Ausschnitt aus einem Stammbaum mit ~Keratosis~ nach ~Thost~.]

Bemerkenswert an diesem Stammbaum ist, daß ein mit Keratosis

behafteter Mann mit zwei verschiedenen gesunden Frauen kranke

Kinder erzeugt hat, wodurch der dominante Erbgang besonders

schlagend in die Erscheinung tritt.

Bei der erblichen ~Ichthyosis~ („Fischhaut“) ist die ganze

Hautoberfläche mit mehr oder weniger derben Hornplatten bedeckt. Es

gibt mehrere Formen. Bei der leichtesten zeigt die Haut nur eine

kleienartige Abschuppung und Trockenheit. Bei einer schwereren Form

sitzen der Haut richtige Hornplatten auf, welche ihr das Aussehen

von Krokodilshaut verleihen („Sauriasis“). Bei einer noch schwereren

Form erheben sich die Hornmassen in Form spitzer dunkler Auswüchse

(Ichthyosis hystrix, Stachelschweinshaut). Die leichteren Formen sind

offenbar dominant, andere anscheinend rezessiv, so die ~Ichthyosis

foetalis oder Keratosis universalis~, welche einen Zustand

neugeborener, meist unreifer Kinder bezeichnet, die völlig mit

Hornmassen bedeckt, nicht lebensfähig sind.

Bei der dominant erblichen ~Porokeratosis~ entwickeln sich an

den Streckseiten der Hände und Füße bräunliche Erhabenheiten, die

Linsen- bis Münzengröße erreichen und mit einem Hornwall nach außen

abschließen.

Erblich bedingt ist auch die ~Keratosis pilaris~, bei der sich

an den Streckseiten der Arme und Beine, in schwereren Fällen auch

auf dem Rücken, Hornpfröpfe in den Haarbälgen entwickeln, wodurch

das Haar schließlich zugrunde geht und zahlreiche kleine Narben

entstehen.

Die ~Psorospermosis vegetans~ beginnt mit der Bildung

gelbbräunlicher glänzender Erhabenheiten, die schließlich erweichen

und einen sehr üblen Geruch verbreiten. Auch die Nägel werden

verdickt, brüchig und mißfarbig. Das Leiden kommt familienweise

gehäuft vor; der Erbgang ist aber anscheinend nicht dominant.

Bei der ~Aplasia pilorum moniliformis~ (Monilithrix,

Spindelhaar) kommen die Kinder mit normaler Behaarung zur Welt.

Weiterhin wachsen aber nur spärliche kurze Härchen nach, die in

regelmäßigen Abständen von etwa 1 mm farblose dünne Stellen haben,

an denen sie nicht weit über der Wurzel abzubrechen pflegen. Das

Leiden ist einfach dominant.

Auch die sogen. ~Trichorrhexis nodosa~, bei der die Haare an

knotig aufgetriebenen Stellen abbrechen, scheint erblich bedingt zu

sein.

[Illustration: Fig. 36.

Stammbaum mit ~Aplasia pilorum moniliformis~ (gekürzt) nach

~Sabouraud~.]

Glatzenbildung kann durch verschiedene Ursachen zustandekommen, z. B.

infolge von Seborrhöe. In vielen Familien tritt ~Glatzenbildung~

bei mehreren männlichen Mitgliedern in etwa demselben Lebensalter auf.

In anderen Familien bleibt das Kopfhaar bis ins hohe Alter ziemlich

ungeschmälert erhalten. Auch das Ergrauen tritt je nach der erblichen

Veranlagung früher oder später ein.

Auch allgemeine ~Haararmut~ (Hypotrichosis, Alopecia) kommt auf

erblicher Grundlage vor. Bei den damit behafteten Personen trägt der

Kopf von Jugend auf nur einen dünnen weichen Flaum; bei den Männern

ist der Bart nur durch einzelne Stoppeln angedeutet; das sonstige

Körperhaar fehlt ganz. Die Nägel sind dick und unförmig, die Zähne

verkümmert. Das Leiden ist dominant.

Andererseits gibt es auch Familien von „Haarmenschen“. Dieser abnorme

Haarreichtum (Hypertrichosis), der ebenfalls mit mangelhafter

Zahnbildung einhergeht, beruht auf einem Bestehenbleiben des fetalen

Haarkleides (der Lanugo).

Vollständiges ~Fehlen der Nägel~ (Anonychia) kommt anscheinend

dominant vor. Auch mangelhaftes Festhaften der Nägel auf der Unterlage,

Längsfurchung der Nägel und abnorme ~Brüchigkeit der Nägel~

kommt auf idiotypischer Grundlage vor. Erblich bedingt ist auch jene

Anomalie der Nägel, bei der sich der Hautrand an der Nagelwurzel nicht

richtig vom Nagel ablöst, was zu lästigen Einrissen zu führen pflegt.

Diese Anomalie, welche mit abnormer ~Weichheit und Kleinheit der

Nägel~ einherzugehen pflegt, scheint dominant zu sein. Auch die

Weißfleckung der Nägel (Leukonychie) kommt familienweise gehäuft vor.

Bei starker ~Leukonychie~, wo der ganze mittlere Teil des Nagels

weiß gefärbt ist, wurde dominanter Erbgang beobachtet. In einer Familie

wurde starke Leukonychie bei 19 Mitgliedern beobachtet, und 17 von

diesen hatten zugleich Atherome (s. u.). Familienweise gehäuft tritt

auch jene eigentümliche starke Krümmung der Nägel in der Längsrichtung

auf, welche oft mit Verdickung der Endglieder verbunden ist. Diese

„Trommelschlägelfinger“ entwickeln sich oft infolge von Lungenleiden,

scheinen aber öfter auch schon mit der bloßen Anlage dazu einherzugehen.

Bei der ~Onychogryphosis~ sind die Nägel stark verdickt und

krallenartig gebogen; diese Krallen können bis zu 20 cm lang und

bis zu 2 cm dick werden. In einer Familie wurde ununterbrochener

Erbgang durch vier Generationen weiblicher Linie beobachtet.

Die sogenannten ~Atherome~ oder „Grützbeutel“ beruhen auf

Einstülpungen von Hautanlagen und sitzen gewöhnlich zwischen dem

Kopfhaar, wo sie Hühnereigröße und darüber erreichen können.

Das Wachstum kommt dadurch zustande, daß die Ausscheidungen und

Abstoßungsprodukte der Haut (Talg, Hornschuppen, Haare) sich allmählich

anhäufen, weil sie keinen Ausweg haben. Atherome kommen gewöhnlich

zu mehreren bei derselben Person vor und andererseits bei mehreren

Mitgliedern derselben Familie. Die Anlage scheint einfach dominant zu

sein, braucht sich aber wahrscheinlich nicht in jedem Falle zu äußern.

Ein Allgemeinleiden mit vorwiegender Äußerung an der Haut ist

die ~bullöse Dystrophie~. Diese besteht in angeborener

Haarlosigkeit, Blasenbildung und Atrophie der Haut, fleckenweiser

Pigmentlosigkeit und Pigmentanhäufung an anderen Stellen,

Zurückbleiben des Kopfes und der Finger im Wachstum. Wahrscheinlich

liegt der Krankheit eine innere Drüsenstörung zugrunde

(Hypophyse?). Das seltene Leiden ist geschlechtsgebunden-rezessiv,

während dieser Erbgang von einem eigentlichen Hautleiden nicht

bekannt ist.

[Illustration: Fig. 37.

Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene (1/2) Menschliche Erblichkeitslehre · 第 45 / 64 题