setzen mich in Bestürzung.
Unser lieber Edmund hat uns nach zweitägigem Aufenthalte verlassen, um
geraden Weges heimzufahren nach Korin.
Sieht aus wie das Leben, ist prächtig. Er muß seinen Plan geändert
haben; ich staune, daß er nichts davon schrieb.
Mit der inständigen Bitte, mir sein Eintreffen zu Hause telegraphisch
bekannt zu geben,
Euer Hochwürden
tief ergebener Hans B.
*X.*
Graf Edmund N. an Professor Erhard.
Abbazia, den 20. September 1875.
Lieber, verehrter Freund!
Ich habe noch eine kleine Seefahrt unternommen, bin aber jetzt auf dem
Heimwege; heftig regt sich in mir die Sehnsucht nach meinem Zuhause.
Eines schönen Morgens wirst Du im Frühstückszimmer erscheinen, mit einem
Schweinsledernen unter jedem Arme, und -- plumps! da liegen die
Folianten; Du hast sie fallen lassen, Du brauchst Deine beiden Hände, um
sie vor Verwunderung über dem Kopfe zusammenzuschlagen und dann dem
Freunde zu reichen, der Dir die seinen entgegenstreckt.
Freue Dich, Du Lieber und Getreuer! ich komme für lange Zeit.
Wenn Jahre zwischen heute und dem Tage lägen, an dem ich Dir zum letzten
Male schrieb, eine größere Wandlung könnte mit mir nicht vorgegangen
sein; ich bin, scheint mir -- klug geworden.
Als ein ganzer Geck kam ich noch am Nachmittag des 14. August in
Karlstadt an. Ich hatte im natürlich reservierten Coupé Toilette gemacht
und gefiel mir selbst in meinem Knickerbocker und meinem englischen,
helmförmigen Hut.
Auf dem Bahnhofe wartete der Wagen aus Nowidworo, der gelbe Phaeton, den
Hans nur bei großen Gelegenheiten ausrücken läßt; vorgespannt war der
Jucker-Viererzug, und auf dem Bocke prangte mein dicker, schweigsamer
Freund Djuro.
»*Pomez Bog*,« rief ich, und er erwiderte: »*Ljubim ruka*.« Sein
braunes Gesicht glänzte gleich einem blankgescheuerten Kupferkessel, und
er lachte mich so vergnügt an, als ob ihm das verkörperte Trinkgeld
entgegenträte.
Wir flogen schon ein Weilchen dahin zwischen rebenbepflanzten Hügeln und
Geländen, als er sich besann, daß er etwas an mich zu bestellen habe,
und mir einen Brief in den Wagen reichte. -- Von Hans. Sein
gewöhnliches Riesenformat, der Inhalt drei Zeilen im Telegrammstil:
Willkommen! hochwillkommen, Du, mein Junge, Du! Erwarten Dich mit
offenen Armen. Haben uns redlich nach Dir gesehnt.
Elsbeth und Hans.
Beide hatten unterschrieben.
Ich zerknüllte das Blatt und schleuderte es fort; denn es brannte wie
eine Kohle in meiner geschlossenen Hand. Die Sonne brannte auch, der
Himmel erstrahlte in feurigem Blau, zu eitel Fünkchen wurde der Staub,
der uns umwirbelte. Am Saume der großen Ebene dunkelten die Wälder,
erhoben sich die Spitzen der Okiker Gebirge.
Mit innigem Entzücken begrüßte ich sie ... Die schönsten Bilder tauchten
vor mir empor, holde Träume umfingen mich.
Mein Kutscher war plötzlich aufgestanden, schwang die Peitsche und
schnalzte kräftig. Ein Leiterwagen, mit türkischem Weizen beladen,
wackelte vor uns her. Die kleinen, mageren Pferde krochen nur so; ihr
Lenker schlief, der Länge nach ausgestreckt, auf seiner Ernte. Djuros
Peitschenknall weckte ihn, er fuhr empor, wich aus, und wir sausten
weiter.
Das Gefühl ist nicht zu beschreiben, das mich ergriff, als ich die
Schloßmauern von Nowidworo durch die Bäume des Gartens schimmern sah und
bald jedes Fenster am Mansardendache unterschied.
Die Luft schien mir dünner und reiner zu werden, mein Herz war so
leicht, der letzte Zweifel abgetan. Ich mußte mich zusammennehmen, um
nicht laut aufzujubeln.
Beim steinernen Kreuze, wo der Weg sich abzweigt, der zwischen
Walnußbäumen gerade zum Schlosse führt, lenkte Djuro nach rechts, und
wir fuhren längs des Gartenzauns dem schlanken, zinnengekrönten Türmchen
an der Ecke, der sogenannten »Warte«, zu.
Dort oben hatten Hans und Elsbeth gewiß gestanden und nach mir
ausgespäht, und jetzt eilen sie die Treppe hinab und zur Pforte zwischen
den Pfeilern und werden gleich heraustreten ... Wenn _sie_ zuerst kommt,
dann ist's ein gutes Zeichen.