[433] Ueber die Ursache der Arsenikwirkung existirt eine beträchtliche
Anzahl von Arbeiten. So von +Böhm+ und +Unterberger+ (Arch. f. exp.
Path. II, 89), von +Lesser+ (Virchow’s Arch. 74. Bd.), +Binz+ und
+Schulz+ (Arch. f. exp. Path. XI, 212, XIV, 345, XV, 322), +Filehne+
(l. c.), +Dogiel+ und +Vrijens+ (Virchow’s Jahresb. 1881, I, 411)
und +Pistorius+ (Arch. f. exp. Path. XVI, 188). Letzerer fand bei
Hunden und Katzen nach Application per os als auffälligste Veränderung
pseudomembranöse Auflagerungen, welche den Dünndarm in grösserer oder
geringerer Ausdehnung überziehen und durch reichliche subepitheliale
Transsudation einer leicht gerinnbaren fibrinösen Flüssigkeit entstehen.
[434] Virchow’s Arch. XLVII, ferner +E. Hofmann+ (Arsenikvergiftung
für Cholera gehalten) ibidem, 4, 455. In einem von uns begutachteten
Falle, der eine nach 8 Jahren exhumirte Frau betraf, war der Tod zur
Cholerazeit erfolgt und deshalb nicht aufgefallen.
[435] Unter 6 von Prof. +Ludwig+ untersuchten Fuchsinsorten fand sich
nur eine arsenfrei; die übrigen enthielten 0·3-0·5 Procent arsenige
Säure. (Vide +E. Hofmann+ und +Ludwig+, „Ein Fall von chronischer
Arsenikvergiftung“. Wiener med. Jahrb. 1877.)
[436] +Stadelmann+, „Die Arsenwasserstoffvergiftung“. Ein weiterer
Beitrag zur Lehre vom Icterus. Arch. f. exp. Path. XIV, 221.
[437] Nach +Hessler+, welcher auf Grund von 48 eigenen Beobachtungen
die klinischen Symptome der Phosphorvergiftung zusammenstellte
(Vierteljahrschrift für gerichtl. Med. XXXV, 248), trat das Erbrechen
meist in den ersten 24 Stunden, nur ausnahmsweise am 2. bis 4.
Tage ein. Nur 6mal wurde Phosphor erbrochen, einmal war dieser im
diarrhoischen Stuhl nachweisbar.
[438] +Hessler+ beobachtete 26mal Icterus, und zwar 3mal am 2., 11mal
am 3., je 3mal am 4. und 6., 2mal am 5. Tage. Petechien in der Haut
kamen 3mal vor. Sehr häufig trat am 2. bis 3. Tage eine Besserung ein,
die 1 bis 2 Tage dauerte, worauf abermals Verschlimmerung, insbesondere
neuerliches Erbrechen. Diarrhöe trat nur 7mal ein, 16mal bestand
Verstopfung. 3mal traten Blutungen aus der Nase und 5mal bei Frauen
Blutungen aus den Genitalien auf. Der Tod trat ein nach 1 Tage in 3,
nach 2 in 1, nach 3 in 3, nach 4 in 8, nach 5 in 7, nach 6 in 3, nach 7
in 4, nach 8 in 1, nach 9 in 3, nach 10 in 2, nach 11 in 3, nach 12 und
15 Tagen in je 2 Fällen.
[439] Ein solcher auch durch den Befund in den Nieren interessanter
Fall kam uns im März 1887 vor. Er betraf einen 26jährigen kräftigen
Mann, wahrscheinlich Potator, welcher Abends, wie es schien, in schwer
berauschtem Zustande in’s Spital gebracht worden war und grosse Mengen
stark nach Wein riechender Flüssigkeit erbrach, die Nacht hindurch
schlief und am Morgen sich ruhig verhielt, dann aber zu toben anfing,
so dass er, weil er sich auch den Hals abzuschneiden versuchte, auf die
psychiatrische Abtheilung gebracht werden musste, wo er in Coma verfiel
und am Abend starb. Während des Transportes gab er an, Phosphorpasta
genommen zu haben. Die Obduction ergab zahlreiche und grosse Ecchymosen
im subcutanen Zellgewebe zwischen den Schulterblättern, im hinteren
Mediastinum, unter der parietalen Pleura und unter dem Pericard,
trübe Schwellung in Oesophagus und Magen, fettige Degeneration der
Thoraxmusculatur, des Herzens und der Leber, aber keinen Icterus und
auch im Darm gallig-gefärbten normalen Inhalt, in welchem Phosphor
chemisch nachgewiesen wurde. Die Nieren zeigten äusserlich normale
Färbung und mikroskopisch nur mässige parenchymatöse Degeneration,
dagegen waren die Pyramiden besonders in den Spitzenantheilen
eigenthümlich bleich und ähnlich wie dies bei den Harnsäureinfarcten
der Säuglinge der Fall ist, strahlig gestrichelt, und zwar durch ein
bleiches, in den geraden Harncanälchen abgelagertes, ausstreifbares
Sediment, welches fast nur aus Phosphaten und Fetttropfen bestand. Auch
der spärliche Harn in der Harnblase, der leider verloren ging, zeigte
ein kalkwasserartiges Aussehen.
[440] Virchow’s Jahrb. 1876, I, 404, insbesondere aber Med.-chir.
Centralbl. 1879, Nr. 32 (4 Fälle von P.-Vergiftung mit Genesung aus
+Halla+’s Klinik in Prag).
[441] Der Icterus kann ausnahmsweise auch bei protrahirteren Fällen
nicht vorhanden sein. So fehlte er in einem von +Reichel+ (Wiener klin.
Wochenschr. 1894, Nr. 9) publicirten, von +Kolisko+ secirten Fall,
obwohl der Tod erst 72 Stunden nach dem Genuss von in Oel aufgelösten
Köpfchen von 18 Päckchen Zündhölzchen eingetreten war. +Reichel+ leitet
dies von der Compression des Ductus thoracicus durch massenhafte
Ecchymosen ab. Der Tod war unter Erscheinungen der Vaguslähmung
(Tachykardie, Singultus) erfolgt und beide Vagi waren mit massenhaften
Blutaustritten durchsetzt. Auffallender Weise zeigte auch keiner der
von +Corin+ und +Ansiaux+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1894,
VII, 1) subacut vergifteten Hunde Icterus.
[442] Den Untersuchungen von +Corin+ und +Ansiaux+ zufolge ist das Blut
nur bei subacuten Phosphorvergiftungen flüssig. Es zeichnet sich durch
Mangel von Plasmafibrinogen, Fibrinferment und Prothrombin aus.
[443] Anzeiger der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien. 1876, Nr. 23.
[444] +L. Herrmann+, l. c. 239. Da wässerige Aufgüsse von Phosphor
(Zündhölzchen) nicht selten zur Vergiftung benützt werden und die
Giftigkeit dieser bezweifelt wurde, hat +Fischer+ (Vierteljahrschr. f.
gerichtl. Med. 1876, XXV, 41) Versuche angestellt und gefunden, dass
solche wässerige Aufgüsse, selbst wenn sie wiederholt colirt wurden,
noch im Dunkeln stark leuchteten und eine Menge suspendirter feinster
Phosphorpartikelchen enthielten.
[445] Beachtenswerth ist die von unserem Collegen +Ludwig+ gemachte,
noch nicht publicirte Beobachtung, dass der gewöhnliche Phosphor
ansehnliche Mengen von Arsen enthält.
[446] +Tardieu+, l. c. 500; ein anderer Fall, in welchem 60 Grm.
Laudanum auf nüchternem Magen genommen wurden und trotzdem erst nach
1½ Stunden Erbrechen eintrat, doch weder der Tod, ja nicht einmal
Schlaf sich einstellte, ist von +Dobbie+ im Brit. med. Journ., 9. Juli
1870, pag. 33, mitgetheilt worden.
[447] Morphium sowohl als seine neutralen Salze geben mit +neutralem+
Eisenchlorid eine schön blaue Färbung. Bringt man zu den Krystallen
oder ihren Lösungen Chloroform und ein Körnchen Jodsäure, so färbt sich
ersteres beim Schütteln violett, da Morphium das Jod aus Jodsäure frei
macht und dieses in Chloroform sich löst.
[448] Deutlich war dies in den zwei zuletzt von uns obducirten Fällen.
Der erste betraf einen jungen Pharmaceuten, der wegen Gesichtsschmerz
sich zu chloroformiren pflegte. Eines Morgens wurde er todt in seinem
Bette gefunden, ein Tuch vor Mund und Nase haltend, während ein
Chloroformfläschchen auf dem Nachttische stand. Die Obduction ergab
Verdickung der inneren Meningen, excentrische Hypertrophie des linken
Herzens und starke Nierengranulose, Erstickungsbefunde; Chloroform
wurde vom Collegen +Ludwig+ im Gehirn und in den Nieren nachgewiesen.
Der zweite Fall betraf einen 14jährigen Knaben, der behufs Exstirpation
cariöser Fusswurzelknochen chloroformirt und in der Narkose plötzlich
gestorben war. Die Obduction constatirte einen ungemein aufgeschossenen
schlanken Körper von 167·5 Cm. Länge, Spitzentuberkulose, Endarteriitis
deformans, besonders an den Coronararterien, Hypertrophie und
Verfettung des linken Herzens. Möglicherweise begünstigt auch der
sogenannte „Status thymicus“ (siehe pag. 590) solche Todesfälle (vergl.
die einschlägige Debatte in der Sitzung der k. k. Gesellschaft d.
Aerzte vom 11. Mai 1894. Wiener klin. Wochenschr. Nr. 20).
[449] Eine Reihe solcher Fälle nach 5-8 und sogar nach 12·5 Grm. vide
Prager Vierteljahrschr. 1871, III, 131; Virchow’s Jahrb. 1876, I, 414
und +Schüle+ (l. c. 672). Der rasche Tod erklärt sich aus der exquisit
gefässlähmenden Wirkung des Giftes und scheinen, wie beim Chloroform,
insbesondere Alkoholiker dazu zu disponiren.
[450] Ueber eine CO-Vergiftung mehrerer Personen durch mehrere
Tage, veranlasst durch in der Wand glimmendes Balkenwerk, berichtet
+Berthold+, Zeitschrift f. Staatsarzneikunde. 1830, X, pag. 94.
[451] +A. Sudakoff+, „Ueber die Bewegung des Leuchtgases in der
Richtung geheizter Wohnungen“. Arch. f. Hygiene. 1886, V.
[452] +Gruber+ („Ueber den Nachweis und die Giftigkeit des Kohlenoxyds
und sein Vorkommen in Wohnräumen.“ Sitzungsber. d. k. bayr. Akad. 1881,
pag. 203) fand, dass Thiere schon beim Einathmen einer Luft von 0·06%
Kohlenoxyd leichte Intoxicationserscheinungen, insbesondere Vermehrung
der Respirationsbewegungen, zeigen, die bei 0·1% stärker auftritt und
bei 0·15% mit Bewegungsschwäche sich verbindet. Doch halten Thiere
selbst in einer Luft von 0·2-0·36% CO stundenlang aus. Steigt aber der
CO-Gehalt auf 0·4-0·5%, dann verläuft die Vergiftung sehr rapid. Die
Grenze der Schädlichkeit des CO liegt nach +Gruber+ wahrscheinlich bei
einer Verdünnung von 0·05, sicher aber von 0·02%. Eine Anhäufung von
CO im Organismus, wie +Fodor+ annimmt, findet nicht statt, da sich der
Körper theils durch Dissociation, theils durch Oxydation zu Kohlensäure
entledigt. Nach +Gaglio+ (Arch. f. experim. Path. XXII, pag. 235)
jedoch wird das CO vom Blute weder innerhalb, noch ausserhalb des
Organismus oxydirt.
[453] +Biefel+ und +Poleck+ (l. c.) halten die Ansammlung von
Kohlendunst in einem Raume für gefährlicher als die von Leuchtgas,
weil bei letzterem die Luft, respective der Sauerstoff nur einfach
verdrängt wird, während bei ersterem die chemische Zusammensetzung
der Luft auf Kosten des Sauerstoffes geändert wird. Die aus acht
Analysen berechnete mittlere Zusammensetzung des Kohlendunstes („die
durch unvollkommene Verbrennung von Kohlen veränderte atmosphärische
Luft eines abgeschlossenen Raumes“) ergab in 100 Volumtheilen: 6·75
CO₂, 0·34 CO, 13·19 O und 79·72 N, somit wesentliche Verminderung des
Sauerstoffes und starke Vermehrung der Kohlensäure, während die Analyse
der Leuchtgasatmosphäre nahezu normalen O-Gehalt im Versuchsraum ergab.
[454] „Ueber die Beziehungen der Arteria chorioidea anterior zum
hinteren Schenkel der inneren Kapsel des Gehirns.“ Sammlung von
Vorträgen der Wiener klin. Wochenschr. 1891.
[455] Auch in sonstigen Wasserreservoirs und Wasserleitungskästen.
So haben wir im September 1892 zwei Arbeiten secirt, die in einem
sogenannten Wechselkasten der Hochquellenleitung durch die dort
angehäufte Kohlensäure erstickt sind.
[456] Wenn man in frisches Blut SH einleitet, so wird das Blut bald
grünlich missfarbig, indem sich der SH mit dem Blutfarbstoff (Hämatin
oder Hämoglobin) zu einem grünlich gefärbten Körper verbindet. Das Blut
zeigt dann ein eigenes Spectrum, nämlich verwaschene Hämoglobinstreifen
und einen Absorptionsstreif in Roth. Dieses Spectrum wird bei in
SH verunglückten Menschen, wenn ihre Leichen frisch sind, niemals
gefunden, ebensowenig bei damit getödteten Thieren, und man überzeugt
sich durch Versuche leicht, dass zur Erzeugung sowohl der grünen
Verfärbung, als des eigenthümlichen Spectrums ein sehr hoher SH-Gehalt
des Blutes nothwendig ist, zu welchem es bei SH-Vergiftungen niemals
kommen kann. In einem unserer neueren Fälle, wo zwei Arbeiter beim
Ausräumen eines Canales erstickt waren, wurde behauptet, dass dieselben
nicht durch Cloaken-, sondern durch Leuchtgas um’s Leben gekommen
wären. Die Obduction ergab aber nur gewöhnliche Erstickungsbefunde und
aspirirte Cloakenstoffe, sehr dunkles Blut und in diesem keine Spur
von CO, so dass letztere Angabe als unbegründet zurückgewiesen werden
musste.
[457] In der That ist uns seitdem ein Fall vorgekommen, wo bei einem
Selbstmörder der im Glase zurückgebliebene Rückstand sowohl die
Reactionen der Blausäure, als die des Ferrocyankaliums ergab.
[458] Thatsächlich berichtet +Bělohradský+ (Prager Zeitschr. f.
Heilkunde. 1880, pag. 45) über einen Fall, wo irrthümlich Aetzkali
statt Cyankalium genommen wurde.
[459] Friedreich’s Blätter. 1870, pag. 454.
[460] Vide Ludw. +Hermann+, Med. Centralbl. 1867, pag. 270.
[461] Die Deutlichkeit des Blausäuregeruches im Magen etc. hängt
natürlich zuerst von der Menge der darin enthaltenen Blausäure ab.
Ausserdem kann der Geruch leicht durch Fäulniss oder anderweitige dem
betreffenden Mageninhalt (respective Giftvehikel) zukommende Gerüche
verdeckt werden. Auch ist derselbe unter sonst gleichen Verhältnissen
in acuten Fällen natürlich deutlicher, als in solchen, wo der Tod erst
nach längerer Zeit erfolgt. Die Zersetzlichkeit der Blausäure in der
Leiche ist keineswegs eine so hochgradige, wie gewöhnlich angegeben
wird. In einem, in unserem Institute obducirten, von +Zillner+
(Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. October 1881) publicirten Fall
wurde bei einem erst nach 4 Monaten gefundenen Selbstmörder noch
Blausäure in der Leiche nachgewiesen, und die Literatur enthält mehrere
Fälle, in denen dieser Nachweis noch nach 15-100 Tagen gelang. +Struve+
vermochte sogar noch nach 18 Monaten in, mit Cyankalium versetztem und
vergrabenem Fleisch die Blausäure aufzufinden.
[462] Nach +Feser+ (Berliner Arch. f. Thierhk. 1881, VII, pag. 59)
werden 0·2 Mgrm. Strychninnitrat pro Kilogramm vom gesunden Hund
subcutan wohl noch vertragen, sind aber für kranke schon gefährlich;
0·3-0·4 Mgrm. pro Kilogramm erzeugen schon die stärksten Wirkungen mit
häufig tödtlichem Ausgang. Der eventuelle Tod trat nach 12 Minuten bis
1½ Stunden ein. Durch 0·5 Mgrm. pro Kilogramm wird jeder Hund sicher
getödtet. Tod in 10-50 Minuten. Innerlich bedingen schon 0·3-0·4 Mgrm.
pro Kilogramm manchmal, 0·5-0·6 immer heftige Wirkungen; 1 Mgrm. pro
Kilogramm wirkt bestimmt tödtlich.
[463] +St. Clair Gray+, Zusammenstellung von 143 in der Literatur
enthaltenen Fällen von Strychninvergiftung. Schmidt’s Jahrb. 1873, CLX,
pag. 15; ferner +Kratter+, „Fall von Strychninvergiftung“. Oesterr.
ärztl. Vereins-Ztg. 1880, Nr. 6 u. 7.
[464] Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1876, XXIV, 278. Der
Verstorbene hatte im Laufe von vier Wochen 137 Pillen mit ungefähr
16-17 Grm. Digitalispulver genommen.
[465] „Das Muscarin, das giftige Alkaloid des Fliegenpilzes“, Leipzig
1869, ferner „Ueber Fliegenpilzalkaloide“, +Schmiedeberg+ und
+Harnack+, Arch. f. experim. Path. IV, 168; Virchow’s Jahrb. 1876, I,
427 und +Jordan+, Arch. f. experim. Path. VIII, 15.
[466] Nach +v. Wettstein+ (Wiener klin. Wochenschr. 1890, Nr. 15) ist
die Angabe, dass auch die Speisemorchel (Morchella esculenta) giftige
Eigenschaften zeigen könne, ganz unbegründet, dagegen enthalte +jede+
Lorchel (Helvella esculenta), welche sich von der Morchel durch den
unregelmässig faltigen, nicht regelmässig grubigen, stumpfen und
dunklen Hut leicht unterscheidet, im frischen Zustande ein heftiges
Gift, das allerdings nach mehrmaligem Brühen schwindet und durch
Trocknen an Kraft verliert.
[467] „Eintritt und Ablauf der Krankheitserscheinungen bei Trichinose,
sowie Eintritt und Art des Todes bei derselben.“ (Vierteljahrschr. f.
gerichtl. Med. XXXIII, 284.)
[468] Wir hatten zweimal Gelegenheit, mehrere Tage anhaltende
Sprachlosigkeit nach plötzlichem Begiessen mit kaltem Wasser, ein
drittes Mal nach zufälligem Sturze in’s Wasser zu beobachten. In einem
der ersteren Fälle war das betreffende (chlorotische) Mädchen auf
diese Weise aus dem Schlafe geweckt worden. Einen einschlägigen Fall
(achttägige Sprachlosigkeit) bringt +Maschka+ (Gutachten. III, 33).
[469] Einen ähnlichen, von +Jelly+ berichteten Fall von plötzlicher
Lähmung einer 22jährigen Dame durch Schreck beim unerwarteten Abfeuern
einer Kanone in unmittelbarster Nähe vide Med. Centralbl. 1874, pag.
544.
[470] Ueber den Einfluss der Affecte auf die Cessation der Menses
vide +Schröder+, Krankheiten der weiblichen Genitalien (Ziemssen’s
Handb. X, 307). Anderseits werden Gebärmutterblutungen auch mit
Schreck und Gemüthsaufregung in ursächliche Verbindung gebracht
(+Rokitansky+, Wiener Klinik. 1875, IV, 129). Fälle von Unterbrechung
der Schwangerschaft durch ein Erdbeben werden im Arch. f. Gyn. IV, 372,
erwähnt.
[471] Eigentlich fötale, d. h. durch Athmung gar nicht veränderte
Lungen kommen bei reifen oder der Reife nahen Früchten sehr selten vor.
Da nämlich, wie wir hören werden, die meisten todtgeborenen Kinder
eines suffocatorischen Todes in Folge vorzeitiger Unterbrechung der
Placentarathmung sterben und vor dem Tode Athembewegungen machen, so
wird die ursprüngliche fötale Beschaffenheit der Lungen schon durch die
Todesart in mancher Beziehung geändert, namentlich aber ihr Blutgehalt
und damit auch die ursprüngliche Farbe und das ursprüngliche Gewicht.
[472] „Ueber die verschiedene Farbe der Lungen Neugeborener.“
Vierteljahrschrift f. gerichtl. Med. 1869, X, 1.
[473] Ausführliches hierüber findet sich in dem interessanten
Aufsatze +Blumenstok+’s: „Zum 200jährigen Jubiläum der Lungenprobe.“
Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1883, XXXVIII, pag. 252. In der
unter Maria Theresia 1768 ausgegebenen oder vielmehr aus dem Jahre 1733
reproducirten Instruction für gerichtliche Wund- oder Todtenbeschau
wird die Lungenschwimmprobe noch gar nicht berücksichtigt. Dagegen
wird in der Sammlung „Medicinischer Gutachten“ von Dr. Joh. Gottlieb
+Kühn+, Adjunctus des kg. Collegii medici und sanitatis, Kreis- und
Stadtphysicus, Breslau und Hirschberg 1791 in den Sectionsprotokollen
über neugeborene Kinder die Lungenschwimmprobe ausdrücklich erwähnt und
beschrieben.
[474] Man hat behufs Beantwortung der Frage, ob die Lunge geathmet
habe oder nicht, das specifische Gewicht derselben auch volumetrisch
bestimmt und auch das Volum für sich allein verwerthet. Schon +Bernt+
(Handbuch der gerichtlichen Arzneikunde. 1846, 5. Aufl., 206 u. ff.)
hat dies gethan. Neuestens hat +H. Bernheim+ (Deutsche med. Wochenschr.
1869, Nr. 43) eine neue „Lungenathemprobe auf volumetrischem Wege“
angegeben. +Ungar+ (Ebenda, Nr. 49) fand jedoch diese Probe bei
minimalem Luftgehalt unsicher, ja bedenklich, bei reichlicherem aber
überflüssig.
[475] „Luft in den Lungen todtgeborener Kinder.“ Berliner klin.
Wochenschrift. 1882, Nr. 18 und Charité-Annalen. 1883, VIII, pag. 683.
[476] Auch in den von +Winter+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl.
Med. 1887, XLVI, 81) mitgetheilten Fällen von fruchtlosen
Wiederbelebungsversuchen tief asphyctischer Kinder, die dann
lufthältige Lungen boten, hatten die vorwiegend aus Schwingungen
bestehenden Belebungsvorgänge lange (in dem einen Falle 1¼ Stunde)
gedauert, und es wurde auch die von uns a. a. O. geäusserte Befürchtung
bezüglich der Gefährlichkeit der Schwingungen bestätigt, da in allen
diesen drei Fällen Verletzungen zu Stande kamen, und zwar einmal
eine Hämorrhagie in die Bauchhöhle, das zweite Mal eine Leberruptur
und Bruch dreier Rippen, und das dritte Mal, wo auch die Methode
des Zusammenbiegens und Ausstreckens des Kindes zur Anwendung kam,
Leberruptur und Absprengung der Hinterhauptsschuppe (!). +Runge+
(Petersburger med. Wochenschr. 1887, Nr. 19) betont trotzdem die
Ungefährlichkeit der Schwingungen, indem er meint, dass jene
Verletzungen entweder bei der Extraction oder durch ungeschickte
Ausführung der Schwingungen entstanden seien. Doch haben auch +Körber+
und +Dittrich+ über solche Verletzungen berichtet.
[477] +Klein+ („Ueber einige forensisch wichtige Befunde Neugeborener.“
Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1892, III, pag. 20) berichtet über
einen solchen, der aber nicht einwandsfrei ist, da ein Theil der Luft
schon intrauterin aspirirt worden sein konnte.
[478] Näheres darüber vide +E. Hofmann+, „Ueber vorzeitige
Athembewegungen“. Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1873, XIX, 233 u.
s. f.
[479] „Ueber die Möglichkeit des vollständigen Entweichens der Luft aus
den Lungen Neugeborener.“ Arch. f. klin. Med. 1869, VI, 398.
[480] +Bossi+ (Virchow’s Jahrb. 1889, I, pag. 505) hat in 99 Fällen die
Dauer des apnoischen Stadiums verfolgt und constatirt, dass die Dauer
desselben 15mal kaum merkbar war, 22mal 1-20 Secunden, 18mal 21-40,
21mal 41-60, 8mal 61-80 und 1mal sogar 150 Secunden betrug.
[481] 1836, pag. 235 und 1837, pag. 280, 1840, Ergänzungsheft 203.
[482] 8monatliches Kind. Schmidt’s Jahrb. 1846, L, 235.
[483] Deutsches Arch. f. klin. Med. VI, 398.
[484] Virchow’s Archiv. 1867, XXXVIII, 135; 1868, XLIV, 472;
„Geschwülste“, II, 469.
[485] +Klebs+, Path. Anat. 658. Ferner Schmidt’s Jahrb. 1856, II, 313.
[486] +Winter+ (l. c.), +Eckervogt+ (Zeitschr. f. Medicinalb. 1892,
pag. 269), +Olshausen+ und +Pistor+, Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med.
1892, IV, Suppl. 1.
[487] +Montali+ (Virchow’s Jahrb. 1887, I, 521 und 1890, I, 503) hat
dieses durch Versuche constatirt und gefunden, dass dabei Berstungen
der Alveolen zu Stande kommen, die sich nicht finden, wenn luftleere
Lungen, respective todt geborene Kinder der Hitze ausgesetzt worden
waren.
[488] „Ueber das Verhalten der Paukenhöhle beim Fötus und beim
Neugeborenen.“ Arch. f. Heilk. 1873, XIV, pag. 97. Vide ferner: +E.
Hofmann+, Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1873, XIX, pag. 236 u.
253; +Wreden+, Ibid. 1874, XXI, pag. 208; +Blumenstok+, Wiener med.
Wochenschr. 1875, Nr. 40 u. ff.; +Liman+, l. c. 905; +Ogston+, Med.
Centralbl. 1876, pag. 144 u. +Moldenhauer+, Ibid. 905; +H. Schmaltz+,
Arch. d. Heilk. XVIII, pag. 251; +Tröltsch+, Lehrb. d. Ohrenhk. 1877,
6. Aufl., pag. 170 u. ff.; +Lesser+, Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med.
XXX, 26.
[489] „Das Schleimhautpolster der Paukenhöhle beim Fötus und
Neugeborenen und die +Wreden+-+Wendt+’sche Ohrenprobe.“ Wiener med.
Blätter. 1883, Nr. 26-34. Brieflicher Mittheilung Prof. +Kotelewski+’s
zufolge ist auch Med. Stud. +J. Putermann+ in einer 1881 an der
Warschauer medicinischen Facultät gekrönten Preisschrift zu gleichen
Resultaten wie +Hněvkovský+ gelangt.
[490] Einen Fall, in welchem die Mutter behauptete, sofort nach der
heimlichen Entbindung das Kind gesäugt und dann erst getödtet zu
haben, theilt +Goeze+ mit (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1875,
XXII, pag. 262). In einem anderen von uns obducirten Falle hatte die
Mutter das heimlich, angeblich todtgeborene Kind vorläufig in einem
Kasten verborgen, nach einigen Stunden gewaschen, ihm die vorbereitete
Kinderwäsche angezogen und dann dasselbe im Keller vergraben, wo es
nach einer Woche aufgefunden und der Bekleidung wegen für ein Kind
gehalten wurde, welches schon einige Tage gelebt hatte.
[491] „Ueber intrauterine Verletzungen des fötalen Knochengerüstes.“
Monatsschrift f. Geburtskunde. 1857, IX, 321 und 401. Weitere Literatur
des Gegenstandes vide Buchner (Lehrbuch, 2. Aufl., 429), +Bergmann+
(Pitha-Billroth’s Handbuch. 1873, III, 26), +Casper+-+Liman+ (l. c. II,
930) und +S. Rembold+, Stuttgart 1881.
[492] Gaz. des hôp. 1858, 144. Schmidt’s Jahrb. 1859, CII, 42.
[493] +E. Hofmann+, „Zur Casuistik der intrauterinen Verletzungen
der Frucht“. Wiener med. Presse. 1885, Nr. 18 u. ff. Seitdem haben
wir wiederholt, in einem Falle sogar multiple solche Defecte
gesehen und auch +Dittrich+ hat einen solchen bei der Wiener
Naturforscherversammlung demonstrirt und +Hochstetter+ (Zeitschrift
f. Geburtsh. XXVIII, pag. 403) fand einen derartigen, in der Umgebung
narbigen Defect am Thorax. Die Mutter soll während der Schwangerschaft
von einer Treppe herabgefallen sein.
[494] +Braun+ (Arch. f. klin. Chir. XXXIV, pag. 668) und +P. Link+
(Arch. f. Gyn. XXX), Wiener med. Wochenschr. 1892, Nr. 36 und
+Sperling+, Zeitschr. f. Geburtsh. XXIV, 225.