III

Am nächsten Morgen waren nur zehn Knappen von der ganzen Belegschaft

gekommen, die sich zur Einfahrt meldeten. Man wies sie zurück und hing

doppelte Schlösser vor die Tore. Die Heizer aber, junge Kerle aus dem

Osten, standen vollzählig vor den Kesseln, und in der Maschinenhalle fehlte

nur Jean Paquet.

Da ersuchte der Direktor, dem der Streik wirklich nicht naheging, den

Ingenieur Erwin Vallotti, die verwaiste Maschine für die paar Tage, wo

dieser Karneval tobte, selbst zu halten. Denn das Wasser müßte unter allen

Umständen aus dem Schacht.

Der Ingenieur Erwin Vallotti schwoll rot an. Zuckte aber nicht. Stellte

sich vor das Schwungrad und lenkte den Hebel. Der Schweiß glänzte dick in

den schwarzen Haarsträhnen, die ihm unter dem Hut hervorhingen. Und seine

Augen lagen tief wie zwei ausgebrannte Kohlen.

Er dachte: warum sind nur die Heizer da? Dieser Streik wäre dann der erste,

der zu gewinnen ist. Lumpenpack!

In der Mittagspause, als der Vildrac im Ölkeller war, hatte der Ingenieur

Erwin Vallotti eine Unterredung mit Henri Semella, die so gestellt war, daß

dieser am nächsten Morgen nicht wieder kam. Da setzte der Ingenieur Erwin

Vallotti mit den kleinen Maschinen aus.

Nun ging die große Riesenmühle allein, und Vildrac war stolz auf das

durchdringende Getöse, das sie verursachte. Er sog das Sausen der Zylinder

wie Musik ein und ahmte mit heftigen Lungenstößen das Auszischen des

Dampfes nach. Er putzte und reinigte die Metallteile, bis sie die Sonne an

Glanz übertrafen. Sang und putzte und sah strahlend erhoben auf den

Ingenieur herab, dessen schlangenhafter Schatten in dem Lichtpfad auf

zitternden Steinen zwischen den ruhenden Dynamos unter den Riemen hin- und

herhuschte.

Das ging Tag für Tag so. Und drei Wochen hindurch. Und um keinen Schritt

waren die Streikenden mit ihren Forderungen näher gekommen.

Der Herr Direktor ging wie ein Pfau umher und rauchte teure Zigarren auf

dem Grubenhof. Sein Blick fuhr streichelnd über die festverrammten Tore und

über jedes Gebäude. Minutenlang horchte er auf das Brausen aus dem

Maschinenhaus und klopfte sich befriedigt auf den Bauch. Denn auf den Höfen

lagen noch ungeheure Kohlenvorräte aufgestapelt. Und solange die Pumpen das

Wasser in breiten Strömen aus den Schächten hoben und der König und

Soldaten waren -- -- --

Eines Abends belauschte der Ingenieur Erwin Vallotti einen Trupp

Ausständiger im Wäldchen, wo sie faul und mutlos im Moos lagen. Man

resignierte da: »Solange die Maschinen gehen, gibt der Hund von Direktor

nicht nach. Warum haben wir die Heizer nicht auf unserer Seite? Der Streik

ist doch auch ihre Sache. Man sollte das Maschinenhaus stürmen und die

Lumpenkerle totschlagen. Diese Lumpenkerle,« -- sie spuckten alle

geräuschvoll aus, -- »die ihren Brüdern in der Verdammnis noch ein Bein

stellen, gerade das: ein Bein stellen, denn es ist doch so, wie wenn zwei

raufen und ein dritter kommt und stößt den Schwächeren mit dem Fuß unter

die Kniekehlen und nimmt dann für die Mühe noch fünf Groschen. Es ist

akkurat dasselbe, wie wenn das Schwalbenjunge dem Kuckucksjungen hülfe, die

Schwalben aus dem Nest zu schmeißen. Aber man kann die Hunde nicht mehr

fassen. Tag und Nacht liegen sie auf dem Werk. Dynamit sollte man legen.«

Der Ingenieur Erwin Vallotti zuckte auf: »Verwirre ich mich denn immer

mehr? Geht nicht einer hinter mir, der mit den Knöcheln seiner Finger auf

meinen Rücken klopft, so daß ich meine Gedanken aus den Knochen klingen

höre? Als Echo einer gewordenen Tat klingen höre: »Dynamit sollte man legen

. . . !«

Bin ich denn Gott?

Freilich, der Gott, den unsere Völker zu fühlen glauben, hat ja auch nicht

gelernt, _der_ Gott zu sein.

Der schwarze Baal: Novellen · 第 28 / 30 题