[321] Eine von uns obducirte, von einem Gerüst gestürzte Taglöhnerin

starb erst nach 6 Stunden, obgleich die Obduction ausser

intermeningealer Hämorrhagie und Rupturen der Leber und Milz, auch eine

Ruptur des Herzbeutels und des linken Herzohres ergab. Nach +Schuster+

(l. c.) erfolgte der Tod bei 82 Fällen von Herzrupturen 24mal

augenblicklich, 29mal nach wenigen Minuten, so zwar, dass einzelne

der Verletzten noch eine Strecke zu gehen oder zu laufen vermochten,

in den übrigen Fällen erst nach längerer, selbst Stunden und Tage

betragender Zeit. V. auch unseren Fall pag. 282. Isolirte Einrisse der

Innenwand des Herzens oder des Septums sind selten, doch haben wir sie

wiederholt, allerdings stets combinirt mit Verletzungen anderer Organe,

beobachtet. Einmal fanden wir auch eine Zerreissung der mittleren

Aortenklappe. Solche isolirte Einrisse können möglicherweise ausheilen.

In einem von +N. Rosenthal+ (Berliner klin. Wochenschrift. 1883, Nr.

15) mitgetheilten Falle hatte ein zwischen Puffer gerathener Arbeiter

einen fingerweiten Riss des Septum ventriculorum durch 8 Tage überlebt.

[322] Ausführliche Angaben über die reiche Literatur des noch vielfach

controversen Gegenstandes und +Oppenheim+’s eigene Untersuchungen

finden sich in dessen Artikel „Railway-spine“ in der zweiten

Auflage von Eulenburg’s Real-Encyclopädie. XVI, pag. 384, in jedem

Jahrgang des Virchow-Hirsch’schen Jahresberichtes und in der von +S.

Placzek+ übersetzten Monographie von +Page+: „Eisenbahnverletzungen

in forensischer und klinischer Beziehung.“ Berlin 1892. +Vibert+,

„Traumatische Neurosen bei Kindern“. +Virchow+’s Jahresb. 1892, I,

459 und +Derselbe+, +Knapp+, +Higier+, ebenda 1893, 478. Besonders

instructiv über den gegenwärtigen Standpunkt der Lehre von den

„traumatischen Neurosen“ sind die am XII. Congress für innere Medicin

vorgetragenen Referate +A. Strümpell+’s und +K. Wernicke+’s über diesen

Gegenstand (Wiener med. Wochenschr. 1893, Nr. 23 und 25).

[323] Bei einem Manne, dem ein Zuckerhut auf die rechte Bauchseite

gefallen und der unter Erscheinungen von Perforations-Peritonitis

gestorben war, fanden wir Ruptur einer der +linken+ Leistengegend

anlagernden Schlinge des oberen Ileums. Die Ruptur war bohnengross

und sass an der dem Gekrösansatze gegenüberliegenden Darmwand und ihr

gegenüber fanden sich zwei dem Gekrösansatze parallel verlaufende, je

3 Cm. lange, zackige, mässig suffundirte Schleimhautrisse. Der Fall

ist von Interesse, weil die Ruptur wahrscheinlich durch Contrecoup zu

Stande gekommen ist und weil er beweist, dass ebenso wie im Magen,

auch im Darm durch heftige Erschütterungen isolirte Schleimhautrisse

entstehen können. Auch isolirte Einrisse des Peritonealüberzuges kommen

vor.

[324] +Roser+ hat seine Anschauungen in dieser Richtung in dem Satze

zusammengefasst: „Wer nicht von Geburt aus eine Hernie hat, bekommt

auch nie eine solche.“ Nach +Wernher+: „Geschichte und Theorie des

Mechanismus der Bruchbildung“ (Langenbeck’s Archiv. XIV, 2. und 3.

Heft) zeigt die äussere Leistenhernie, wenigstens beim männlichen

Geschlecht, in den ersten fünf Lebensjahren die grösste absolute

Verhältnisszahl der Frequenz, fällt aber von da an sehr rasch bis zum

10. Jahre und in einem grösseren Verhältnisse, als die Abnahme der

Bevölkerungszahl erklären kann. Am Ende des zweiten Quinquenniums ist

die Zahl der neuentstandenen Leistenhernien am kleinsten geworden,

steigt aber von da wieder und erreicht bei beiden Geschlechtern in dem

Alter von 25-30 Jahren die grösste absolute und relative Höhe.

[325] Friedreich’s Blätter f. ger. Med. 1873, pag. 26. Vide auch

ein Gutachten von +Nussbaum+, ibid. 1869, pag. 156 und von +Socin+,

Schweizer Correspondenzblatt. 1887, Nr. 18.

[326] Ein forensisches Interesse hat auch die Thatsache, dass fremde

Körper verschiedener Art auch in unzüchtiger Absicht in den eigenen

und fremden After eingeführt werden (Fälle vide u. A. bei +Tardieu+,

Attent. aux moeurs. 1878, pag. 231, und den unerhörten von +C. Majer+

in Friedreich’s Blättern f. gerichtl. Med. 1882, pag. 457, in welchem

ein 16jähriges Mädchen aus Geilheit 4 Kindern durch Bohren mit den

Fingern den Mastdarm zerrissen und das Gleiche auch an einer Kalbin

und an einem jungen Schwein ausgeführt hatte). Von Verbrechern wird

das Rectum nicht gar selten als Depôt für gestohlene Gegenstände,

Feilen etc. benützt. (+Albert+, Lehrb. der Chir. III, 565.) Endlich

gehört hierher auch die Simulation, respective künstliche Erzeugung

von Mastdarmvorfall, wie sie von +Tillenbaum+ bei galizischen Recruten

beobachtet wurde. („Der Militärarzt.“ Nr. 7 und 8; Beilage zu Nr. 16

der Wiener med. Wochenschr. 1878.) Eine ausführliche Zusammenstellung

von Mastdarmverletzungen bringt +Mantzel+, Vierteljahrschrift f.

gerichtl. Med. 1893, V, 249. Einen 10 Cm. langen Mastdarmvorfall

nach Quetschung der Kreuzbeingegend durch einen Scheunthorflügel hat

+Hirschberg+ (Berliner klin. Wochenschr. 1894, Nr. 14) beobachtet.

[327] Als Ursachen der Gangrän des Penis gibt +Fournier+ (Le Semaine

méd. 1883, Nr. 50) an: Diabetes (insbesondere Verletzungen bei

Diabetikern), Typhus, Malaria, acute Exantheme, Trauma, Paraphimosis,

Constrictionen durch Ringe, Ligaturen, Bajonnethülsen etc., Ligaturen

des Präputiums (um Bettpissen zu verhindern, in einem Fall, um

Befruchtungen zu vermeiden!), Phlegmone, fremde Körper in der Urethra.

Ob nach übermässigem Coitus oder Onanie Gangrän entstehen könnte,

lässt +Fournier+ unentschieden. Eine seiner Beobachtungen spricht

dafür: Ein junger Mann war nach mannigfachen Excessen im Bordell

eingeschlafen und wurde während des Schlafes von einem Mädchen intensiv

masturbirt. Am anderen Tage Gangrän, die Penis und Scrotum ergriff und

am neunten Tage tödtlich endete. +Fournier+ berichtet auch über einen

Fall von foudroyanter Gangrän des Penis, für welche gar keine Ursache

nachgewiesen werden konnte.

[328] Bezüglich dieser Apparate bemerkt +Martin+ („Ueber Scheiden-

und Gebärmuttervorfälle.“ Berliner klin. Wochenschr. 1872, IX, 30),

dass schon +Hohl+ die Ansicht zurückwies, dass die Gebärmutter von

der Scheide getragen werde. Die eigentlichen Träger der Gebärmutter

seien die an Muskelfasern sehr reichen Lig. sacro-uterina und

pubo-vesico-uterina. Die Lig. uteri lata und rotunda sind ihrer Lage

und Schlaffheit wegen zur Stütze des Uterus in Betreff des Höhestandes

nicht geeignet.

[329] Uebrigens zeigen gerade solche Fälle die Dehnbarkeit des

Begriffes der „eigenthümlichen Leibesbeschaffenheit“. Da wir nämlich

zugeben müssen, dass bei +allen+ Frauen, die bereits geboren haben,

eine grössere Disposition zur Acquirirung von Vorfällen besteht, als

bei solchen, die noch nicht entbunden haben, eine solche Disposition

aber dann eine natürliche Folge physiologischer Vorgänge ist und

daher ebenso wie Schwangerschaft und Geburt als ein im Bereiche des

Normalen liegender Zustand aufgefasst werden muss, so könnte darüber

gestritten werden, ob ein solcher Zustand noch als „eigenthümliche

Leibesbeschaffenheit“ im Sinne der Strafprocessordnung genommen werden

kann, da das Gesetz höchst wahrscheinlich nur pathologische, nicht

aber auch physiologische Zustände dabei im Auge gehabt haben mag, wenn

auch viele dieser, wie z. B. das Pubertätsstadium, Wochenbett etc.,

zweifellos eine grössere Empfindlichkeit gegen gewisse Schädlichkeiten

bedingen, als dies ausserhalb derselben der Fall ist.

[330] Auch bei forensischer Beurtheilung von Verletzungen der

Genitalien ist die chirurgische Erfahrung im Auge zu behalten, dass

nach Operationen an den Geschlechtsorganen, selbst nach geringfügigen,

sich häufiger fieberhafte Zustände einstellen, als nach anderen. Es

scheint, dass das Auftreten solcher Processe vorzugsweise mit einer

acuten Erkrankung der Nieren zusammenhängt (acute Nephritis, Pyelitis),

welche wieder der Aufnahme septischer Stoffe von der Wunde aus ihre

Entstehung verdankt.

[331] Vide auch +Högyes+, „Ueber den Verlauf der Athembewegungen

während der Erstickung“. Arch. f. experim. Path. 1876, und +Stricker+,

Vorlesungen über allgemeine und experimentelle Pathologie. 1877, I, 177.

[332] Eine Reihe anderer derartiger Beobachtungen haben wir in der

Wiener med. Presse, 1878, Nr. 11-12, zusammengestellt.

[333] Vide E. +Hofmann+, Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. XXV,

pag. 231; +Eberty+, Ebenda. 1892, III, pag. 175: Samenerguss mit

Erection noch 4-6 Stunden nach dem Tode, und +Heel+, Ueber postmortale

Ejaculationen. Dissert. Würzb. 1893.

[334] +Kotelevski+, +Hoppe+-+Seyler+ u. A. Vide auch unsere

Leichenerscheinungen. Eine Ausnahme macht der Tod durch Luftembolie,

wie er namentlich nach Verletzungen der Halsvenen und post partum

von den Uterusvenen aus erfolgen kann. Das Blut erscheint dann in

den Luftblasen enthaltenden Gefässgebieten, besonders, wie wir erst

unlängst bei einer Puerpera sahen, im rechten Herzen hellroth.

[335] Ueber das „Verhalten von Blutergüssen in serösen Höhlen“ hat

+Penzoldt+ (Arch. f. klin. Med. XVIII, pag. 642) interessante Versuche

angestellt, welche ergaben, dass das in die Pleurahöhle und in den

Bauchfellsack ergossene Blut nicht sofort gerinnt, sondern einige Zeit,

selbst bis 24 Stunden, flüssig bleibt.

[336] Neuere Untersuchungen über die Ursache des Flüssigbleibens des

Blutes bei der Erstickung und anderen Todesarten bringt +Corin+ in der

oben (pag. 369) citirten Arbeit.

[337] Experimentalpathologisches über das Lungenödem von +Welch+ und S.

+Mayer+ s. Med. Centralbl. 1878, pag. 726. Wie schon +Haller+ angab,

hört das rechte Herz später zu schlagen auf als das linke und davon

wurde auch die Häufigkeit des Lungenödems am Leichentische hergeleitet.

F. +Falk+, Zur Pathogenese des Lungenödems (Virchow’s Archiv. 1883,

XCI) scheint sich dieser Anschauung anzuschliessen, indem er zwei Fälle

von Herzverletzung (Schuss des linken, Ruptur des rechten Ventrikels)

bei jungen, gesunden Männern nebeneinanderstellt, die beide innerhalb

¼ Stunde zum Tode führten und hervorhebt, dass im ersten Falle

Lungenödem, im zweiten aber keines gefunden wurde.

[338] Ueber diese Erscheinung vide insbesondere die Arbeit von

+Betzold+ und +Gscheidlen+: „Die Locomotion des Blutes durch die

glatten Muskelfasern der Gefässe.“ Unters. aus dem Würzburger physiol.

Laborat. 1867, II, Heft 347.

[339] Aehnliche Angaben in +Virchow+’s „Sectionstechnik“, 1876,

pag. 38. Nach +Strassmann+’s Untersuchungen („Die Todtenstarre am

Herzen.“ Vierteljahrschrift f. gerichtl. Med. 1889, XLI, pag. 300)

findet sich auch bei Erstickung, Blausäurevergiftung und mancher

anderen gewaltsamen Todesart, selbst bei der Strychninvergiftung

unmittelbar nach dem Tode das Herz beiderseits in Diastole, weich und

blutgefüllt, ebenso wie bei dem Tode durch primäre Herzlähmung. Durch

die Todtenstarre ändert sich aber dieses Verhältniss auch bei primärer

Herzlähmung (wenn diese nicht durch parenchymatöse Degeneration

veranlasst wurde) wesentlich, indem man dann den linken Ventrikel fest

contrahirt und grösstentheils oder ganz seines Inhaltes entleert findet.

[340] Doch können solche wie Suffusionen aussehende Blutungen auch

erst bei der Herausnahme der Brustaorta aus den dabei durchtrennten

Gefässen, insbesondere den Intercostalarterien, entstehen.

[341] Observat. de suffocatis satura. 1753, und De infantibus in partu

suffocatis. 1760; v. +Schwarz+, „Die vorzeitigen Athembewegungen“.

1858, pag. 20.

[342] „Sur le mécanisme de la production des ecchymoses sous-pleurales

dans l’asphyxie aigue.“ Arch. de physiol. norm. et path. Januar 1894.

[343] Ueber den Entstehungsmechanismus der Verletzungen des Kehlkopfes

und des Zungenbeins beim Erhängen. Wiener med. Blätter. 1882, Nr. 24

und 25.

[344] Beim typischen Erhängen ist der Kopf nach vorn, beim atypischen

nach der dem Knoten entgegengesetzten Seite geneigt. In Folge

dieses Umstandes ist das Kinn, respective die betreffende Seite des

Unterkiefers dem Halse stark genähert, wodurch es geschehen kann, dass

diese Theile auf den Rand des Hemdbesatzes oder des Hemdkragens etc. zu

liegen kommen und gewissermassen gegen diesen angedrückt werden. Sind

letztere steif, so können dadurch furchenartige Eindrücke entstehen,

deren Deutung als Drosselmarken nicht unmöglich wäre!

[345] Der Bericht über diese Versuche findet sich in den „Mittheilungen

des Vereines der Aerzte von Niederösterreich“ vom März 1876.

[346] Hierher gehören auch die Beobachtungen von +Quincke+ und

+Wasylewski+ über mechanische Vagusreizung (Virchow’s Jahrb. pro 1875,

II, 88 und pro 1876, I, 234).

[347] Doch müssen wir ausdrücklich bemerken, dass auch in Fällen, wo

der sogenannte Knoten der Schlinge unmittelbar hinter dem Ohr lag, an

der abgenommenen Leiche der entsprechende Eindruck, respective der

Winkel der Strangfurchenenden vor dem Ohre liegen kann, weil, wenn die

Leiche abgenommen wird, die zugeschnürt gewesenen Theile wieder in

ihre frühere Lage zurückkehren. Man muss sich daher, um die Lage und

den Verlauf des Stranges richtig zu verstehen, den Hals zugeschnürt,

respective die Theile des Halses in jene Lage zurückgebracht denken,

welche sie während der Suspension hatten.

[348] +Casper+ und +Liman+ haben niemals eine sugillirte Strangfurche

gesehen, dagegen hat sie +Neyding+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl.

Med. 1871, XII, 349) fünfmal beobachtet, und zwar bei unzweifelhaften

Selbstmördern.

[349] „Ueber die localen Befunde beim Selbstmord durch Erhängen.“

Vierteljahrschrift f. gerichtl. Med. 1881, XXXV, pag. 201 (mit 2

Tafeln). Auch +Nobiling+ (Aerztl. Intelligenzbl. 1884, Nr. 20) fand

bei einem corpulenten Mann, der sich an einer mit Draht umflochtenen

Rebschnur erhängt hatte und dabei etwa 15 Cm. hoch gefallen war, die

Kopfnicker, die am Zungenbein sich inserirenden und die obersten

hinteren Halsmuskeln zur Hälfte durchrissen und suffundirt.

[350] +E. Hofmann+, Ueber postmortale Rupturen des

Sternocleidomastoideus. Wiener med. Wochenschr. 1888, Nr. 39.

[351] Literatur vide bei +Simon+: „Ueber die Zerreissung der Intima

carotis bei Erhängten.“ Virchow’s Archiv. XI; ferner: +Faber+, Deutsche

Zeitschr. f. Staatsarzneikunde.“ 1870, Heft 1. Neuere Beobachtungen

dieser Art hat +H. Friedberg+ publicirt und daran werthvolle

Bemerkungen geknüpft („Gutachten“, pag. 222; P. Börner’s Deutsche med.

Wochenschr. 1876, Nr. 16, 18 und 22, und Virchow’s Archiv. 1878, LXXIV).

[352] „Zur Kenntniss der Befunde am Halse von Erhängten.“ Wiener med.

Presse. 1882, Nr. 48 u. ff.

[353] Näheres über die verschiedenen Hängemethoden v. +G. Hammond+: „On

the proper method of executing the sentence of death by hanging.“ The

New York med. Record. 1882, pag. 426. +A. Calcins+ in den Berichten

der gerichtsärztlichen Gesellschaft von New-York. 1882, pag. 254, und

+Friedreich+, Handbuch der gerichtsärztlichen Praxis. 1844, II, 1218.

Auch den Artikel „Hinrichtung“ in Eulenburg’s Real-Encyclopädie.

[354] Aehnlicher Befunde bei durch den Strang Hingerichteten erwähnt

+Taylor+, l. c. II, 40.

[355] Ganz unmöglich ist die Sache nicht. Beweis dessen die

sensationelle Affaire +Gouffet+ (Virchow’s Jahresber. 1890, I, pag.

496), der in der Wohnung einer Prostituirten von dieser und ihren

hinter einem Vorhang versteckten Geliebten in raffinirter Weise

mittelst eines vorbereiteten Apparates aufgehängt wurde. Die Sache

ging so schnell, dass, nach Geständniss der Thäter, G. keinen Laut

von sich gab und keine Spur von Gegenwehr merken liess. Auch erwähnt

+v. Krafft+-+Ebing+ (Friedreich’s Blätter. 1893, pag. 393) einer

schwachsinnigen Frau, die sich widerstandslos von ihrem Manne durch

Erhängen auf einem Baumast tödten liess.

[356] Literatur über solche Fälle nebst Mittheilung eines Falles von

Selbstmord, bei welchem Hände und Füsse gebunden waren und der Strick

zwischen den Schenkeln durchgezogen war, findet sich in +Bernt+’s

Beiträgen zur gerichtlichen Arzneikunde. IV, pag. 120. +Taylor+ erwähnt

eines Mannes, der sich vor dem Erhängen die Füsse mit einem Sacktuch

zusammengebunden und ausserdem mit zwei Eisenstücken beschwert hatte.

[357] +F. Strassmann+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. XLVI, 97)

gelang es, postmortal einen hyperämischen Hautstreifen zu erzeugen,

obgleich die betreffende Hautpartie hypostatisch nicht geröthet

war. Trotzdem muss Hypostase bestanden haben, da trotz gewöhnlicher

Stranganlegung die Erscheinung nur auf der einen Halbseite zu Stande

kam. Bei 12 suspendirten Leichen erzielte +Strassmann+ achtmal

Fracturen der Kehlkopfhörner und eine Fractur des Zungenbeines; einmal

war die Fractur etwas suffundirt! Aehnliche Resultate erhielt +Patenko+

(l. c.).

[358] Seitdem haben wir aber wiederholt auch bei einem notorischen

Selbstmörder einen ähnlichen Verlauf der doppelten Strangfurche

beobachtet. Doch betrug die Distanz nur wenige Centimeter. Ferner

fanden wir eine doppelte Strangfurche, trotzdem der Betreffende

an einem einfachen Strick hing, bei einem Manne, der, wie die

Localbesichtigung ergab, zuerst an einem Nagel und weil dieser

ausgerissen war, an einem Comptoirgitter sich erhängt hatte. Erwähnung

verdient auch hier der von +Orfila+ (l. c. II, 357) notirte Fall, in

welchem sich bei einem Erhängten deshalb eine horizontal um den Hals

und eine zweite gewöhnlich verlaufende Strangrinne ergab, weil derselbe

den Strang von hinten nach vorn um den Hals gelegt, die Enden am

Vorderhalse gekreuzt, dann hinter den Ohren nach aufwärts geführt und

daran sich suspendirt hatte. Solche Fälle haben wir wiederholt obducirt

und ausserdem einen, wo sich zwei circulär und ziemlich parallel um

den Hals verlaufende, zwischen Kehlkopf und Zungenbein sich kreuzende,

im Nacken einen Querfinger von einander entfernte rinnenförmige

Strangfurchen und noch eine dritte, wie beim typischen Erhängen

verlaufende, ergaben, weil der Betreffende den Strick sich von vorn um

den Hals gelegt, die Enden über den Nacken zurückgeführt, am Vorderhals

gekreuzt und dann erst am Nagel befestigt hatte. Derartige Fälle

wurden auch von +Freund+, Wiener klin. Wochenschr. 1893, Nr. 7, und

+Erhardt+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1894, 102) beschrieben

und abgebildet.

[359] Da bekanntlich in verschiedenen Gewerben verschiedene Methoden

der Knoten- und Schlingenbildung üblich sind (Seilerknoten,

Matrosenknoten etc.), so wäre es denkbar, dass die Art der

Knotenbildung den Thäter verrathen kann. Einen solchen Fall

(Artillerieknoten) bringt +Tardieu+ (Schmidt’s Jahrb. 1875, Nr. 2,

179). In unserer Sammlung besitzen wir eine Schlinge, woran sich

eine „Seidenknüpferin“ erhängt hatte. Der Knoten daran ist ebenso

kunstgerecht geknüpft, wie er sich an den Fransen von Shawltüchern zu

finden pflegt.

[360] „Du suicide par strangulation sans suspension.“ Troyes 1851;

Schmidt’s Jahrb. 1852, LXXV, 264.

[361] Zur experimentellen Pathologie des zehnten Gehirnnerven. Arch.

f. experim. Path. 1883, VII. Siehe auch: +Alpiger+-+Störck+, „Shock

nach Kehlkopfexstirpation.“ Langenbeck’s Archiv. 1890, XL, Heft 4, und

+Tamassia+, „Sulla irritazione cardiaco-respiratoria di Brown-Séquard.“

1891.

[362] Bei Neugeborenen können Hämatome unter der Scheide der Kopfnicker

durch Torsion des Kopfes bei Selbsthilfe oder durch den Geburtsact als

solchen entstehen. Aber auch bei Erwachsenen, die eines plötzlichen

natürlichen Todes starben, haben wir sie wiederholt gesehen. Sie können

zwar entstehen beim Zusammenstürzen durch zufällige Zerrung, sich aber

auch postmortal mit Ruptur von Muskelfasern durch die auf pag. 533

erwähnten Manipulationen bilden.

[363] +Ch. T. Hiecke+, De suspensorum in vitam restitutorum morte

subitanea ejusque causa, Jena 1799, hat bereits diese häufige Thatsache

besprochen. Angaben über zwei in Wien Justificirte und auf der Anatomie

wieder zu sich gekommene Gehenkte finden sich in der von +Lamboy+ aus

dem Lateinischen in’s Deutsche übersetzten Abhandlung +Anton de Haen+’s

„Ueber die Art des Todes der Ertrunkenen, Erhängten und Erstickten“.

Wien 1772, pag. 79.

[364] +Moebius+ (Münchener med. Wochenschr. 1892, Nr. 36 und

1893, Nr. 127) hält die Krämpfe und die Amnesie für hysterische

Symptome, die auch bei anderen Selbstmordsformen vorkommen und

durch die heftige Gemüthserschütterung veranlasst werden, welcher

Anschauung +Wagner+ (ibid. 1893, Nr. 5 und pag. 129) widerspricht.

Auch von +Seydel+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1894, pag.

89) wird über Wiederbelebung einer Erhängten berichtet, bei welcher

heftige eklamptische Anfälle, kleine und nach erlangtem Bewusstsein

vollständige retroactive Amnesie beobachtet wurde.

[365] „Zur Lehre vom Ertrinkungstode.“ Virchow’s Archiv. XLVII.

[366] Leçons sur la Physiol. comparée de la respiration. Paris 1870;

ausserdem +Cerardini+, „Della morte da sommersione“. Firenze 1873 und

+Bergeron+ und +Montano+, Annal. d’hygiène publ. 1877, pag. 332.

[367] +Brouardel+ und +Loye+ (Recherches expérim. sur la mort par

submersion brusque. Arch. de Physiol. 1889, 1., 2. und 3.) bestimmten

bei ihren Versuchen den Zeitpunkt und die Menge des Eindringens der

Ertränkungsflüssigkeit durch graphische Darstellung an einer rotirenden

Trommel. Sie notirten bei einem 25 Kilo schweren Hunde: in der 1.

Phase (7 Sec.) Eindringen von 210 Ccm. Flüssigkeit; in der 2. (23

Sec.) war nichts eingedrungen; in der 3. (15 Sec.) 407 Ccm.; nach 2

Minuten folgten 45 Ccm., 90 in der 3. Minute und 30 in den restlichen

40 Secunden. Der grösste Theil wird daher in der 3. Phase innerhalb

weniger Secunden eingeathmet.

[368] Nach +Brouardel+ und +Loye+ (l. c.) ist das Blut sofort nach dem

Tode coagulirt, die Gerinnsel lösen sich aber nach dem Tode rasch.

Die Flüssigkeit des Blutes sei daher nur eine Leichenerscheinung.

+Coutagne+ (1891) hat diese an sich unhaltbare Angabe durch positive

Beobachtungen widerlegt.

[369] +A. Paltauf+ (Berliner klin. Wochenschr. 1892, Nr. 13) versuchte

dieses auf chemischem Wege und fand, dass selbst das Meerwasser trotz

seiner 0·35 Procent Chlornatrium noch um mindestens ebenso viel an

Salzgehalt hinter dem der Transsudate zurückbleibt.

[370] Zu den gewöhnlichen Befunden gehört bei Ertrunkenen ein Oedem der

aryepiglottischen Falten. Ob dieses während des Ertrinkens oder, wie

wahrscheinlich, erst postmortal durch Imbibition mit Wasser zu Stande

kommt, ist noch unerwiesen.

[371] +Bougier+ (Virchow’s Jahrb. 1885, I, 529) hat dieses Verhalten an

Leichen verfolgt, die in dem neuen Appareil frigorifique der Pariser

Morgue in gefrorenen Zustand versetzt wurden. Bei frischen Leichen

Ertrunkener fand er einen bis in die feinsten Bronchiolen reichenden

Eisbaum, der in einem Falle kleine Pflanzentheilchen enthielt, und

beträchtliche Eisklumpen im Magen, dagegen bei in fuchsingefärbtes

Wasser oder in Jodkalium- oder Ferrocyankalium-Lösung gelegten und dann

dem Gefrieren ausgesetzten Leichen die betreffenden Flüssigkeiten nur

in den Bronchien, niemals aber im Lungengewebe oder im Magen.

[372] „Zur Verwerthung der Ohrenprobe für die Diagnose des

Ertrinkungstodes.“ Friedreich’s Blätter. 1876, pag. 289.

[373] „Das Schleimhautpolster der Paukenhöhle beim Fötus und

Neugeborenen und die +Wreden+-+Wendt+’sche Ohrenprobe.“ Wiener med.

Blätter. 1883, Nr. 26 u. s. f.

Lehrbuch der Gerichtlichen Medicin · 第 127 / 132 段