bei macerirten Früchten.“ Berliner klin. Wochenschr. 1882, Nr. 34)
färbt sich einige Tage nach dem Tode zuerst der Glaskörper, dann, und
zwar centripetal, die Linse. Letztere zeigt nach 3 Wochen regelmässig
einen rothen Farbenton.
[496] +Oesterlein+, Handb. d. med. Statistik, pag. 100.
[497] Ibidem, pag. 101. Die Zahl der Todtgeborenen beträgt 4-5% aller
Geborenen, so dass durchschnittlich auf 20 Geburten eine Todtgeburt
kommt.
[498] Literatur des Gegenstandes vide Krahmer’s Lehrb., 1875, pag. 132.
+Hecker+, „Zur Lehre von der Todesart des Kindes während der Geburt.“
Verh. der Berliner Ges. f. Geburtsh. 1853, pag. 145. +Schwartz+, „Die
vorzeitigen Athembewegungen.“ Leipzig 1858. Böhr, „Ueber das Athmen der
Kinder vor der Geburt“. Henke’s Zeitschr. 1863, XLIII, pag. 1. +B. S.
Schultze+, „Zur Kenntniss von der Einwirkung des Geburtsactes auf die
Frucht etc.“ Arch. f. path. Anat. und Physiol. 1866, XXXVII, pag. 145.
+Senator+, „Ueber den Tod des Kindes in der Geburt“. Vierteljahrschrift
f. gerichtl. Med. 1886, IV, 99. +E. Hofmann+, „Ueber vorzeitige
Athembewegungen in forensischer Beziehung“. Ibid. 1873, XIX, 217.
+Schwartz+, Arch. f. Gyn. I, pag. 361.
[499] Das +Meconium+ besteht vorzugsweise aus Vernix caseosa und
Gallenfarbstoff, namentlich enthält es eine Menge schon makroskopisch
kennbarer Wollhaare. Es kann daher kein Zweifel darüber bestehen,
dass der Fötus auch noch in den späteren Perioden der Schwangerschaft
Fruchtwasser schluckt. Zu welchem Zwecke ist allerdings vorläufig
unbekannt. Bemerkt sei hier, dass nicht selten das Meconium nur in den
unteren Abschnitten des Dickdarms die bekannte dunkelgrüne, in den
oberen, namentlich im aufsteigenden Ast, eine gelblichbraune Farbe
zeigt. Letzteres, welches vorzugsweise die Elemente geschluckten
Fruchtwassers enthält, nennt +Huber+ (Friedreich’s Bl. 1884, pag. 24)
das M. amnioticum, ersteres aber das M. hepaticum, welches reichlichen
Schleim, Gallenfarbstoff und abgestossene Darmepithelien enthält.
Der Gallenfarbstoff findet sich theils diffus, theils in Schollen
(+Huber+’s „Meconkörper“), die vielleicht nur gallig imbibirte
gequollene Darmepithelien sind. -- Der Darminhalt der Neugeborenen ist
frei von Bacterien, doch finden sich solche schon 3-7 Stunden post
partum im Inhalte des Rectums (+Escherich+, Virchow’s Jahrb. 1886, I,
pag. 222).
[500] Untersuchungen über die Compression des Schädels bei der Geburt
vide +Fehling+, Arch. f. Gyn. 1874, VI, pag. 68.
[501] Virchow’s Arch. XXXVII, 519.
[502] +Skrzeczka+, Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1869, XI, pag. 75.
[503] Behufs Untersuchung der Pupillarmembran ist der Bulbus zu
enucleiren und quer zu durchschneiden; hierauf wird unter Wasser die
Chorioidea sammt Ciliarkörper und Iris mit dem Griff des Scalpells
abgestreift, dann die Iris auf einem Objectträger ausgebreitet und die
Pupille theils mit freiem Auge, theils mit der Loupe untersucht.
[504] „Die Stirnfontanellen und der Horizontalumfang des Schädels.“
Arch. f. Gyn. 1875, VII, 506. +Fehling+ verwerthet den Horizontalumfang
auch für die Bestimmung der Lebensfähigkeit und ist der Meinung, dass
nur Früchte, die einen Horizontalumfang von mindestens 30 Cm. haben,
mit einiger Wahrscheinlichkeit als lebensfähig erklärt werden können.
Damit stimmen auch die sehr sorgfältigen Untersuchungen von +Körber+ in
Dorpat (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1884, XL, 225) über Gewicht
und Maasse Neugeborener mit Rücksicht auf die Frage der Lebensfähigkeit
überein.
[505] Eine neuere Arbeit „Ueber den Werth der einzelnen Reifezeichen
bei Neugeborenen“ von +Frank+ s. Arch. f. Gyn. 1894, XXVIII, pag. 163.
[506] Monatschr. f. Geburtsk. 1860, XVI, 75; 1862, XIX, 339 und
1865 XXVI, 348. Arch. f. Gyn. 1871, II, 48 (+Gregory+), dt. 1873, V
(+Kézmárszky+), pag. 547, Med. Centralbl. 1876, pag. 427 (+Ingerslev+)
und +Townsend+ (The so-called physiological lose in infants. Ibid.
1887, pag. 685.)
[507] Ein Fall von +freiwilliger+ Entbindung einer Frau im Stehen wird
von +Cordwent+ (Arch. f. Gyn. XIII, 212) mitgetheilt.
[508] Wir obducirten ein unreifes Kind, welches an Verbrühung durch
heissen Camillenthee gestorben war. Das Kind stammte von einem
16jährigen Mädchen, welches von seiner Mutter der vermeintlichen
Kolikschmerzen wegen auf ein mit dem Theeaufguss gefülltes Gefäss
gesetzt worden war und in dieser Lage entbunden hatte.
[509] Bei dem oben erwähnten, vor dem Wiener Gebärhaus im Stehen sammt
der Placenta geborenen Kinde fanden wir blos die Nabelvene, und zwar
innerhalb der Bauchhöhle unterhalb des Peritoneums durchrissen und
letzteres entlang des Gefässes in weitem Umfang blutig suffundirt.
Am Schädel fanden sich trotz vorhandenen Ossificationsdefecten nur
zwei unbedeutende Fissuren des inneren Randes beider Scheitelbeine.
Bei einem anderen im Hofe des allgemeinen Krankenhauses im Stehen
geborenen und unbeschädigt gebliebenen Kinde war die uns von Dr.
+Pritzl+ überlassene Nabelschnur ziemlich in der Mitte gerissen.
Auch +Koch+ bringt einen solchen Fall, wo sich ausserdem noch 3
andere Einrisse am portalen Theile der Nabelschnur fanden (solche hat
auch +Winckel+ mehrfach beobachtet) und einen anderen, wo sich bei
unverletzter Amnionscheide je eine Sugillation nahe am Nabel und an der
Placentarinsertion fand.
[510] Von einem auf +C. v. Braun+’s Klinik vorgekommenen Falle. Die
Frau war mit Zwillingen schwanger. Die Sturzgeburt erfolgte im Stehen
in dem Momente, als die Kreissende sich ankleidete, um auf den Abort
zu gehen. Die im Ganzen 42 Cm. lange Nabelschnur riss 12 Cm. vom
Nabel, das 2200 Grm. schwere Kind fiel auf den Boden und erlitt eine
Fissur des rechten Seitenwandbeines, blieb jedoch am Leben. Der zweite
Zwilling wurde normal geboren. Placenta und Nabelschnur wurden unserem
Museum überlassen.
[511] Wir haben ein Kind obducirt, welches, während sich die Hebamme
mit der Entbundenen beschäftigte, sich aus der +unterbundenen+
Nabelschnur verblutet hatte. Das Kind war nach der Abnabelung
eingewickelt und bei Seite gelegt worden, und als die Hebamme nach
etwa einer Stunde nachsah, war das Kind voll Blut und agonisirend.
Ein gleicher Fall kam 1894 zur Beobachtung. In diesen Fällen muss
untersucht werden, ob die Nabelschnur entweder gar nicht oder schlecht
unterbunden war. Doch es kann auch vorkommen, dass die gut angelegt
gewesene Schlinge durch Verdunstung oder Aufsaugung der Flüssigkeit des
Nabelschnurendes sich nachträglich lockert.
[512] Prager Vierteljahrschr. CXXIII, 53: „Zur Kenntniss der
natürlichen Spalten und Ossificationsdefecte am Schädel Neugeborener.“
[513] Ein anderer Fall, in welchem bei einem 6jährigen (!) Mädchen eine
embryonale Hinterhauptsspalte für eine Fissur gehalten wurde, findet
sich in Schmidt’s Jahrb. 1851, Bd. LXIX, 224.
[514] +O. Küstner+ (Jena’sche Zeitschr. f. Naturw. 1866, XX, Suppl.
I, pag. 9 und Centralbl. f. Gyn. 1886, Nr. 9 u. 25) hat die Bildung
eines solchen Hämatoms im linken Sternocleidomastoideus bei einer
Steissgeburt beobachtet, die ohne jeden Eingriff verlief und hat sich
durch Versuche überzeugt, dass erhebliche Dehnungen dieses Muskels
und daher solche Hämatome nicht durch Längsdehnung und Streckung des
Halses, sondern durch Torsion desselben mit dem Gesichte nach der
gleichnamigen Seite zu Stande kommen. Auch bei Selbsthilfe können sie
nur durch eine solche Torsion oder durch directe Quetschung sich bilden.
[515] Auch die Verwirrung kann die Mutter mitunter verhindern, das
richtige zu thun. So unterliess dieselbe in einem unserer Fälle, das
Kind aus einem Schaff, in welches dasselbe gefallen war, herauszuziehen
und rief statt dessen um Hilfe. Die Anklage behauptete, dass die Mutter
absichtlich unterlassen habe, das Kind zu retten, es kam aber hervor,
dass auch eine Zeugin, welche herbeigeeilt war und das Kind in der
Flüssigkeit liegen sah, statt dasselbe herauszuziehen, erschreckt aus
der Stube lief, um noch eine andere Frau herbeizuholen. Siehe auch den
auf pag. 805 mitgetheilten Fall.
[516] In der Agonie und kurz nach dem Tode erweitern sich die
Pupillen in der Regel, um sich dann wieder etwas zu verengern, welche
Verengerung nach +Marschall+ etwa 1 Stunde nach dem Tode beginnt,
und durch 3-4 Tage andauert. Häufig ist die Contraction ungleich.
+Schmeichler+ (Wiener med. Wochenschrift. 1885, Nr. 39) fand, dass
die Pupillen nach dem Tode immer etwas weiter werden als sie vor
dem Tode sind und dass bei einem Paralytiker, dessen rechte Pupille
während des Lebens seit längerer Zeit weiter als die linke war, bei
der Section der Befund gerade umgekehrt war. Es scheint, dass diese
postmortalen Veränderungen der Pupillenweite ausser durch Contraction,
respective Erschlaffung der Irismuskeln, auch durch Veränderungen
des intraoculären Druckes bedingt werden, dessen Abnahme auch
Formveränderungen der Pupille erzeugte. Siehe auch Virchow’s Jahresb.
1888, I, 162 (Beobachtungen an abgeschlagenen Köpfen) und 1887, I, 503
(Verhalten der Augenlider nach dem Tode).
[517] Das Wenige über das Verhalten der Temperatur beim acuten
gewaltsamen Tode Bekannte vide unsere „Leichenerscheinungen“.
Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. XXV, 236, ebenso die Arbeit von
+Schlemmer+ und +Tamassia+, „Del decorso della temperatura nelle morti
violenti“. Rivista sperim. di freniatria e med. legale. Anno II,
Fascicolo V, VI, und +Tamassia+, „Temperatura negl’ avvelenamenti“.
Ibidem, Anno III, Fasc. II, 265.
[518] Nach vernachlässigten Schulterlagen fanden wir wiederholt an dem
todt extrahirten Kinde ausser der Geburtsgeschwulst in der vorgelagert
gewesenen Schulter- und Brustgegend auch die betreffende Lunge dunkler
und blutreicher, so dass sie auffallend von der anderen abstach.
Offenbar handelte es sich ebenfalls um eine hypostatische Erscheinung.
[519] Die sogenannte Gänsehaut ist vielleicht eine Fixirung der
vitalen Contraction glatter Muskelfasern durch die Todtenstarre.
Bezüglich des Herzens hat +Strassmann+ (Vierteljahrschr. f.
gerichtl. Med. 1889, LI, 300) an Thieren constatirt, dass es bei
keiner Todesart zu einem systolischen Herzstillstand kommt. Immer,
selbst nach Strychninvergiftung, fand sich das Herz in Diastole und
weich. Erst durch die Todtenstarre ändert sich dieses Verhältniss
und man findet bei der späteren Untersuchung fast stets den linken
Ventrikel fest contrahirt und seines Inhaltes grösstentheils oder
ganz entleert. Wir dagegen haben bei eben getödteten Thieren das Herz
nicht selten contrahirt gefunden (Wiener med. Presse, 1890, Nr. 37).
+A. Paltauf+ (Prager med. Wochenschr. 1892, Nr. 6), fand, dass nach
Strychninvergiftung mit geringen Dosen die Todtenstarre in gewöhnlicher
Weise, nach grösseren schon nach 5 Minuten eintrete, ebenso nach
Vergiftung mit Picrotoxin, nicht aber mit Veratrin und Physostigmin.
In der Wiener Naturforscherversammlung berichtete aber +Schlesinger+
über zwei genau beobachtete Fälle von Tetanie bei Magenerweiterung, in
welchen der Tod im Krampfanfalle eingetreten war und sofortige Fixation
der Krampfstellung durch die Todtenstarre constatirt wurde. Da Trismus
bestanden hatte, öffnete sich auch der Mund an der Leiche nicht!
[520] Obgleich der erstarrende +isolirte+ Muskel thatsächlich sich
verkürzt, so wird doch, da an der Leiche gleichzeitig die Antagonisten
erstarren, durch den Rigor mortis keine Locomotion grösserer
Gliedmassen veranlasst. Auch die Locomotion kleiner Glieder, namentlich
ein leichtes Beugen der Finger durch diese Ursache, ist noch keineswegs
erwiesen, obgleich wegen Prävalenz der Beuger möglich. Zweifellos
kommen Locomotionen bei der „Wärmestarre“, besonders wenn sie die
Muskelgruppe ungleichmässig befällt, vor. An den Ringtheaterleichen
wurden thatsächlich solche Bewegungen beobachtet und auch für vitale
gehalten. Von den dadurch veranlassten Contractionen, welche, wie
+Becker+ (1894) fand, zunächst die oberflächlichen und massigen Muskeln
betreffen, rühren die mitunter grotesken Stellungen her, in welchen
halbverkohlte Leichen gefunden werden. Ob die nach Cholera beobachteten
postmortalen Zuckungen der Finger mit der Todtenstarre in Verbindung
stehen, ist noch fraglich.
[521] +Brown+-+Séquard+ (Compt. rendus. C. III, pag. 602; Med.
Centralbl. 1886, 948) zog in letzter Zeit diese Anschauung in Zweifel
und hält die Todtenstarre für eine wirkliche, letzte Contraction des
Muskels vor seinem Absterben. Auch +Bierfreund+ (Pflüger’s Archiv.
1888, XLIII, pag. 195) gelangt zu demselben Schlusse und ebenso glaubt
+Tamassia+ (Virchow’s Jahrb. 1884. I, 462) auf Grund seiner Versuche,
dass ausser physischen und chemischen Veränderungen des Myosins noch
andere, vorläufig unbekannte Einflüsse eine Rolle spielen. Unserer
Meinung nach wäre es, um endlich bezüglich des eigentlichen Wesens
der Todtenstarre in’s Klare zu kommen, angezeigt, mit dem angeblichen
Myosin als solchem Versuche anzustellen, insbesondere über die
Bedingungen, unter welchen es gerinnt und wieder sich löst.
[522] Ueber die Ursache dieser Verfärbung s. unsere
„Leichenerscheinungen“ und neuere Arbeiten von +Pellacani+ (Virchow’s
Jahresb. 1884, I, 463) und +Schrank+ (Grüne Färbung fauler Eier. Wiener
med. Jahrb. 1888, pag. 303).
[523] Bevor dies geschieht, können durch den Druck der Fäulnissgase
verschiedene Veränderungen geschehen. Eine der gewöhnlichsten ist das
Heraustreiben des Mageninhaltes durch den Oesophagus nach aussen,
wodurch dieser dann auch in die Luftwege gelangen kann. Ebenso
gewöhnlich ist die Vortreibung der Augäpfel. Weniger bekannt ist
die Vortreibung der Schleimhaut des Mastdarms und der weiblichen
Genitalien, welche Vorfälle vortäuschen kann. Mitunter können
aber auch bei weiblichen sehr faulen Leichen Eingeweide durch das
Becken herausgedrängt werden (+Swaving+ in Batavia: „Austritt von
Darmschlingen durch die Genitalien bei faulen Wasserleichen.“ Schmidt’s
Jahrb. 1855, LXXXVIII, pag. 368), oder bei Schwangerschaft die
betreffende Frucht. Dies scheint namentlich bei während der Entbindung
Gestorbenen leichter vorzukommen. Einen derartigen Fall nebst
Zusammenstellung zahlreicher Fälle von sogenannter „Sarggeburt“ bringt
+Bleisch+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1892, III, pag. 38) und
einen neueren von +Perrando+ und +Moriz+ (Virchow’s Jahrb. 1893, I,
pag. 490).
[524] Seitdem haben +Lehmann+ (Würzburger Sitzungsb. 1888, pag. 19)
und +Voit+ (Münchener Wochenschrift 1888, pag. 518) durch sorgfältige
Versuche gefunden, dass sich in der That aus Eiweiss Fett bilden könne.
Die Mengen sind aber so gering (nach +Lehmann+ 3·70 und nach +Voit+
2 Fettsäuren pro 100 Fleisch), dass dieser Vorgang bei der Bildung
compacter Fettwachsmassen keine wesentliche Rolle spielen kann.
[525] +Zillner+ hat auch die Vermuthung ausgesprochen, dass
diese Ortswanderung der Fette auch schon im früheren Stadium der
colliquativen Fäulniss eintreten könne. Unsere weiteren Beobachtungen
haben diese Vermuthung insoferne bestätigt, als wir fanden, dass,
wie schon +Tamassia+ (Virchow’s Jahrb. 1883, I, 517) erwähnt, schon
frühzeitig mit dem beginnenden putriden Zerfall der Gewebe insbesondere
im Fettgewebe massenhaft Fett frei wird, welches nicht blos in das
Zwischengewebe und in seröse Säcke, sondern auch in das Lumen der
Gefässe gelangen und in diesen sogar durch den Druck der Fäulnissgase
weiter befördert werden kann. So fanden wir bei einer an CO-Vergiftung
verstorbenen, erst mehrere Tage nach dem Tode in ihrer Wohnung
gefundenen hochgradig durch Fäulniss gedunsenen alten Frau grosse
Mengen wie geronnen aussehenden Fettes im rechten Sinus transversus,
in der rechten V. jugularis, im rechten Herzen, vorzugsweise aber im
oberen Antheil der Vena cava ascendens. Offenbar stammte das Fett aus
der hochgradig faulenden Leber.
[526] +Strassmann+ und +Strecker+, „Bacterien bei der Leichenfäulniss“.
Zeitschr. f. Medicinalb. 1888, pag 65. +Hoffa+, Münchner med.
Wochenschr. 1891, Nr. 14, +Ottolenghi+ und +Kijanicin+, Virchow’s
Jahrb. 1892, I, pag. 472.
[527] Ueber das Auftreten der Insecten und deren Larven in an
der Luft liegenden Leichen und die Verwerthung derselben für
Todeszeitbestimmungen hat insbesondere +Megnin+ (Virchow’s Jahrb.
1883, I, 517) geschrieben. Frühzeitig beginnen Fliegenmaden und
einzelne Coleopteren (Sylphen) ihre Arbeit, welche die Weichtheile
und das Fett aufzehren, dazu kommen die Larven von Dermestes, welche
die Ueberbleibsel des Fettes consumiren. Die mumificirten Reste
werden, und zwar gewöhnlich erst im zweiten Jahre, von Myriaden von
Anthrenen und Acarinen attaquirt, welche schliesslich eine die Knochen
bedeckende pulverige Masse zurücklassen, welche aus den Excrementen
der betreffenden Insecten und ihrer Larven, sowie aus deren Häuten
und Puppenhülsen bestehen. Weitere Angaben über die Gräberfauna von
+Reinhard+, +Megnin+, +Jovanovitsch+ und +Handlirsch+ vide Virchow’s
Jahrb. 1888, I, pag. 467 und 1894. Daselbst auch eine Mittheilung von
+Raimondi+ und +Rossi+ über Flohkrebse auf Wasserleichen.
[528] Flüssige Fette (Oele) dienen bekanntlich zur Conservirung
verschiedener fäulnissfähiger Nahrungsmittel. Wahrscheinlich wurde
im Alterthum das Oel hier und da auch zur Conservirung menschlicher
Leichen angewendet. Ein interessantes Beispiel davon scheint die von
+H. Thode+ (Mittheilung des Institutes f. österr. Geschichtsforschung.
1883, IV, pag. 75) besprochene „römische Leiche vom Jahre 1485“
gewesen zu sein, welche in der Via Appia in einem mit Blei verlötheten
Marmorsarkophage ausgegraben wurde, wohlerhalten war, biegsame Glieder
hatte, von einer eingedickten wohlriechenden Flüssigkeit umgeben war
und in der man +Cicero+’s Tochter +Julie+ vermuthet.
[529] „Wiener med. Wochenschr.“ 1879, Nr. 5-7: „Zwei aus dem Wasser
gezogene Skelette.“
[530] „Eine Zusammenstellung der Befunde an 45 exhumirten Leichen auf
dem Friedhofe zu Hohenwart im Jahre 1864.“ Aerztl. Intelligenzblatt.
1886, pag. 50.
[531] Elfter Jahresbericht des sächsischen Landes-Medicinal-Collegiums.
Leipzig 1881, pag. 174.
[532] Gerichtliche Ausgrabungen. II, pag. 431.
[533] Die Körpermessung zum Zwecke der Identification lebender und
todter Personen wurde von +A. Bertillon+ in ein System gebracht und
ist in Frankreich, besonders in der Pariser Polizeipräfectur, als
„Bertillonage“ eingeführt. Die Messungen betreffen nicht blos die
Körper als Ganzes (Länge, Spannweite, Sitzhöhe), sondern auch die
einzelnen Theile. Die Methode ist praktisch, leicht durchführbar
und hat sich bereits bewährt. Näheres darüber mit Abbildungen: „Das
anthropologische Signalement“ von +A. Bertillon+. Zweite Auflage.
Autorisirte deutsche Ausgabe von Professor +v. Sury+ in Basel. 1895.
[534] Eine ansehnliche Zahl von Fällen crimineller Zerstücklung von
Leichen haben +Lacassagne+ (Arch. de l’anthropol. crim. 1888, III, pag.
229) und +Ravoux+ (Lyoner These. 1888) zusammengestellt.
[535] Ueber die zuerst von +Zuckerkandl+ näher verfolgte Entwicklung
der „Zahnsäckchen“ und „Zahnscherbchen“ beim Embryo und Neugeborenen
siehe +Mauczka+: „Die Zähne vom gerichtsärztlichen Standpunkte.“
Oesterr. Vierteljahrschr. f. Zahnheilkunde, 1892, VIII.
[536] Dass sich diese Quernähte des Körpers des Brustbeins bis in’s
höhere Alter hinein erhalten, ist ein sehr seltenes Vorkommniss. In
unserem Museum befindet sich ein solcher Fall. Er betrifft das Skelet
eines 43jährigen Mannes, welcher sein Weib erstochen und dann sich
selbst ertränkt hatte.
[537] Im 20. Jahre ist die Verwachsung gewöhnlich vollendet, doch ist
die Epiphyse von der Diaphyse am Durchschnitt noch einige Zeit durch
hellere Farbe und lockeres Gefüge differenzirt und durch eine feine
Knochenleiste getrennt. Nach +Wachholz+ (l. c.) wird der vollständige
Schwund der Knorpelfuge bei Frauen zwischen 17 und 18, bei Männern
zwischen 20 und 21 Jahren beobachtet. Die Knochenleiste beginnt sich
um das 15., beziehungsweise 17. Jahr zu bilden und erhält sich meist
bis zum 30. Jahr. Die Diaphysen-Markhöhle reicht bei Frauen vom 28.,
bei Männern vom 30. Jahre an bis an’s Ende des Collum chirurgicum,
vom 35. an bis zur ehemaligen Epiphysengrenze. -- Interessant ist die
Thatsache, dass bei manchen Zwergen und bei manchen Individuen mit
verkümmerten Genitalien die Epiphysen auch im Mannesalter mit den
Diaphysen nicht verwachsen. +A. Paltauf+, „Ueber den Zwergwuchs etc.“
Wien 1891.
[538] Beim Weibe bleiben Kehlkopf- und Rippenknorpel häufig bis in’s
hohe Alter unverknöchert, respective unverkalkt, nur ausnahmsweise beim
Manne; so haben wir einen 73jährigen schwächlich gebauten Mann secirt,
bei welchem nur Verknöcherung der hinteren Bänder der Schildknorpel und
der basalen Theile der Schildknorpelhörner, sowie der Ringknorpelplatte
bestand und in den Rippenknorpeln nur Spuren davon sich fanden.
Ausführliche Untersuchungen über das Verhalten des Kehlkopfes in den
verschiedenen Lebensaltern und bei beiden Geschlechtern hat +Patenko+
(Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. XLI) angestellt. Es geht aus
denselben hervor, dass die Verknöcherung keiner Gesetzmässigkeit
unterliegt, sich aber im Allgemeinen beim Weibe langsamer und im
geringeren Grade entwickelt als beim Manne. Gleiches ergab sich
bezüglich der Rippenknorpel und bezüglich der Ankylose der grossen
Zungenbeinhörner mit dem Körper.
[539] Für die thunlichst häufige Anwendung der Photographie in solchen
Fällen, sowie bei der Aufnahme von Verletzungen und insbesondere
des sogenannten Localaugenscheines haben sich Aerzte und Juristen
wiederholt ausgesprochen, so +Odebrecht+, „Die Benützung der
Photographie für das Verfahren in Strafsachen“. Archiv f. preuss.
Strafrecht. 1864, pag. 660; +Sander+, „Die Photographie in der
gerichtl. Medicin.“ Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. N. F. II, 179;
+Vernois+, „Ueber Verwendung der Photographie zu med.-gerichtlichen
Zwecken.“ Annal. d’hygiène publ. 1870, pag. 239; „Die Photographie
im Dienste der Justiz.“ Wiener Juristen-Ztg. vom 15. April 1882 und
+Bertillon+ (l. c.), Anhang: „Die gerichtliche Photographie.“
[540] „Ueber die Pariser Morgue mit vergleichenden Hinblicken auf das
Berliner Institut gleichen Namens“, vide +Liman+, Vierteljahrschr.
f. gerichtl. Med. 1868, VIII, pag. 308. Ueber neuere Einrichtungen
daselbst (Appareils frigorifiques nach dem Systeme +Giffard+ und
+Berger+) siehe den Commissionsbericht von +Brouardel+ (Annal.
d’hygiène publ. 1880, pag. 69).
[541] Bemerkenswerth ist, dass in einem seinerzeit von uns
begutachteten Falle die durch Fäulniss und Liegen im Wasser bewirkte
Undurchsichtigkeit der Corneen eines von der Mutter ertränkten
Säuglings die Gerichtsärzte veranlasst hatte, das Kind für ein --
blindgeborenes zu erklären.