Grundunterschied ~Wirkung.~

#A a# Alle #aa#-Tiere können überhaupt keine Haar- und

Augenfärbung ausbilden, ganz einerlei, was sie im übrigen

für eine Erbformel haben, sie sind weiß mit roten d. h.

farblosen Augen, „typische Albinos“.

#Aa# und #AA#-Tiere, denen aber der zweite wichtige

Pigmentfaktor #X# fehlt (die also #XX# oder #Xx# in der

Erbformel haben) sind weiß mit ~blauen~ Augen (z. B. die

„weißen Wiener Kaninchen“).

#X x# #X# ist der zweite wichtige Faktor für Farbstoffbildung,

zusammen mit #A# ermöglicht er die Bildung einer ~gelben~

Haarfarbe.

#B b# #B# ermöglicht die Umwandlung der durch #A# und #X# zuwege

gebrachten ~gelben~ Haarfarbe in ein ~helles Braun~.

#C c# #C# verändert die durch #A#, #X# und #B# erzielte braune

Farbe in ~Blau~.

#D d# #D# macht die durch die übrigen Faktoren bewirkte Haarfarbe

dunkler.

#AXBcd# ist hellbraun.

#AXBcD# ist schokoladebraun (die als „havannafarbig“

bezeichneten Kaninchen haben diese Farbe).

#AXBCd# ist blau (wie die „~blauen Wiener~“).

#AXBCD# ist satt schwarz.

#G g# #G# bedingt, daß die Haare nicht in ihrer ganzen Länge

gleichmäßig gefärbt sind, sondern ~bandartig helle und

dunkle Zonen zeigen~. Ein Tier von der Formel #AXBCDg#

ist ~schwarz~, eines von der Formel #AXBCD# ist

~wildfarbig~, wie die wilden Kaninchen. Entsprechend ist

ein Tier von der Formel #AXBCdg# einheitlich ~blau~, eines

von der Formel #AXBCdG# dagegen „~blau-wildfarbig~“,

d. h. blau im Grundton, aber mit der gebänderten

Haarzeichnung der wilden Kaninchen. Ebenso gibt es zu den

gelben Tieren entsprechende „gelb-wildfarbige“ usw.

Außer in der Haarzeichnung äußert sich #G# auch darin,

daß alle #G#-Tiere einen weißen, oder doch sehr hellen

Bauch und eine weiße Unterseite des Schwänzchens haben,

während alle #gg#-Tiere Bauch- und Schwanzunterseite ebenso

gefärbt haben wie den übrigen Körper.

#K k# Alle #K#-Tiere sind gescheckt, d. h. sie zeigen in dem je

nach ihrer übrigen Formel gefärbten Fell ~weiße~

unregelmäßige ~Flecke~.

#M m# Alle #mm#-Tiere, die ihrer übrigen Formel nach schwarz

sein sollten, sind ~schwarz gefleckt auf gelbem

Grunde~. Entsprechende #mm#-Tiere, die ihrer sonstigen

Formel nach ~wildfarbig~ sein sollten, sind ~wildfarbig

gefleckt~ auf ~gelb-wildfarbigem Grunde~ und ihrer

sonstigen Formel nach blaue Tiere sind blau gefleckt auf

hellgelbem Grunde usw.

#N n# #nn#-Tiere haben die durch ihre übrige Formel bedingte

Farbe, nur auf der Nase, in den Ohren, den Pfoten und dem

Schwanz. Man heißt die so gefärbten Tiere „~russisch

gefärbt~“, sie sind im übrigen weiß behaart und rotäugig.

Was für eine Farbe sie in ihren „peripheren“ Körperteilen

haben, hängt ab von ihrer übrigen Formel. Es gibt

wildfarbige, schwarze, blaue usw. Russen-Kaninchen.

#O o# #O# bedingt ebenfalls eine bestimmte Verteilung der Farbe

über den Körper. Ein Tier von der Formel #AXBCDgkMNo#

ist ~rein schwarz~, eines von der Formel #AXCDgkMNO#

ist „~schwarzloh~“ gefärbt (black and tan), d. h. schwarz

mit lohfarbener Tönung über den Augen, in den Ohren, an den

Pfoten und an einigen anderen Stellen des Körpers (es ist

das eine Färbung, die bei Dachshunden, Dobermannpintschern

usw. sehr häufig gefunden wird). #O#-Tiere, die ihrer

übrigen Formel nach blau sein sollten, sind ~blau-loh~

farbig (blue and tan) usw.

#P p# Alle #P-#Tiere haben in dem je nach ihrer übrigen Formel

gefärbten Felle weiße Grannenhaare eingesprengt, sind

„silberig“. Diese Silberung, die offenbar der ~Schimmelung

der Pferde~ entspricht, tritt erst an etwa 6 Wochen alten

Tieren auf. Es gibt mehrere „gleichsinnig wirkende

Faktoren“ (vgl. S. 40), die alle die Silberung verstärken.

#V v# Alle #vv#-Tiere haben Angorahaar.

Allein diese zwölf Grundunterschiede bedingen in ihren verschiedenen

Kombinationen eine sehr große Zahl (4096) von Rassen, und man kann

sich durch Kreuzung von Tieren, deren Formel man kennt, beliebige neue

Kombinationen, d. h. neue Rassen machen, das sei an einem Beispiel

gezeigt.

Ein Tier von der Formel #~aa XX BB CC DD gg kk MM NN oo pp

vv~# ist #weiß Angora mit roten Augen#. Ein Tier von der

Formel #~AA XX BB CC dd GG kk MM~ NN oo pp VV# ist #blau

wildfarbig und kurzhaarig#.

Die Bastarde zwischen diesen beiden Tieren sind wildfarbig, und

glatthaarig (gleichen also ganz den wilden Kaninchen). In F_{2} erfolgt

aber eine Spaltung in folgenden Sorten: 1. wildfarbig kurzhaarig,

2. wildfarbig angorahaarig, 3. schwarz kurzhaarig, 4. schwarz

angorahaarig, 5. blau wildfarbig kurzhaarig, 6. blau wildfarbig

angorahaarig, 7. blaugrau kurzhaarig, 8. blaugrau angorahaarig, 9. weiß

kurzhaarig, 10. weiß angorahaarig. Oder um ein weiteres Beispiel zu

geben, die Kreuzung #~aa XX BB CC dd gg kk MM NN oo pp vv~#

(weißes Angora-Kaninchen) #~AA xx BB CC dd GG kk MM NN oo pp

VV~# (weißes Wiener Kaninchen) gibt wildfarbige, kurzhaarige

Tiere, die weiterhin in F_{2} eine sehr bunte Aufspaltung geben. Einen

entsprechenden Fall bei Menschen hätten wir in der Kreuzung eines

albinotischen Negers (weißhäutig) mit einem hellhäutigen Europäer, wo

F_{1} ~dunkel~ gefärbt ist, wie die sonstigen Mulatten.

Die aufgeführten Grundunterschiede sind nicht die einzigen, die bei

den Kaninchen bisher herausgearbeitet sind. Es ist heute schon eine

ganze Reihe von anderen bekannt, aber immerhin ist die Zahl der

Grundunterschiede ~eine verschwindend geringe im Vergleich mit der

sehr großen Zahl von Rassenunterschieden~. Allein die aufgeführten

#12# Grundunterschiede ermöglichen, wie gesagt, #4096# erblich

verschiedene Typen, von denen allerdings 1/4 d. h. #1024# weiß und

rotäugig und weitere 768 weiß und blauäugig sind. Alle anderen #2304#

Typen sind aber auch äußerlich verschieden. Hergestellt und als

Zuchtrassen gezogen sind davon nur verhältnismäßig wenige, es ist aber

sehr leicht, sich irgendeine heute im Handel nicht aufzutreibende,

vielleicht überhaupt noch nie vorhanden gewesene bestimmte Kombination

herzustellen und als „Rasse“ rein herauszuzüchten. ~Man kann also

mit einer erst einmal genügend analysierten Spezies ganz ähnlich wie

ein Chemiker synthetisch und ganz zielbewußt bestimmte, gewünschte

Eigenschaftskombinationen d. h. bestimmte neue Rassen herstellen.~

* * * * *

Was wir an einem fertigen Organismus als eine einheitliche Eigenschaft

sehen, etwa eine bestimmte Färbung der Haare, wird, wie wir bisher

schon an einer ganzen Reihe von Beispielen kennen gelernt haben, stets

bedingt durch eine größere Anzahl von Erbfaktoren, man denke z. B.

an die vielen Faktoren, die beim Zustandekommen der Wildfarbe der

Kaninchen mitspielen. Es kommt ferner auch häufig vor, daß ~ganz

verschiedene und unabhängig voneinander sich vererbende Faktoren ganz

in gleicher Weise sich äußern~. Ein schematisches Beispiel macht

es wohl am raschesten klar: Daß eine Weizenrasse ziemlich immun gegen

einen parasitischen Pilz ist, kann dadurch bedingt sein, daß sie durch

den ~Bau ihrer Zellwände~ besonders gut gegen das Eindringen der

Haustorien der Pilze geschützt ist.

Eine ~andere~ Weizenrasse kann genau denselben Grad der Immunität

zeigen, aber hier beruht die Immunität etwa auf dem Vorhandensein von

bestimmten ~Schutzstoffen~ im ~Zellsaft~. Kreuzt man die beiden gleich

stark immunen und vielleicht auch sonst äußerlich nicht verschiedenen

Rassen, so wird man einen Bastard bekommen, der jetzt die ~beiden~

Ursachen der Immunität ererbt hat, aber jede nur ~heterozygotisch~

enthält und deshalb -- wenn nur teilweise Dominanz vorliegt --

ebenfalls nur ungefähr ebensogut immun ist, wie jede der beiden

Ausgangsrassen. In der F_{2}-Generation dieser Bastarde müssen nun

aber auch Pflanzen auftreten, die ~homo~zygotisch, #beide# Ursachen

der Immunität ererbt haben, also ~doppelt so stark immun sind~,

als die Ausgangsrassen es waren, es müssen ferner -- als die ganz

rezessiven Kombinationen -- Pflanzen auftreten, die ~keine~ von den

beiden Ursachen ererbt haben, infolgedessen ~überhaupt nicht immun~

sind, und endlich muß eine Reihe von Zwischentypen, deren Immunität

ungefähr derjenigen der Ausgangsrassen entspricht, entstehen. Ein

sehr lehrreicher Fall dieser Art sei nach ~Nilsson-Ehle~, dem wir die

Aufklärung dieser zunächst unverständlichen Vererbungserscheinungen

verdanken, genauer besprochen. Es ist wahrscheinlich, daß ähnliche

Verhältnisse sich bei Menschen ~sehr~ häufig finden. Beim ~Weizen~ wird

rote Kornfarbe bedingt durch mindestens drei unabhängig voneinander

mendelnde Faktoren #R#, #S# und #T#. Eine Pflanze, die nur ~einen~ von

diesen Faktoren heterozygotisch enthält, etwa #Rrsstt# oder #rr Ss tt#

usw., ist ganz ~blaß~rot, eine Pflanze, die einen von diesen Faktoren

~homo~zygotisch enthält, also etwa #RR ss tt# oder #rr SS tt# usw. ist,

hat ein etwas dunkleres Rot, und endlich, am anderen Ende der Reihe,

Pflanzen, die alle drei Faktoren homozygotisch enthalten -- #RR SS

TT#-- sind am dunkelsten rot.

Kreuzt man eine weiße Rasse, die keine von diesen Faktoren enthält (#rr

ss tt#) mit einer homozygotisch dunkelroten (#RR SS TT#), so bekommt

man einen Bastard #Rr Ss Tt#, der in der Farbe eine ~Mittelstellung~

einnimmt, ~blaßrot~ gefärbt ist. Dieser Bastard bildet die acht

Geschlechtszellen: #RST#, #RSt#, #RsT#, #Rst#, #rST#, #rsT#, #rst#,

und diese achterlei Geschlechtszellen können sich in den nebenan in

Tabellenform dargestellten Kombinationen vereinigen.

In der zweiten Spalte ist angegeben, welche Kornfarbe die einzelnen

Kategorien haben, dabei ist das durch die drei homozygotisch

vorhandenen Faktoren bedingte dunkelste Rot als rot VI, Weiß als

rot 0 und das nur durch einen heterozygotischen Faktor bedingte

~hellste~ Rot als rot I bezeichnet, und entsprechend ist die

Bezeichnung der übrigen Abstufung der Farbe.

Die Tabelle zeigt, daß in der F_{2}-Generation der Kreuzung neben ganz

seltenen Pflanzen, welche genau die Färbung der Elternrassen zeigen,

eine lange Reihe von verschieden gefärbten ~Zwischenstufen~

auftreten müssen, nämlich mehr oder weniger dunkelrot gefärbte Pflanzen

mit den Färbungsabstufungen rot I bis rot V.

==========================================================

Mögliche | |

Kombinationen | F_{2} | F_{3}

der | |

Geschlechtszellen | |

------------------+----------+----------------------------

1) RST × RST | rot VI | rot[B]

2) RST × RSt | „ V | „

3) RST × RsT | „ V | „

4) RST × Rst | „ IV | „

5) RST × rST | „ V | „

6) RST × rSt | „ IV | „

7) RST × rsT | „ IV | „

8) RST × rst | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß

| |

9) RSt × RST | „ V | rot

10) RSt × RSt | „ IV | „

11) RSt × RsT | „ IV | „

12) RSt × Rst | „ III | „

13) RSt × rST | „ IV | „

14) RSt × rSt | „ III | „

15) RSt × rsT | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß

16) RSt × rst | „ II | „ „ 15 „ : 1 „

| |

17) RsT × RST | „ V | rot

18) RsT × RSt | „ IV | „

19) RsT × RsT | „ IV | „

20) RsT × Rst | „ III | „

21) RsT × rST | „ IV | „

22) RsT × rSt | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß

23) RsT × rsT | „ III | konstant

24) RsT × rst | „ II | spaltend in 15 rot: 1 weiß

| |

25) Rst × RST | „ IV | rot

26) Rst × RSt | „ III | „

27) Rst × RsT | „ III | „

28) Rst × Rst | „ II | „

29) Rst × rST | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß

30) Rst × rSt | „ II | „ „ 15 „ : 1 „

31) Rst × rsT | „ II | „ „ 15 „ : 1 „

32) Rst × rst | „ I | „ „ 3 „ : 1 „

| |

33) rST × RST | „ V | rot

34) rST × RSt | „ IV | „

35) rST × RsT | „ IV | „

36) rST × Rst | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß

37) rST × rST | „ IV | rot

38) rST × rSt | „ III | „

39) rST × rsT | „ III | „

40) rST × rst | „ II | spaltend in 15 rot: 1 weiß

| |

41) rSt × RST | „ IV | rot

42) rSt × RSt | „ III | „

43) rSt × RsT | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß

44) rSt × Rst | „ II | „ „ 15 „ : 1 „

45) rSt × rST | „ III | rot

46) rSt × rSt | „ II | „

47) rSt × rsT | „ II | spaltend in 15 rot: 1 weiß

48) rSt × rst | „ I | „ „ 3 „ : 1 „

| |

49) rsT × RST | „ IV | rot

50) rsT × RSt | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß

51) rsT × RsT | „ III | rot

52) rsT × Rst | „ II | spaltend in 15 rot: 1 weiß

53) rsT × rST | „ III | rot

54) rsT × rSt | „ II | spaltend in 15 rot: 1 weiß

55) rsT × rsT | „ II | rot

56) rsT × rst | „ I | spaltend in 3 rot: 1 weiß

| |

57) rst × RST | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß

58) rst × RSt | „ II | „ „ 15 „ : 1 „

59) rst × RsT | „ II | „ „ 15 „ : 1 „

60) rst × Rst | „ I | „ „ 3 „ : 1 „

61) rst × rST | „ II | „ „ 15 „ : 1 „

62) rst × rSt | „ I | „ „ 3 „ : 1 „

63) rst × rsT | „ I | „ „ 3 „ : 1 „

64) rst × rst | weiß 0 | weiß

Wenn wir die Tabelle daraufhin ansehen, wie häufig die einzelnen

Färbungen in F_{2} vertreten sein müssen, so ergibt eine Auszählung

folgendes:

Von den 64 möglichen Kombinationen ergeben:

#1# Kombination Pflanzen mit der Farbe rot VI (wie die eine

P_{1}-Pflanze)

#6# Kombinationen „ „ „ „ „ V

#15# „ „ „ „ „ „ IV

#20# „ „ „ „ „ „ III

#15# „ „ „ „ „ „ II

#6# „ „ „ „ „ „ I

#1# Kombination „ „ „ „ „ 0 (weiß, wie die andere

P_{1}-Pflanze).

Es ist danach zu erwarten, daß F_{2} einer solchen Kreuzung besteht aus

~sehr zahlreichen~ Pflanzen, welche eine ~mittlere~ Stärke

der roten Färbung zeigen, und aus ~sehr wenigen~, welche ~sehr

dunkel~ und ebenso ganz wenigen, welche ~sehr hell~ sind.

Ferner zeigt ein Blick auf die Zahlenreihe 1, 6, 15, 20, 15, 6, 1,

welche die Häufigkeit der einzelnen Intensitäten angibt, ~daß diese

Zahlenreihe der~ #Zufallskurve# ~entspricht~.

Also wenn, so wie in unserem Beispiel, die Kornfarbe von einer

Anzahl Faktoren beeinflußt wird, die unabhängig mendeln, und auch

unabhängig voneinander sich äußern, die sich aber in ihrer Wirkung

~summieren~, dann wird eine in mehreren von diesen Faktoren

heterozygotische Pflanze Nachkommen geben, die eine ganze Reihe

von Färbungsabstufungen aufweisen; dabei werden Pflanzen mit einer

mittleren Stärke der Färbung sehr häufig sein, ganz helle und ganz

dunkle Pflanzen dagegen seltener und zwar der ~Zufallskurve

entsprechend~ immer seltener, je heller und je dunkler sie sind.

Auf diese Weise sind wahrscheinlich die meisten Kreuzungsfälle zu

verstehen, für welche in der Literatur angegeben wird, daß die

Bastarde eine Mittelstellung zwischen ihren Eltern zeigen und dann

~nicht spalten~, sondern diese Mittelstellung konstant vererben.

Es wird z. B. für die Vererbung der Hautfarbe bei der Kreuzung Neger

× Europäer behauptet, daß die so entstehenden Mulatten eine in der

Hautfarbe weiterhin konstante Nachkommenschaft hätten. Das ist aber

nach sorgfältigen neueren Untersuchungen nicht der Fall. Aus der Ehe

von zwei F_{1} Mulatten gehen -- allerdings ganz selten nur -- auch

weißhäutige und negerfarbige Kinder hervor, aber die übergroße Mehrzahl

der Kinder aus solchen Ehen hat ~ungefähr~ die Hautfarbe wie die

F_{1}-Mulatten. Nimmt man an, daß der Unterschied in der Hautfarbe

zwischen Neger und Europäer -- ganz ähnlich wie die Kornfarbe in

dem oben besprochenen Weizen-Beispiel -- durch mehrere selbständig

mendelnde gleichsinnige Faktoren bedingt sei, so ist der Befund:

„ganz vereinzelte Kinder, wie die Ausgangsrassen, übergroße Mehrzahl

der Kinder ~ungefähr~ so wie die F_{1}-Mulatten“, ohne weiteres

verständlich.

[Illustration: Fig. 9.

Ährenformen von Weizen.

a) Lockerähriger Landweizen,

b) Square-Head-Weizen,

c) Compactum-Weizen.

]

Besonders häufig findet man gleichsinnig wirkende Faktoren, wenn man

Vererbung von Größenmaßen und dgl. untersucht. Was für eigenartige

Vererbungserscheinungen sich hier ergeben können, sei kurz ebenfalls an

einem Vererbungsversuch mit Weizen gezeigt. Die Ährenlänge des Weizens

wird von einer ganzen Anzahl von Erbfaktoren beeinflußt. Zunächst

kennen wir mindestens zwei gleichsinnig wirkende Faktoren, welche die

Ähren lang und locker machen, heißen wir diese beiden Faktoren #L# und

#M#. Eine Pflanze von der Formel #LLMM# ist sehr lang und lockerährig

(Fig. 9a) alle Pflanzen mit je einem von diesen Faktoren, #llMM# oder

#LLmm# sind mittellangährige Weizen und endlich eine #llmm#-Pflanze

ist ein „~Squarehead~“ (Fig. 9b). Ein weiterer wesentlicher Faktor

#C# macht die Ähren ganz kurz und gedrungen (Fig. 9d). #C# ist

dominant über #L# und #M#, es sind also Pflanzen von der Formel #CC

LL MM#, #CC ll MM#, #CC ll mm#, #Cc LL MM# usw. alle äußerlich nicht

unterscheidbare „~compactum~“-Weizen. Auf Grund dieser Erkenntnis sind

sehr viele eigentümliche Kreuzungsergebnisse glatt verständlich. So z.

B. gibt unter Umständen die Kreuzung zweier mittellangähriger Sorten

einen ebenfalls mittellangen Bastard, aber in der F_{2}-Generation

mendeln nun neben vielen mittellangen Pflanzen auch sehr lang- und

lockerährige und ferner ganz kurzährig (Squarehead-)Weizen heraus. Die

Kreuzung war dann verlaufen nach dem Schema:

~#cc LL mm#~ × ~#cc ll MM#~ P_{1}

mittellang mittellang

~#cc Ll Mm#~ F_{1}

mittellang

Daraus ~müssen~ in F_{2} u. a. auch #cc LL MM# -- (lang

lockerährig) und #cc ll mm# -- (Squarehead-)Pflanzen herausmendeln.

Ferner die Kreuzung #CC LL MM# (compactum) × #cc ll mm#

(Squarehead) muß in F_{1} lauter compactum-Pflanzen (CcLlMm) geben

und in F_{2} erfolgt dann eine Spaltung in compactum, ganz lang und

lockerährig, mittellang und Squarehead.

Wenn man über die Vererbungsgesetze von Rassenunterschieden bei

Menschen, etwa über die Vererbungsweise der Schädelform und dergl.,

Untersuchungen anstellt, muß man immer wieder sich an diese klaren und

durchsichtigen Beispiele aus dem Pflanzenreich erinnern. Der Fall, daß

bei der Kreuzung zweier Rassen F_{1} mehr oder weniger deutlich eine

Dominanz des einen Elters zeigt, und daß in F_{2} eine reinliche ganz

einfache Spaltung erfolgt, d. h. der Schulfall des Mendelns, ~wird

selten gefunden~. Das muß man immer im Auge behalten. Man darf sich

nicht einbilden, daß man über Vererbung mitreden darf, wenn man bloß

erst die allereinfachsten Spaltungsgesetze begriffen hat. Leider bilden

sich das noch immer sehr viele Leute ein.

Faktoren-Koppelung.

Führt man Kreuzungsversuche, wie die vorgenannten, mit irgendeinem

Organismus durch, so stößt man immer früher oder später auf eine

Erscheinung, die man als ~Faktoren-Koppelung~ bezeichnet.

Gehen wir auch hier wieder von einem einfachen Beispiel aus: Die kleine

Obstfliege ~Drosophila ampelophila~ ist heute wohl das weitaus am

besten auf seine Erbfaktoren hin durchforschte Tier. Man hat rund 100

Erbfaktoren bereits klar herausgearbeitet. Wir wollen aber nur mit

zweien davon zunächst rechnen, nämlich mit den beiden Faktoren #Y# und

#W#. Eine Rasse, welche diese beiden und ebenso alle anderen Faktoren

für normalen Körperbau besitzt, sieht aus, wie eine gewöhnliche wilde

~Drosophila~. Eine Rasse mit im übrigen der gleichen Formel, aber

~#yy#~ hat eine ~gelbe Körperfarbe~, und eine Rasse mit dieser Formel,

aber mit ~#ww#~, hat ~weiße Augen~. Kreuzt man nun eine Sippe von der

Formel ~#YY WW#~, d. h. eine dunkelgefärbte ~Drosophila~, mit einer

Sippe von der Formel ~#yy ww#~, d. h. einem gelben Tier mit weißen

Augen, so bekommt man einen Bastard ~#Yy Ww#~, der dunkle Körper- und

Augenfarbe hat.

Nach dem, was wir gehört haben, sollte dieser Bastard seine viererlei

Geschlechtszellen ~#YW#~, ~#Yw#~, ~#yW#~, ~#yw#~ in ~gleicher~

Häufigkeit ausbilden und es sollten in F_{2} die viererlei Tiere,

dunkel mit dunklen Augen, dunkel mit weißen Augen, gelb mit dunklen

Augen, gelb mit weißen Augen in der Häufigkeit 9: 3: 3: 1 auftreten,

oder wenn man solche Bastarde rückkreuzt mit der ganz rezessiven Sippe

(gelb mit weißen Augen), also ~#Yy Ww#~ × ~#yy ww#~, so sollte man,

nach dem was wir auf S. 26 gehört haben, erwarten, daß die viererlei

Tiere in der Häufigkeit 1: 1: 1: 1 auftreten. Beides ist aber ~nicht

der Fall~.

Man bekommt in der gewöhnlichen F_{2}-Generation nicht das Verhältnis

9: 3: 3: 1, sondern ~dunkle dunkeläugige~ und ~gelbe weißäugige~ Tiere

sind verhältnismäßig ~viel zu viele~ vorhanden und ~dunkle weißäugige~

und ~gelbe dunkeläugige~ viel ~zu wenige~. In der Rückkreuzung

bekommt man zwar auch die viererlei Tiere, aber dunkle weißäugige

und gelbe dunkeläugige Tiere sind viel weniger da, als die beiden

anderen Typen. Das alles kommt daher, daß der Bastard ~#Yy Ww#~ seine

viererlei Geschlechtszellen nicht in gleicher Zahl bildet, ~sondern

in ungleicher~ und zwar werden in diesem Fall die Geschlechtszellen

ungefähr in folgender Häufigkeit gefunden:

Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene (1/2) Menschliche Erblichkeitslehre · 第 30 / 64 题