ihrer Freundschaft, sie wollte aber nichts dagegen annehmen, obwohl er
ihr den zehnfachen Marktpreis dafür geboten hatte.
Am folgenden Morgen schickte ich den zweiten Leutnant mit allen Booten
und 60 Mann nach Westen, um das Land in Augenschein zu nehmen und
festzustellen, was man von dorther etwa bekommen könne. Um Mittag kam
er zurück, er war diese Zeit über ungefähr 6 Kilometer weit längs der
Küste hinmarschiert. Er fand das Land sehr anmutig und bevölkert und
auch mit Federvieh, Schweinen, Früchten und Pflanzen reich gesegnet.
Die Einwohner taten ihm nichts zuleide, schienen aber auch nicht
geneigt zu sein, ihm irgend etwas von ihren Waren zu verkaufen, nicht
einmal Früchte, die unsere Leute am liebsten eingehandelt hätten. Doch
überließen sie ihm zuletzt einige Kokosnüsse und Bananen und verkauften
ihm schließlich auch einiges Federvieh und 9 Schweine. Der Leutnant
war der Meinung, man könne die Eingeborenen dort mit der Zeit schon
dahin bringen, daß sie aus freien Stücken mit uns Handel trieben.
Allein, diese Gegend lag zu weit vom Schiffe entfernt, so daß man
jedesmal eine größere Bedeckungsmannschaft hätte mitgeben müssen. Er
sah eine große Anzahl geräumiger Kanus, die die Einwohner auf den
Strand gezogen hatten, und andere, an denen noch gebaut wurde. Er fand,
daß alle ihre Werkzeuge aus Steinen, aus Muschelschalen und Knochen
verfertigt waren, und schloß daraus, daß sie ganz und gar kein Metall
besäßen. Auch fand er keine anderen vierfüßigen Tiere als Schweine und
Hunde, desgleichen keine irdenen Gefäße. Alle ihre Speisen mußten daher
gebacken oder gebraten werden. Weil sie also keinerlei Kochgeschirr
hatten, konnten sie auch Wasser nicht sieden machen. Als die Königin
eines Morgens mit uns an Bord des Schiffes frühstückte, sah einer von
ihren Begleitern, der ein angesehener Mann war und einer von denen,
die wir für Priester hielten, daß der Schiffsarzt den Hahn an einer
Teemaschine umdrehte und auf diese Weise eine Teekanne, die auf der
Tafel stand, mit Wasser füllte. Nachdem er das mit großer Neugierde
und Aufmerksamkeit mitangesehen hatte, ging er, um die Sache selbst
zu untersuchen, näher hin, drehte den Hahn um und fing das Wasser mit
der Hand auf. Man kann sich vorstellen, wie sehr er sich verbrannte!
Kaum war das geschehen, so fing er voller Schrecken ganz rasend an zu
schreien und sprang vor Schmerz mit den lächerlichsten Gebärden in der
Kajüte umher. Die anderen Eingeborenen konnten gar nicht begreifen, was
ihm fehle. Sie staunten ihn daher mit Verwunderung an und ließen das
äußerste Entsetzen blicken. Indessen legte ihm der Schiffsarzt, der
unschuldigerweise die Ursache dieses ganzen Unfalls gewesen war, ein
kühlendes Mittel auf; es währte aber doch eine ganze Zeit, bis der arme
Schelm Linderung bekam.
Die Königin war jetzt verschiedene Tage über abwesend gewesen. Die
Eingeborenen gaben uns indessen durch Zeichen zu verstehen, daß wir
demnächst einen Besuch von ihr zu erwarten hätten. Am folgenden Morgen
kam sie auch wirklich an den Strand hinab, und bald darauf brachte
eine große Menge von Leuten, die wir bisher noch nie gesehen hatten,
Lebensmittel aller Art zu Markte, so daß der Marktoffizier uns diesen
Tag 14 Schweine und einen großen Vorrat von Früchten an Bord schaffen
konnte.
Am Nachmittag des folgenden Tages kam die Königin selbst an Bord
und brachte uns zwei große Schweine zum Geschenk mit. Sie ließ sich
niemals zu einem Tauschhandel mit uns herab. Als sie am Abend an Land
zurückkehrte, gab ich ihr den Bootsmann zur Begleitung und händigte
ihm Geschenke für sie ein, die er ihr überreichen sollte. Sobald sie
gelandet waren, nahm sie ihn bei der Hand, hielt eine lange Rede an das
Volk, das sich rings um sie her versammelte, und führte ihn hierauf
nach ihrem Hause. Dort kleidete sie ihn so, wie sie ehemals auch mit
mir getan hatte, nach dortiger Landesart in Rindenzeug.
Des Tages darauf schickte sie uns einen weit beträchtlicheren Vorrat
von Lebensmitteln, als wir je zuvor an einem Tage an Bord bekommen
hatten, nämlich 48 große und kleine Schweine, 4 Dutzend Stück Federvieh
und eine fast unzählige Menge von Brotfrüchten, Bananen, Äpfeln und
Kokosnüssen.