desto dunklerer Nuance, je länger sie bestehen und je reichlicher
und flüssiger das Blut ist, welches in der Leiche zurückgeblieben
war, also besonders bei Erstickten. Hat das Blut der Leiche eine
andere als die gewöhnliche (hyper-) venöse Farbe, dann erhalten
natürlich auch die Hauthypostasen ein anderes Colorit, so z. B. ein
hellrothes bei der Kohlenoxydvergiftung, ein graues bei der durch
chlorsaures Kali. Dass die Todtenflecke auch durch Kälte und stärkere
Durchfeuchtung der Haut ein hellrothes Aussehen erhalten können,
wurde beim Ertrinkungs- und Erfrierungstode erwähnt.
Ausser in den angedeuteten Beziehungen kommt den Todtenflecken
auch insoferne eine gerichtsärztliche Bedeutung zu, als die durch
sie bedingten Verfärbungen für Cyanose oder gar für Sugillation
gehalten werden könnten. Ueber letztere Möglichkeit und über den
behufs Unterscheidung einzuschlagenden und auch vorgeschriebenen
Vorgang wurde bereits an anderen Orten (pag. 275) gesprochen. Die
Unterscheidung einer durch Hypostase entstandenen Verfärbung von
einer cyanotischen wird sich ausser durch den erwähnten Vorgang
insbesondere aus der Erwägung der Lage und Ausbreitung, sowie aus der
nach aufwärts allmälig abnehmenden Intensität der Verfärbung ergeben.
[Sidenote: Innere Hypostasen.]
Gleichzeitig mit den „Todtenflecken“ und nach denselben Gesetzen
bilden sich auch +Hypostasen in den inneren Organen+, die hier eine
besondere gerichtsärztliche Bedeutung deshalb besitzen, weil sie
pathologische Processe vortäuschen können. Ein gewöhnlicher Befund
dieser Art ist am Kopfe schon der stärkere Blutreichthum und die
stärkere Succulenz der abwärtigen Partien der Kopfschwarte und der
darunter liegenden Bindegewebsschichten, ein Befund, der bei stark
abhängiger Lage des Kopfes einen sehr hohen und, wie die Versuche
+Engel+’s gezeigt haben, bis zur Ecchymosenbildung gehenden Grad
erreichen kann. Noch häufiger, und zwar auch an der Körperoberfläche,
kommt es vor, dass schon vital entstandene, jedoch ursprünglich
klein gewesene Ecchymosen an den tief liegenden Partien des Körpers
durch Nachsickern des Blutes sich vergrössern. Ferner gehört hierher
die stärkere Füllung der abwärtigen Sinus der Dura mater mit
Blut, insbesondere aber die intensivere Injection der Gefässnetze
der Pia an ihren tiefer gelegenen Partien, die eine intra vitam
entstandene Hyperämie vortäuschen kann. Am Halse machen sich die
Hypostasen besonders in den abwärtigen, lockeren Zellgewebslagen
unter der äusseren Haut und zwischen der Musculatur, ferner an
der hinteren Rachenwand bemerkbar, ebenso an der hinteren Wand
der Luftwege und des Oesophagus und dem zwischen diesem und der
Wirbelsäule gelegenen Bindegewebe. In der Brusthöhle sind namentlich
die Hypostasen in den Lungen von Wichtigkeit. Der Gefässreichthum
der Lungen einerseits und die lockere, grossmaschige Beschaffenheit
des Lungengewebes andererseits liefern ganz besonders günstige
Bedingungen für die Entstehung von Senkungshyperämien, und es gehören
daher mehr oder weniger ausgebildete Grade von Hypostasen in den
Lungen zum regelmässigen, in keiner Leiche fehlenden Befund. In Folge
derselben erscheinen auch ganz gesunde Lungen an ihrer Oberfläche
in den abwärtigen Partien dunkler gefärbt als in den oberen, und
diese Färbung geht nach aufwärts allmälig in eine lichtere über.
Für das Gefühl erscheinen diese Partien derber und sind beim
Einschneiden blutreicher, succulenter und weniger lufthältig als
die anderen. Täuschungen mit Infarcten, Pneumonien und bei Kindern
mit Atelectasen liegen hier nahe.[518] Wieder wird insbesondere
die Lage der betreffenden Partie und der allmälig und immer in
bestimmter Richtung, d. h. nach aufwärts sich vollziehende Uebergang
des blutreichen, succulenten und weniger lufthaltigen Gewebes in
normale Partien, nöthigenfalls die mikroskopische Untersuchung, die
Unterscheidung bieten. Die geringere Lufthältigkeit solcher durch
Hypostase veränderter Stellen ist namentlich bei Neugeborenen zu
beachten. Es ist wohl möglich, dass unter Umständen durch blosse
Senkung des Blutes tiefer gelegene, früher lufthältig gewesene
Lungenpartien vollständig luftleer werden können. Weniger leicht wird
dies bei erst nach dem Tode entstandenen Hypostasen sich ereignen,
als bei solchen, deren Bildung bereits in der Agonie begonnen hat.
Im Unterleibe sind insbesondere die Hypostasen an der hinteren
Magenwand und an den abhängigen Stellen des Darmcanals, sowie an den
im kleinen Becken gelagerten Schlingen zu berücksichtigen. Namentlich
sind die Hypostasen im Magen von anderweitig entstandenen Hyperämien
wohl zu unterscheiden. Auch die Nieren sind Hypostasen unterworfen
und ihre tiefe Lage begünstigt die Entstehung derselben. An der
hinteren Körperseite findet sich bei gewöhnlicher Rückenlage der
Leiche sowohl das Unterhautbindegewebe als die betreffende Musculatur
succulenter und mehr weniger auffallend blutreich. In einem unserer
Fälle wurde dieser Befund als Congestionserscheinung aufgefasst und
von Stockschlägen abgeleitet. Aus gleichem Grunde zeigen sich die
spinalen Venenplexus in der Regel strotzend mit Blut gefüllt, und
ebenso ist die Hypostase in den Venen der Pia mater des Rückenmarkes
entwickelt. Eine falsche Deutung dieser Verhältnisse kann hier um
so leichter erfolgen, als, wie +Casper+-+Liman+ richtig bemerken,
der Rückenmarkscanal nur sehr selten geöffnet wird und daher vielen
Obducenten dieses ganz gewöhnliche Verhalten weniger bekannt ist.
Das geschilderte Verhalten der inneren Hypostasen bezieht sich auf
Leichen, die nach dem Tode in der üblichen Rückenlage geblieben
sind. Selbstverständlich werden diese Senkungserscheinungen die ganz
entgegengesetzten Stellen einnehmen, wenn die Leiche auf dem Bauche
gelegen war, und können dann leicht beirren. Bei Erhängten, wenn sie
nicht bald abgeschnitten wurden, werden die Hypostasen natürlich
vorzugsweise an der unteren Körperhälfte sich entwickeln. Wir finden
dann die Gedärme stärker injicirt, die Nieren sehr blutreich und
insbesondere die venösen Geflechte der Beckenhöhle strotzend mit
Blut gefüllt, alles Erscheinungen, die als für den Erhängungstod
pathognomonisch angegeben worden sind, ohne es im Geringsten zu
sein, da sie, ebenso wie die früher so hochgehaltene Turgescenz der
äusseren Genitalien, auch zu Stande kommen, wenn man eine frische
Leiche in die hängende Lage bringt und einige Zeit in derselben
belässt.
[Sidenote: Todtenstarre.]
Eine bald nach dem Tode eintretende Leichenerscheinung ist
die +Todtenstarre+. Bei den Leichen Erwachsener pflegt sie
durchschnittlich schon in den ersten 2-4 Stunden zu beginnen und in
weiteren 4-6 Stunden den ganzen Körper zu ergreifen. Die Angabe,
dass die Leichen herabgekommener und alter Individuen früher von
der Leichenstarre befallen werden als jene kräftiger Personen,
bedarf noch weiterer Bestätigung. Dagegen scheinen Neugeborene und
Säuglinge thatsächlich früher zu erstarren als Erwachsene (+Feis+,
„Intrauterine Leichenstarre“. Arch. f. Gyn. 1894, XLVI, pag. 384).
Aus analogen Erfahrungen bei Thieren lässt sich schliessen, dass nach
rapider Verblutung, nach Verletzung des Halsmarkes, nach gewissen
Vergiftungen (mit Säuren, mit Strychnin), vielleicht auch nach
Insolation und Blitzschlag die Todtenstarre ungleich früher eintreten
könne als sonst; doch fehlen auch in dieser Beziehung sichergestellte
Beobachtungen an menschlichen Leichen. Bei abortirten Früchten
scheint die Todtenstarre gar nicht einzutreten. Aber auch bei
Erwachsenen kann sie mitunter ausbleiben oder nur ganz schwach sich
bilden, so namentlich bei acuter parenchymatöser Degeneration der
Musculatur, wie nach Phosphorvergiftung, nach manchen Vergiftungen
mit Schwämmen (+Sahli+) und nach infectiösen und septischen Processen.
Da die Degeneration nicht alle Muskelgruppen gleichmässig
ergreift, so erklärt sich auch, warum in solchen Fällen auch die
Ausbildung des Rigor an verschiedenen Körpertheilen verschieden
sich gestalten kann. Die von uns häufig gemachte Beobachtung
findet ihr Analogon in dem Verhalten des Herzens, das so häufig
und frühzeitig der parenchymatösen Degeneration verfällt und dann
selbst bei Frühsectionen schlaff angetroffen wird, welche Schlaffheit
proportional ist mit der Intensität der Degeneration.
[Sidenote: Zeitpunkt des Eintrittes der Todtenstarre. Kataleptische
Todtenstarre.]
[Sidenote: Festhalten der Waffe.]
In neuerer Zeit wurde wiederholt die Frage angeregt, ob die
Leichenstarre den ganzen Körper oder wenigstens einzelne
Muskelgruppen auch schon im Momente des Todes ergreifen könne.
Als Beweis für eine solche Möglichkeit wurden gewisse, auf
den Schlachtfeldern der letzten Kriege gemachte Beobachtungen
herangezogen, die Soldaten, aber auch Pferde betrafen, deren Leichen
in Stellungen erstarrt gefunden wurden, welche, wie z. B. die des
Ladens, Sturmlaufens, Sprungstellung, als im letzten Augenblicke
des Lebens bestandene und gewollte aufgefasst wurden. Zuletzt
hat +Seydel+ (Vierteljahrschrift f. gerichtl. Med. 1889, L, 76)
über solche Fälle berichtet. +Du Bois+-+Reymond+ hat für diese
Art des Rigor mortis die Bezeichnung +kataleptische Todtenstarre+
vorgeschlagen, welche, obgleich nicht ganz passend, der Kürze wegen
acceptirt werden kann. Versuche, namentlich die von +Schroff+ junior
und von +Falck+ angestellten (vide unsere Leichenerscheinungen
l. c.), haben ergeben, dass bei Thieren, die durch Verletzung des
oberen Theiles des Rückenmarkes getödtet wurden, die tetanische
Contraction der Musculatur unmittelbar in die Todtenstarre
überging, und es ist denkbar, dass auch beim Menschen nach analogen
Verletzungen solches erfolgen kann[519]; ob jedoch auch die durch
den Willen im Augenblicke des Todes bestandene Contraction von
Muskelgruppen sofort durch den Rigor mortis fixirt oder einige
Zeit nach dem Tode bis zum Eintritte desselben erhalten werden
kann, muss noch dahingestellt bleiben. Vorläufig lassen sich die
eben angeführten Beobachtungen viel ungezwungener daraus erklären,
dass die betreffenden Leichen jene Stellungen nur zufällig beim
Niederstürzen angenommen hatten und in diesen erstarrten, oder dass
sie durch gewisse Zufälligkeiten am Niederstürzen gehindert worden
waren. Thatsächlich kommen eigenthümliche Stellungen der Leichen und
namentlich der Gliedmassen in der gewöhnlichen forensischen Praxis
gar nicht selten vor, da die Leichen in denjenigen, mitunter ganz
sonderbaren Stellungen erstarren, in denen sie nach dem Tode liegen
geblieben waren, und diese Stellungen häufig derart sind, dass sie
scheinbar gewollten entsprechen. Dazu kommt noch, dass die durch den
Eintritt des Todes bewirkte Erschlaffung der Musculatur, respective
gewisser Muskelgruppen, nicht immer von Lageveränderung der
betreffenden Theile gefolgt sein muss, sondern dass sich die durch
die letzte Muskelaction bewirkte Stellung eines Körpertheiles, wegen
gleichzeitiger Erschlaffung der Antagonisten, dort erhalten kann,
wo die Schwere der betreffenden Theile nicht zur Geltung kommt. So
haben unsere Untersuchungen ergeben, dass die Faustbildung ungemein
häufig, sowohl an den Händen der Leichen Erwachsener, als namentlich
von Kindern vorkommt, ebenso andere, offenbar im Momente des Todes
bestandene und noch durch vitale Contraction des Muskels entstandene
Stellungen der Finger. Es liegt kein Grund vor, die Ursache der
Persistenz dieser Stellungen, insbesondere der Faustbildung, in der
Fortdauer der Contraction der betreffenden Muskeln nach dem Tode oder
in plötzlich eingetretener Todtenstarre zu suchen, sondern einfach
darin, dass die während des Todes geschlossen gewesene Faust auch
nach erfolgtem Tode keineswegs sich öffnen muss, da gleichzeitig mit
den Beugern auch die Strecker erschlaffen, also eine Lageveränderung
nur durch die eigene Schwere der Theile erfolgen kann, die nicht
immer zur Geltung kommt. Dieser Gang der Dinge hat nichts Besonderes
an sich, da ja auch im Leben, nachdem wir die Finger zur Faust
geballt haben, die Fingerbeuger erschlaffen können, ohne dabei die
Faust öffnen zu müssen, und er wird noch weiter bestätigt durch
die Thatsache, dass sich die Fauststellung auch erhält, nachdem
die Todtenstarre bereits vollkommen verschwunden war. Daraus wird
auch begreiflich, wie bei Leichen von Individuen, die sich selbst
erschossen oder erstochen haben etc., die betreffende Waffe noch in
der Hand derselben gefunden werden kann, ein Befund, der allerdings
auch wird zu Stande kommen können, wenn der Betreffende, während er
die Waffe o. dergl. in der Hand hielt, von Anderen getödtet worden
ist.[520]
[Sidenote: Verlauf der Todtenstarre.]
Die Leichenstarre befällt nicht die ganze Musculatur auf einmal,
sondern beginnt fast immer zunächst im Nacken und am Unterkiefer
und übergeht dann auf den Rumpf, dann auf die oberen und hierauf
auf die unteren Extremitäten; Ausnahmen von diesem Gange, welcher
sich unserer Ansicht nach aus der nach unten zunehmenden Masse der
Musculatur erklärt, sind selten. Den Untersuchungen +Pellacani+’s
zufolge (Virchow’s Jahrb. 1884, I, 462) scheint der Typus descendens
die Norm bei kräftigen, der Typus ascendens die bei schwächlichen und
herabgekommenen Individuen zu sein. Was die Dauer der Todtenstarre
betrifft, kann als feststehend angenommen werden, dass letztere desto
früher abläuft, je weniger die Musculatur entwickelt oder je mehr sie
in ihrem Ernährungszustand herabgekommen war. Am schnellsten verläuft
sie bei unreifen Früchten, so dass von diesen behauptet wurde, dass
sie überhaupt nicht vom Rigor ergriffen würden. Bei reifen und gut
genährten Neugeborenen kann man sie noch nach 24-36 Stunden, selten
länger, finden. Bei Säuglingen beträgt die Dauer der Todtenstarre
durchschnittlich etwa 40 Stunden und wird durch Alter und
Ernährungszustand modificirt. Was die Leichen Erwachsener betrifft,
so lehren unsere Erfahrungen, dass bei dem Gros derselben die
Todtenstarre noch nach 48 Stunden vollkommen ausgebildet ist, dass
sie von da an allmälig zu schwinden beginnt und dass die vollkommene
Lösung derselben gewöhnlich zwischen die 72. und 84. Stunde nach
dem Tode zu fallen pflegt. Bei abgezehrten und marastischen Leichen
schwindet die Starre ungleich früher, ebenso bei wassersüchtigen.
Dass der Eintritt der Fäulniss die Starre löse, ist insoferne
unrichtig, als es nichts Seltenes ist, dieselbe noch bei grünfaulen
und bereits stark aufgedunsenen Leichen zu finden. Trotzdem scheinen
es doch in die Classe der Fäulnissvorgänge gehörige Processe zu
sein, die das Myosin, dessen Gerinnung, wie die Physiologen lehren,
die Todtenstarre bedingt[521], wieder lösen und so dem Rigor ein
Ende machen, denn wenn man, wie wir seit einigen Jahren in unserem
Institute zu thun im Stande sind, Leichen im Winter in kalten
Räumen und unter Bedingungen aufbewahrt, wo sie nicht faulen, aber
auch nicht gefrieren können, so kann man dieselben wochenlang in
todtenstarrem Zustande erhalten. Das Gefrieren der Leiche macht die
Verwerthung der Starre für Todeszeitbestimmungen illusorisch, wobei
bemerkt werden muss, dass nach +Brücke+ die Todtenstarre sogar das
Aufthauen der betreffenden Leiche zu überdauern vermag.
[Sidenote: Dauer der Todtenstarre.]
Der Rigor mortis schwindet nicht überall gleichzeitig, sondern in
der Regel in denjenigen Muskelgruppen früher, in welchen er früher
aufgetreten war, doch ist es nichts Seltenes, die Starre in den
Extremitäten früher schwinden zu sehen als am Kopfe und am Halse.
Am längsten und sehr constant pflegt sich die Todtenstarre in den
Sprunggelenken zu erhalten.
[Sidenote: Postmortale Vertrocknungen.]
Zu den Leichenerscheinungen, die ebenfalls schon in der ersten Zeit
nach dem Tode und noch vor Eintritt der Fäulniss sich einstellen
können, gehören auch die +Vertrocknungen+ der Haut, die sich an
von der Epidermis entblössten, oder früher feucht gehaltenen oder
auch comprimirt gewesenen Stellen in Folge der Einwirkung der Luft
sehr bald entwickeln, deren wir bereits a. a. O. (pag. 271 und 529)
erwähnt haben; ferner gewisse Veränderungen am +Auge+, die zunächst
darin bestehen, dass das Auge meist schon gleich nach dem Tode seine
Spannung und damit seinen Glanz in Etwas einbüsst, dass später der
Bulbus zu collabiren beginnt und die Cornea sich trübt. Letztere
erscheint anfangs wie bestäubt, dann legt sich die Oberfläche in
feine Runzeln, worauf die Hornhaut immer trüber und undurchsichtiger
wird, bis sie später eine ganz opake Beschaffenheit erhält. Sehr
bald nach dem Tode beginnt auch die Conjunctiva, wenn die Lider
nicht vollkommen geschlossen waren, an den mit der Luft in Berührung
stehenden Stellen zu vertrocknen, wodurch gelblichbraune, dreieckige
Flecken zu beiden Seiten der Cornea sich bilden, die wiederholt als
verlässliche Zeichen des wirklich eingetretenen Todes hervorgehoben
worden sind. Weiterhin collabirt der Bulbus immer mehr, indem der
Glaskörper sich verflüssigt und die Häute des Augapfels sich blutig
imbibiren, und man findet schliesslich letzteren als sackartiges
Gebilde, welches seiner fibrösen Beschaffenheit wegen dann noch lange
der Zerstörung widersteht. Alle diese Veränderungen scheinen bei
geschlossenen Augenlidern langsamer vor sich zu gehen als bei offenen.
[Sidenote: Aeussere Fäulnisserscheinungen.]
Die weiteren Veränderungen, die mit der Leiche geschehen, gehören der
+Fäulniss+ an. In der Haut äussert sich der Beginn derselben
zuerst durch Imbibitionsvorgänge. Die Todtenflecke werden diffuser
und missfärbig, und livide diffuse Flecken treten auch an anderen
relativ abhängigen Körperstellen auf und nehmen an Ausdehnung zu.
Gleichzeitig beginnt eine eigenthümliche schmutzig-grüne Verfärbung
der Haut an einzelnen Stellen aufzutreten, und zwar gewöhnlich zuerst
in den Leistengegenden, von wo aus sie sich zunächst über den Bauch
und, indem sie auch anderwärts, insbesondere zunächst im Gesicht und
am Oberkörper, auftritt, über den ganzen Körper verbreitet.[522]
Mit dem Fortschreiten der Imbibition in der Haut wird diese,
namentlich entsprechend den Hypostasen und den grünverfärbten
Stellen, succulenter, und es beginnt die Transsudation missfärbigen
blutigen (an weniger abhängigen Stellen mitunter nur leicht gelblich
gefärbten) Serums auf die äussere Fläche des Corium, zwischen dieses
und die Epidermis. Die Epidermis wird dadurch entweder in Blasen
abgehoben oder der Zusammenhang zwischen ihr und dem Corium wird so
gelockert, dass sich die Epidermis leicht in Fetzen abstreifen lässt.
Es kommt dann, oder wenn die erwähnten Blasen platzen, das feuchte
missfärbige, später schmierige Corium zum Vorschein, welches entweder
der weiteren Colliquation anheimfällt oder durch die Einwirkung
der Luft vertrocknet. Gleichzeitig mit den erwähnten Vorgängen
beginnt die Entwicklung von Fäulnissgasen im Unterhautzellgewebe,
das Fäulnissemphysem, besonders im Gesichte, am Halse, am oberen
Theile des Brustkorbes, an den Genitalien und Extremitäten. Solche
Stellen erscheinen aufgetrieben, elastisch, unter dem Fingerdrucke
crepitirend und lassen in sich von Gasblasen ausgedehnte und in Folge
der Imbibition der Gefässwand und der Nachbarschaft als missfärbige
Streifen durchscheinende Venennetze erkennen. Da gleichzeitig
der Unterleib meteoristisch vorgewölbt wird, so wird der ganze
Körper schliesslich in solchem Grade aufgetrieben, dass er, wie
+Casper+ sehr bezeichnend sich ausdrückt, ein „gigantisches“
Aussehen erhält. Der Brennbarkeit der Fäulnissgase wurde bereits oben
(pag. 607) Erwähnung gethan.
Die weiteren Veränderungen, welche mit der Leiche vor sich gehen,
erfolgen verhältnissmässig zu den bisher geschilderten langsam. Die
Epidermis löst sich in immer weiterer Ausdehnung vom durchfeuchteten
und missfärbigen Corium ab, und Nägel und Haare werden so gelockert,
dass sie einem leichten Zuge folgen; die grünen Hautstellen
werden immer dunkler und schliesslich fast schwarz, die roth und
braunroth imbibirten Partien immer missfärbiger, die Gasbildung im
Unterhautgewebe und in den Körperhöhlen nimmt immer mehr zu, bis die
Fäulnissgase an irgend einer Stelle durchbrechen, worauf der Leib
zusammensinkt[523] und die Weichtheile der putriden Colliquation,
eventuell der Eintrocknung und hierauf der Verwesung verfallen.
[Sidenote: Innere Fäulnisserscheinungen.]
[Sidenote: Imbibitions- u. Transsudationserscheinungen.]
Auch in den +inneren Organen+ sind es Imbibitions-
und Transsudationserscheinungen, welche die Reihe der
Fäulnissveränderungen eröffnen, und diese beginnen wieder zunächst
an den Stellen, an welchen Hypostasen sich entwickelt haben, daher
an den abwärtigen Partien der verschiedenen Organe, indem blutiges
Serum durch die Gefässwandungen transsudirt und theils die Gewebe
selbst durchtränkt, theils die Organe verlässt und ausserhalb
dieser, besonders innerhalb der serösen Säcke, sich ansammelt.
Frühzeitig bilden sich Imbibitionen an der Schleimhaut des Rachens,
des Kehlkopfes und der Luftwege, ferner an der hinteren Wand des
Magens, an den abhängigen Darmpartien, an der Intima der Gefässe
und am Endocard, ebenso an den Meningen, und die dadurch sich
bildenden diffusen, fleckigen oder streifigen Röthungen sind wohl zu
unterscheiden von anderweitig entstandenen; ebenso die erst an der
Leiche entstandene stärkere Durchfeuchtung und blutige Durchtränkung
ganzer Organe, namentlich der Lungen, von pathologischen Processen.
Dass die im Pleurasack sich bildenden Leichentranssudate bei
Neugeborenen die Luft aus den Lungen zum grossen Theile und unter
Umständen selbst gänzlich verdrängen können, wurde pag. 759 erwähnt.
Je mehr die Fäulniss vorwärts schreitet, desto mehr verschwindet das
Blut durch Imbibition und Transsudation aus den Gefässen, und es
wäre daher ein unverzeihlicher Irrthum, bei einer hochfaulen Leiche
aus der Leere der Gefässe und des Herzens etwa auf eine stattgehabte
Verblutung zu schliessen. Je flüssiger das Blut ursprünglich war,
desto schneller verschwindet es aus den Gefässen. Da die wässerigen
Bestandtheile früher versickern als die festeren, so kommt es, wie
wir uns wiederholt, besonders bei Leichen Erstickter, die längere
Zeit, ohne zu faulen, gelegen sind, überzeugt haben, anfangs mitunter
zu einer Eindickung des Blutes. Aber auch geronnenes Blut wird
schliesslich durch Fäulniss verflüssigt, wobei sich nach +Falk+ das
Fibrin in Globulin verwandelt. Ebenso wie das Blut in den Gefässen,
verflüssigt auch extravasirtes Blut und traumatische Blutaustretungen
können bei hoher Fäulniss auf diese Weise vollkommen verschwinden
oder wenigstens unkenntlich werden. Uebrigens verfallen auch andere
Flüssigkeiten, wie z. B. seröse Ergüsse, Oedemflüssigkeit, Galle
und andere gelöste Farbstoffe (pag. 631) und, wie oben (pag. 644)
erwähnt, auch gelöste Gifte der Imbibition und Transsudation.
Die sonstigen makroskopischen Veränderungen, die sich in Folge der
Fäulniss in den einzelnen Organen einstellen, bestehen im Allgemeinen
ausser im Missfärbigwerden in einer fortschreitenden, mit Gasbildung
einhergehenden Erweichung und schliesslich in vollkommenem Zerfall
der betreffenden Gewebe in eine schmierige Masse.
[Sidenote: Mikroskop. Veränderungen.]