Die ~Zystinurie~ oder Zystindiathese besteht in einer erblichen
Störung des Eiweißstoffwechsels. Der normale Abbau des
schwefelhaltigen Bestandteiles des Eiweißes ist behindert, und
dieser erscheint in Form einer schwefelhaltigen Aminosäure, des
Zystins, im Harn. In der Blase können sich Zystinsteine bilden und
Beschwerden machen. Auch sonst ist das Leiden nicht ganz harmlos.
Die Anlage ist einfach dominant.
Auf einer Störung des Eiweißabbaues beruht auch die ~Alkaptonurie~.
In diesem Falle ist der Abbau des Benzolkernes im Eiweiß
behindert, und es erscheint die Homogentisinsäure, ein normales
Zwischenprodukt des Eiweißabbaues, das den Benzolkern noch enthält,
im Harn. Derartiger Harn färbt sich an der Luft dunkelbraun bis
schwarz. Auch in verschiedenen Organen kommt es zu Verfärbungen und
Ablagerungen. Die Anlage scheint einfach rezessiv zu sein.
[Illustration: Fig. 55.