Als der Wagen davonfuhr, kam Gustl aus dem Wald gerannt, rief der Mutter
einen jauchzenden Gruß nach und warf sich wieder mit stürmischer
Zärtlichkeit in die Arme der Schwester. Sie drückte ihm das Hütl aufs
Haar und band ihm das Tuch lose um den Rockkragen, daß es den Hals nicht
berührte. Dann wanderten sie Arm in Arm neben der Straße hin, und
während Gustl mit sprudelndem Eifer die lange Geschichte seiner kurzen
Reise erzählte, schmiegte er sich eng an die Schwester an, als gäbe es
für ihn keine süßere Freude, als so mit ihr zu wandern, ihre Hand zu
streicheln und mit leuchtenden Augen immer wieder zu ihr aufzublicken.
Doch plötzlich, mitten in seiner plaudernden Freude, verstummte er.
Sie beugte sich zu ihm nieder, sah ihm ins Gesicht und sagte leis: »Ich
weiß, an was du denkst!«
»Ach, Lo!« Seine Augen füllten sich mit Tränen. »Die ersten
Sommerferien -- ohne Vater!« In Schluchzen ausbrechend, umklammerte er die
Schwester.
Während auch ihr die Tränen über die Wangen rollten, hielt sie den
Knaben an sich gepreßt. Dann wanderten sie langsam und schweigend durch
den Wald. Sie kamen zur Höhe, und aus dem Tal herauf grüßte das Dorf mit
seinen Wiesen und Gärten.
»Lo! Unser Haus! Ich seh' unser Haus!« Mit einem gellenden Jubelschrei,
aus dem noch die Tränen zitterten, schwang der Junge sein Hütl.
Lolo legte den Arm um seine Schulter und sagte flüsternd: »Gelt, so
schön wie daheim ist's nirgends in der Welt!«
»Daheim! Ach, Lo, wo sollt es denn schöner sein?«
»Aber eins mußt du mir versprechen! Wenn wir heimkommen, wollen wir klug
und stark sein. Und lieb und gut mit der Mutter. Wir dürfen ihr nicht
wehtun mit unserm Schmerz. Sie soll nichts anderes sehen als deine
Freude, daß du wieder daheim bist und wieder bei ihr!«
»Ja, Lo! Ich verstehe, was du meinst! Und das versprech ich dir: lieber
beiß ich mir die Zunge ab, eh ich weine, wenn Muttl es sehen kann!«
Sie nickte ihm zu. »Und eines sag mir noch! Wenn der Vater dich jetzt
erwarten könnte? Dürfte er Freude an dir haben?«
Ruhig hielt er den Blick der Schwester aus. »Ja, Lo, ich glaube schon!
Mein Zeugnis hab ich ganz zu oberst im Kofferchen liegen, und gleich
wenn wir heimkommen, zeig ich es dir! In allen Fächern hab ich Eins mit
Auszeichnung bekommen. Nur im Betragen -- ich bitte dich, sei nicht bös,
aber im Betragen hab ich Zwei auf Drei. Neulich hat mir der
Religionslehrer in die Liste geschrieben: >Der Knabe August hat sich
während der Stunde umgesehen.< Weißt du, ich passe in der Schule immer
soviel auf, aber ich kann nicht stillsitzen, ich will's immer, aber ich
^kann^ nicht!«
Lächelnd streichelte ihm die Schwester das Haar. »Deshalb brauchst du
dir keinen Kummer zu machen. Das wirst du schon noch lernen! Und umsehen
^muß^ man sich in der Welt ein bißchen.« Sie nahm seinen Arm, und nun
schritten sie rasch ins Tal hinunter. »Und weil du so gute Zeugnisse
heimbrachtest, sollst du auch schöne Ferien haben. Muttl und ich, wir
werden zusammen helfen, um dir recht viel Freude zu machen! Aber weißt
du, Bubi, ganz darfst du in den Ferien das Lernen nicht aussetzen. Ich
habe schon den Stundenplan eingeteilt. In der Früh wird Muttl eine
Stunde mit dir lernen, und nachmittags oder am Abend, da setzen wir
beide uns ein paar Stündchen zusammen. Willst du?«
»Ja, Lo, ja! Aber gelt, jetzt gleich, da hab ich doch ein paar Tage
^ganz^ frei? Weißt du, ein bißl ausrennen möcht ich mich schon.«
»Aber natürlich! Bist du zufrieden mit vierzehn Tagen?«
»Vierzehn --« Das Wort ging unter in einem seligen Jauchzer. »Und darf
ich auch wieder fischen? Schon morgen?«
»Wenn du willst noch heut am Abend. Der Fischer hat die neue Angelgerte
für dich schon fertig.«
»Ach, Lo, das wird herrlich, herrlich!«
»Vier Tage bleiben wir jetzt zu Hause bei Muttl, und dann darfst du drei
Tage mit mir -- rate, wohin?«
»Lo? Zum Sebensee?«
»Erraten! Ja!«
Die erste Regung des Knaben war stürmischer Jubel. Dann wurde er still,
und die Wange an den Arm der Schwester schmiegend, flüsterte er: »Ach,
Lo! Da draußen sein, und an den Vater denken, wenn ich seine Blumen sehe
und seinen Baum singen höre -- ich kann's nicht erwarten, gar nicht
erwarten! Wie schön das sein wird!« Und hastig, als müßte er für solche
Freude danken, sagte er: »Lo! Da nehm ich meine Bücher mit. Da draußen,
weißt du, da ^muß^ ich lernen.«
Zärtlich drückte ihn die Schwester an sich, und wieder gingen sie
schweigend am blumigen Saum der Straße hin. Als sie zu den ersten
Häusern kamen, wurde ihr Gang immer rascher. Wenige Schritte noch, und
sie hatten ihr Haus erreicht.
Das Gold des Nachmittages lag über dem Schieferdach, die weißen Tauben
flogen, die Stare zwitscherten, und die sonnige Luft war erfüllt vom
Wohlgeruch der Blumen.
^Zehntes Kapitel^
Über den schattenschwarzen Bergwald sank schon die Sonne hinunter, als
Ettingen mit dem Förster wieder im Jagdhaus eintraf.
Pepperl, der auf der Schwelle des Försterhäuschens hockte, erhob sich,
als er die beiden kommen sah, und schüttelte die Füße, als wären sie ihm
eingeschlafen. Das Viertelstündchen ausgenommen, das er um die
Mittagszeit in der fürstlichen Küche verbrachte, hatte er vom Morgen bis
zum Abend auf seinem Lauerposten ausgehalten, mit dem Geheimnis von
Woodcastle auf den Knien. In diesen sieben Stunden war er bei der
Lektüre nur um ein einziges Kapitel vorwärtsgekommen. Aber der Miene,
mit der er die roten Hefte jetzt in die Schublade warf, konnte man es
ansehen, daß er mit dem Ergebnis des Tages nicht unzufrieden war. Nicht
das geringste war geschehen, was die »Verantwortigung« seiner
moralischen Seele belastet hätte. Wohl hatte Martin ein paar verdächtige
Spaziergänge im Umkreis der Sennhütte unternommen, aber ein freundlicher
Zuruf des Praxmaler-Pepperl hatte den Kammerdiener immer wieder zur
Umkehr nach dem Fürstenhaus veranlaßt. Drum konnte Pepperl, als der
Förster in die Hütte trat, seinen Vorgesetzten in bester Laune
empfangen. »Grüß Gott, Herr Förstner! Schon wieder daheim? Dös is recht!
Jetzt kann ich grad noch a bißl Dienst machen bis auf d' Nacht. Jetzt is
ja der Fürst wieder da!«
Der Förster schien den Zusammenhang zwischen Pepperls Diensteifer und
der Heimkehr des Fürsten nicht recht zu begreifen und guckte verwundert
dem Jäger nach, der, einen Ländler pfeifend, seine Büchse nahm und flink
hinauswanderte in den schattigen Wald. --
Zwei Tage vergingen. Ettingen hatte keine Lust, eine Pirsche zu
unternehmen. Er wollte ruhen, wie er sagte. Das hinderte nicht, daß er
an jedem Morgen zeitig munter war und einsam einen mehrstündigen
Schlendergang durch den Bergwald machte. Am Nachmittag saß er mit einem
Buch im Wald, und die Abendstunden verplauderte er mit den Jägern.
Auch der Almhütte stattete er mit dem Förster einen Besuch ab und saß
eine Stunde lang bei der Sennerin, die ihm ihre Arbeit schildern mußte.
Das gedrückte Wesen des Mädels fiel ihm auf. »Haben Sie eine Sorge,
Burgi?«
»Ich? Und Sorgen? Gott bewahr! 's Vieh is gsund, was will ich denn
mehr?«
»Sie sind nicht heiter. Wenn ich Ihnen helfen kann, tu ich es gern.
Haben Sie etwas auf dem Herzen?«
Sie wurde rot bis unter die Haare, aber gleichmütig sagte sie: »Ich?
Auf'm Herzen? Den Janker! Sonst nix! Aber der Mensch kann net allweil
lustige Fasnacht halten. Diemal muß er auch sein sinnierlichen Tag
haben. So ein' hab ich halt heut grad, weiß selber net, warum!« --
Am dritten Morgen unternahm Ettingen mit dem Förster einen Pirschgang
auf Gemsen.
Pepperl, der zwei Tage strengen Dienst gemacht hatte, blieb an diesem
Morgen zu Hause. »Man kann net wissen, ob net d' Jungfer Köchin oder der
Herr Martin wen braucht.« Und auf der Hüttenschwelle hielt er in
brennender Sonne mit dem Geheimnis von Woodcastle bis Mittag aus. Da kam
der Postbote. Den fragte er: »He! Du! Was is denn mit'm Brenntlinger?
Hast ihm die Botschaft ausgricht'?«
»Ja.«
»Warum kommt er denn net?«
»Der Schnaps laßt ihn net aus. Heut in der Fruh hab ich ihn wieder
troffen im Wirtshaus. Da hockt er schon den dritten Tag.«
Pepperl fuhr sich mit dem Ärmel über die Stirn. Die Sonne hatte ihm
eingeheizt. Und in schwüler Sorge brummte er vor sich hin: »Mar und
Joseph! Is ^dös^ a Mensch! A Vater! Und hat a Madl, dös in der ärgsten
Gfahr is!« Dann sagte er laut: »Geh, ich bitt dich, red ihm zu, daß er
kommt. Sag ihm: es pressiert!«
Während die beiden noch miteinander sprachen, kam der Fürst von der
Pirsche zurück. Der Förster trug einen Gemsbock auf dem Rücken. »Und a
zweiter liegt noch droben«, sagte er, »tummel dich, Pepperl, daß d' ihn
runter bringst vor Abend!« Aber ehe Pepperl sich »tummeln« konnte, gab's
vor dem Försterhäuschen noch ein langes, fröhliches Schwatzen über den
Verlauf des glücklichen Pirschganges.
War es die seltene Jägerfreude, zwei gute Böcke erlegt zu haben, war es
die ungetrübte Stimmung der vergangenen Tage oder die reine Bergluft,
die an dem ernsten Flüchtling der Großstadt diese freundliche Wandlung
bewirkt hatte -- Ettingen war in so prächtiger, von Heiterkeit
übersprudelnder Laune, daß die beiden Jäger ihre Freude an ihm hatten.
Seine Augen blickten so froh, sein sonnverbranntes Gesicht hatte so
gesunde Farbe, als hätte er nie die Luft der Krankenstube geatmet und
als wäre auch die letzte Erinnerung an allen Sturm und Schmerz, vor dem
er in die Einsamkeit der Berge geflohen, in ihm versunken und erloschen.
Und wie kräftig sein Schritt war, wie frei seine Haltung! Als hätte ein
neuer und heißer Trieb des Lebens jeden Tropfen seines Blutes befeuert.
Er selbst schien der Wandlung, die sich in ihm vollzogen hatte, mit
keiner Frage nachzuspüren. Er fühlte sie nur, wie man mit geschlossenen
Augen die Sonne fühlt, war heiter und zufrieden, dachte mit keinem
Gedanken an das Gewesene, hatte keinen Wunsch an die Zukunft und freute
sich in dieser lächelnden Ruhe jeder Stunde, wie sie kam und ging.
Der folgende Tag aber brachte ihm den Lebensgewinn, den er im Frieden
des Waldes gefunden hatte, doch zum Bewußtsein. Da kam mit der Post ein
Brief. Als Ettingen an der Adresse die Schrift des Freundes erkannte, an
den er in jener ersten Nacht die lange Epistel gerichtet hatte, zögerte
er einen Augenblick, den Brief zu erbrechen. Dann schüttelte er lachend
den Kopf. »Mein Wald hat mich gesund gemacht!« Was dieser Brief auch
enthalten mochte -- es konnte seine Ruhe nicht mehr stören, keine
Bitterkeit in seiner Seele wecken. Er hatte überwunden und vergessen,
war geheilt und frei. Wie auch die häßliche Katastrophe jener Tollheit
ausklingen mochte, er konnte das so ruhig und gleichgültig anhören wie
das schale Ende einer Geschichte, die ein anderer erlebt hatte.
Er öffnete den Brief und las:
»Wien, den 30. Juli.
Mein lieber Heinz!
Du weißt, wie stark ich unter Umständen für andere sein kann.
Meinen eigenen Wünschen gegenüber bin ich ein Schwächling. Und mein
Wunsch wär' es, Dir für Deinen lieben langen Brief recht
ausführlich zu danken, mit Dir zu plaudern, Dich zu warnen, Dir zu
raten. Das muß ich mir für den Tag versparen, der mich zu Dir
führt. Ich hoffe, das wird bald geschehen. Für heute geht's nicht,
man tut mir Gewalt an. Vor kaum einer Minute hab ich mich zum
Schreiben gesetzt, und da trommeln sie schon wieder an meine Tür
und schreien: >Onkel Goni, was machst du? Onkel Goni, wo bleibst
du? Onkel Goni, so komm doch!< Seit drei Tagen hab ich >Familie<.
Meine Schwester, deren Mann zu den Jagden nach Steiermark absauste,
hat ihre vier Jungen aus den weißen Pfoten der Jesuiten in Empfang
genommen. Da ist mir nun die liebe Seele mit ihrem tollen
Viergespann unvermutet ins Haus gefahren, und die Jungen stellen
mir meine friedliche Hütte auf den Kopf. Aber ich lasse mich
geduldig martern. Jugend zu sehen, das ist für mich immer wie eine
neue, große Entdeckung. Das nimmt meiner Borstigkeit jeden scharfen
Stachel. Aber es macht mich auch schwermütig. Nicht, weil ich die
eigene Jugend zurücksehne. Kein Kluger will ein zweites Mal leben.
Nur, weil ich fühle, wie wenig mir von der Jugend geblieben ist.
Graue Haare, die >einstens< braun gewesen -- sonst nichts. Warum ich
nicht glücklich wurde? Das weiß ich. Aber warum ich nicht
geheiratet habe? Das ist mir dunkel. Tu es, Heinz! Tu es! Und werde
Vater! Mir scheint, als wäre in dieser Schmutztruhe, die man Leben
nennt, die Freude am Kind der einzig wirkliche Wert, auch wenn
seine Süßigkeit sich >menget mit Bitternis<! Oder glaub ich das
nur, weil das am Leben das einzige ist, was mir fremd geblieben?
Alles andere kenn' ich. Und weiß, daß es die Spesen der Erfahrung
nicht aufwiegt. Aber nein! Dieser einzige Lebensglaube -- der Glaube
an einen Gott, zu dem ich niemals beten durfte -- soll mir bleiben
für den Rest meiner Tage. Ich habe Deiner Mutter Freude an Dir
gesehen. Und ich begriff, daß sie um dieser einzigen Freude willen
alles andere verschmerzen konnte. Im kleinen seh ich es auch an
meiner Schwester. Wenn die vier Fohlen sie gepeinigt haben, daß sie
vor Wut und Verzweiflung heult -- fünf Minuten später spielt sie
>Mutter der Gracchen< und sagt mit Aplomb und strahlenden Augen:
>Meine Söhne!< Da nasch' ich nun ein bißchen an ihrer Freude mit,
bin >Onkel Goni< und lasse mich schinden, daß ein ehrgeiziger
Märtyrer von mir lernen könnte. Ich tu es, weil ich Zeit habe. Denn
meiner Freundschaft für Dich sind die Hände gebunden. Ich bin in
der Schlichtung Deiner affaire zu einem far niente verurteilt, das
mir durchaus nicht >süß< erscheint.
Wohl hab ich das möglichste versucht, um eine Auseinandersetzung
herbeizuführen. Aber sie macht sich unsichtbar. Ihre Villa in
Hietzing hat scheinbar im Sommerschlaf die Augen geschlossen, und
der Portier schwört falsche Eide, daß die gnädige Baronin
>unbekannten Aufenthaltes< wäre. Ihr Anwalt erklärte, daß er
>keinerlei Auftrag< hätte, und >vermutete<, daß sie in Ostende wäre.
Aber sie ist hier, in ihrer Villa. Gestern früh brachte mir mein
Agent die Mitteilung, daß am 28. abends neun Uhr ein Kupee vor der
Villa angefahren wäre und eine Stunde gewartet hätte. Und weißt Du,
wem das Kupee gehörte -- am 28. Juli ein geschlossenes Kupee? -- dem
>süßen kleinen Mucki<! Dem Sensburg! Er brachte ihr wohl die
Neuigkeit, daß er Dich in Innsbruck traf. Hoffentlich hast Du ihm
nicht klipp und klar gesagt, wohin Du fährst? Na also, gestern
mittag fuhr ich zu ihm, mit den vier Jungen im Wagen. Ausrede: ob
er nicht einen jungen Engländer wüßte, der meine Neveus im Tennis
perfektionieren könnte. Den wußte er natürlich. Und dann fragte ich
so nebenbei: ob er nicht bei der Pranckha gewesen wäre. Er wurde
rot und leugnete. Das wunderte mich. Nicht, daß er log. Aber daß
diese abgelaufene Gesellschaftswanze noch erröten kann. Und das ist
alles, was ich Dir zu berichten habe. Aber ich warne Dich, lieber
Heinz! Was sie mit diesem monatelangen Blindekuhspiel bezweckt,
versteh' ich nicht. Irgend etwas plant sie. Daß sie Dich >friedlich
ziehen< läßt, das bilde Dir ja nicht ein!
Fürst Ettingen zu Bernegg ist ein liebes Hühnchen, das allzu schöne
Federn besitzt. Sie wartet nur den günstigen Augenblick ab, um Dich
wieder einzufangen. Daß sie dabei mit Deinem Herzen rechnen kann,
das brauch' ich wohl nicht mehr zu befürchten. Aber sie wird ihren
Kalkul auf Dein Blut setzen. Ich warne Dich, Heinz! Wenn Dir die
schöne Katze mit süßem Schnurren an den Hals springt -- schüttle sie
ab! Gleich! Nur in der ersten Sekunde wirst Du die Kraft dazu
haben. Nicht mehr in der zweiten Minute. Da hat sie Dich.
Hörst Du: sie trommeln schon wieder! >Onkel Goni, du bist
unausstehlich!< Diesen Vorwurf muß ich entkräften. Also Schluß!
Dein >Schweigen< sollst Du in wenigen Tagen bekommen. Ich habe eine
herrliche Radierung aufgetrieben und einen tüchtigen Künstler
beauftragt, dem Blatt einen Hauch Farbe nach dem Original zu geben.
Morgen oder übermorgen wird das Bild an Dich abgehen. Am liebsten
wär's mir, ich könnt es Dir selber bringen. Aber sobald ich die
vier Jungen wieder los bin und sehe, daß ich Deinem >Frieden< hier
in Wien nicht weiter nützen kann, dann komm ich. Und dann wollen
wir selbander schöne Klapphornverse erleben:
Zwei Knaben gingen durch den Wald,
Der eine jung, der andre alt --
Die heitere Pointe wird sich finden. Bis dahin mit Gruß, mit
herzlicher Treu, aber auch in Sorge