Stammbaum mit rezessiver ~Netzhautatrophie~. Nach ~Boehm~.]

Mit dem rezessiven Erbgange hängt es zusammen, daß die an

Netzhautatrophie Leidenden auffallend häufig aus Verwandtenehen

stammen, nach manchen Angaben zu mehr als einem Viertel. In dem

abgebildeten Stammbaum sehen wir, wie aus den Ehen zweier Brüder

mit zwei Schwestern, die ihre Basen sind, je ein Netzhautleidender

hervorgeht.

Seltener ist eine geschlechtsgebunden-rezessive Form der

Netzhautatrophie, wie sie der folgende Stammbaum zeigt:

[Illustration: Fig. 18.

Stammbaum mit ~geschlechtsgebunden-rezessiver Netzhautatrophie~. Nach

~Nettleship~ (Ausschnitt).]

Schließlich gibt es auch eine einfach dominante Form:

[Illustration: Fig. 19.

Stammbaum mit ~dominanter Netzhautatrophie~. Nach ~Nettleship~

(Ausschnitt).]

Seltener als erbliche Netzhauterkrankungen kommen erbliche

Krankheiten, die von der Aderhaut (Chorioidea) ausgehen, vor.

So ist eine dominant erbliche totale ~Aderhautatrophie~

beschrieben worden. Da hierbei auch die darüber liegende Netzhaut

zugrunde geht, ist das Leiden vielleicht identisch mit der

dominanten Netzhautatrophie.

Man kann die Netzhaut als eine Ausbreitung des Sehnerven (Nervus

opticus) auffassen; und wie jene, so ist auch dieser öfter der

Sitz erblicher Leiden. So sind Defektbildungen des Sehnerven

(Optikuskolobome) auf Grund erblicher Anlage beschrieben worden.

Verhältnismäßig gut bekannt ist der Erbgang der ~idiotypischen

Sehnervatrophie~ („Neuritis optica“). Das Leiden setzt gewöhnlich

erst im zweiten bis vierten Jahrzehnt ein. Unter entzündlichen

Erscheinungen am Sehnerven können beide Augen im Verlaufe von wenigen

Tagen gerade in der Mitte des Gesichtsfeldes, wo sonst das Sehen am

deutlichsten ist, ihre Sehkraft verlieren. Häufiger aber ist der

Verlauf langsamer. In den äußeren Teilen des Gesichtsfeldes bleibt

regelmäßig ein Rest des Sehvermögens erhalten, also gerade umgekehrt

wie bei der Pigmentnetzhautatrophie. In derselben Familie pflegt der

Verlauf der Sehnervatrophie ziemlich der gleiche zu sein. In den

meisten Familien werden ausschließlich Männer befallen. Der Erbgang

entspricht dem geschlechtsgebunden-rezessiven.

[Illustration: Fig. 20.

Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene (1/2) Menschliche Erblichkeitslehre · 第 38 / 64 题