Rein rot und blaßrot sind in dieser Figur nicht unterschieden.]

Diese Erscheinung, daß viele Bastarde äußerlich von dem einer

Elter nicht zu unterscheiden sind, bezeichnet man mit dem Wort

~Dominanz~. Man sagt, das eine Merkmal, hier etwa die „Fähigkeit

zur Bildung schwarzer Haarfarbe“ dominiere über das andere Merkmal,

über das Fehlen dieser Fähigkeit und dieses letztere Merkmal sei

rezessiv gegen das erstere. Man hat dieser Dominanzerscheinung, die

durchaus keine allgemeine Regel ist, vielfach übertrieben große

Bedeutung zugeschrieben, von einer Dominanzregel gesprochen. Das ist

ganz verkehrt, eine irgendwie allgemeingültige Dominanzregel gibt es

nicht, und sehr häufig kann man bei ganz genauem Zusehen auch bei

~scheinbar~ völliger Dominanz die Homozygoten doch noch von den

Heterozygoten unterscheiden.

Es kommt auch vor, daß die Dominanz einer Eigenschaft je nach dem Alter

der Bastarde verschieden ausgesprochen ist.

Genau die gleichen Gesetze gelten entsprechend, auch wenn wir Rassen

kreuzen, die sich in mehr als einem Merkmal unterscheiden, wenn wir

also nicht bloß „Monohybriden“ sondern „Di-, Tri- und Polyhybriden“

erzeugen. Betrachten wir auch hier wieder einen ganz einfachen Fall.

Wir kreuzen eine rote pelorische Löwenmaulrasse (Fig. 7a) mit einer

normalblütigen elfenbeinfarbigen (Fig. 7b), der Bastard ist blaßrot und

hat völlig normale Blütenform, nur die Oberlippe ist etwas kleiner als

bei den homozygotisch normalen Pflanzen. Wir haben also hier einen Fall

fast völliger Dominanz der normalen Blütenform über die pelorische,

während in der Farbe der Bastard ungefähr eine Mittelstellung

einnimmt. Die durch Selbstbefruchtung eines solchen Bastards gewonnene

F_{2}-Generation (Fig. 7d-g) besteht aus sechs äußerlich verschiedenen

Gruppen von Pflanzen nämlich aus:

roten normalen (3) | blaßroten pelorischen (2)

blaßroten normalen (6) | elfenbeinfarbigen normalen (3)

roten pelorischen (1) | " pelorischen (1)

Die Zahlenverhältnisse, in denen diese verschiedenen Kategorien

auftreten, sind in () beigefügt. Wie auf Grund der Spaltungsgesetze

diese Kategorien und diese Verhältniszahlen zustande kommen, leiten

wir in ähnlicher Weise ab, wie in dem zuerst besprochenen Beispiel:

Eine Geschlechtszelle oder, wie man in der Vererbungsliteratur

meistens sagt, einen ~Gameten~ der normalen elfenbeinfarbigen

Rasse bezeichnen wir mit #fE#, eine Geschlechtszelle der roten

pelorischen Rasse mit #Fe#. Dabei bedeute:

#F# Fähigkeit zur Bildung #f# Fehlen dieser Fähigkeit, d. h. der so

roter Blütenfarbe bezeichnete Gamet überträgt

elfenbein Blütenfarbe

#E# Fähigkeit zur Bildung #e# Fehlen dieser Fähigkeit, d. h. dieser

normaler Blüten Gamet überträgt, pelorische

Blütenform.

Die aus der Vereinigung zweier Geschlechtszellen #F e# (rote

Blütenfarbe, pelorische Blüten) entstandene eine P_{1}-Pflanze bekommt

also die Erbformel #FF ee#.

Die aus der Vereinigung zweier Geschlechtszellen #f E#

(elfenbeinfarbige normale Blüte) entstandene andere P_{1}-Pflanze hat

dann die Formel #ff EE#.

Der Bastard hat dementsprechend die Formel #Ff Ee#. Wenn dieser

Bastard geschlechtsreif wird, bildet er nach der Mendelschen Theorie

~viererlei~ verschiedene Geschlechtszellen aus, nämlich

#F E#, die rote Farbe und normale Form übertragen

#F e#, " " " " pelorische " "

#f E#, " elfenbein " " normale " "

#f e#, " " " " pelorische " "

Diese viererlei verschiedenen Geschlechtszellen werden in gleicher Zahl

gebildet.

Wenn wir einen solchen Bastard #Ff Ee# mit sich selbst oder wenn

wir mehrere solcher Bastarde untereinander befruchten, dann können sich

die vier Arten von Eizellen mit den vier Arten von Pollenkörnern in

#16# verschiedenen Kombinationen vereinen, nämlich:

1. eine Eizelle #FE# kann treffen ein Pollenkorn #FE# und gibt eine

rote normale

Pflanze #FFEE#.

2. " " #FE# " " " " #Fe# und gibt eine

rote normale

Pflanze #FFEe#.

3. " " #FE# " " " " #fE# und gibt eine

blaßrote normale

Pflanze #FfEE#.

4. " " #FE# " " " " #fe# und gibt eine

blaßrote normale

Pflanze #FfEe#.

5. " " #Fe# " " " " #FE# und gibt eine

rote normale

Pflanze #FFEe#.

6. " " #Fe# " " " " #Fe# u. gibt eine

rote pelorische

Pflanze #FFee#.

7. " " #Fe# " " " " #fE# und gibt eine

blaßrote normale

Pflanze #FfEe#.

8. " " #Fe# " " " " #fe# und gibt eine

blaßrote pelorische

Pflanze #Ffee#.

9. eine Eizelle #fE# kann treffen ein Pollenkorn #FE# und gibt eine

blaßrote normale

Pflanze #FfEE#.

10. " " #fE# " " " " #Fe# und gibt eine

blaßrote normale

Pflanze #FfEe#.

11. " " #fE# " " " " #fE# und gibt eine

elfenbeinfarbige

normale Pflanze

#ffEE#.

12. " " #fE# " " " " #fe# und gibt eine

elfenbeinfarbige

normale Pflanze

#ffEe#.

13. " " #fe# " " " " #FE# und gibt eine

blaßrote normale

Pflanze #FfEe#.

14. " " #fe# " " " " #Fe# und gibt eine

blaßrote pelorische

Pflanze #Ffee#.

15. " " #fe# " " " " #fE# und gibt eine

elfenbeinfarbige

normale Pflanze

#ffEe#.

16. " " #fe# " " " " #fe# und gibt eine

elfenbeinfarbige

pelorische Pflanze

#ffee#.

Ein Blick auf die Übersicht zeigt, daß von den 16 möglichen

Vereinigungen ~drei~ (1, 2, 5) Pflanzen mit roten normalen Blüten,

~sechs~ (3, 4, 7, 9, 10, 13) Pflanzen mit blaßroten Blüten

~eine~ (6) Pflanze mit roten pelorischen Blüten, ~zwei~ (8,

14) Pflanzen mit blaßroten pelorischen Blüten, ~drei~ (11, 12,

15) Pflanzen mit elfenbeinfarbigen normalen Blüten, ~eine~ (16)

Pflanze mit elfenbeinfarbigen pelorischen Blüten ergeben müssen.

Wir werden demnach in F_{2} dieser Kreuzung die 6 verschiedenen

Pflanzen: „rot normal“, „blaßrot normal“, „rot pelorisch“, „blaßrot

pelorisch“, „elfenbein normal“ und „elfenbein pelorisch“ im Verhältnis

3:6:1:2:3:1 auffinden müssen. Zählt man rot und blaßrot zusammen,[A]

so ergibt sich das Verhältnis 9:3:3:1. Die in Versuchen gefundenen

Zahlen stehen damit gut in Einklang, eine solche Kreuzung hat z. B. die

folgende F_{2}-Generation ergeben:

Rot normal #39#, blaßrot normal #94#, rot pelorisch

#15#, blaßrot pelorisch #28#, elfenbein normal #45#,

elfenbein pelorisch #13#.

Auf Grund der Theorie ist ferner zu erwarten, daß je ~ein Drittel~

der normal blühenden Kategorien eine ausschließlich normal blühende

Nachkommenschaft haben wird, nämlich alle Pflanzen, die #EE#

enthalten (Nr. 1, 3, 9, 11), ferner werden wir erwarten müssen, daß

~je zwei Drittel~ davon, nämlich alle, welche #Ee# enthalten

(Nr. 2, 4, 5, 7, 10, 12, 13, 15), weiterhin aufspalten müssen in

normale und pelorische Nachkommen, ebenso ist zu erwarten, daß alle

roten #FF#-Pflanzen nur rote Nachkommen haben werden, daß

dagegen alle blaßroten #Ff#-Pflanzen in der nächsten Generation

eine Spaltung in rote, blaßrote, elfenbeinfarbige Pflanzen zeigen

müssen. Auch diese theoretische Forderung zeigt sich in ~allen~

Versuchen erfüllt. In Form eines Stammbaumes ist dieser Versuch nebenan

dargestellt.

rot pelorisch × elfenbein normal #P^1#

blaßrot normal #^1F#

Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene (1/2) Menschliche Erblichkeitslehre · 第 28 / 64 题