Fördernde Alternativen Hemmende Alternativen

_A_ Ernährung gut _a_ Ernährung schlecht

_B_ genügend Sauerstoff _b_ nicht genügend Sauerstoff

_C_ günstige Belichtung _c_ zu grelles Licht

_D_ keine Schädigung durch _d_ zeitweilige Schädigung durch

Kälte Kälte

_E_ keine Schädigung durch _e_ zeitweilige Schädigung durch

Hitze Hitze

Auch wenn wir nur diese fünf voneinander unabhängige Faktoren in

Rechnung stellen, können die einzelnen Tiere einer Kultur schon sich

unter #32# verschiedenen Bedingungen entwickeln. Ein Tier, das

unter der ausschließlich günstigen Bedingung A B C D E aufwächst,

wird besonders groß, ein Tier, das unter der nur teilweise günstigen

Bedingung A b c D e aufwächst, das also zwar gut genährt ist, auch

nicht unter Kälte leidet, das aber durch Sauerstoffmangel, Hitze und zu

grelles Licht geschädigt wird, wird wesentlich kleiner sein. Nehmen wir

der Einfachheit halber an, daß jeweils ein fördernder Faktor ein Tier

um eine Längeneinheit größer werden lasse, so haben wir folgendes:

Mögliche Kombinationen der Maß der Vergrößerung, die ein

fünf voneinander unabhängigen unter dieser Kombination

Faktoren aufgewachsenes Tier erfährt

ABCDE 5

ABCDe 4

ABCdE 4

ABCde 3

ABcDE 4

ABcDe 3

ABcdE 3

ABcde 2

AbCDE 4

AbCDe 3

AbCdE 3

AbCde 2

AbcDE 3

AbcDe 2

AbcdE 2

Abcde 1

aBCDE 4

aBCDe 3

aBCdE 3

aBCde 2

aBcDE 3

aBcDe 2

aBcdE 2

aBcde 1

abCDE 3

abCDe 2

abCdE 2

abCde 1

abcDE 2

abcDe 1

abcdE 1

abcde 0

Alle diese 32 überhaupt möglichen Kombinationen haben die gleiche

Wahrscheinlichkeit, ~man kann also erwarten, daß von einer großen

Anzahl von Tieren eines Aquariums sich je 1/32 unter einer von diesen

Konstellationen entwickelt~. Nun geben aber, wie ein Blick auf die

Tabelle S. 8 zeigt:

#1# Kombination eine Vergrößerung um 5

#5# Kombinationen " " " 4

#10# " " " " 3

#10# " " " " 2

#5# " " " " 1

#1# Kombination " " " 0

Mit andern Worten wir werden erwarten müssen, daß von einer großen Zahl

von Tieren

1/32 eine Vergrößerung um +5

5/32 " " " +4

10/32 " " " +3

10/32 " " " +2

5/32 " " " +1

1/32 " " " +0

zeigen werden. In Form einer Kurve ergibt sich das in ~Fig. 2~

dargestellte Bild.

[Illustration: Fig. 2.]

Hätten wir in dem Beispiel statt 5 Faktoren eine größere Zahl, etwa 6

gewählt, so hätten wir die Zahlenreihe #1 6 15 20 15 6 1# erhalten und

jede beliebige größere Zahl von Faktoren würde ebenfalls Zahlenreihen

ergeben, die wie

1

1 2 1

1 3 3 1

1 4 6 4 1

1 5 10 10 5 1

usw. übereinstimmen mit den Koeffizientenwerten von (a+b)^n, d. h.

~der Gaußschen Wahrscheinlichkeitskurve entsprechen~.

~Die bezeichnende Form der Paravariationskurve rührt also nur daher,

daß sehr viele Faktoren ganz unabhängig voneinander die Paravariation

beeinflussen.~

[Illustration: Fig. 3.

Zwei Wurfgeschwister einer sonst sehr einheitlichen Schweinerasse.

Das Tier links nur gerade eben notdürftig, das Tier rechts reichlich

ernährt (nach S. v. Nathusius).]

Die Variationskurven, die man findet, wenn man statistisch irgendeine

Eigenschaft untersucht, zeigen zwar sehr häufig ein mehr oder weniger

getreues Spiegelbild der Zufallskurve, aber durchaus nicht immer. Es

gibt auch einschenkelige, mehrgipfelige u. a. Kurven. Das hängt damit

zusammen, daß durchaus nicht notwendigerweise die Änderung einer

Eigenschaft genau ~parallel~ den sich ändernden Bedingungen gehen

muß. Es würde aber zu weit führen näher auf diese Fragen einzugehen.

Wie auffällig große Verschiedenheiten zwischen erblich genau

gleichen Individuen zustande kommen, wie ungemein groß das Ausmaß

einer Paravariation sein kann, ist zwar für Pflanzen an sehr vielen

Versuchen festgestellt, für Tiere aber und vor allem für höhere Tiere

ist hierüber wenig zuverlässiges Material bekannt. Erblich ganz

einheitliches Material ist hier sehr schwer heranzuziehen, weil wegen

der Geschlechtstrennung Nachkommenschaft nur von ~zwei~ Individuen

erhalten werden kann. Ein sehr lehrreicher Versuch dieser Art mit

höheren Tieren ist in Figur 3 dargestellt.

[Illustration: Fig. 4.

Schematische Darstellung eines Auslese-Versuches innerhalb eines

Klons von _Paramaecium_. Das größte sowohl wie das kleinste Tier

der Ausgangskultur geben die gleiche Nachkommenschaft. Die gleich

großen Tiere sind innerhalb jeder Kultur übereinander gezeichnet zur

Darstellung der Häufigkeit der einzelnen Größenklassen.]

~Wenn ein Organismus durch den Einfluß der Umwelt, durch seine

„Peristase“, eine Paravariation erfährt, so wird dadurch sein

Idioplasma, seine erbliche Veranlagung im allgemeinen nicht

berührt.~ Wir greifen wohl, um das zu zeigen, am besten wieder auf

unser ~Paramaecium~beispiel zurück:

Ziehen wir von Paramaecium in einem Aquarium einen Klon heran, so sind

die Einzeltiere sehr verschieden groß, ~aber die kleinsten sowohl

wie die größten Tiere sind erblich, „idioplasmatisch“ trotzdem völlig

gleich~, sie haben beide die gleiche Nachkommenschaft, die wiederum

aus großen und aus kleinen Tieren besteht (Figur 4).

Auch wenn man eine solche Auslese nach „groß oder klein“ viele

Generationen lang durchführt, bleibt das Ergebnis das Gleiche, ~die

besondere Beschaffenheit des~ #Einzeltieres# ~wird~ #nicht# ~vererbt~,

#sondern jedes Tier dieser Sippe vererbt immer nur die ganz bestimmte,

charakteristische Modifizierbarkeit seiner Sippe#.

Man kann auch -- in einer etwas anderen Versuchsanordnung -- von

~einem~ Klon ein Tier in ein nährstoffreiches, ein anderes Tier in

ein nährstoffarmes Aquarium verbringen. Es werden dann in den beiden

Aquarien Schwärme entstehen, die ~sehr~ verschieden sind. Der

gutgenährte Schwarm wird im ~Durchschnitt~ größere Tiere aufweisen

als der schlecht genährte. Die beiden Schwärme werden sehr verschieden

sein, obwohl sie erblich gleich sind. Man kann diese Zuchten in den

beiden verschiedenen Aquarien eine lange Reihe von Generationen

fortsetzen, und wenn man dann aus der „fetten“ und aus der „mageren“

Zucht je ein Tier herausgreift, und diese beiden Tiere in ~ganz

gleich beschaffene~ Aquarien bringt, gehen aus beiden Schwärme

hervor, die ganz gleich beschaffen sind. Das Idioplasma des Klons

ist also durch diese sehr verschiedenartigen Kulturbedingungen nicht

verändert worden, so sehr verschieden auch die beiden Zuchten während

vieler Generationen waren.

Von ~Paramaecium caudatum~ lassen sich aus jedem Tümpel leicht

eine ganze Menge ~verschiedener~ Sippen herausfischen, jede davon

hat ihre eigene bestimmte Modifizierbarkeit, ~die sie ganz getreu

vererbt~, stellt einen ganz bestimmten #Idiotypus# dar.

* * * * *

Dies alles gilt ganz ~allgemein~, wie vielleicht am besten an

einem botanischen Beispiel gezeigt werden kann: Von der gewöhnlichen

chinesischen Primel -- der allbekannten Zierpflanze -- gibt es viele

Farbenrassen, unter anderm eine ~rote~ und eine ~weiße~,

die wir als ~Primula sinensis rubra~ und als ~Primula sinensis

alba~ bezeichnen wollen. Wie alle Eigenschaften unterliegt auch

die Blütenfarbe einer sehr starken Paravariation durch allerhand

Außeneinflüsse z. B. durch die Temperatur. Zieht man Pflanzen einer

einheitlichen „roten“ Sippe in einem warmen etwas schattigen

Gewächshaus von rund 35°C, so blühen sie ~weiß~, während die bei

etwa 10-15°C herangezogenen Geschwister rot sind. Nachkommen solcher im

Warmhaus weißblütig gewordener und von einer ~Primula sinensis~

#alba# ununterscheidbaren Pflanzen sind, wenn man sie unter den

normalen Verhältnissen, d. h. bei 10-15°C großzieht, ~rot~blütig.

Der erbliche, idioplasmatische Unterschied zwischen den beiden Rassen

ist also nicht der, daß die eine „weiße“, die andere „rote“ Blüten

hat, ~sondern, daß die beiden Sippen in verschiedener Weise auf die

Temperatur reagieren~.

~Paraffinum durum~ und ~Paraffinum liquidum~ unterscheiden

sich für den Laien dadurch, daß das eine bei gewöhnlicher Temperatur

eine feste weiße Masse, das andere eine ölartige Flüssigkeit ist. Führt

man aber die beiden Paraffinen bei einer Temperatur von 60°C vor, dann

kann man sie ebensowenig ~äußerlich~ unterscheiden, wie die beiden

Primelrassen im Warmhaus. Trotzdem sind natürlich die beiden erwärmten

und ~äußerlich~ ununterscheidbaren Paraffine ebenso verschieden,

wie die beiden Primelrassen im Warmhaus. Der Unterschied zwischen den

beiden Paraffinen ist eben der, daß sie ~verschiedene Schmelzpunkte

haben~, d. h. auf Temperatureinflüsse verschieden reagieren. ~So

wenig wie ein „Paraffinum durum“, das man auf 60° erwärmt, nun dadurch

einen niedrigeren Schmelzpunkt bekommt, d. h. zu „Paraffinum liquidum“

wird, ebensowenig wird eine im Warmhaus weiß blühende~ #Primula

sinensis rubra# ~zu einer~ #Primula sinensis alba#.

~Erblicher, eine Sippe bezeichnender Unterschied ist~, um es

noch einmal zu betonen, ~nicht eine bestimmte Ausbildung eines

Merkmals, sondern immer nur eine bestimmte „Reaktionsweise“~. Wie

ein Organismus aussieht, hängt also immer ab, von ~zwei Dingen~:

~erstens~ von seiner ererbten Reaktionsweise oder man kann auch

sagen von seiner idioplasmatischen Beschaffenheit und ~zweitens~

von seiner Peristase, d. h. von den Außeneinflüssen, denen ~er~

gerade während seiner Entwicklung unterworfen war.

Es ist ganz merkwürdig, wie viele unklare Vorstellungen hierüber

verbreitet sind.

Die Auffassung, als ob die ~Veränderung, die Paravariation einer

Außeneigenschaft~ etwa der Farbe der Primel, auch die ~erbliche

Reaktionsweise~ der Sippe ohne weiteres ändere, spukt auf Grund

falsch gedeuteter Beobachtungen unter dem Schlagwort von der

„~Vererbung erworbener Eigenschaften~“ noch immer in vielen Köpfen.

Hier hilft nur eine völlig klare Begriffsbestimmung. Vererbbare

Eigenschaft ist immer nur „vererbbare bestimmte Reaktionsweise“ auf

Außeneinflüsse. Das Entstehen einer neuen Eigenschaft beruht also

darauf, ~daß diese frühere Reaktionsweise verändert wird~. Wenn

man ein Paraffinum durum nicht bloß auf 60° erwärmt, d. h. nicht

bloß schmilzt, sondern es etwa unter Druck sehr hohen Temperaturen

aussetzt, dann ändert sich seine ~chemische Konstitution~,

es kann dann aus ihm unter Umständen ein Paraffin mit niedrigerem

Schmelzpunkte entstehen. Ganz entsprechend kann auch durch irgendwelche

außergewöhnliche Einwirkung etwa Radiumbestrahlung, Dauerkultur bei

eben noch ertragener hoher Temperatur u. ä. aus einer ~Primula

sinensis rubra~ eine Nachkommenschaft entstehen, die ~anders als

die Ausgangsrasse~ mit ihrer Blütenfarbe auf die Temperatur reagiert.

Ebenso wie aber eine durch Veränderung der chemischen Konstitution und

~Schmelzpunkterniedrigung~ bewirkt Verflüssigung eines Paraffinum

durum etwas ganz anderes ist, als ein bloßes ~Schmelzen~, ebenso

ist auch die Entstehung einer solchen ~neuen Primelrasse~

grundsätzlich ganz etwas anderes, als die durch Kultur im Warmhaus

erzielte einfache Paravariation.

Man bezeichnet, wie wir schon vorhin gehört haben, eine Veränderung

dieser letzteren Art, als ~Idiovariation~ oder mit einem älteren

Fachausdruck als Mutation.

Der Ausdruck „~Erwerbung einer neuen Eigenschaft~“ wird nun

aber leider noch immer von vielen Biologen ~für diese beiden ganz

verschiedenen Dinge angewendet~.

Wenn wir also zu der heiklen Frage nach der Vererbung erworbener

Eigenschaften Stellung nehmen wollen, werden wir sagen müssen:

Neu entstandene Eigenschaften, auch infolge irgendwelcher

Außeneinflüsse erzeugte Eigenschaften, ~die wirklich~ #neue#

~Eigenschaften in dem eben genannten Sinn sind~, sind erblich,

oder können doch erblich sein, dagegen entsteht dadurch, daß irgendein

Organismus eine Paravariation erleidet, durchaus nicht ohne weiteres

auch eine Idiovariation. Daß die Vorstellung so fest in vielen Köpfen

sitzt, eine ~Paravariation~ löse immer oder doch meist eine

mehr oder weniger ~gleichsinnige Idiovariation~ aus, rührt von

fehlerhaft angestellten Versuchen und von Fehlschlüssen her.

[Illustration: Fig. 5.

8 verschiedene Klone von _Paramaecium_. Die Linie X--X bezeichnet das

Mittel der Größe ~aller~ 8 Klone. Durch + ist für jeden einzelnen Klon

die mittlere Größe bezeichnet (nach Jennings).]

Die ~größte Fehlerquelle~ liegt in ~erblich uneinheitlichem

Versuchsmaterial~. Der Fehler liegt so nahe, und wird so oft

gemacht, daß er wohl auch hier an einem Beispiel besprochen

werden muß. Wie schon früher gesagt, gibt es von ~Paramaecium

caudatum~ eine Menge von verschiedenen Sippen, deren jede erblich

konstant ist. Eine Anzahl solcher Paramaecium-Sippen ist in Fig.

5 abgebildet. Für jede von diesen acht Sippen gilt die in Fig. 4

abgebildete Gesetzmäßigkeit: Jedes einzelne Individuum vererbt nicht

seine eigene Größe, sondern seinen ~Sippencharakter~. Wie ein

Blick auf die Figur 5 zeigt, greifen die Paravariations-Kurven der

verschiedenen Sippen übereinander. Wenn man also diese verschiedenen

~Paramaecium~-Sippen durcheinander im gleichen Aquarium hat,

dann findet man von ganz großen bis zu ganz kleinen Tieren ~eine

völlig fließende Reihe, man bemerkt nichts davon, daß in dem Aquarium

acht erblich verschiedene Sippen~ (Klone) ~sind~. Auch wenn

man das wüßte, könnte man einem beliebigen Einzeltier von mittlerer

Größe, ~gar nicht ansehen, zu welchem Klone es gehört~.

Tiere von dieser Größe kommen in allen acht Klonen vor. Daß zwei

Tiere „~paratypisch~“ gleich sind, sagt nicht, daß sie auch

„idiotypisch“ gleich seien. Macht man mit einem solchen Gemisch einen

Ausleseversuch, wie den in Figur 4 abgebildeten, greift man ~hier~

das kleinste und andererseits das größte Tier heraus, ~dann wird man

allerdings finden, daß das größte Tier eine im Durchschnitt größere

Nachkommenschaft hat, als das kleinste Tier~. Das größte Tier ist

eben, wie ein Blick auf Figur 5 zeigt, sicher ein Tier der zu oberst

abgebildeten Sippe und vererbt zwar nicht seine individuelle Größe,

~wohl aber seinen Sippencharakter~, d. h. es wird eine Nachzucht

geben, die durchschnittlich größer ist, als das Ausgangs~gemisch~.

Ganz entsprechend wird das kleinste Tier ein Tier der zu unterst

abgebildeten Sippe sein und ~deren~ durchschnittliche Kleinheit

weiter vererben. Wenn also hier die Auswahl von weit vom Durchschnitt

abweichenden Tieren ~eine Verschiebung der Durchschnittsgröße in der

Richtung der ausgeübten Auslese~ ergibt, so ist das kein Beweis

dafür, daß die Paravariation irgendwie erblich sei, sondern nur die

Folge davon, ~daß uneinheitliches Ausgangsmaterial vorlag~. Die

stark abweichenden Tiere vererben auch hier nicht eine erworbene

Paravariation, sondern nur ihren ~alt ererbten Sippencharakter~.

Diese Fehlerquelle spielt in der Literatur über Vererbung erworbener

Eigenschaften eine sehr verhängnisvolle Rolle.

Eine ~zweite Fehlerquelle~ in dieser Diskussion ist die, daß sehr

häufig Außeneinflüsse, die auf ein Individuum eingewirkt haben, auch

noch ~mehr oder weniger unmittelbar~ dessen ~Nachkommen~

beeinflussen.

Solche Nachwirkungen kann man sehr oft beobachten. Zieht man von

einer reinen Linie von Bohnen eine große Zahl von Pflanzen heran,

so sind die einzelnen Pflanzen je nach den Ernährungsverhältnissen

usw. ungleich groß und kräftig. Vererbt wird aber auch hier immer nur

der Sippencharakter, d. h. Auswahl von großen oder kleinen Pflanzen

~innerhalb~ einer solchen reinen Linie hat keine Veränderung der

durchschnittlichen Größe zur Folge.

Was für die in Figur 4 abgebildeten Paramaecien gilt, gilt auch für

diesen Bohnenversuch. Man kann nun aber eine Bohnenpflanze halb

verhungern und vertrocknen lassen, so daß sie gerade eben noch

einige runzelige und kleine Samen entwickelt. Die Samen werden dann

Keimpflanzen geben, die in der ersten Zeit ihrer Entwicklung, ~wo

sie nur von den von der Mutter mitbekommenen Vorräten leben~, sehr

schlecht ernährt sind. Sie entwickeln sich infolgedessen zu deutlich

schwächeren Bohnenpflanzen als die unter sonst gleichen Verhältnissen

großgezogenen Nachkommen einer nicht mißhandelten Pflanze der gleichen

Linie. Daß also hier keine „Vererbung der individuellen Paravariation“

der Mutterpflanze vorliegt, ist klar, es haben nur die ~gleichen

ungünstigen Ernährungsverhältnisse, welche die Mutter schon beeinflußt

haben, auch noch auf deren Kinder in ihrem ersten Entwicklungsstadium

eingewirkt~. Eine Generation später ist bei den Bohnen die

Nachwirkung ausgeglichen.

Sehr viel auffälliger sind ähnliche Nachwirkungen von Paravariationen

bei den höheren Tieren. Das ist verständlich, wenn man daran denkt,

daß zunächst bei allen lebend gebärenden Tieren die Embryonen

den ~wesentlichsten Teil ihrer Entwicklung im Mutterleibe

durchlaufen~. Ferner sind aber auch bei vielen Tieren schon

die Eier selbst quasi „vorgreifend“ sehr weit entwickelt, viele

Entwicklungsvorgänge sind schon eingeleitet, es sind bestimmte

„Organ-bildende Substanzen“, „Organ-bildende Bezirke“ im Eiplasma

ausgebildet. Es geht also auch hier ein großer Teil der Entwicklung im

Mutterleibe und damit auch unter dem Einfluß von Außen-Bedingungen vor

sich, die auf die ~Mutter~ einwirken.

Gerade diese Fehlerquelle hat eine große Rolle in den viel genannten

Versuchen von ~Kammerer~ gespielt, von denen auch nicht ein

einziger einigermaßen einwandsfrei ist.

~Alle~ Versuche über die Vererbbarkeit von Paravariationen,

in denen diese und alle anderen Fehlerquellen vermieden sind,

haben eindeutig das Ergebnis, daß eine solche Vererbung ~nicht

stattfindet~.

Es ist natürlich möglich, daß es einmal der Zufall fügt, daß eine

und dieselbe Ursache eine bestimmte Paravariation und auch eine

gleichsinnige Idiovariation auslöst, es wäre also z. B. möglich, daß

die Kultur einer ~Primula sinensis rubra~ in einem ~sehr~

warmen Gewächshaus sowohl eine Paravariation der Blüte hervorruft, wie

auch eine Veränderung des Idioplasmas bewirkt. Es ist auch möglich, daß

~zufällig~ einmal das Ergebnis dieser Idiovariation eine Rasse

ist, die auch bei niederer Temperatur weiße Blüten bildet. Bekannt ist

aber noch ~kein einziger~ Fall eines derartigen Zusammentreffens,

und daß die Wahrscheinlichkeit ~sehr klein~ ist, daß einmal dieser

Fall gefunden wird, ist wohl ohne weiteres klar. Jedenfalls ist gar

keine Rede davon, daß dieser Zusammenhang zwischen Paravariation und

Idiovariation häufig vorkäme oder gar die Regel sei!

Die vorstehenden Gesetzmäßigkeiten gelten für alle daraufhin

untersuchten Organismen. Wir müssen erwarten, daß auch der Mensch keine

Ausnahme macht. Auch nur einigermaßen sicheres Beobachtungsmaterial

hierüber gibt es aber für den Menschen nicht.

Daß auch die körperlichen und geistigen Eigenschaften eines fertig

entwickelten Menschen das Ergebnis zweier Dinge sind: erstens seiner

ererbten Veranlagung, d. h. seiner ererbten idioplasmatischen

Beschaffenheit und ~zweitens~ derjenigen Außeneinflüsse, wie Ernährung,

Erziehung usw., unter denen er sich gerade entwickelt hat, zeigen aber

alle Beobachtungen des täglichen Lebens. Daß klimatische Einflüsse im

weitesten Sinne des Wortes auch bei Menschen Paravariation auslösen,

ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Daß die Menschen eines

Volkes, das zwar ein sehr buntes Rassengemisch darstellt, das aber

in einem bestimmten Gebiet zusammen wohnt, häufig so manche schwer

beschreibbare gemeinsame körperliche und geistige Eigenschaften

aufweisen, hängt wohl ~zum Teil~ hiermit zusammen.

Auch bei allen Untersuchungen über Vererbung bei Menschen müssen wir

uns immer darüber klar sein, daß ein Individuum nicht seine persönliche

Eigenschaftsausbildung vererbt, ~sondern seine selbst schon ererbte

Veranlagung~. Vererbt wird also z. B. nicht ein Leistenbruch, sondern

„eine gewisse Veranlagung einen Leistenbruch zu bekommen“. Ob ein

Mensch mit dieser Veranlagung den Leistenbruch auch wirklich bekommt,

hängt auch von ~anderen~ Faktoren ab. ~Für die weitere Vererbung ist

es aber ganz unwesentlich, ob ein solcher erblich belasteter Mensch

den Leistenbruch -- etwa infolge einer starken Anstrengung oder dgl.

bekommt oder nicht~. Auch ein ~äußerlich gesund~ gebliebener Mensch

vererbt die ~Anlage~ weiter. Bei erblicher Veranlagung zu einer

Krankheit, wo das Auftreten des Krankheitsbildes nur durch ein nicht

allzu häufiges Zusammentreffen von Außenbedingungen bewirkt wird, ist

es dem eben Gesagten entsprechend sehr schwierig, den Erbgang genau

zu verfolgen. Ist z. B. in einer Familie eine mäßige Veranlagung

zum Leistenbruch erblich, so werden nur die wenigen von den mit

diesem Erbübel behafteten Individuen, die irgendwelchen besonderen

~Anstrengungen~ oder dgl. sich aussetzen, auch wirklich einen

Leistenbruch bekommen. Man wird bei der Betrachtung eines Stammbaumes

einer solchen Familie sehr oft den Eindruck einer ganz unregelmäßigen

„launischen“ Vererbung bekommen, auch wenn es sich in Wirklichkeit um

eine sehr regelmäßige Vererbung handelt -- aber eben nicht um eine

Vererbung der persönlichen Beschaffenheit, sondern der „Anlage“.

Es muß ferner im Auge behalten werden, daß auch jeder Mensch einen sehr

großen Teil seiner Entwicklung im Mutterleibe durchmacht, und daß daher

Umwelts-Einflüsse, die auf die Mutter wirken, auch noch für die nächste

Generation folgenschwer sein können. Man wird also mit „Nachwirkungen“

vgl. Seite 19 immer zu rechnen haben.

Das Kind einer erblich nicht mit Tuberkulose belasteten Frau, die aber

eine schwere Tuberkulose etwa infolge ihres Berufes erworben hat und

die durch ihre Tuberkulose in denkbar schlechtestem Ernährungszustand

ist, wird sehr häufig schon von Geburt an schwächlich und weniger

widerstandsfähig sein und deshalb nun besonders leicht auch Tuberkulose

bekommen. So kann also eine ~Vererbung vorgetäuscht~ werden, wo es

sich nur um eine reine ~Nachwirkung~ handelt. In einem äußerlich

durchaus ähnlichen Fall, wo eine Frau mit erblicher Veranlagung für

Tuberkulose -- bedingt durch eine bestimmte Thoraxform, eine gewisse

Mangelhaftigkeit der Lymphdrüsen oder irgend etwas anders -- tuberkulös

wird und dann auch tuberkulöse Kinder bekommt, liegt ~neben~ der

Nachwirkung auch noch eine ~Vererbung~ vor. In einem solchen Fall

zu unterscheiden, was vorliegt, ist sehr schwierig und sehr oft völlig

unmöglich. Jedenfalls ist größte Vorsicht in allen Schlußfolgerungen

und schärfste kritische Betrachtung des Materials in allen solchen

Untersuchungen unerläßlich.

Ebensowenig wie bei allen anderen Organismen Paravariationen erblich

sind, ebensowenig sind sie es auch bei Menschen. Man findet freilich

auch hier die absonderlichsten Vorstellungen weit verbreitet. Man kann

zwar ein nicht musikalisch veranlagtes Kind durch sorgfältige Erziehung

zu einem gewissen Musikverständnis und zu einer gewissen Ausübung von

Musik bringen, aber die in populären Schriften verbreitete Ansicht, daß

Nachkommen von solchen musikalisch ausgebildeten Menschen nun schon von

vorneherein eine ~bessere~ musikalische Veranlagung mit auf die

Welt brächten, als die Eltern, daß es also möglich sei ~einfach auf

dem Wege der Erziehung die erbliche Veranlagung zu steigern, ist völlig

unbegründet~. Durch die Erziehung wird zwar das Einzel-Individuum

stark beeinflußt, aber nicht die erbliche Veranlagung der Nachkommen.

~Ein nach seiner erblichen Veranlagung minderwertiges Volk oder

eine Volksschicht -- etwa die Neger in den Vereinigten Staaten von

Nord-Amerika -- wird durch die Erziehung und den Einfluß der Kultur

zwar in seinen Einzel-Individuen gehoben, aber damit wird die Rasse als

solche nicht verändert.~

b) ~Die Mixovariation.~

Bei der ~geschlechtlichen~ Fortpflanzung wird meistens die

erbliche Beschaffenheit der beiden Eltern mehr oder weniger

verschieden sein. Der Fall, daß die beiden zur Vereinigung gelangenden

Geschlechtszellen erblich völlig ~gleich~ sind, dürfte fast

ausschließlich bei den Selbstbefruchtern vorkommen, d. h. denjenigen

zwitterigen Pflanzen und Tieren, wo sich immer die beiderlei

Geschlechtszellen ~desselben~ Individuums vereinigen. Sind aber

die beiden sich vereinigenden Geschlechtszellen erblich nicht gleich,

so ergibt das eine sehr große Verwickelung des Vererbungsverlaufes

und ist die Quelle derjenigen Variationserscheinungen, die wir als

~Mixovariationen~ bezeichnen.

[Illustration: Fig. 6.

Kreuzung einer elfenbeinfarbigen (a) mit einer roten (b) Rasse des

Gartenlöwenmauls (_Antirrhinum majus_). Die Bastard (c) ist blaßrot,

die Nachkommenschaft des Bastardes, gewonnen durch Selbstbefruchtung

oder durch gegenseitige Befruchtung zweier solcher Bastarde besteht

aus rein roten (d) blaßroten (e) und elfenbeinfarbigen Pflanzen in der

Häufigkeit von 1 rot: 2 blaßrot: 1 elfenbein.]

Um die hier geltenden Gesetzmäßigkeiten kennen zu lernen, gehen wir

ebenfalls wieder aus von einem einfachen Fall. Wir kreuzen etwa zwei

Pflanzen von ~Antirrhinum majus~ (dem Gartenlöwenmaul) und zwar ein

elfenbeinfarbiges (Fig. 6a) aus einer reinen elfenbeinfarbigen Rasse

und ein rotes (Fig. 6b) aus einer reinen roten Rasse. Für diese beiden

Pflanzen führen wir eine bestimmte Bezeichnung mit Buchstaben ein:

Jede Pflanze entsteht aus der Vereinigung zweier Geschlechtszellen.

Eine Geschlechtszelle einer reinen roten Rasse wollen wir mit #F#

und die durch die Vereinigung zweier solcher Zellen entstandene

rote Pflanze mit #FF# bezeichnen. Ganz entsprechend sollen die

Geschlechtszellen der elfenbeinfarbigen Pflanze #f# und sie selbst #ff#

heißen. Wenn wir einen Bastard zwischen einer roten Pflanze #FF# und

einer elfenbeinfarbigen #ff# erzeugen, indem wir eine etwa weibliche

Geschlechtszelle #F# sich vereinigen lassen mit einer männlichen #f#,

oder was ganz einerlei ist, eine weibliche Geschlechtszelle #f# mit

einer männlichen #F#, so erhalten wir eine Pflanze mit der Bezeichnung

#Ff#, oder #fF#, d. h. einen ~Bastard~, oder wie der Fachausdruck

heißt, ein ~heterozygotisches~, „ungleicherbiges“ (durch Vereinigung

ungleichartiger Geschlechtszellen entstandenes) Individuum. Im

Gegensatz dazu heißt man ein Lebewesen, das durch die Vereinigung

zweier gleichartiger Geschlechtszellen entstanden ist, ~homozygotisch~

(gleicherbig). Ein solcher ~Antirrhinum~-Bastard wird nun weder

elfenbeinfarbig wie der eine Elter, noch rot wie der andere, sondern

~blaßrot~ blühen (Fig. 6c). Er hat nur von dem einem -- dem roten --

Elter die „Fähigkeit zur Bildung roter Blütenfarbe“ geerbt, und das

äußert sich darin, daß er eine wesentlich ~blassere~ Farbe aufweist.

Soweit ist an dem nichts unerwartetes, um so auffälliger ist aber

das Verhalten der Nachkommenschaft eines solchen Bastards: Wenn wir

eine Anzahl Bastarde sich untereinander befruchten lassen, oder wenn

wir, was ohne Schaden ausführbar ist, einen davon mit seinem eigenen

Blütenstaub befruchten, dann erhalten wir eine Nachkommenschaft,

die aus ~dreierlei~ verschiedenen Pflanzen besteht. Ein Teil dieser

Bastardkinder hat ~rote~ Blüten, genau wie die eine Ausgangsrasse,

ein ~zweiter~ Teil hat ~elfenbeinfarbige~ Blüten wie die andere

Ausgangsrasse und ein ~dritter~ Teil hat ~blaßrote~ Blüten wie der

ursprüngliche Bastard. Wenn man viele solche Enkel der ursprünglichen

gekreuzten Pflanzen großzieht, dann kann man leicht feststellen,

daß die drei Gruppen, die roten, blaßroten und elfenbeinfarbigen

Pflanzen untereinander im Verhältnis von 1:2:1 stehen, d. h. von 100

Pflanzen werden etwa 25 rot, 50 blaßrot und 25 elfenbeinfarbig sein.

Die wirklich gefundenen Zahlen aus einem Versuch von 97 Pflanzen

sind z. B. 22 rot, 52 blaßrot und 23 elfenbeinfarbig. Die auf diese

Weise gewonnenen ~roten~ Pflanzen geben ausschließlich eine ~rote~

Nachkommenschaft, die ~elfenbeinfarbigen~ haben nur elfenbeinfarbige

Nachkommen, aber die ~blaßroten~ Individuen verhalten sich ~genau wie

der erste ursprüngliche Bastard~ #Ff#, d. h. spalten wieder auf in 1/4

rote, 2/4 blaßrote und 1/4 elfenbeinfarbige Nachkommen. In Form eines

Stammbaumes ist der Versuch folgendermaßen darstellbar:

rot × elfenbein #P_{1}#

\______________ _______________/

\_______ ________/

blaßrot #F_{1}#

________________________/ : : \_______________________________

/ / \ \

(1/4) rot (1/4) blaßrot-----/ | \---------(1/4) blaßrot |(1/4) elfen-

: | : | : | : bein

: | : : | : : | : #F_{2}#

: | : : : | : : : | :

: | : : : : | : : : : | :

: | : : : : | : : : : | :

: | : : : : | : : : : | :

: | : : : : | : : : : | :

alle|(1/4) (1/4) (1/4) (1/4)|(1/4) (1/4) (1/4) (1/4)| alle

rot | rot, blaß- blaß- elfen-| rot, blaß- blaß- elfen-|elfenbein

| rot, rot, bein | rot, rot, bein | #F_{3}#

Man bezeichnet mit den hier ebenso wie in Fig. 6 an der rechten

Seite beigedruckten Buchstaben P_{1}, F_{1}, F_{2}, F_{3}

folgendes: P_{1} ist die erste ~Parentalgeneration~, d. h. die

ursprünglich zur Kreuzung verwendeten Individuen, F_{1} ist die erste

~Filialgeneration~, d. h. die primären Bastarde, F_{2}, F_{3} usw.

sind die späteren Bastardgenerationen. Ganz entsprechend ist P_{2} die

Elterngeneration von P_{1} usw.

Ein Verständnis dieser ganzen eigentümlichen Spaltungserscheinungen,

dieser „alternativen Vererbung“, gibt die von ~Mendel~ aufgestellte,

heute allgemein angenommene Theorie, ~daß jeder derartige Bastard

zweierlei Arten von Geschlechtszellen bildet~, nämlich 50%

„väterliche“ und 50% „mütterliche“. Nach dieser Theorie bildet also

unser Antirrhinum-Bastard #Ff# zweierlei Arten von Eizellen und

Pollenkörnern, und zwar ist die eine Hälfte davon ganz genau von der

Art #F#, verhält sich ganz ebenso wie die Geschlechtszellen einer

homozygotischen #FF#-Pflanze, und die andere Hälfte ist genau gleich

den Geschlechtszellen #f# der elfenbeinfarbigen Rasse #ff#. Wenn wir

den Bastard mit seinem eigenen Blütenstaub befruchten, oder wenn wir

mehrere solcher Bastarde einander gegenseitig befruchten lassen,

dann können die beiden verschiedenen Arten -- #F# und #f# -- von

Geschlechtszellen ~sich in vier verschiedenen Weisen vereinigen~:

Eine Eizelle #F# kann treffen ein Pollenkorn #F# und gibt

eine Pflanze #FF#, die rot blüht; eine Eizelle #F# kann

treffen ein Pollenkorn #f# und gibt eine Pflanze #Ff#,

die blaßrot blüht; eine Eizelle #f# kann treffen ein

Pollenkorn #F# und gibt eine Pflanze #fF#, die blaßrot

blüht; eine Eizelle #f# kann treffen ein Pollenkorn #f#

und gibt eine Pflanze #ff#, die elfenbeinfarbig blüht.

Alle vier möglichen Vereinigungen haben die ~gleiche~

Wahrscheinlichkeit, wir werden darum erwarten dürfen, daß in der

Nachkommenschaft eines solchen Bastardes alle vier gleich häufig

verwirklicht werden, und daß dementsprechend diese vier Arten von

Pflanzen: #FF#, #Ff#, #fF#, #ff# in annähernd gleichen Verhältnissen

vorkommen werden. Theoretisch ist daher zu erwarten, daß die

Nachkommenschaft eines solchen Bastards zusammengesetzt sein wird aus:

1/4 Pflanzen, entstanden als #F#×#F# d. h. homozygotisch rot

" " " " #F#×#f# " " heterozygotisch blaßrot

" " " " #f#×#F# " " " "

" " " " #f#×#f# " " homozygotisch elfenbein.

Es ist möglich gewesen, auf Grund der Theorie auch das Ergebnis von

weiteren Versuchen vorherzusagen und so die Theorie zu prüfen. Das gilt

besonders für die ~Rückkreuzung~ eines Bastardes: Wir befruchten

etwa unseren Bastard #Ff# mit Blütenstaub der elfenbeinfarbigen

Elternpflanze #ff# oder einer anderen elfenbeinfarbigen Pflanze

der gleichen Sippe. Nach der Hypothese bildet der Bastard zweierlei

Eizellen, die eine Hälfte der Eizellen überträgt nur das Merkmal rote

Blütenfarbe, die andere Hälfte überträgt nur das Merkmal elfenbein

Blütenfarbe. Wenn wir einen solchen Bastard befruchteten mit einer

#ff#-Pflanze, deren Pollenkörner ~sämtliche~ nur das Merkmal

elfenbeinfarbige Blüte übertragen, dann müssen 50% der so entstehenden

Nachkommen gebildet werden durch Vereinigung einer #F#-Eizelle

mit einem #f#-Pollenkorn und 50% durch die Vereinigung einer

#f#-Eizelle mit einem #f#-Pollenkorn. Es müssen demnach bei

einer solchen Rückkreuzung entstehen: 50% Pflanzen von der Formel

#Ff#, d. h. blaßrote Heterozygoten und 50% Pflanzen von der Formel

#ff#, d. h. elfenbeinfarbige weiterhin rein weitervererbende

Pflanzen. Das auf Grund der Theorie vorherzusagende Ergebnis trifft

auch tatsächlich ein, man erhält in entsprechenden Versuchen zu fast

gleichen Teilen einerseits elfenbeinfarbige weiterhin konstante, und

andererseits blaßrote weiterhin aufmendelnde Pflanzen.

In dem gebrauchten Beispiele sind die Bastarde leicht an ihrer

blaßroten Farbe zu erkennen. Die Bastarde nehmen also gewissermaßen

eine Art Mittelstellung zwischen den Eltern ein, sind „intermediäre“

Bastarde. So ist die Sachlage zwar sehr häufig aber durchaus nicht

immer! Das Aussehen der Heterozygoten kann auch ein ganz anderes sein.

Ein Fall, der ganz besonders häufig vorkommt, ist der, daß die

Heterozygoten ganz dem einen Elter gleichen, „goneoklin“ sind,

z. B. wenn wir eine schwarze Maus kreuzen mit einer weißen, so

erhalten wir Bastarde, die schwarz aussehen und äußerlich nicht von

den homozygotischen schwarzen Tieren zu unterscheiden sind. F_{2}

einer solchen Kreuzung besteht demnach, äußerlich betrachtet, zu

3/4 aus schwarzen und zu 1/4 aus weißen Tieren. Eine Prüfung der

Nachkommenschaft der schwarzen Tiere zeigt aber, daß auch hier

~ein~ Teil von ihnen homozygotisch schwarz, zwei andere Teile

von ihnen aber heterozygotisch schwarz sind. Auch hier sind also

in Wirklichkeit die Verhältnisse die gleichen wie bei den vorhin

besprochenen Bastarden zwischen den roten und den elfenbeinfarbigen

Löwenmäulchen.

[Illustration: Fig. 7.

Kreuzung einer roten pelorischen (a) mit einer elfenbeinfarbigen

normalen Rasse (b) von _Antirrhinum majus_. Die Bastarde (c) wird

blaßrot normal. Die F_{1}-Generation besteht aus roten und blassroten

normalen (d), roten und blaßroten pelorischen (e) elfenbeinfarbigen

normalen (f) und elfenbeinfarbigen pelorischen (g) Pflanzen im

Verhältnis von:

9 +- dunkel rot normal 3 elfenbein normal

3 +- „ „ pelorisch 1 „ pelorisch

Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene (1/2) Menschliche Erblichkeitslehre · 第 27 / 64 题