Auch der Erwachsene spielt gern mit, wenn das Spiel heimatliche

Vorstellungen und Gefühle auslöst. Eine rechte Freude kann aber bei

ihm nicht aufkommen, wenn sich solche Stilwidrigkeiten fortgesetzt

aufdrängen. Das bedeutet aber einen Verlust für den Erwachsenen und

für das Kind. Unsere Zeit hastet. Sie löst den einen früher, den

andern später aus der Umgebung, in der er seine Kindheit verlebte. Ein

großer Teil unseres Volkes führt ein modernes Nomadenleben. Nur noch

ganz bestimmte Volksgruppen haben sich die Seßhaftigkeit bis zu einem

gewissen Grade bewahrt. Aber auch diese Kreise fangen an, den Sinn

in die Weite schweifen zu lassen und das Naheliegende zu übersehen.

Der sich überallhin ausbreitende Verkehr mit seinem Einebnen alles

dessen, was kennzeichnend hervortreten will, läßt die besten Eindrücke

der Kindheit rasch verblassen. Alles wird käuflich, verkäuflich. Es

scheint, als ob jene innerlich wirkenden Werte einer Sache, die aus

der Geschichte, aus der Pietät heraus zu erklären sind, schwänden.

Gerade diese Werte aber machten früher eine Sache oft unbezahlbar.

Darum müssen wir das alles mit Freuden begrüßen, was uns helfen könnte,

jene verborgenen, in der Vergangenheit wurzelnden Werte wieder zu

erschließen. Im Geiste wenigstens lerne jedes sich wieder versenken

in die Schätze der Vergangenheit, damit die Gegenwart mit ihren

verwickelten Verhältnissen besser verstanden werde. Alle Gegenwart ist

Gewordenes. Alles Gewordene fußt in der Vergangenheit. Wir sollen nicht

mehr bloß Gegenwartsmenschen sein wollen, sondern sollen uns wieder als

etwas betrachten lernen, das in der Vergangenheit wurzelt. Wir werden

dann einsehen, daß jedes gewaltsame Lösen der Fäden, die uns mit der

Vergangenheit verbinden, einen nie wieder gut zu machenden Schaden für

den einzelnen wie für die Gesamtheit bedeutet.

Unsere Spielwarenerzeugung kann uns helfen, die verborgenen Beziehungen

zum Vergangenen wieder aufzudecken, kann uns helfen, Einkehr zu halten

in den Tagen der Kindheit wie in denen der reifen Jahre, kann uns

helfen, die Heimat durch ihre Vergangenheit zu verstehen. Ein weites

unbebautes Feld breitet sich hier für diese Industrie aus. Rechte

Bearbeitung muß eine gute Ernte für den Erzeuger und für die Gesamtheit

unseres Volkes bringen. Gefühl und Sinn für Heimatliebe, Volkskunst,

Heimatschutz würden zu gleichen Teilen durch Belehrung im Spiel schon

in den Kleinen geweckt werden. Fortgesetztes Spiel mit Spielzeug,

das mehr wie Spielzeug sein will, brächte diesen Sinn, diese Gefühle

zum Wachstum. Schließlich würden sie beim Erwachsenen unbewußt zum

unveräußerlichen Besitzstand geworden sein.

Wie können die beteiligten Industrien diese Forderungen erfüllen?

Kurz gesagt dadurch, daß sie Erzeugnisse schaffen, die die Verbindung

mit der Heimat erkennen lassen und echt sind, also jede Scheinkunst

vermeiden. Wir brauchen Modellierbogen, die uns einen _sächsischen_

wendischen Bauernhof, einen _sächsischen_ ländlichen Bahnhof, ein

_sächsisches_ mittelalterliches Rathaus usw. darstellen. In unserem

Vaterlande haben wir reichliche Stoffbeispiele dafür. Ferner sei

zur Auswahl gestellt: Oberlausitzer Weber- und Gutshäuser --

Erzgebirgische Gebäude -- Moritzburg -- Altes Leipziger Rathaus --

Meißner Dom, Albrechtsburg, Rathaus, Bürgerhäuser -- Bautzener Gebäude

-- alte sächsische Kirchen, Mühlen, Pochwerke -- Gebäude, deren

Erhaltung mit besonderer Sorgfalt oft unter Aufwendung nicht geringer

Mittel durchgeführt wird (Frohnauer Hammer) -- Bogengruppen mit

Planzeichnungen zur Veranschaulichung der Siedlungsweisen (Pfahldorf,

Rundling, Längsdorf, Dörfer mit sägeblattähnlicher Gebäudestellung,

Klosterbauten, Gartenstädte, Alt-Dresden, Alt-Leipzig). Wenn heute die

Festung Königstein als Modell herausgebracht würde, so würde wohl kaum

etwas dagegen eingewendet werden.

Seien nun die Gebäude auszuführen vom Modellierbogen aus, seien

sie besser aus einzelnen bemalten Holzteilen zusammenzuschränken,

jedenfalls werden dem Kinde im Spiel die Unterschiede der Bauweisen,

der Siedelungsanlagen auffallen. Fragen nach zeitlichen und örtlichen

Gründen, auch nach solchen der Zweckmäßigkeit werden auftauchen. Nicht

alle Fragen wird der Erwachsene befriedigend beantworten können. Er

wird mit dem Kinde und durch das Kind Heimatkunde und Heimatgeschichte

treiben müssen, wenn er nicht dauernd die Fragen halb oder ausweichend

oder mit »ich weiß das selber nicht« beantworten will. Darum dürfen die

Modellbogen nicht ohne Erläuterungsblätter gelassen werden. Gute Bücher

können noch gründlichere Auskunft erteilen. Ansätze in dieser Richtung

sind vorhanden. Aber die Heimatforschung hat noch genügend Brachland

zu bearbeiten, ehe sie alle Wünsche nach dieser Seite hin befriedigen

kann. Es gibt wohl keinen Ort Sachsens, der nichts hätte, was als

bauliches Wahrzeichen für Modellzwecke festgehalten zu werden verdiente.

Zu den Modellen von Bauwerken gehört das richtige Gestaltenmaterial.

Getreu dem Leben oder -- wenn dies keine Kunde mehr gibt -- getreu

den kulturgeschichtlichen Quellen wird es dargeboten. Wie viele

verborgene Schätze unsrer Heimatsammlungen, Geschichtsmuseen,

Bildergalerien, Innungsschränke, Zunftladen könnten da eine fröhliche

Auferstehung feiern! Wie könnte aus dem, das hinter Glas und Rahmen,

Tür und Riegel wohlverwahrt gehalten wird, ein Quell der Heimatliebe

entspringen! Da werden lebendig: alte Zünftler, Landsknechte, Zöllner,

Sänftenträger, Narren, fahrende Gesellen. Dazu die alten Gebäude.

Die Vergangenheit wird lebendig in der Gegenwart. Aus Papierstoff,

Holz, Zinn, Linoleum, durch Guß, Pressen, Drehen, Schnitzen werden

die zeit- und trachtenechten Gestalten hergestellt. Sie sind einzeln

käuflich (zum Aussuchen). Sie können aber auch -- zu fein abgestimmten

Gruppen geordnet -- in widerstandsfähigen Schachteln erstanden werden,

die recht wohl die überlieferte Aufschrift tragen können: Andenken

an ... Zur Erinnerung an ... Oheim Max bringt dem kleinen Hans eine

Schachtel mit: _Andenken an Leipzig_. Drinnen liegen Studenten in

Wichs. Das Fräulein mit farbigem Band ist Base Lotte, die Studentin.

Burschen heraus zum Couleurbummel! Muhme Alma bringt eine Schachtel

mit: _Erinnerung an Meißen_. Da sind zu sehen: Aschekarl, Aschemarie

mit dem Spitz auf dem Arme, Kalmus, der dumme Junge von Meißen,

ein Fremder mit der Fummel, Winzer, Winzerinnen. _Freiberg_ wartet

auf mit Bergstudenten, Bergleuten in Parade- und Arbeitstracht,

_Kloster Marienstern_ mit Osterreitern und Nonnen, _Bautzen_ mit

dem Taubenjokel, wendischen Männern und Frauen und Kindern, dem

Hochzeitsbitter, der Braut und dem Bräutigam, _Oybin_ mit Mönchen.

Anderswo gibt es beim Schützenfeste die ganze Schützengilde in einer

Schachtel wohlverwahrt zu erstehen. _Radeberg_ knüpft an seine

Bürgerwehr, seinen ehemaligen Bergbau, sein Gregoriusfest, seine

Soldaten an. _Leppersdorf_ und _Augustusbad_ bieten an eine Einsiedelei

mit Bäumchen, Hasen, Rehen, kleinen Vöglein und dem »Lampert im

Walde«. Ein Steinkreuz, ein Grenzstein, ein altes Denkmal gehört auch

manchmal in so eine Schachtel. _Schmiedefeld_ bei Stolpen und andere

Orte waren vor Einführung der Eisenbahn belebtere Orte als jetzt. Sie

lagen an den alten Poststraßen. Eine Schachtel zeigt als Inhalt eine

alte Postkutsche, ein Land-(fracht-)fuhrwerk, Zöllner, Torwächter,

Handwerksburschen, Reisende in Biedermeiertracht. Kriegszeiten haben

viele sächsische Orte durchleben müssen (Hussiten-, Schweden-,

Franzosenzeit). _Kamenz_ bringt bei seinem Forstfeste eine Schachtel

heraus, deren Inhalt die Erinnerung an eine glückliche Errettung aus

solch schweren Tagen wach hält. Bei Regimentstagen können Gestalten

in den Regimentstrachten der verschiedenen Zeiten vertrieben werden.

Vom Trachtenfest »Biedermeierzeit« bringen Vater und Mutter eine

Spielschachtel mit, die entsprechende Gestalten, Rosenlauben, grüne

Hecken enthält. Das, was bei Ausstellungen mit den »alten Städten«

(Vergnügungsecken) geboten wird und nach seiner oft recht beachtlichen

geschichtlichen Treue wert wäre, länger zu bestehen, das könnte in

verkleinerter Ausgabe zum Spiel geschaffen, als Andenken verkauft

werden.

Im Vereine mit guten Gebäudenachbildungen müssen solche Geschenke

oder Andenken in Vergangenheit und Gegenwart vertiefen helfen, müssen

sie alt und jung zur Besinnung einladen. Die Sachen haben ja etwas zu

erzählen. Der Quell der Sage und Geschichte muß da sprudeln. Kinder

und Erwachsene werden beim Spiel oft in den Geleisen wandeln, die der

Darstellung zugrunde liegen. Wie wir aber einen »Freiberger Bauerhasen«

stets mit einer gedruckten Erklärung zu kaufen bekommen, so darf

bei all diesen Sachen nicht mit frisch und lebendig geschriebenen

Erläuterungen gespart werden.

Trachtenechte Puppen, stilgerechte Puppenmöbel (Himmelbetten,

Bauerntische, Schemel, Wiegen, Stühle, geblümte Vorhänge, Teller,

Tassen, Kannen), eine rechte Bauernstube, Weberstube, Patrizierstube,

Spinnstube: das müßte Mädchen eine wirkliche Freude geben!

Das sind wirkliche Reiseandenken, die ihren Zweck erfüllen,

ein Band zu schlingen über den Geber hinweg vom Empfänger zum

kulturgeschichtlichen, heimatkundlichen Stoff. Das kann von den jetzt

noch beliebten Fangbällen, Windrädern, Abziehbildern und Postkarten

auf Holzquerschnitten, Steingutsachen u. a. m. nicht behauptet

werden. Welche Sorte von Reiseandenken verraten wohl Verlegenheit

und Gedankenlosigkeit des Gebers, welche begegnen Verlegenheit und

Gleichgültigkeit beim Empfänger?

Strenge Wahrhaftigkeit in der Darstellung des trachtenechten Spielzeugs

gibt den Kleinen auch wahre Anschauungen. Eine nach irgendeiner Seite

hinzielende, da hinzufügende, dort verheimlichende Scheinkunst ist

verpönt. Sie würde Truggebilde der Heimat erzeugen und die Jugend

verwirren. Für die Jugend muß nur das Beste gerade gut genug sein. Aber

auch viele Erwachsene gleichen in dieser Hinsicht Kindern und verlangen

die gleiche Behandlung. Auch ihnen dürfen wir das Bild der Heimat

durch Unwahrhaftigkeit des gebotenen Spielzeuges nicht entstellen oder

verzerren.

Die Bestandteile der Kleinspielzeugkästen werden etwas schematisch,

maschinenmäßig aussehen. Auf die Maschinenhilfe kann aber aus Gründen

möglichster Billigkeit nicht verzichtet werden. Doch der handarbeitende

Holzschnitzer mag nicht abseits stehen. Wie verschieden können ein

Student, Soldat, Bergmann, Mönch, Bauer, Schützenhauptmann gestaltet

werden in Bewegungen, Gesichtszügen, Farbengebung! So können wir

auch mit handgeschnitztem Kleinspielzeug unsere Schachteln füllen,

die freilich nur zu einem höheren Preise zu haben sein könnten. Ein

Vergleich von geschnitzten und gedrehten Figuren wird die Berechtigung

des Preisunterschiedes beweisen. Der Schnitzer kann seine Gestalten

aus dem Bereiche des gewöhnlichen Spielzeuges in das Gebiet des

Kleinkunstwerkes erheben. Ich erinnere mich der Ausstellung von

Krippenfiguren in Dresden. Wie verschieden hatte jeder einzelne

Aussteller sein persönliches Empfinden in einem gegebenen Stoffe zum

Ausdrucke gebracht. Bewegung, Ausdruck, Farbe, Gruppierung usw., das

alles zusammen genommen brachte trotz Gleichheit des Vorwurfes doch

durch die selbständige Auffassung der einzelnen Verfertiger große

Unterschiede heraus. Dazu kam die unterschiedliche Beherrschung und

Anwendung der einzelnen Techniken. Neben etwas schematisch anmutenden

Sachen waren reizende kleine Kunstwerke vertreten, bei denen die

Schablone einer durchgeistigten Auffassung hatte weichen müssen. So

braucht sich auch der Gestalter einzelner Personen vom trachtenechten

Spielzeug nicht sklavisch an überlieferte Bewegungs-, Ausdrucks- und

Kompositionsschemen zu halten, sondern kann diese etwas traditionellen

Sachen mit seinem eigenen Geiste durchdringen, bezw. durchbrechen, wenn

am letzteren nicht höhere Gesichtspunkte hindern sollten. Tracht und

Farbengebung ist ja doch durch die Überlieferung festgelegt. Mancher

Käufer wird dann die auch nicht besonders billigen Phantasiegestalten

der jetzt noch herrschenden Marktware zurückweisen, um nach einer nicht

so billigen, aber lebenswahren Figur zu greifen, die durch einen gut

empfindenden Gestalter herausgebracht worden ist. Solche Geschenke

brauchen sich nicht vor dem Tageslichte zu scheuen. Sie werden immer

wieder gern angesehen.

Unsere sächsischen Spielwarenerzeuger können aber auch über die

Landesgrenzen greifen. Nach guten Vorbildern kann unsere Industrie

jedes außersächsische Modell lebensvoll gestalten. Für Seebäder werden

Schachteln gefüllt mit trachtenechten Fischern und Fischerinnen,

Seeleuten, Badegästen, Badekarren, Strandkörben -- für Halle

Hallorengruppen usw. So können Trachtengruppen aus dem ganzen

früheren und jetzigen deutschen Vaterlande zusammengestellt werden.

An Künstlermodellierbogen stehen uns für diese Zwecke eine ganze

Anzahl zur Verfügung, die den Aufbau von Gebäuden aus allen Teilen

Deutschlands ermöglichen. Die Verzeichnisse könnten noch durch eine

Anzahl Bogen von Orten mit ausgedehntem Fremdenverkehr bereichert

werden. Nach diesen Orten könnte unsere heimische Industrie ihre

Erzeugnisse senden. Das Schutzwort »Gefertigt in Deutschland« könnte

umgewandelt werden in »Gefertigt in Sachsen«.

Auch hier muß Sorge getragen werden, daß neben den billigeren, etwas

schematischen Drehbankarbeiten für das kaufkräftigere Publikum auch

handgeschnitzte lebensvolle Gestalten am Lager sind. Damit der Erzeuger

einen angemessenen Gewinn von seiner Arbeit habe, die Gegenstände aber

trotzdem nicht zu hoch im Preise kommen, dürfte sich keine lange Reihe

Zwischenhändler zwischen Verkäufer und Käufer einschieben.

Wir gehen kühn über Deutschlands Grenzen hinaus und umspannen den

Erdball. Wir lassen im Spielzeug erstehen das ganze bunte Völker- und

Trachtengemisch von Europa und den übrigen Erdteilen. Wir bringen

Modellbogen auf den Markt von der Eskimohütte und dem Hottentottenzelt

bis zum Wolkenkratzer, vom Pfahldorfhaus in der Südsee bis zur

Baumwohnung auf Java. Die Zinngießerei bringt bereits Völker aller

Welt zur Anschauung. Oft hat die Phantasie sich dabei allzu reichlich

betätigt. Wahrheit in der Darstellung ist hier aber um so nötiger,

als eine Verbesserung eines Modelleindruckes durch nachträgliche

Sinneseindrücke am natürlichen Gegenstande nicht eintreten kann. Sind

keine einwandfreien Unterlagen zu haben, dann verzichte man lieber auf

die Darstellung. Auch hier darf das Erzeugnis der Handarbeit nicht

fehlen, es wird sicher im Auslande kaufkräftige Abnehmer finden.

Die Darstellung deutscher Anschauungsstoffe wird von unseren Erzeugern

vor außerdeutschen stets bevorzugt werden müssen. In dem Heimatlichen

liegen die starken Wurzeln unserer Spielwarenerzeugung. Heimatliche

Darstellungen finden den Weg über die Grenzen hinüber zu unseren

deutschen Brüdern im Auslande. Ob sie in Rumänien, in Siebenbürgen,

im Elsaß, im Kaukasus, in den Urwäldern Südamerikas oder sonst wo

sitzen mögen: sie werden es gern sehen, wenn ihre Kinder mit Spielzeug

spielen, das Fäden spinnt zur alten Heimat. Schaut der Erwachsene

solchem Spiel der Kleinen zu, so wird ihn stilles Gedenken übermannen;

da wird schließlich die Zunge beredt werden beim Erzählen von

altheimatlichen Zuständen, von der eigenen Jugend, die -- wenn auch

manchmal hart -- doch schön war. Die Kinder lauschen. So sprechen Vater

und Mutter selten. Es muß etwas besonderes um das Spielzeug sein.

Geht aus der alten Heimat als Geschenk zur Weihnachtszeit eine

solche Gabe hinaus in die Fremde, und Vater und Mutter stellen die

Sächelchen auf, wie es sein muß, dann stehen jung und alt herum um

das Bild aus der alten Heimat, Wehmut und Freude im Herzen. Das sind

Weihestunden, der fernen Heimat gewidmet, die unermeßlichen Gewinn für

die Außenposten unseres Volkes haben, aber auch für uns selbst. Da

kommt kein Negerenglisch, kein Burendeutsch, kein Sprachenwirrwarr beim

Erzählen und Erklären heraus, da kommt die reine deutsche Muttersprache

zu ihrem Rechte. Für diese altheimatlichen Stoffe hat die fremde

Zunge keine Ausdrücke. Wenn unsere Brüder draußen sich auch äußerlich

verändern, sich ihrer Umgebung anbequemen, so halten wir doch durch

solche in der Heimat wurzelnde Gaben bei ihnen das Heimatgefühl wach.

So lange sie dies Gefühl haben, so lange sind sie noch unser, sind sie

und ihre Kinder fürs Deutschtum noch nicht ganz verloren!

Wenn unsere Geschenke das erreichen, Heimatsinn zu erwecken im Lande

selbst und draußen in der Fremde, dann können wir wohl sagen: Es sind

rechte Geschenke gewesen. Wir haben mehr geschenkt als Spielzeuge oder

Kunstwerke. Wir haben innere Werte erschlossen und mitgegeben, die

unbezahlbar sind, die sich nicht wiegen und messen lassen, die nur

innerlich erlebt und gewertet werden können.

Aber nicht nur der Geber kann befriedigt auf sein Geschenk blicken,

nein auch der Erzeuger. Auch er gibt mehr hinaus als allein seiner

Hände Fleiß. Auch er kann sprechen: Der Geist, aus dem heraus ich alles

gebildet und geschafft; der Geist, der aus meiner Arbeit spricht, der

Geist der Heimat, der ist an Euch, Ihr Käufer, mein Geschenk!

Caprivi und die Bäume im Garten des Kanzlerpalais

»Ich kann nicht leugnen, daß mein Vertrauen in den Charakter meines

Nachfolgers einen Stoß erlitten hat, seit ich erfahren habe, daß er die

uralten Bäume vor der Gartenseite seiner, früher meiner Wohnung hat

abhauen lassen, welche eine erst in Jahrhunderten zu regenerierende,

oft unersetzbare Zierde der amtlichen Regierungsgrundstücke in der

Residenz bildeten. Kaiser Wilhelm I., der in dem Reichskanzlergarten

glückliche Jugendtage verlebt hatte, wird im Grabe keine Ruhe haben,

wenn er weiß, daß sein früherer Gardeoffizier alte Lieblingsbäume, die

ihres Gleichen in Berlin und Umgebung nicht hatten, hat niederhauen

lassen, um ~un poco piu di luce~ zu gewinnen. Aus dieser Baumvertilgung

spricht nicht ein deutscher, sondern ein slawischer Charakterzug. Die

Slawen und die Kelten, beide ohne Zweifel stammverwandter als jeder von

ihnen mit den Germanen, sind keine Baumfreunde, wie jeder weiß, der in

Polen und Frankreich gewesen ist; ihre Dörfer und Städte stehen baumlos

auf der Ackerfläche, wie ein Nürnberger Spielzeug auf dem Tische. Ich

würde Herrn von Caprivi manche politische Meinungsverschiedenheit

eher nachsehen, als die ruchlose Zerstörung uralter Bäume, denen

gegenüber er das Recht des Nießbrauchs eines Staatsgrundstücks durch

Deterioration desselben mißbraucht hat.«

(Aus Bismarcks drittem Bande.)

Drei Baumbilder aus unsrer Heimatsammlung

Von _A. Kühne_, Wilsdruff

Auf Anregungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz hin

arbeiteten wir im vergangenen Jahre an einem _heimatlichen Baumbuch_.

Es liegt jetzt in der Handschrift vor und soll in unsrer Heimatbeilage

abgedruckt werden. Dank will ich sagen den Herren Rühle und Zieschang,

ersterer hat die Bäume gemessen, Geschichte und Überlieferung

gesammelt, letzterer hielt sie im Bilde fest.

Von unsern heimatlichen Höhenbäumen mögen hier stehen _Rüdigers Linden

in Helbigsdorfer Flur_. Kein Wandrer, der unsre Wilsdruffer Heimat

gekreuzt hätte, ohne sie zu sehen. In einer Höhe von 334 Meter -- die

Generalstabskarte nennt den Hügel den Eschenhübel -- beherrschen sie

die weite Umgegend, und köstlich ist der Blick von dem Ruhebänkchen zu

ihren Füßen. Wettergezaust und blitzgetroffen, doch stolz und stark

stehen sie hier, Saat und Ernte seit einem Jahrhundert um sie her.

Mögen sie noch lange Freude und Erholung für Land- und Wandersmann

spenden!

[Illustration: =Rüdigers Linden in Helbigsdorf= (Amtsh. Meißen)

(Aufn. _G. Zieschang_, Kaufbach)]

Ein Wegebaum -- _der Blankensteiner Bergahorn_. Da wo die Dorfstraße

anhebt, wo der Kommunweg Helbigsdorf--Blankenstein endet, steht dieser

stolze Baum. 3,68 Meter mißt der Umfang seines Stammes in Brusthöhe,

an die 26 Meter hoch quillt das Laubwerk in den Himmel hinauf. Eine

gewaltige, herrliche Fülle, dieses Astwerk mit seinem Blätterwald.

Einen höheren Genuß aber schafft sein Anblick im Winter, wenn ihm der

Frost den Blättermantel nahm, wenn sich eine weiße Decke unter ihm

breitet. Da erst wird der gleichmäßig schöne Bau der Krone offenbar,

dieses Wachsen und Dehnen und Greifen in die Weite und Höhe. Und dazu

die graubraune Färbung der schlanken Stämme und Schäfte auf weißem

Hintergrunde. Ein köstlich Bild.

[Illustration: =Bergahorn in Blankenstein= (Amtsh. Meißen)

(Aufn. _G. Zieschang_, Kaufbach)]

Als dritter und letzter einer der geborstenen Riesen des _Weistropper

Schloßparkes_, _eine Edelkastanie_. Ihr Geschlecht mag unter all den

heimatlichen beachtenswerten Bäumen das älteste sein, bei weitem

älter und ehrwürdiger als die dreihundertjährigen Reformationslinden zu

Wilsdruff und Wurgwitz. Der Sage nach soll Bischof Benno sie gepflanzt

haben; daß die frühmittelalterliche Kirche sich um Pflanzung und Pflege

des Weinstocks, der Edelkastanie u. a. verdient gemacht hat, steht

außer allem Zweifel. Auch der Miltitzer Schloßpark zeigt stolze alte

Bäume dieser Art, sie sollen von Karl v. Miltitz, dem päpstlichen

Staatssekretär, gepflanzt worden sein. Wir freuen uns an dem

ausgeprägten Artcharakter dieser Stämme, danken der Schloßherrschaft

für deren Erhaltung und hoffen, daß diese Bäume uns noch manches Mal

Labsal sind auf unsern Heimatwanderungen.

[Illustration: =Edelkastanie im Schloßpark Weistropp=

(Aufn. _G. Zieschang_, Kaufbach)]

Pflanzt Nußbäume!

(Zu meinem Aufsatze: Erhaltet dem heimatlichen Landschaftsbilde

die Alleen und die hervorragenden Bäume)[1]

Von _A. Klengel_

Zu den wertvollsten und malerischsten Schmuckstücken unseres

Landschaftsbildes gehören stattliche Walnußbäume, mögen sie nun als

Einzelbäume im Garten stehen, den ländlichen Hof beschatten oder als

Allee der Dorfstraße das Geleit geben. Der Nußbaum ist aber nicht nur

ein ausgezeichneter Schattenspender, sondern durch Frucht und Holz

einer unserer wertvollsten Nutzbäume.

Der Umstand, daß sich sein Holz nicht nur für den Möbelbau, sondern

vor allen Dingen für die Herstellung von Gewehrschäften ausgezeichnet

eignet, ist dem Nußbaum während der Kriegszeit verhängnisvoll

geworden. Alle Nußbäume, von einer bestimmten Stammstärke ab, waren

beschlagnahmt und viele Tausende fielen der Axt zum Opfer, um das

Vaterland verteidigen zu helfen. Empfindliche Lücken wurden dadurch in

unseren ohnehin nicht zu hohen Nußbaumbestand gerissen; wir merken die

Knappheit am besten an den zu schwindelnder Höhe gestiegenen Nußpreisen.

Es ist eine Pflicht aller heimischer Grundbesitzer, der Anpflanzung

von Walnußbäumen erhöhtes Augenmerk zuzuwenden. Die durch den Krieg

gerissenen Lücken müssen sich wieder schließen, der Nußbaum muß auch

deswegen ausgiebiger angepflanzt und gehegt werden, weil uns Elsaß und

Lothringen, die seither einen hohen Prozentsatz des heimischen Bedarfs

an Walnüssen und Nutzholz lieferten, verlorengegangen sind. Hieraus

ergibt sich ohne weiteres, daß jetzt die Anpflanzung der Nußbäume viel

lohnender sein wird als in früheren Jahren. Durch reichlichen eigenen

Anbau und eigene Erzeugung von Walnüssen und Holz können wir auch

die Einfuhr einschränken und dadurch einer wichtigen vaterländischen

Pflicht genügen. Daß wir überdies durch Hegen des stattlichen

großlaubigen Baumes auch unser Landschaftsbild verschönern und dadurch

dem Heimatschutz trefflich dienen, wurde bereits erwähnt.

Einer ausgiebigen Anpflanzung des Nußbaumes werden mancherlei Bedenken

entgegengestellt, die sich aber bei näherer Untersuchung fast durchweg

als unhaltbare Vorurteile erweisen.

Es muß zunächst vorausgeschickt werden, daß unser Walnußbaum (~Juglans

regia~) ein Kind des heißen Orients ist, aber auch in Südeuropa

ausgedehnte wilde Bestände bildet. Er ist insofern etwas anspruchsvoll,

als er geschützte Lage, mildes Klima und tiefgründigen nahrhaften Boden

bevorzugt und gegen Spätfröste empfindlich ist. Nach meinen, über

dreißig Jahre reichenden Erfahrungen ist aber der Nußbaum durchaus

nicht so zart wie oft angenommen wird. Ein neben meinem Hause in

Meißen, allerdings sehr geschützt stehender Baum, hat seit über zwanzig

Jahren niemals durch Frost gelitten, auch sind viele Jahre vergangen

seit ich das letztemal in der freigelegenen Umgebung von Meißen

erfrorene Nußblüten feststellen konnte.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band X, Heft 10-12 · 第 3 / 7 段