Ein junges Dienstmädchen, das angeblich sehr hübsch gewesen sein

sollte, war plötzlich verschwunden. Alle Nachforschungen nach ihr

blieben vergeblich und ein auftauchendes Gerücht, dass sie von

einem ihr nahestehenden verheirateten Manne im Hause geschwängert

und von diesem beseitigt worden, machte den Fall noch bedenklicher.

Nach fast 9 Monaten wurde die Abtrittsgrube des Hauses gereinigt.

Ganz unerwartet fanden die Arbeiter bei dieser Gelegenheit im Kothe

einen ganz und gar verwesten menschlichen Körper, und es lag die

Vermuthung nahe, dass es der des verschwundenen Mädchens sei. „Einen

höheren Grad von Verwesung,“ sagt +Casper+, „werde ich wohl nie

wieder zur Beobachtung bekommen!“ Von einer eigentlichen Obduction

musste natürlich Abstand genommen werden. Doch wurde die Bauchhöhle

untersucht mit Rücksicht auf die aufgeworfene Frage, ob Denata

zur Zeit ihres Todes schwanger gewesen sei oder nicht. Sämmtliche

Gedärme, ebenso Leber, Milz und Nieren waren in eine unkenntliche

schwarze, schmierige Masse verwandelt. Trotzdem fand sich noch der

Uterus. Derselbe war hellroth gefärbt, hart und fest zu fühlen und zu

schneiden, von jungfräulicher Form und Grösse und leer. Somit konnte

wenigstens mit Gewissheit das Urtheil dahin abgegeben werden, dass

Denata im Augenblicke ihres Todes nicht schwanger gewesen sein könne,

womit jenes bei der Auffindung der Leiche mit Lebendigkeit wieder

aufgetauchte Gerücht in Nichts zerfiel und der angezweifelte gute Ruf

des angeblichen Schwängerers und muthmasslichen Mörders, eines bis

dahin unbescholtenen Mannes, wieder hergestellt war.

[Sidenote: Genitalien an verkohlten Leichen.]

Auch bei hochgradig verkohlten Leichen kann sich der Uterus noch

finden, wovon ausser in der Festigkeit des Uterus, auch in der

geschützten Lage desselben der Grund zu suchen ist. Bei einer Reihe

der Ringtheaterleichen, bei denen die Bauchhöhle eröffnet und die

Baucheingeweide ganz verkohlt gefunden wurden, liess sich trotzdem

der Uterus, wenn auch äusserlich verkohlt, erkennen, und zwar nicht

blos durch seine äussere Form, sondern auch durch seine Lagerung zu

den Nachbarorganen, die ihrer geschützten Lage wegen ebenfalls weniger

als andere Gebilde gelitten hatten. In einzelnen Fällen war der Uterus

zu einem unförmlichen, äusserlich ganz harten Körper verkohlt, war

jedoch beim Aufschneiden deutlich als solcher erkennbar und liess sogar

Details, z. B. Gefässdurchschnitte, Endometrium, Plicae palmatae etc.,

unterscheiden. In anderen Fällen konnte schon aus dem Fehlen eines

massigen Gebildes zwischen Harnblase und Rectum geschlossen werden,

dass ein männliches Individuum vorliege.

Nicht selten waren trotz hochgradiger Verkohlung der Bauchorgane noch

die Ovarien aufzufinden und an der Form, Lage, sowie am Durchschnitte

als solche zu erkennen. Gleiches war bei der Harnblase der Fall und

auch bezüglich des centralen Antheiles der Harnröhre, was insoferne

wichtig, als an diesem wesentliche Geschlechtsunterschiede sich

bemerkbar machen, nämlich beim Manne der Befund des Schnepfenkopfes,

der an der weiblichen Harnröhre fehlt, und der Corpora cavernosa

penis. Aus solchen Befunden allein können schon positive Schlüsse

auf das Geschlecht des Individuums gemacht werden, und wir wollen

hier bemerken, dass wir auch bei dem oben erwähnten, nach einem

halben Jahre aus dem Wasser gezogenen Individuum in den scheinbar zur

Unkenntlichkeit verfaulten Weichtheilen der Beckenhöhle noch deutliche

Reste der Corpora cavernosa penis, sowie die hintere Partie der

Harnröhre mit dem Schnepfenkopfe gefunden haben, welcher Nachweis für

sich allein genügt haben würde, das Individuum für ein männliches zu

erklären. Dagegen war bei dem, ebenfalls oben angeführten, vor 2 Jahren

ermordeten und dann vergrabenen Manne von dem Urogenitalapparate nichts

mehr zu erkennen.

[Sidenote: Skelet.]

Am Skelet lassen sich für die Geschlechtsbestimmung folgende

Verhältnisse verwerthen: Im Allgemeinen ist beim Weibe das ganze

Skelet kleiner und schwächer als das männliche und auch die einzelnen

Knochen sind verhältnissmässig weniger stark entwickelt, doch ist es

bekannt, in welcher Weise äussere und individuelle Verhältnisse dieses

im Ganzen richtige Gesetz alteriren können. Der Thorax ist beim

Weibe im Allgemeinen kürzer, aber weiter, besonders im oberen Theile.

Nach +Henle+ ist die Flächenkrümmung des hinteren Theiles der Rippen

stärker, dagegen die Kantenkrümmung (nach unten) schwächer als beim

Manne. Die erste und zweite Rippe sind absolut länger (+Meckel+). Das

Brustbein ist meist kürzer und breiter als beim Manne, erscheint daher

plump, während das des Mannes schlanker und graciler aussieht (+M.

Strauch+). Die Längendifferenz beruht vorzugsweise auf der Kürze des

Körpers des weiblichen Sternums.

[Sidenote: Geschlechtsunterschiede des Beckens.]

Das Becken ist derjenige Theil des Skelettes, in welchem sich der

Geschlechtsunterschied am bestimmtesten, und zwar ebensowohl in der

Form, wie in den Dimensionen, ausspricht. +Henle+ beschreibt

diesen Unterschied folgendermassen: Die Flächen der Darmbeine nähern

sich beim Weibe in der Regel mehr der horizontalen Lage als beim Manne;

das Promontorium springt beim männlichen Becken meistens weiter vor,

und so ist für das männliche Becken die Herzform, für das weibliche

Becken die quer-elliptische Form der oberen Apertur die normale. Das

untere Becken des Weibes ist absolut niedriger als das männliche, aber

geräumiger. Bei beiden Geschlechtern nimmt die Weite der Höhle des

unteren Beckens gegen den Ausgang ab, bei dem Manne aber in stärkerem

Masse als beim Weibe, so dass also die untere Apertur des weiblichen

Beckens absolut und relativ weiter ist. Hiermit steht in Verbindung,

dass die unteren Ränder des Leistenbeins am männlichen Becken unter

einem spitzigeren Winkel zusammenstossen als am weiblichen. Der

Schambogen des Weibes ist eine Curve, der Schambogen des Mannes gleicht

mehr einer gebrochenen Linie. Das weibliche Kreuzbein ist breiter und

kürzer.

Nach +Toldt+ (Maschka’s Handb. III, 562) können als die mittleren Masse

für die wichtigsten Beckendurchmesser gelten:

Weib Mann

+------+ + -----+

| | | |

+Im Beckeneingang+: Conjugata vera 118 Mm. 113 Mm.

Querdurchmesser 135 „ 127 „

Schräger Durchm. 124 „ 120 „

+Im Beckenraum+: Gerader Durchmesser 126 „ 114 „

Querer „ 120 „ 109 „

+Im Beckenausgang+: Gerader „ 90-110 „ 75-95 „

Querer „ 110 „ 82 „

Alle diese Angaben beziehen sich auf das typisch-weibliche, respective

männliche Becken, doch kommen Abweichungen und Zwischenformen

vielfach vor. Auch ist es selbstverständlich, dass die genannten

Geschlechtsunterschiede erst beim erwachsenen Weibe deutlicher

ausgebildet sind, obgleich den Beobachtungen von +Fehling+

zufolge schon das Becken neugeborener Mädchen und Knaben gewisse

Verschiedenheiten bieten soll.

Die Richtigkeit der Angabe, dass beim Weibe der Winkel, der die

Längsachse des Oberschenkelbeines mit der des Schenkelhalses bildet,

ein nahezu rechter, beim Manne aber ein stumpfer ist, wird von

+Merkel+ bestritten.

[Sidenote: Altersbestimmung an der Leiche.]

_C._ +Das Alter.+ Die oben citirte österreichische Instruction für die

gerichtliche Todtenbeschau verlangt nur die Angabe des beiläufigen

Alters, und zwar mit Recht, da wegen Mangel ganz zweifelloser und nur

einzelnen Lebensjahren zukommender Kennzeichen blos eine Diagnose der

Altersperiode, nicht aber des genauen Alters möglich ist. Selbst bei

frischen und ganzen Leichen und nach Erwägung aller äusseren sowohl als

inneren Merkmale ist stets nur eine approximative Schätzung innerhalb

eines gewissen, je nach der Natur des Falles mehr weniger weiten

Spielraumes zulässig. Noch mehr Vorsicht ist angezeigt, wenn es sich um

verfaulte, verstümmelte oder verkohlte Leichen, oder gar nur um Reste

derselben handelt.

Bei erhaltenen Leichen gestattet zwar schon das äussere Aussehen häufig

einen approximativen Schluss auf das Alter des Individuums, und es

können Länge des Körpers, Ernährungszustand, Beschaffenheit der Haare

und der Zähne in dieser Beziehung verwerthet werden. Dass aber bei

einseitiger Auffassung dieser Eigenschaften grosse Irrungen geschehen

können, ist begreiflich. Die Statur schwankt bekanntlich in weiten

Grenzen, ein Grauwerden oder Ausfallen der Haare in jüngeren Jahren

ist nichts Seltenes und ebenso kann ein marastisches Aussehen auch bei

verhältnissmässig jungen Personen vorkommen und man weiss, wie sehr

auch das Verhalten der Zähne bezüglich ihrer Festigkeit, Gesundheit und

sonstigen Aussehens variirt! Es muss daher auch bei solchen Leichen auf

die inneren Verhältnisse recurrirt werden, noch mehr aber bei faulen

oder anderweitig veränderten.

Diese Verhältnisse betreffen vorzugsweise die Knochen und die Knorpel,

aber auch gewisse Weichtheile.

Für Altersbestimmungen innerhalb der Periode von der Geburt bis zum

vollendeten Wachsthume muss die zunehmende Höhe des ganzen Skelettes

und die wachsende Dimension der einzelnen Knochen, namentlich aber der

Grad der Verknöcherung der einzelnen Skelettheile, herbeigezogen werden.

[Sidenote: Körperlängen in den einzelnen Wachsthumsperioden.]

Die Höhe des Skelettes, respective des ganzen Körpers, unterliegt in

den einzelnen Perioden des Wachsthums eben solchen Verschiedenheiten,

wie nach Vollendung des letzteren, so dass in einer und derselben

Altersclasse weit auseinanderstehende Körpergrössen vorkommen, wovon

namentlich die Erfahrungen an Schulkindern eclatante Beispiele liefern.

Die Verwerthung der Körperlänge für die Altersbestimmung muss daher

immer mit Vorsicht und unter Berücksichtigung anderer Verhältnisse

geschehen und kann überhaupt stets nur zu approximativen Schlüssen

führen.

Unsere an Leichen vorgenommenen Messungen haben für die Periode von der

Geburt bis zum vollendeten 6. Jahre folgende Körperlängen ergeben:

+============+===========================+===========================+

| | +Knaben+ | +Mädchen+ |

| +-----+---------------------+-----+---------------------+

| |Zahl | Längenmasse in |Zahl | Längenmasse in |

| +Alter+ |der | Centimetern |der | Centimetern |

| |Beob-+---------------------+Beob-+---------------------+

| |ach- | | | |ach- |Dschn.| Maxim.|Minim.|

| |tun- |Dschn.|Maxim.| Minim.|tun- |Dschn.| Maxim.|Minim.|

| |gen | | | |gen |Dschn.| Maxim.|Minim.|

+============+=====+======+======+=======+=====+======+=======+======+

| bis 1 Mon. | 280 | 50·9 | 64 | 35 | 245 | 50·1 | 56·5 | 35 |

| 1-2 „ | 78 | 53·3 | 61 | 40 | 62 | 53·7 | 68·5 | 47 |

| 2-3 „ | 54 | 55·4 | 69 | 41 | 60 | 54·7 | 63 | 47 |

| 3-4 „ | 61 | 57·5 | 72 | 50 | 61 | 57·4 | 74 | 50 |

| 4-5 „ | 40 | 57·9 | 67 | 45 | 37 | 57·7 | 72 | 47 |

| 5-6 „ | 33 | 60·8 | 68 | 52 | 20 | 58·8 | 75 | 52 |

| 6-7 „ | 27 | 62 | 75 | 56·5 | 26 | 61·6 | 67 | 56 |

| 7-8 „ | 23 | 63·5 | 72 | 54 | 15 | 61·2 | 70 | 53 |

| 8-9 „ | 22 | 62·5 | 71 | 53 | 15 | 62·2 | 69 | 56 |

| 9-10 „ | 11 | 65·8 | 70 | 60 | 14 | 61·7 | 68 | 54 |

| 10-11 „ | 8 | 66·8 | 72 | 63 | 10 | 64·7 | 71 | 52 |

| 11-12 „ | 9 | 66·5 | 74 | 56·5 | 7 | 66·4 | 70 | 61 |

| 1-1½ Jahr | 48 | 70·9 | 85 | 51 | 51 | 69·2 | 80 | 54 |

| 1½-2 „ | 40 | 73·4 | 83 | 49 | 30 | 71·3 | 83 | 60 |

| 2-2½ „ | 34 | 76·2 | 88 | 68 | 34 | 75·2 | 86 | 61 |

| 2½-3 „ | 22 | 79·8 | 91 | 68 | 17 | 75·3 | 88 | 58 |

| 3-3½ „ | 22 | 83 | 102 | 68 | 16 | 79·1 | 88 | 53 |

| 3½-4 „ | 12 | 88·8 | 104 | 77 | 7 | 85·6 | 95 | 75 |

| 4-4½ „ | 20 | 89·9 | 106 | 60 | 25 | 88·5 | 100 | 72 |

| 4½-5 „ | 3 | 97·3 | 99 | 94 | 3 | 96·6 | 98 | 96 |

| 5-5½ „ | 12 |100·4 | 111 | 93 | 9 | 97·1 | 108 | 92 |

| 5½-6 „ | 3 |104·3 | 108 | 100 | 8 | 93·3 | 106 | 84 |

Für die Körperhöhe in der Periode vom 6. bis zum 19. bis 20. Jahre

existiren sehr zahlreiche und sorgfältig ausgeführte Messungen von

Schulkindern, die insbesondere aus Anlass der Schulbankfrage in

verschiedenen Ländern vorgenommen wurden. Von diesen mögen, weil auf

grossen Zahlen beruhend, insbesondere die Messungen der Frankfurter

Commission hier Aufnahme finden, welche die Jugend der Frankfurter

öffentlichen Schulen, und zwar 3459 Knaben und 2448 Mädchen, umfassen

(Vierteljahrschrift f. öffentl. Gesundheitspflege. IV, pag. 300).

Knaben.

+=======+===========+=============+=========+==========+

| |Anzahl der | Durch- | | |

|+Alter+|Gemessenen |schnittliche | Minimum | Maximum |

| | |Körpergrösse | | |

+=======+===========+=============+=========+==========+

| 6-7 | 96 | 119·9 | 100·0 | 126·2 |

| 7-8 | 349 | 117·3 | 103·0 | 134·5 |

| 8-9 | 409 | 122·8 | 104·5 | 141·4 |

| 9-10 | 452 | 126·4 | 104·0 | 144·5 |

| 10-11 | 438 | 131·3 | 114·5 | 153·9 |

| 11-12 | 407 | 135·8 | 111·0 | 164·5 |

| 12-13 | 389 | 140·6 | 122·0 | 178·0 |

| 13-14 | 388 | 147·0 | 129·0 | 172·6 |

| 14-15 | 357 | 152·3 | 122·8 | 172·0 |

| 15-16 | 153 | 161·7 | 137·0 | 184·0 |

| 16-17 | 66 | 165·0 | 132·4 | 181·5 |

| 17-18 | 31 | 169·1 | 145·0 | 185·0 |

| 18-19 | 13 | 167·6 | 146·0 | 179·0 |

| 19-20 | 5 | 171·8 | 167·0 | 178·0 |

| 20-21 | 6 | 169·1 | 166·0 | 172·5 |

Mädchen.

+=======+===========+=============+=========+==========+

| |Anzahl der | Durch- | | |

|+Alter+|Gemessenen |schnittliche | Minimum | Maximum |

| | |Körpergrösse | | |

+=======+===========+=============+=========+==========+

| 6-7 | 44 | 115·0 | 101·5 | 124·9 |

| 7-8 | 304 | 116·3 | 99·0 | 129·0 |

| 8-9 | 353 | 121·2 | 106·0 | 139·9 |

| 9-10 | 335 | 125·1 | 106·0 | 140·1 |

| 10-11 | 345 | 129·8 | 112·0 | 156·5 |

| 11-12 | 307 | 135·7 | 118·0 | 154·0 |

| 12-13 | 305 | 141·1 | 124·0 | 161·0 |

| 13-14 | 233 | 143·4 | 119·0 | 170·0 |

| 14-15 | 151 | 150·9 | 122·0 | 169·0 |

| 15-16 | 49 | 156·6 | 142·0 | 172·2 |

| 16-17 | 16 | 156·5 | 151·0 | 166·8 |

| 17-18 | 4 | 161·2 | 153·8 | 170·0 |

| 18-19 | 2 | 155·5 | 154·0 | 157·0 |

Beim erwachsenen Mann beträgt die Länge des Skelettes zwischen 157 und

180 Cm. Beim erwachsenen Weib zwischen 153 und 166 Cm.

Wenn man von der Länge der reifen Neugeborenen von 50 Cm. ausgeht,

erreicht der Mensch etwa im 5. Jahre die doppelte (100 Cm.), in

weiteren 10 Jahren, nämlich bis zum 15. Lebensjahre, die dreifache

Länge (150 Cm.) des Neugeborenen. Im ersten Jahre geschieht das

Längenwachsthum am raschesten und beträgt monatlich 1-2, somit im

Ganzen 12-24 Cm., vom 1. bis 5. Jahre jährlich blos 7-8, vom 5. bis 15.

blos jährlich 5 Cm. Zur Zeit der Pubertät ist das Wachsthum wieder ein

rascheres und erreicht der Körper nahezu die künftige Länge, zu welcher

dann bis zur Beendigung des Wachsthums meist nur noch wenig hinzukommt.

[Sidenote: Dimensionen der einzelnen Knochen.]

Der Schluss aus den Dimensionen +einzelner+ aufgefundener Knochen,

respective Körpertheile, auf das Alter, respective die Statur des

betreffenden Individuums ist natürlich stets ein prekärer und wird sich

in der Regel noch in weiteren Grenzen bewegen müssen als bei ganzen

Leichen, beziehungsweise vollständigen Skeletten.

+Sue+ (Orfila’s Lehrbuch der gerichtl. Medicin. I, 103) hat in

dieser Beziehung folgende Verhältnisse gefunden: Ein Kind von einem

Jahre, dessen Grösse 66 Cm. betrug: Länge des Stammes 39 Cm., der

oberen Extremitäten 27 Cm., der unteren Extremitäten 27 Cm. Kind

von drei Jahren, dessen Grösse 99 Cm. betrug: Länge des Stammes 57

Cm., obere Extremitäten 42 Cm., untere 43 Cm. Kind von 10 Jahren,

dessen Grösse 132 Cm. betrug: Länge des Stammes 72 Cm., der oberen

Extremitäten 57 Cm., der unteren Extremitäten 61 Cm., Kind von 14

Jahren von 1 M. 65 Cm. Grösse: Länge des Stammes 84 Cm., der oberen

Extremitäten 73 Cm., der unteren Extremitäten 81 Cm. Individuen von 20

bis 25 Jahren, deren Gesammthöhe 1 M. 92 Cm. betrug: Länge des Stammes

96 Cm., der oberen Extremitäten 90 Cm., der unteren Extremitäten 96 Cm.

[Sidenote: Maasse einzelner Knochen.]

Tabellarische Zusammenstellungen des Verhältnisses der Dimensionen

einzelner Knochen zur Höhe des ganzen Skelettes finden sich an der

citirten Stelle bei +Orfila+, in Taylor’s Medical Jurisprudence,

1873, I, 154, bei +Langer+ (Wachsthum des menschlichen Skelettes mit

Bezug auf den Riesen. Denkschrift der k. Akademie der Wissenschaften,

mathematisch-naturwissenschaftl. Classe. 1872, XXXI) und insbesondere

bei +Toldt+ (l. c. 531). Letzterer Autor constatirte an der Wirbelsäule

und an den Extremitätenknochen folgende Maasse (in Millimetern):

+=======================+====+====+============+=====+====+====+=====+

| |Länge der |Humerus |

| |Wirbelsäule | |Ulna |

| | |Clavicula | | |Radius |

| +Alter+ | | | Scapula | | | |Hand-|

| | | +-----+------+ | | |länge|

| | | |Länge|Breite| | | | |

| | | | | | | | | |

+=======================+====+====+=====+======+=====+====+====+=====+

|M. Embryo Ende des | | | | | | | | |

|6. Mon., K.-L. 30 Cm. |133 | 25 | 25 | 16 | 50 | 40 |36·5| 34 |

|Knabe, Neugeb., reif, | | | | | | | | |

|K.-L. 48·8 Cm. |235 |43·5| 41 | 29 | 80 | 70 | 61 | 61 |

|Knabe, Neugeb., reif, | | | | | | | | |

|K.-L. 52·5 Cm. |260 | 46 | 46 | 26·5 | 83 | 71 | 60 | 71 |

|Mädchen, 1½ Jahre | | | | | | | | |

|alt, K.-L. 74 Cm. |346 | 64 | 58 | 45 |119·5| 98 | 84 | 87 |

|Mädchen, 2½ Jahre | | | | | | | | |

|alt, K.-L. 83 Cm. |378 | 66 | 63 | 52 | 134 |110 | 94 | 101 |

|Mädchen, 4 Jahre alt, | | | | | | | | |

|K.-L. 96 Cm. |444 | 80 | 80 | 64 | 166 |125 |110 | 110 |

|Knabe, 6½ Jahre alt, | | | | | | | | |

|K.-L. 106 Cm. |494 | 84 | 84 | 65 | 186 |150 |133 | 123 |

|Knabe, 12 Jahre alt, | | | | | | | | |

|K.-L. 137·8 Cm. |584 |110 | 116 | 78 | 270 |219 |191 | 154 |

|Knabe, 15 Jahre alt, | | | | | | | | |

|K.-L. 152 Cm. |646 |134 | 125 | 97 | 297 |230 |206 | 179 |

|Mann, 24 Jahre alt, | | | | | | | | |

K.-L. 163 Cm. |765 |140 | 141 | 113 | 300 |236 |221 | 175 |

|Mann, 24 Jahre alt, | | | | | | | | |

|K.-L. 175 Cm. |775 |161 | 160 | 114 | 326 |264 |235 | 190 |

+=======================+=====================+====+====+====+=====+

| | Hüftknochen |Femur |

| +----------+----------+ |Tibia |

| +Alter+ |von Spina |von Spina | | |Fibula |

| |oss. ilei |oss. ilei | | | |Fuss-|

| | ant bis | post. zu | | | |länge|

| | tuber | Symph. | | | |länge|

| | ischii |oss. pub. | | | |länge|

+=======================+==========+==========+====+====+====+=====+

|M. Embryo Ende des | | | | | | |

|6. Mon., K.-L. 30 Cm. | 29 | 27 | 56 | 43 | 43 | 39 |

|Knabe, Neugeb., reif, | | | | | | |

|K.-L. 48·8 Cm. | 51 | 46 | 90 | 73 | 71 | 70 |

|Knabe, Neugeb., reif, | | | | | | |

|K.-L. 52·5 Cm. | 57 | 53 | 99 | 80 | 81 | 72 |

|Mädchen, 1½ Jahre | | | | | | |

|alt, K.-L. 74 Cm. | 71 | 63 |151 |122 |123 | 104 |

|Mädchen, 2½ Jahre | | | | | | |

|alt, K.-L. 83 Cm. | 88 | 89 |179 |147 |148 | 124 |

|Mädchen, 4 Jahre alt, | | | | | | |

|K.-L. 96 Cm. | 100 | 106 |213 |178 |181 | 140 |

|Knabe, 6½ Jahre alt, | | | | | | |

|K.-L. 106 Cm. | 108 | 113 |256 |203 |226 | 169 |

|Knabe, 12 Jahre alt, | | | | | | |

|K.-L. 137·8 Cm. | 145 | 141 |383 |308 |302 | 208 |

|Knabe, 15 Jahre alt, | | | | | | |

|K.-L. 152 Cm. | 156 | 162 |422 |353 |350 | 226 |

|Mann, 24 Jahre alt, | | | | | | |

|K.-L. 163 Cm. | 161 | 175 |417 |335 |342 | 225 |

|Mann, 24 Jahre alt, | | | | | | |

|K.-L. 175 Cm. | 191 | 179 |477 |375 |371 | 246 |

Für die Kopfknochen fand +Toldt+ folgende Maasse:

+=====================+===========+===========+===========+===========+

| |Hinter- |Scheitel- |Stirn- |Schläfen- |

| |haupts- |bein |bein- |bein- |

| +Alter+ |schuppe | |schuppe |schuppe |

| +====+======+====+======+====+======+===========+

| |Höhe|Breite|Höhe|Breite|Höhe|Breite|Höhe|Breite|

+=====================+====+======+====+======+====+======+====+======+

|Reifer neugeborener | | | | | | | | |

|Knabe, K.-L. 51·6 Cm.| 67 | 66 | 85 | 80 | 62 | 57 | 23 | 32 |

|Mädchen, 3 Monate alt| 78 | 83 |111 | 94 | 76 | 65 | 24 | 37 |

|Mädchen, 6 Monate alt| 83 | 92 |112 | 104 | 80 | 61 | 25 | 33 |

|Mädchen, 9 Monate alt| 91 | 104 |123 | 120 | 95 | 75 | 40 | 46 |

|Knabe, 13 Monate alt| 91 | 108 |113 | 117 | 93 | 72 | 33 | 50 |

|Knabe, 2 Jahre alt |100 | 120 |133 | 124 |108 | 83 | 33 | 51 |

|Knabe, 3 Jahre alt |108 | 151 |131 | 121 |116 | 81 | 45 | 52 |

|Knabe, 4 Jahre alt |101 | 122 |130 | 125 |104 | 81 | 41 | 54 |

|Knabe, 5 Jahre alt |105 | 131 |133 | 125 |116 | 90 | 42 | 55 |

|Knabe, 7 Jahre alt |110 | 125 |136 | 125 |110 | 85 | 42 | 59 |

|Knabe, 9 Jahre alt |115 | 128 |130 | 129 |111 | 84 | 43 | 61 |

|Knabe, 12 Jahre alt |117 | 130 |125 | 124 |114 | 88 | 40 | 68 |

|Knabe, 16 Jahre alt |112 | 128 |137 | 139 |121 | 91 | 42 | 62 |

|Ausgewachsener { |105 | 128 |130 | 120 |108 | 80 | 42 | 60 |

|Mann { |bis | bis |bis | bis |bis | bis | bis| bis |

| { |120 | 145 |140 | 142 |125 | 94 | 54 | 50 |

|Ausgewachsenes { |100 | 120 |122 | 120 |106 | 78 | 37 | 58 |

|Weib { |bis | bis |bis | bis |bis | bis | bis| bis |

| { |130 | 130 |140 | 130 |120 | 94 | 48 | 70 |

+=====================+====+====+====+====+=====+====+=================

| |Querabstand der

| |Warzenfortsätze

| | |Grösste Breite des

| | |Keilbeines

| | | |Grösste Breite des

| +Alter+ | | |Oberkiefers

| | | | |Höhe des Oberkiefers

| | | | | |Querabstand der

| | | | | |Unterkieferwinkel

| | | | | | |Länge des Unterkiefers

+=====================+====+====+====+====+====+====+==================

|Reifer neugeborener | | | | | | |

|Knabe, K.-L. 51·6 Cm.| 55 | 62 | 51 | 24 | 42 | 33 |

|Mädchen, 3 Monate alt| 71 | 86 | 57 | 31 | 51 | 40 |

|Mädchen, 6 Monate alt| 74 | 90 | 58 | 32 | 51 | 41 |

|Mädchen, 9 Monate alt| 79 |101 | 64 | 39 | 59 | 51 |

|Knabe, 13 Monate alt| 85 | 99 | 64 | 41 | 59 | 47 |

|Knabe, 2 Jahre alt | 89 |111 | 70 | 41 | 67 | 50 |

|Knabe, 3 Jahre alt | 84 |100 | 75 | 43 | 59 | 50 |

|Knabe, 4 Jahre alt | 99 |103 | 68 | 45 | 65 | 53 |

|Knabe, 5 Jahre alt |108 |115 | 76 | 54 | 76 | 60 |

|Knabe, 7 Jahre alt |110 |116 | 80 | 54 | 76 | 63 |

|Knabe, 9 Jahre alt |116 |114 | 86 | 51 | 77 | 69 |

|Knabe, 12 Jahre alt |113 |114 | 89 | 63 | 86 | 74 |

|Knabe, 16 Jahre alt |112 |124 | 86 | 60 | 84 | 72 |

|Ausgewachsener { |120 |120 | 90 | 69 | 86 | 72 |

|Mann { |bis |bis |bis |bis |bis |bis |

| { |130 |136 | 98 | 73 |102 | 86 |

|Ausgewachsenes { |112 |114 | 87 | 54 | 82 | 70 |

|Weib { |bis |bis |bis |bis |bis |bis |

| { |118 |120 | 92 | 92 | 88 | 84 |

Die wichtigsten Anhaltspunkte für die Altersbestimmung ergeben die

Ossificationsverhältnisse der einzelnen Skelettheile. Dieselben

gestalten sich zufolge der Angaben +Henle+’s, +Langer+’s, +Toldt+’s

u. A., sowie zufolge unserer eigenen Untersuchungen im Allgemeinen

in nachstehender Weise, wobei jedoch bemerkt werden muss, dass

individuelle, Geschlechts- und Racenverhältnisse den Gang der

Ossification vielfach beeinflussen. Insbesondere scheint, wie auch

+Wachholz+ („Altersbestimmung aus dem Verhalten der Ossification

des oberen Humerusendes“. Friedreich’s Bl. 1894) bestätigte, beim

weiblichen Geschlechte die Ossification des Skelettes früher sich zu

vollenden als beim männlichen, und bei Individuen (Racen) von kleiner

Statur früher als bei solchen von grosser.

[Sidenote: Skelet im 1. Lebensjahre.]

Im Laufe des +ersten+ Lebensjahres beginnt die Verschmelzung der

beiden Stirnbeinhälften vom unteren Ende der Stirnnaht aus und schon

in den ersten Monaten nach der Geburt verschwinden die seitlichen

Fontanellen, während sich die grosse verkleinert. Der Warzentheil

verwächst mit dem übrigen Schläfebeine und es bildet sich die Andeutung

eines Warzenfortsatzes. Die fötalen Spalten am Occiput verschwinden;

die Temporalflügel des Keilbeines wachsen an den Körper an und es

vereinigen sich die beiden Unterkieferhälften. Der vordere Bogen

des Atlas enthält einen Knochenkern und es beginnt die knöcherne

Vereinigung der Wirbelbögen zuerst an den Brust- und unteren Hals-,

dann an den Bauchwirbeln und zuletzt am Atlas. Die Knochenkerne im

Brustbeine vermehren sich und es entstehen neue im Proc. coracoideus,

im Caput humeri und im Oberschenkelkopf. In der Regel im 7. Monate

erfolgt der Durchbruch der Milchzähne meist in folgender Ordnung:

Zuerst brechen die unteren mittleren Schneidezähne hervor und bald

darauf die Schneidezähne des Oberkiefers; nach einigen Wochen die

oberen äusseren Schneidezähne und dann die unteren äusseren, so dass

mit Ende des ersten Jahres in der Regel alle 8 Schneidezähne zum

Vorscheine gekommen sind.[535]

[Sidenote: Skelet im 2. Lebensjahre.]

Im Verlaufe des +zweiten+ Jahres verknöchert die Stirnnaht vollständig

und am Ende desselben ist die Verschliessung der grossen Fontanelle

vollendet. Die knöcherne Vereinigung der Wirbelbögen schreitet vor und

Knochenkerne bilden sich im grösseren Höcker des Oberarmkopfes, in den

unteren Enden des Radius, der Tibia und Fibula und in den Köpfchen

der Mittelhand- und Mittelfussknochen. Der Durchbruch der Milchzähne

macht weitere Fortschritte. Etwa im 15. Monate zeigen sich die ersten

Backenzähne, im 18. bis 22. die Spitzzähne und zuletzt die zweiten

Backenzähne, so dass mit Ende des zweiten Jahres in der Regel 20 Zähne

in den Kiefern sich finden.

[Sidenote: Skelet vom 3. Lebensjahre bis zur Pubertät.]

Lehrbuch der Gerichtlichen Medicin · 第 99 / 132 段