schon wenige Minuten nach dem Verschlucken des Giftes eintreten, in
der Regel jedoch verfliesst einige Zeit, selbst mehrere Stunden und
auch halbe, seltener ganze Tage, bevor dies geschieht. Druck und
schmerzhaftes Gefühl in der Magenwand, Ueblichkeiten, Aufstossen nach
Phosphor riechender und im Dunkeln leuchtender Dämpfe und hierauf
Erbrechen[437] ebenso beschaffener Massen, grosser Durst sind die
ersten Erscheinungen. Dieselben können in progressiver Steigerung
schon in wenigen Stunden unter Collapsus zum Tode führen, und zwar, wie
bei Kindern beobachtet wurde, schon nach 4-8 Stunden. Bei Erwachsenen
ist ein so acuter Verlauf verhältnissmässig selten. In einem von uns
untersuchten Falle starb ein Mädchen, welches die Köpfchen von 5
Päckchen Zündhölzchen genommen hatte, schon nach 8 Stunden, in einem
anderen (Phosphorpasta) erfolgte der Tod schon nach 24, in einem
dritten nach 27 und in einem vierten (Phosphor und Laugenessenz) in
40 Stunden. Auch +Tüngel+ sah letalen Ausgang 9½ Stunden nach der
Vergiftung, +Axel Jäderholm+ nach 7, +Maschka+ (Wiener med. Wochenschr.
1884) dreimal nach 8 Stunden, +Hammer+ (Prager Wochenschr. 1888, Nr.
8) und +A. Paltauf+ (Wiener klin. Wochenschr. Nr. 25) nach 9 Stunden
eintreten. Im letzten Falle waren die Köpfchen von 10, im vorletzten
sogar von 38 Päckchen Zündhölzchen genommen worden. In der Mehrzahl der
Fälle ist der Verlauf ein subacuter und führt erst nach mehreren (meist
3-7) Tagen zum Tode. Das Erbrechen kann nachlassen oder es dauert
fort und es werden dann meist kaffeesatzfärbige (bluthältige) Massen
entleert. Die Magengegend ist etwas aufgetrieben und empfindlich. Der
Stuhl anfangs meist zurückgehalten, während später von zersetztem
Blut missfarbige Stoffe entleert werden. Sehr bald, manchmal schon am
zweiten Tage, zeigt sich (hepatogener) Icterus[438], der sich rasch
und intensiv entwickelt, wobei in der Regel eine Grössenzunahme der
Leber nachweisbar ist, die am 4. bis 9. Tage in eine Verkleinerung
übergehen kann. Enorme Muskelschwäche und Hinfälligkeit, kleiner
frequenter Puls, schwacher Herzschlag. Die Temperatur, mässig erhöht,
sinkt vor dem Tode auf die normale Körpertemperatur und selbst unter
dieselbe. Die Harnabsonderung unterdrückt. Der Harn enthält frühzeitig
Gallenpigment und in der Regel schon in den ersten Tagen Eiweiss und
Blut. Faserstoffcylinder fehlen in der Regel, doch wird ihr Befund
von +Mannkopff+ (Wiener med. Wochenschr. 1883, Nr. 26, Beilage)
angegeben. Der Harnstoffgehalt wurde in einzelnen Fällen vermindert
und in anderen bedeutend vermehrt gefunden. Im ersteren Falle treten
niedere Oxydationsproducte des Stickstoffes auf und nach +Schulzen+
constant Fleischmilchsäure. +Schütz+ (Prager med. Wochenschr. 1882,
pag. 111) fand bei Phosphorvergiftung im Harn freies Fett, +Selmi+
(Virchow’s Jahrb. 1880, I, 440) phosphorhaltige Basen, nicht aber
bei Icterus gravis. Das Bewusstsein bleibt meist bis zum Tode
erhalten. In einzelnen Fällen waren Delirien kurz vor dem Tode und
ein comatöser Zustand eingetreten.[439] Bemerkenswerth ist noch das
vereinzelt beobachtete Auftreten von Ecchymosen in der Conjunctiva und
unter der Haut unter dem Bilde der Purpura haemorrhagica. Genesung
nach intensiver Phosphorvergiftung ist nicht häufig, wurde jedoch
wiederholt und selbst in Fällen beobachtet, in denen bereits Icterus
und Collapserscheinungen aufgetreten waren.[440]
[Sidenote: Sectionsbefund nach Phosphorvergiftung.]
Der +Leichenbefund+ hängt wesentlich von der Dauer der durch die
Vergiftung veranlassten Erkrankung ab. In sehr acuten Fällen kann
sich ausgesprochener Phosphorgeruch des Magen- und Darminhaltes,
sowie ein Leuchten desselben beim Schütteln im Dunkeln finden und
man ist mitunter noch im Stande, Phosphorstückchen, beziehungsweise
Zündhölzchenköpfchen zu erkennen. Noch leichter ist es, die Anwesenheit
von Phosphor chemisch, insbesondere durch Destillation in dunklem
Raume, nachzuweisen. Dafür sind die übrigen Befunde meist negativ,
da die Organe ausser etwa trüber Schwellung der Magenschleimhaut
keine auffallenden mikroskopischen Veränderungen bieten. Auch die
mikroskopische Untersuchung kann ein ganz negatives Resultat ergeben,
wie dies bei einem von uns obducirten Mädchen der Fall war, welches
Abends Zündhölzchenköpfchen genommen und am frühen Morgen sich aus dem
Fenster gestürzt hatte. Doch konnten wir bei dem oben erwähnten, schon
nach acht Stunden verstorbenen Mädchen nicht blos „trübe Schwellung“
der Magenschleimhaut, sondern bereits körnige Degeneration der
Leberzellen, sowie ein wie bestäubtes Aussehen der Nierenepithelien und
der Herzmuskelfasern constatiren, noch ausgesprochener aber in den nach
24 oder 40 Stunden abgelaufenen Fällen.
[Sidenote: Ecchymosen.]
War jedoch, wie meistens, der Tod erst nach 3-5 Tagen eingetreten, so
ist der Sectionsbefund ein sehr charakteristischer. Die Leiche ist
auffallend icterisch[441] und die äussere Besichtigung lässt manchmal
Ecchymosen in den Conjunctiven, und durch die Haut durchscheinend,
im subcutanen Zellgewebe erkennen, die mitunter wie traumatische
Suffusionen aussehen können. Die inneren Organe erscheinen mehr
weniger icterisch und von diesen die meisten im Zustande hochgradiger
acuter, fettiger Degeneration. Letztere ist namentlich in der Leber
und in der Niere ausgesprochen, welche vergrössert, auffallend gelb
von Farbe und von teigiger Consistenz erscheinen, am Durchschnitt
fettig glänzen und deren Parenchymzellen unter dem Mikroskope
von massenhaften Fetttröpfchen durchsetzt sich erweisen. Ebenso
zeigen sich die Magenlabdrüsenzellen, insbesondere die Hauptzellen,
hochgradig fettig degenerirt, so dass schon bei makroskopischer
Besichtigung der Magenschleimhaut die Drüsenmündungen in Form
gelblicher Punkte hervortreten (Virchow’s Gastradenitis phosphorica),
während die Schleimhaut im Ganzen eigenthümlich bleichgelb, trüb
und etwas geschwellt erscheint. Ecchymosen der Magenschleimhaut und
hämorrhagische Errosionen finden sich häufig. Der Mageninhalt ist
entweder eine graue trübe Flüssigkeit oder ist bluthaltig und dann
chocoladebraun. Letzterer Inhalt findet sich häufig, und zwar im
Allgemeinen häufiger als im Magen, im Darmcanal, und zwar mit und
ohne Ecchymosirung der Darmschleimhaut. Diese erscheint in der Regel
bleich oder noch häufiger gelblichgrau. Im Dickdarm finden sich in
jenen Fällen, in denen Stuhlverhaltung bestand, lehmfarbige oder
schiefergraue breiige Massen, in denen nicht selten der Nachweis
von Phosphor in Substanz gelingt, während dies im Magen und übrigen
Darminhalt in der Regel nicht mehr möglich ist. Ausser in den
parenchymatösen Organen ist die fettige Degeneration auch in der
Musculatur ausgesprochen, namentlich in jener des Herzens, aber auch
in den Gefässwandungen, besonders in jenen der kleinen Gefässe. Auch
die weissen Blutkörperchen zeigen sich von Fetttröpfchen durchsetzt.
Das Blut ist theils flüssig, theils locker geronnen[442], dabei aber
missfärbig, die Blutkörperchen sind vielfach verknittert und zerfallen,
mit Wasser verdünnt erscheint das Blut auffallend trübe und setzt
einen reichlichen feinkörnigen Bodensatz ab (Globulin?). Ob die
Verknitterung und Auflösung der rothen Blutkörperchen schon während des
Lebens stattfinde oder erst an der Leiche in Folge der meist frühzeitig
eintretenden Fäulniss, ist nicht sichergestellt. Ersteres ist jedoch
wahrscheinlich, wurde auch durch die Untersuchungen von +Taussig+
(Arch. f. experim. Path. 1892, XXX, pag. 161) bestätigt und dieser
Umstand zugleich mit der durch die fettige Degeneration bewirkten
grösseren Zerreisslichkeit der Gefässe ist der Grund eines anderen,
der Phosphorvergiftung sehr constant zukommenden Befundes, nämlich
der Ecchymosen, welche unter den serösen Häuten, aber auch an anderen
Stellen sich finden. Von ersteren ist es insbesondere das Peritoneum,
welches namentlich zwischen den Blättern der Netze und Gekröse grössere
und kleinere Ecchymosen enthält, ebenso die Pleura und das Pericardium.
Häufig sind auch Ecchymosen im subcutanen, insbesondere aber im
intermusculären Bindegewebe, namentlich an abhängigen Stellen, in den
Mediastinalräumen, besonders den hinteren, ferner an den Schleimhäuten,
so schon im Rachen und im Oesophagus gewöhnlich aber in der Magen-
und Darmschleimhaut, sehr constant in den Nierenbecken. In einzelnen
Fällen wurden Ecchymosen sogar im Ependym der Ventrikel beobachtet.
Bei der Entstehung der Ecchymosen können auch mechanische Einflüsse
mitwirken. So fand +Seydel+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1893,
VI, pag. 281) bei einer an subacuter Phosphorvergiftung gleich nach der
Entbindung verstorbenen Frau die Ecchymosen besonders massenhaft in der
vorderen Bauchwand und an einem Oberschenkel, was er einestheils von
der vorgenommenen Placentarexpression, anderseits von einem Fall auf’s
Knie herleitet, den die Untersuchte kurz vor ihrem Tode gemacht hatte.
In den von uns secirten Fällen finden wir auffallend häufig Ecchymosen
an den Rippeninsertionen der Brustmuskeln und an den Rippenbögen
verzeichnet, bei deren Entstehung die Zerrung der Muskeln bei der
angestrengten Athmung eine Rolle spielen dürfte.
[Sidenote: Hautgangrän.]
Bemerkenswerth ist das in einzelnen Fällen beobachtete Auftreten
von (symmetrischer) Hautgangrän an den Füssen. Ausser in einem
1882 von +Ehrlich+ in Berlin veröffentlichten solchen Fall und in
zwei von R. +Paltauf+ und +Kretz+ vor Kurzem beobachteten, aber
noch nicht publicirten Fällen kam ein solcher Befund in unserem
Institute zur Beobachtung und wurde von +Haberda+ bei der Wiener
Naturforscherversammlung (Wiener klin. Wochenschr. 1894, pag. 798)
mitgetheilt. Er betraf ein nach Abortus verstorbenes Mädchen, bei
welchem zwei Tage vor dem Tode an beiden Fussrücken gangränöse Flecken
auftraten. Man dachte an eine Fruchtabtreibung durch Secale cornutum,
während die Obduction eine zweifellose Phosphorvergiftung ergab.
+Haberda+ erklärt diese Gangränen aus der Blutzersetzung, aus den
Veränderungen an den Gefässen, vorzugsweise aber aus der schwachen
Herzaction.
Zwischen diesen höchst ausgeprägten und kaum zu verkennenden Fällen
von Phosphorvergiftung und jenen sehr acuten, die bei der Section
keine auffallenden Veränderungen in den inneren Organen zeigen,
gibt es andere, in denen die genannten Organe die verschiedenen
Uebergänge zwischen „trüber Schwellung“ und fettiger Degeneration
zeigen, und es muss festgehalten werden, dass der Tod in Folge einer
Phosphorvergiftung in allen Stadien derselben erfolgen kann. Auch ist
zu bemerken, dass der Tod noch vor vollständigem Ablauf der Vergiftung
durch Hämorrhagien eintreten kann, die in Folge der fortschreitenden
fettigen Degeneration der peripheren Gefässe sich einstellen können. So
berichtete +Heschl+[443] über einen Fall, in welchem im Verlaufe einer
Phosphorvergiftung eine tödtliche Hirnhämorrhagie auftrat, und einen
gleichen Fall hatten auch wir zu obduciren Gelegenheit, sowie mehrere,
in welchen es zu einer profusen Darmblutung gekommen war, die als
nächste Todesursache aufgefasst werden musste.
[Sidenote: Wirkung des Phosphors.]
Ueber die +Ursache+ der giftigen Wirkung des Phosphors ist man
noch sehr im Unklaren. Eine ätzende Wirkung namentlich auf die
Magenschleimhaut kommt dem Phosphor nicht zu, und die Angaben
Einzelner, dass sie angeätzte und selbst brandige Stellen im Magen
fanden, stehen im Widerspruch mit den zahlreichen Beobachtungen
Anderer, welche niemals ähnliche Befunde constatiren konnten, womit
auch unsere an einer grossen Reihe von Phosphorleichen gemachten
Erfahrungen übereinstimmen. Was die Allgemeinwirkungen des Phosphors
betrifft, so verlangt das Verständniss dieser zunächst eine genauere
Kenntniss über die Art und Weise, wie der Phosphor überhaupt zur
Resorption gelangt. Da letzterer als im Wasser unlöslich angesehen
wird, so ist eine Resorption schwer verständlich, weshalb einzelne
Forscher (+Munk+ und +Leyden+) die Ansicht aussprachen, dass der
Phosphor im Magen sich zu phosphoriger und Phosphorsäure oxydire,
und dass diese Säuren, weil sie im concentrirten Zustand resorbirt
werden, giftig wirken. Diese Anschauung ist unhaltbar, weil sie eine
Anätzung der Magenschleimhaut voraussetzt, die sich niemals findet.
+Schuchardt+ und +Dybkowsky+ wieder sind der Meinung, dass sich im
Magen die nichtentzündliche Varietät von Phosphorwasserstoff bilde
und resorbirt giftig wirke, indem dieser auf Kosten des Sauerstoffes
des Blutes zu phosphoriger Säure sich oxydire. Auch diese Anschauung
hat wegen der geringen Mengen von Sauerstoff, die dem Blute dabei
entzogen würden, nicht viel für sich. Am plausibelsten erscheint
gegenwärtig die Annahme, dass der Phosphor als solcher in das
Blut gelange, und zwar entweder als Phosphordampf, welcher nach
Versuchen +Bamberger+’s thierische Membranen zu durchdringen im
Stande ist, oder indem der Phosphor durch die im Magen oder im Darm
befindlichen Fette gelöst wird und auf diese Weise zur Resorption
kommt. Ueberdies neigen sich einzelne Beobachter zur Ansicht hin,
dass der Phosphor doch nicht im Wasser so ganz unlöslich sei, wie
gewöhnlich angenommen wird.[444] +H. Meyer+ (Arch. f. exp. Path. XIV,
313) findet, dass dem Phosphor eine direct schwächende Einwirkung auf
das Herznervensystem zukomme, ähnlich wie dem Arsen und dem Antimon,
ausserdem eine Einwirkung auf die Blutgase, da die Grösse des
Sauerstoffgehaltes des Blutes zwar normal bleibt, dagegen der Gehalt
der gesammten und der auspumpbaren Kohlensäure ausserordentlich tief
herabsinkt. +Briliant+ wieder (ibid. XV, 39) kommt auf Grundlage
seiner Thierversuche zum Schlusse, dass zwischen den Wirkungen
des Phosphors und des Phosphorwasserstoffes kein wesentlicher
Unterschied bestehe, und dass die Kreislaufstörungen bei diesen
Vergiftungen analog sind denen bei Arsen- und Antimonvergiftung.
Dagegen treten die Gastrointestinalerscheinungen gegen die nervösen
Störungen sehr in den Hintergrund. Als charakteristisch bezeichnet
er das Stadium tiefster Narcose, welches dem Tode bei Phosphor-
oder Phosphorwasserstoffvergiftung unmittelbar vorausgeht, während,
wie oben erwähnt, bei Menschen das Bewusstsein in der Regel bis
zum Tode sich erhält. Neuere Ansichten über den „Mechanismus der
Phosphorvergiftung“ hat +Corput+ am 10. internationalen Congress in
Berlin vorgebracht.
[Sidenote: Acute gelbe Leberatrophie.]
Die hochgradige Verfettung der inneren Organe, der Icterus und die
Ecchymosen an den serösen Häuten und an den Schleimhäuten sind für
die subacute Phosphorvergiftung sehr charakteristisch und gewähren
ein so eigenthümliches Bild, dass dieses in den meisten Fällen für
sich allein die Diagnose gestattet. Trotzdem gibt es einige Processe,
die, wenn auch nicht gleiche, so doch ähnliche Sectionsbefunde
gewähren. Es sind dies alle jene Erkrankungen, die ebenfalls eine
acute körnige und fettige Degeneration der inneren Organe nach
sich ziehen und die wir bereits oben (pag. 638) angeführt haben.
Specielle Erwähnung verdient hier die „acute Leberatrophie“, deren
Aehnlichkeit mit der Phosphorvergiftung seit jeher hervorgehoben worden
ist. Dieselbe tritt bekanntlich am häufigsten bei Schwangeren und
Wöchnerinnen auf und verläuft sehr acut unter dem Bilde des Icterus
gravis, wobei schon während des Lebens eine Abnahme des Lebervolumens
klinisch nachgewiesen werden kann. Die Section zeigt ebenfalls
hochgradige, fettige Degeneration der Nieren und des Herzens, sowie
der willkürlichen Musculatur und auch Ecchymosen unter den serösen
Häuten und auf den Schleimhäuten, wenn auch nicht so constant wie
bei der Phosphorvergiftung. Dagegen bietet, wie gewöhnlich behauptet
wird, die Leber ein anderes Verhalten, als die Phosphorleber. Während
letztere vergrössert erscheint und die teigige Consistenz der Fettleber
zeigt, ist die acut atrophirte Leber, wie schon die Bezeichnung
ausdrückt, verkleinert und dabei auffallend schlaff, die Oberfläche
häufig stellenweise eingesunken. Während ferner die Phosphorleber eine
reingelbe, gleichmässig mit Rothbraun oder Gelbbraun untermischte
Farbe bietet, zeigt das Organ bei der acuten gelben Atrophie ein
schmutziggelbbraunes, am Durchschnitte sowohl als an der Oberfläche
von verwaschenen schmutzigrothen Flecken und Streifen unterbrochenes
Aussehen. Die mikroskopische Untersuchung ergibt nicht eine einfache
Infiltration der Leberzellen mit Fetttropfen, sondern gleichzeitig
einen Zerfall der Leberzellen, die als solche grösstentheils
unkenntlich erscheinen. Dabei sind sowohl in dem Detritus als in
den feinsten Gallengängen massenhaft Bacterien vorhanden, deren
Invasion sich auch in anderen Organen, so namentlich in den Nieren,
im Herzen und in den Hirngefässen, nachweisen lässt (+Waldeyer+,
+Klebs+). Endlich zeigt das interstitielle Lebergewebe eine reichliche
Einlagerung kleiner Rundzellen, deren rapide Wucherung nach Ansicht
+Winiwarter+’s Compression der Gefässe und Zerfall der Leberzellen
bedingt, ein Befund, der sich bei der Phosphorleber gar nicht oder nur
in sehr geringem Grade ergibt. Leider aber zeigt auch bei entschiedener
Phosphorvergiftung die Leber mitunter ein gleiches Verhalten wie bei
der acuten gelben Leberatrophie. Insbesondere kann auch bei dieser eine
Verkleinerung und ein Matschwerden der Leber sich finden. So berichtet
+Ermann+ (Vierteljahrschr. für gerichtl. Med. 1880, XXXIII, pag. 61)
über einen 19jährigen Mann, der die Köpfchen von 5 Bund Streichhölzchen
verschluckt hatte und nach 10 Tagen starb, nachdem während des Lebens
Chylurie (fetthaltiger Harn) eingetreten war, bei dem eine matsche,
ungleichmässig gefärbte und stark verkleinerte Leber von nur 870 Grm.
gefunden wurde. +Hessler+ (l. c.) constatirte unter 48 Fällen während
des Lebens 12mal eine Vergrösserung der Leber; in 2 Fällen gleich von
Anfang eine Verkleinerung, in den übrigen mit oder ohne vorausgegangene
Vergrösserung eine Verkleinerung vom 2. bis 9. Tage angefangen. Auch
wir haben bei einem entschiedenen Phosphorvergiftungsfalle eine
ausgesprochene Leberatrophie (690 Grm.) gefunden. +Ossikovszky+ (Wiener
med. Wochenschr. 1881, Nr. 33), der schon 1870 auf das Vorkommen
von Leberatrophie bei protrahirteren Formen der Phosphorvergiftung
aufmerksam machte, hält überhaupt die „acute Leberatrophie“ und die
Phosphorvergiftung für identisch. Ob und in welcher Beziehung die
„acute gelbe Leberatrophie“ zu der besonders bei Schwangeren und
Wöchnerinnen von +R. Paltauf+, +Jürgens+ und auch von uns beobachteten
Fällen von „Hepatitis haemorrhagica“ steht, bedarf noch weiterer
Studien.
[Sidenote: Differentialdiagnose. Acute Leberatrophie.]
Ein der Phosphorvergiftung ähnliches Bild erzeugt auch die Variola
haemorrhagica, besonders wenn der Tod im sogenannten Ausbruchsstadium
erfolgt. Bei einem 5½jährigen Mädchen fanden wir nur spärliche,
von einem hämorrhagischen Hof umgebene Knötchen an der linken
Gesichtshälfte, an den Seitentheilen des Thorax, am Bauche und
den Oberschenkeln, aber bis bohnengrosse zahlreiche Hämorrhagien
im subcutanen und intermusculären Bindegewebe, ebenso in beiden
Mediastinalräumen und besonders in den Gekrösen, parenchymatöse
Degeneration der Muskeln, der Leber und der Nieren, trübe Schwellung
im Magen, acuten Milztumor, keinen Icterus.
[Sidenote: Nachweis von Phosphor in der Leiche.]
Bezüglich des Nachweises des Phosphors wurde bereits erwähnt, dass
in einzelnen Fällen die Anwesenheit von Phosphor im Magen- und
Darminhalt durch das charakteristische Leuchten der im Dunkeln bei
Luftzutritt geschüttelten Massen constatirt werden kann. Hier sei
hinzugefügt, dass nur saure oder neutrale Massen leuchten, dass daher
die Contenta, wenn sie, namentlich in Folge der Fäulniss, alkalisch
reagiren, früher angesäuert werden müssen. Das +Mitscherlich+’sche
Verfahren, den Phosphor in Leichentheilen nachzuweisen, besteht in
Destillation der angesäuerten Massen im dunklen Raume. Ist Phosphor
vorhanden, so zeigt sich, wenn die Masse im Kolben in’s Kochen
geräth, an der Stelle, an welcher das vom Kolben abgehende Rohr in
das Kühlrohr eintritt, das charakteristische Leuchten, eine Reaction,
die so empfindlich ist, dass schon 1-2 Zündhölzchenköpfchen dieselbe
geben. Das Leuchten kann jedoch verhindert werden durch Anwesenheit
von Alkohol, Aether, Terpentinöl, Buttersäure und wahrscheinlich
durch andere stark riechende Stoffe, die daher, bevor man den Versuch
anstellt, entfernt werden müssen. Die Methode von +Dussard+ und
+Blondlot+ beruht auf der Darstellung von Phosphorwasserstoff, die
in analoger Weise ausgeführt wird, wie die des Arsenwasserstoffes
im +Marsh+’schen Apparate, und bezweckt den Nachweis der
charakteristischen, prächtig grünen Phosphorwasserstoffflamme.
Da der Phosphor sich im Organismus rasch oxydirt, ein Theil überdies
theils durch Erbrechen und manchmal auch durch Diarrhöen entleert
wird, so gelingt der chemische Nachweis des Phosphors als solcher
in der Regel nur in acuteren Fällen, selten und dann nur im unteren
Darm in jenen, die länger gedauert hatten. Doch kann dann noch
der Nachweis von phosphoriger Säure, die im normalen Organismus
nicht vorkommt, die Diagnose sicherstellen. In acut verlaufenden
Fällen kann der Phosphor unter Umständen noch in der faulen
Leiche unzersetzt sich erhalten. So haben +Fischer+ und +Müller+
(Vierteljahrschrift f. gerichtl. Med. 1876, XXIV, 1) den Phosphor
noch nach 8 Wochen und noch nach 12 Wochen phosphorige Säure in den
Leichen damit vergifteter Thiere nachweisen können, und +Elvers+
(ibid. XXV, 25) beschreibt einen Fall, in welchem es gelang, in
der exhumirten Leiche einer mit Phosphorpasta vergifteten Frau
noch 35 Tage nach dem Tode die Anwesenheit von Phosphor mittelst
des +Mitscherlich+’schen Apparates zu constatiren. In dem von uns
untersuchten, nach 8 Stunden letal abgelaufenen Fall zeigte der
leicht verschlossen aufbewahrte, hochgradig faule Darminhalt noch
nach 2 Monaten, in einem anderen (Tod nach 8 Tagen) die im Mastdarm
gefundenen, erweichte Zündhölzchenköpfchen und Schwefelstückchen
enthaltenden Fäces noch nach 5 Monaten ein deutliches Leuchten im
+Mitscherlich+’schen Apparate; in einem weiteren (Phosphorpasta) war
schon 7 Tage nach der Aufbewahrung kein Phosphor mehr nachweisbar.
+Friedberg+ (Virchow’s Arch. LXXXIII, 501) berichtet über einen Fall,
in welchem nach 3 Monaten nach der Beerdigung die Phosphorvergiftung
durch den Nachweis von phosphoriger Säure sichergestellt wurde.
Die chemische Untersuchung ergab zugleich kleine Mengen von Arsen
und Antimon, welche auch in dem in Beschlag genommenen Mäusegift
(Phosphorbacillen) gefunden wurden.[445] Da die Zündhölzchenköpfchen
durch Mennige gefärbt sind, sind die Leichentheile auch auf Blei
zu untersuchen, welches sich bekanntlich leicht nachweisen lässt.
Dieser Nachweis ist uns wiederholt im Darminhalt gelungen, nachdem
bereits Phosphor als solcher nicht mehr vorhanden war. In einem von
+Tardieu+ (l. c. 264) mitgetheilten Falle konnte noch nach 1½
Jahren in der exhumirten Leiche Zinnober nachgewiesen werden, womit
die betreffenden Zündhölzchen gefärbt gewesen waren. In einzelnen
unserer Fälle gelang es, im Magen- und Darminhalt noch Stückchen der
Hölzchen aufzufinden und auch unter dem Mikroskope als von Nadelholz
herrührend, an den bekannten Tüpfelgefässen zu erkennen. Insbesondere
fanden wir bei einem aus der Donau gezogenen Manne etwa 30
abgebrochene, bis 1·5 Cm. lange Zündhölzchenstücke im Dünndarm. Auch
der Schwefel der gewöhnlichen Zündhölzchenköpfchen kann nachweisbar
sein, doch kam hier auch ein Fall zur (pathologischen) Section, in
welchem bei einer an Laugenessenzvergiftung verstorbenen Dienstmagd
auch eine Menge von Schwefelstückchen im Magen gefunden wurde, indem
dieselbe gestossenen Schwefel, weil sie diesen entweder für giftig
hielt oder mit Phosphor verwechselte, der Laugenessenz beigemischt
hatte.
Vergiftung mit Opium und Morphium.
Die hierher gehörenden, zur forensischen Untersuchung gelangenden
Vergiftungen geschehen entweder mit dem Absud von Mohnköpfen oder
mit Opium und seinen pharmaceutischen Präparaten oder mit dem
wichtigsten und am meisten bekannten und benützten Alkaloid desselben,
dem Morphin. Die Vergiftung durch Absud von Mohnköpfen betrifft
fast ausnahmslos Kinder, denen derselbe als schmerzstillendes oder
einschläferndes Mittel gereicht wurde, welcher gefährliche Usus so
verbreitet ist und bereits so vielen Kindern das Leben kostete, dass
das gegenwärtige österr. St.-G. sich veranlasst fand, im §. 377
die Anwendung des Absudes von Mohnköpfen bei Kindern ausdrücklich
als Uebertretung, beziehungsweise als Vergehen zu bezeichnen und
hervorzuheben. Zufolge der Untersuchung von +Sydenham+, +Winkler+
und +Menz+ sind in vier Stück unreifer und getrockneter Mohnköpfe
0·019 Grm. Morphium enthalten, doch ist bei der Verwerthung dieser
Angabe ausser auf den wechselnden Morphiumgehalt der Mohnköpfe und des
Opiums überhaupt, auch darauf Rücksicht zu nehmen, dass zerkleinerte
Mohnköpfe, wenn sie gekocht werden, viel mehr Morphium abgeben, als
wenn sie, wie häufig geschieht, in toto gekocht worden sind. Auch ist
der Opiumgehalt der Mohnkapseln ein sehr verschiedener, insbesondere
der der unreifen ein höherer als der reifen. Den Untersuchungen
+Bělohoubek+’s zufolge (Virchow’s Jahresb. 1893, I, pag. 499) soll in
den käuflichen Mohnköpfen auch eine strychninartige Substanz vorkommen.
Ebenso giftig ist der bei uns früher im Handverkauf der Apotheker
gestattete, aus Mohnkapseln bereitete Syrupus Diacodii, der unter dem
Namen „Bockshörndlsaft“ häufig zur Beruhigung der Kinder angewendet
wird. Wir haben mehrere damit vergiftete Kinder obducirt, darunter
einen Säugling, der für 2 kr. (10 Grm.) des Syrups erhalten hatte.
Fast unmittelbar nach der Darreichung erfolgte tiefer Schlaf, der in
Sopor und Tod überging. Die Obduction ergab mässige Bronchitis, enge
Pupillen, ausgedehnte Harnblase und geronnenes Blut. Die Vergiftung mit
Opium als solchem, sowie die mit dessen pharmaceutischen Präparaten,
wie Tinctura opii simplex und crocata, sind bei uns selten und kommen
fast nur als medicinale Vergiftungen vor. In England sind Selbstmorde
damit häufig. Als Dosis toxica letalis vom Opium wird 1-2 Grm.
angenommen. Die Maximaldosis der österreichischen sowohl als der
deutschen Pharmakopöe beträgt 0·15 in der Einzelgabe und 0·5 pro die.
Von Morphium und seinen Salzen sind durchschnittlich 20-40 Cgrm. schon
im Stande, einen Erwachsenen zu tödten.