Lachend nahm er sie. --

Am nächsten Abend überkam es ihn aufs neue, so daß er wieder den

Fußpfad dem Moor entlang gehen mußte.

Da draußen war ein Mädchen und pflückte weiße Multeblüten. Sie trat so

leicht auf, daß ihre Fußspitzen nie einsanken. Marta Sandvigen war es,

soviel er sehen konnte.

Er rief ihr zu, und sie trat näher und reichte ihm die Blumen.

Aber zugleich ergriff er ihre Hand.

Da blieb sie ganz ruhig stehen. Sie war ihm so nahe, so daß er sich

über das kleine Rinnsal hinüberbeugen und sie küssen konnte.

Sie sah ihn nur an, und da küßte er sie noch einmal.

Der nächste Tag war ein Sonntag. Er begleitete seine Mutter, die blind

war, in die Kirche. Er gab aber nicht acht darauf, daß sie sich an den

Steinen des Weges stieß. Er hörte auch nichts von den heiligen Worten,

sondern sah nur immer ein Meer von Multeblüten, das im Winde wogte. --

Und ein Mädchen, das mitten darin stand. --

Am Abend, als er hinauskam, war sie wieder da. Sie -- nein, der Name

fiel ihm nur nicht ein. Sie war wie alle andern, sie, und auch wie

sonst niemand.

Sie stand dicht am Wege und reichte ihm die Hand über das Bächlein.

Mit einem Sprung setzte er hinüber, schlang die Arme um sie und küßte

sie. Sie sah ihn nur an, und er hielt sie fest.

Da begann sie, ihn in das Moor hineinzuziehen.

›Wohnst du dort drüben?‹ fragte er und deutete darüber hin. Sie aber

nickte nur.

Da begann der Grund unter ihm zu wanken. Er sah sich um und merkte, daß

es gerade auf die grundlose Stelle zuging, wo die Kuh im vorigen Jahr

versunken war; da rief er: ›Wir müssen zurück! Komm, komm!‹

Sie aber schüttelte den Kopf, als wolle sie sagen: ›Ich kann nicht,‹

und bannte ihm die Augen mit ihrem Blick.

Er sank bis an die Knie ein. Aber ihm war, als seien es ihre Augen, die

ihn zogen, diese Augen, in die er nun wohl versank.

›Im Namen Gottes!‹ schrie er.

Er wußte später nie, wie er frei geworden war. Aber als er wieder auf

dem Weg stand und auf das Moor hinausschaute, da war niemand mehr

zwischen den weißen Blumen.

Jedermann sagte, das sei die Waldnymphe gewesen, die ihn verlockt habe,

und es sei gut, daß er losgekommen.

Aber er fand keine Ruhe dabei. Er erinnerte sich wohl, daß sie ihn

beinahe in den Sumpf hineingezogen hatte. Und es war ihm doch, als sei

es eine gewesen, wie er -- ein Menschenkind, wie er auch ...

Und er konnte den Gedanken nicht mehr los werden: Ob sie wohl dort

versunken war? Es war ihm, als fühle er an sich selbst, wie sie da

draußen sank und sank. Dann mußte er zum Moor hinaus, wieder und

wieder. Und dann rief er sie mit allen Namen, die er kannte.

Er dachte: Einmal finde ich wohl den richtigen. Dann kommt sie. Und

dann ziehe ich sie zu mir herüber. Herüber auf den festen Weg.

Der Hochlandspfarrer · 第 6 / 16 题