Man muß daran denken, daß auch einzelne der als ~Pemphigus~
vulgaris zusammengefaßten bösartigen Blasenaffektionen der Haut
vielleicht erblich bedingt sein können, zwar sicher nicht
dominant, möglicherweise aber rezessiv, wofür z. B. die Angaben
sprechen, daß die Eltern der Kranken öfter blutsverwandt seien und
daß der Pemphigus in der jüdischen Bevölkerung häufiger als sonst
vorkommt.
Sehr verschieden ist die Widerstandsfähigkeit der Haut verschiedener
Menschen gegen äußere Reize. Wenn sich auf der Haut unter der
Einwirkung leichter chemischer Reize entzündliche Veränderungen
herausbilden, die entweder mit Absonderung oder mit Borken- und
Eiterbildung einhergehen, so spricht man von ~Ekzem~. Verschiedene
Personen erkranken unter gleichen äußeren Einflüssen aber sehr
verschieden leicht an Ekzem. Bei manchen bewirkt schon vorübergehende
Berührung mit Teerölen Ekzembildung, während andere trotz langdauernder
Einwirkung frei davon bleiben. Es gibt geradezu Ekzemfamilien, in denen
gewisse Mitglieder immer wieder unter Ekzemen zu leiden haben, die
oft auch ohne nachweisbare äußere Ursachen auftreten. Bei der erblich
bedingten Zuckerkrankheit kommen langwierige Ekzeme der Hände und Füße
vor, ähnlich auch bei der konstitutionellen Achylie (mangelhafter
Bildung des Magensaftes) bei Gicht und andern Konstitutionskrankheiten.
Bei dem sogenannten konstitutionellen Säuglingsekzem ist die
idiotypische Bedingtheit besonders deutlich, da im Säuglingsalter
äußere Schädlichkeiten, welche im späteren Leben zu Ekzem führen, noch
keine Rolle spielen.
Verwandt mit der Neigung zu Ekzemen ist die sogenannte
~Seborrhoe~, eine Konstitutionsanomalie, welche mit
übermäßiger Tätigkeit der Talgdrüsen einhergeht. Die Seborrhoe,
welche meist familienweise gehäuft auftritt, führt oft zu
Haarausfall und Glatzenbildung. Auf einer übermäßigen und
krankhaft veränderten Tätigkeit der Talgdrüsen beruht auch die
~Akne vulgaris~, welche ein lästiges, wenn auch harmloses,
Leiden der Pubertätsjahre darstellt und bei der sich im Gesicht,
am Nacken, dem Rücken, der Brust zahlreiche Talgpfröpfe in den
Haarbälgen (sog. Mitesser) entwickeln, die oft unter Eiterbildung
in Pusteln übergehen. Die Akne tritt familienweise gehäuft auf;
sie scheint oft ein Zeichen konstitutioneller Schwäche, besonders
Verdauungsschwäche, zu sein.
Familienweise tritt öfter auch die sogenannte ~Schuppenflechte~
oder ~Psoriasis~ auf. Dieses häufige Leiden äußert sich gewöhnlich
in zahlreichen umschriebenen rotbraunen, mit derben Schuppen bedeckten
Entzündungsherden an den Streckseiten der Arme und Beine. Die an
Psoriasis leidenden Personen können zwar zwischen den einzelnen Schüben
der Krankheit öfter jahrelang frei von Erscheinungen bleiben; im
ganzen aber ist das Leiden als unheilbar zu bezeichnen. In schweren
Fällen kann fast der ganze Körper von entzündlichen Herden bedeckt
sein. Nach der Beschaffenheit und der Ausbreitung der Herde scheint
es, daß die einzelnen Ausbrüche des Leidens durch Kleinlebewesen
hervorgerufen werden. Die Psoriasis beruht daher vermutlich auf
einer erblichen Anfälligkeit gegenüber gewissen bisher unbekannten
Schmarotzern.
Ähnliches scheint von dem sogenannten ~Lichen ruber~
zu gelten, einer chronischen Hautkrankheit, die mit Bildung
gruppenweiser roter Knötchen einhergeht und von der es eine
gutartige und eine bösartige Form gibt. Das Leiden scheint
auf einer Infektion zu beruhen, für die nur einzelne Familien
empfänglich sind.
Auf einer Anomalie der Schweißdrüsentätigkeit beruhen die
sogenannten Schweißfüße und Schweißhände; die Anlage ist
anscheinend einfach dominant. Außer zu starker Schweißabsonderung
(Hyperidrosis), die öfter mit Bildung stinkenden Schweißes
(Bromidrosis) einhergeht, scheint auch zu geringe
Schweißabsonderung (Oligidrosis) und die Neigung zu Blasenbildung
an Fingern und Zehen durch Schweiß (Dysidrosis) idiotypisch bedingt
zu sein. Auch völliges Fehlen der Schweißdrüsenfunktion (Anidrosis)
kommt als erbliche Anomalie vor. Bei den betreffenden Personen sind
auch Haare und Zähne verkümmert.
Besonders zahlreich sind die erblichen Anomalien der Horngebilde
der Haut, zu denen auch Nägel und Haare zu rechnen sind. Bei der
~erblichen Keratosis~ (Keratoma, Tylosis) wird die Haut der
Fußsohlen und Handflächen bald nach der Geburt hornig und brüchig; nach
außen ist das Gebiet der Verhornung durch einen blauroten Saum von der
normalen Haut abgegrenzt. Das Leiden, welches gelegentlich durch 5
Generationen einer Familie verfolgt werden konnte, ist einfach dominant.
[Illustration: Fig. 35.