Stammbaum einer Familie mit ~Sehnervatrophie~. Nach ~Hensen~.]

Ob in einzelnen Familien die Erbanlage zu ~Sehnervatrophie~ auch

bei weiblichen Personen, die sie heterozygot enthalten, zur

Erkrankung führen kann, erscheint zweifelhaft. Die Entscheidung

ist schwierig, weil Sehnervatrophie auch durch äußere Einflüsse

(Infektionen, Vergiftungen) verursacht werden kann.

Eine seltene Form von Sehnervatrophie kommt im Gefolge einer

eigenartigen, anscheinend dominanten Mißbildung des Schädels, des

sogenannten Turmschädels vor. Der Stirnteil ist dabei nach vorn

und oben vorgeschoben, und es scheint, daß der Sehnerv dann durch

Druck infolge das Knochenwachstums im Laufe der ersten Lebensjahre

zugrunde geht.

Eine verhältnismäßig häufige Ursache der Erblindung im mittleren

Lebensalter ist das sogenannte ~Glaukom~ („grüner Star“), welches

auf einer krankhaften Drucksteigerung zu beruhen scheint, welche die

Netzhaut zur Atrophie bringt. Man unterscheidet ein „akutes“ oder

„entzündliches“ Glaukom, bei welchem unter starken Schmerzen das

Sehvermögen in wenigen Tagen erlöschen kann, von einem „chronischen“

oder „einfachen“, bei welchem unter geringeren oder nur gelegentlichen

Schmerzen das Augenlicht im Laufe längerer Zeit erlischt. Bei

Mitgliedern derselben Familie ist der Verlauf im allgemeinen ganz

ähnlich.

[Illustration: Fig. 21.

Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene (1/2) Menschliche Erblichkeitslehre · 第 39 / 64 题