Der +Sectionsbefund+ ergibt in den typischen Fällen eingefallene

und halonirte Augen, manchmal Cyanose des Gesichtes, sowie der

Hände und der Füsse. Sonstige äussere Befunde fehlen. Ebenso bietet

die Schleimhaut der Schlingorgane nichts Abnormes. Dagegen finden

sich in der Regel ausgesprochene Veränderungen im Magen, besonders

aber im Darm. Die subperitonealen Gefässe des Magens und des Darms

sind in der Regel stark mit dickflüssigem, dunklem Blute injicirt.

Der Magen enthält meist gallertigen, fadenziehenden oder glasigen,

mitunter wie geronnenen, gewöhnlich blutig tingirten Schleim. Die

Schleimhaut erscheint in exquisiten Fällen gewulstet, gelockert und

intensiv injicirt, häufig auch ecchymosirt. Die Veränderung kann

über die ganze Magenschleimhaut gleichmässig verbreitet sein, oder

ist nur auf gewisse Strecken, besonders auf den Magengrund und die

untere Magenwand, beschränkt, oder auch nur auf der Höhe der Falten

ausgesprochen. In dem gallertigen Schleime, welcher der Schleimhaut

auflagert, sowie auf der Schleimhaut selbst lassen sich, wenn das

Gift nicht etwa in Lösung genommen wurde, in der Regel harte weisse

Arsenikkörnchen sehen, und noch leichter fühlen, und die Schleimhaut

erscheint an jenen Stellen, denen solche Körnchen aufliegen, stärker

geröthet, gewulstet und sammtartig gelockert. Ebenso lassen sich

mikroskopisch Arsenikkrystalle nachweisen. Aehnliche Befunde ergibt

gewöhnlich auch der Zwölffingerdarm und wir haben wiederholt in diesem

grössere Mengen von Arsenikkörnchen in Schleimklumpen eingebettet

gefunden. Förmliche Corrosionen haben wir niemals gefunden. Doch

befindet sich im hiesigen pathologisch-anatomischen Museum ein so zu

deutendes Präparat und von Dr. +Felkl+ wurde uns mitgetheilt, dass

er bei einem Weibe, welches zu Fruchtabtreibungszwecken (!) Arsenik

genommen hatte, ein deutliches Corrosionsgeschwür gefunden habe. Auch

Andere wollen solche beobachtet haben, namentlich +Filehne+ (Virchow’s

Arch. 83. Bd., pag. 1) bei Thieren, der jedoch die Destruction als

eine peptische, in Folge der sauern Beschaffenheit des Mageninhaltes

auftretende Erscheinung erklärt, die auch bei subcutaner Application

von Arsenik sich einstellt, dagegen nicht eintritt, wenn der

Mageninhalt dauernd alkalisch erhalten wird. Die Gedärme, namentlich

die dünnen, sind gewöhnlich schwappend mit wässerigem, molkig getrübtem

Inhalt gefüllt, während der Dickdarm ausserdem meist massenhaften

gallertigen, wie geronnenen Schleim enthält, der die Schleimhaut in

dicker Lage bedeckt und bei der mikroskopischen Untersuchung sich

ausser mit reichlichen desquamirten Darmepithelien mit massenhaften

lymphoiden Zellen durchsetzt erweist und stellenweise selbst einen

croupösen Charakter besitzen kann. Die Schleimhaut des Dünndarms

sowohl als des Dickdarms ist stark gelockert, in der Regel serös

infiltrirt (ödematös), schlotternd, dabei bleich, wie ausgewässert.

Die Gekrösdrüsen sind geschwellt. Die Nieren in den ersten Stadien der

trüben Schwellung, fast constant Fibrincylinder enthaltend, das Blut

im Herzen locker geronnen, in den peripheren Gefässen in Folge des

grossen Wasserverlustes mehr weniger eingedickt, mitunter von syrup-

bis theerartiger Consistenz. Die sonstigen Befunde, wie Hyperämie des

Gehirns und seiner Häute, sowie der Lungen, sind weder constant, noch

charakteristisch.

In protrahirteren Fällen finden sich körnige und fettige Degeneration

der Magenlabdrüsen, der Nieren und der Leber, sowie der Musculatur,

insbesondere jener des Herzens, und zwar desto ausgesprochener,

je länger der Krankheitsverlauf gedauert hatte. Ecchymosen an den

serösen Häuten, namentlich unter dem Peri- und Endocard, besonders

an letzterem, sind häufig und wir haben sie schon in ganz acuten

Fällen, unter Anderem bei einer Dienstmagd, die Abends noch gesund

und am Morgen todt und bereits todtenstarr am Abort sitzend gefunden

wurde, angetroffen. Bei einem 12jährigen Mädchen, welches Arsenik im

gepulverten Zustand genommen hatte und nach 4 Tagen gestorben war,

glich der Befund in vielen Beziehungen dem nach Phosphorvergiftung:

leichter Icterus, fettige Degeneration des Herzens (leicht), der

Leber (stärker) und der Nieren (sehr stark, wie bei der typischen

Phosphorniere); keine in der willkürlichen Musculatur. Ecchymosen

unter der Rachenschleimhaut und im Halszellgewebe, bohnengrosse

unter der Pleura, zu beiden Seiten der Wirbelsäule und in beiden

Mediastinalräumen, bis hanfkorngrosse am Herzen, besonders

hinten. Hämorrhagische Erosionen und trübe Schwellung im Magen,

wässerig-schleimiger, doch gallig gefärbter Inhalt in den Gedärmen

und gelockerte schlotterige Schleimhaut. Auch wurden in vereinzelnten

Fällen diphtheritische Zerstörungen im Dickdarm, besonders auf der Höhe

der Falten, beobachtet.

Die Intensität der betreffenden Erscheinungen ist nicht immer die

gleiche. Namentlich kann die Magenschleimhaut mitunter nur sehr

geringfügige Veränderungen, insbesondere nur die Erscheinungen der

trüben Schwellung, zeigen, während der Befund im Darm ungleich

constanter ist, was mit der Thatsache übereinstimmt, dass nach

Arsenikvergiftungen profuse Diarrhöen fast ausnahmslos sich einstellen.

[Sidenote: Arsenik. Ursache der Giftwirkung.]

Ueber die +Ursache+ der giftigen Wirkung des Arseniks ist gegenwärtig

nicht viel Positives bekannt. Bis in die neuere Zeit wurde das Gift

als ein in erster Linie local irritirendes, ja ätzendes angesehen.

Die irritirende Wirkung kann zwar nicht geleugnet werden, da

entzündliche Röthung und Schwellung der Magenschleimhaut auch bei

ganz acuter Vergiftung fast regelmässig, wenn auch nicht immer in

gleich hohem Grade vorkommt und namentlich an solchen Stellen stärker

zu bemerken ist, welchen Arsenikkörner auflagern. Auch spricht für

die locale Wirkung der hochgradig entzündete und selbst brandige

Zustand der Scheidenschleimhaut und des Muttermundes, der in solchen

Fällen gefunden wurde, in denen bei Frauen entweder in mörderischer

Absicht (Fälle von +Ansiaux+, vide Henke’s Zeitschr. 1821, II,

187) oder zu Fruchtabtreibungszwecken (Fälle: Vierteljahrschrift

f. gerichtl. Med. 1864, XXV, 110, und Deutsche Klinik. 1873, Nr.

41), ferner bei Stuten, mit welchen man in dieser Richtung Versuche

anstellte (+Ansiaux+, l. c.), Arsenik in die Scheide gebracht

worden war. Trotzdem ist weniger die locale, als vielmehr die

Allgemeinwirkung des Arseniks die Ursache seiner Giftigkeit, wofür

ausser den nervösen Symptomen der Arsenvergiftung insbesondere der

Umstand spricht, dass die klinischen und anatomischen Erscheinungen

der Gastroenteritis, insbesondere die eigenthümlichen, über dessen

ganze Länge gleichmässig ausgedehnten Veränderungen im Darmcanal

in gleicher Weise sich entwickeln, ob nun das Gift per os oder auf

anderem Wege, z. B. durch die Haut, beigebracht wurde.[433]

In welcher Weise die körnige und fettige Degeneration bei der

Arsenikvergiftung zu Stande kommt, ist bis jetzt nicht sichergestellt

(vide pag. 638), ebensowenig, wodurch die cerebrospinalen

Symptome veranlasst werden, die mitunter aufzutreten pflegen. Die

eigenthümliche Eindickung des Blutes, die bei an Arsenikvergiftung

Gestorbenen gewöhnlich gefunden wird, erklärt sich aus den profusen

Diarrhöen, respective aus den mit diesen verbundenen grossen

Wasserverlusten. In gleicher Weise kommt die Eindickung des Blutes

bei profusen Darmcatarrhen, namentlich aber bei der Cholera zu

Stande, mit welcher überhaupt das Bild der Arsenikvergiftung sowohl

während des Lebens, als an der Leiche eine grosse Aehnlichkeit

besitzt, worauf wiederholt und mit Recht hingewiesen wurde.[434]

Sonstige Veränderungen des Blutes, insbesondere der Blutkörperchen,

finden sich bei Arsenikvergiftungen nicht, obwohl Blut, wenn man es

mit einer Lösung arseniger Säure zusammenbringt, sich bald dunkler

färbt und das Hämatinspectrum zeigt.

[Sidenote: Mumification durch Arsenik.]

In einzelnen Fällen von Arsenikvergiftung wurde Verzögerung der

Fäulniss und bei exhumirten Leichen Mumification beobachtet, die

sich theils aus den profusen Wasserverlusten, theils aus der

bekannten conservirenden Wirkung des Arseniks erklärt, welch letztere

selbstverständlich nur dort eintreten kann, wo grössere Mengen von

Arsenik im Körper zurückgeblieben sind, während anderseits die

Mumification auch aus anderen Ursachen (z. B. im trockenen, sandigen

Boden) sich einzustellen vermag. +Zaaijer+ (De Toestand der Lijken

na Arsenicum-Vergifting. Amsterdam 1885 und Virchow’s Jahrb. 1885,

I, 533) hat die exhumirten Leichen von 13, von einer gewissen Frau

+van der Linden+ vergifteten Personen untersucht und ausserdem 60

Fälle von Arsenikvergiftung aus der Literatur zusammengestellt und

gefunden, dass sich die Leichen von an Arsenikvergiftung Verstorbenen

weder vor, noch nach der Exhumation anders verhalten als gewöhnliche

Leichen, weshalb er den Bestand einer sogenannten Arsenikmumification

vollkommen in Abrede stellt. Auch verhielt sich die Schimmel- und

Madenbildung wie bei anderen Leichen.

[Sidenote: Ausscheidung des Arsens. Arsenpräparate.]

Die Ausscheidung des Arseniks aus dem Körper erfolgt im Allgemeinen

schneller als bei anderen metallischen Giften. Der durchschnittliche

Termin der vollständigen Elimination wurde von +Orfila+ auf 30,

von +Chatin+ nur auf 12-15 Tage berechnet (+Tardieu+, l. c. 209)

und nach +Flandin+ (+Casper+-+Liman+, l. c. 421) waren bei Thieren

15 Gran sogar schon in 3 Tagen aus dem Körper verschwunden. Von

+Roussin+ (Journ. de pharm. et de chim. XLIII, 102) dagegen wurde

angegeben, dass die Knochen das Arsen noch hartnäckig festhalten,

nachdem es aus anderen Organen längst verschwunden ist. Nach

+Brouardel+’s und +Pouchet+’s aus Anlass der Massenvergiftungen in

Hyères und Havre (s. oben) angestellten Untersuchungen findet sich

bei acuter Intoxication Arsen in der compacten, bei chronischer auch

in der spongiösen Knochensubstanz. Von unserem Collegen Professor

+E. Ludwig+ werden uns folgende Beobachtungen mitgetheilt: Ein

kräftiger Fleischerhund erhielt durch 20 Tage je 0·1 Grm. Arsenik;

39 Tage nach der letzten Arsenikgabe wurde das Thier getödtet. Bei

der chemischen Untersuchung wurden aus der Leber noch einige starke

Arsenspiegel erhalten, während Gehirn, Knochen und Muskeln schon

arsenfrei waren. Ein zweiter Hund erhielt während 16 Tagen je 0·1

Grm. Arsenik; am 28. Tage nach der letzten Arsenikgabe wurde das

Thier getödtet. Die chemische Untersuchung ergab hier im Harn noch

eine sehr geringe Spur von Arsen, im Gehirn und Knochen gleichfalls

noch nachweisbare Arsenmengen, aus der Leber wurden noch starke

Arsenspiegel erhalten. Einem dritten Hunde wurden während 26 Tagen je

0·1 Grm. Arsenik gegeben, 22 Tage nach der letzten Arsenikgabe wurde

das Thier getödtet; in diesem Falle wurden aus der Leber noch mehrere

starke Arsenspiegel erhalten und auch Gehirn, Herz, Knochen und Harn

erhielten noch leise Spuren von Arsen.

Im Allgemeinen ist es nicht undenkbar, dass ein Individuum an den

Folgen einer Arsenikvergiftung stirbt, nachdem das Arsen bereits

vollständig ausgeschieden ist. Noch eher ist es möglich, dass nur

Spuren davon sich ergeben, wobei ausserdem doch zu erwägen kommt,

dass ein grosser Theil des Giftes schon durch Erbrechen und den Stuhl

entleert wird und ein anderer erst im Grabe im Laufe der Fäulniss

und Verwesung dem Körper entzogen werden kann; durchaus Umstände,

die, wenn es sich um die Diagnose einer Arsenikvergiftung überhaupt

handelt oder speciell um die Frage, in welcher Menge das Gift

beigebracht wurde, wohl in Betracht gezogen werden müssen.

[Sidenote: Arsenikhaltige Farben. Arsenwasserstoff.]

Das +metallische Arsen+ (Scherbenkobalt, Fliegenstein) ist als

solches nicht giftig, oxydirt sich jedoch besonders in feuchter

Luft, sowie im Wasser zu arseniger Säure (Fliegenwasser). Die

+Arsensäure+ (As₂O₅) ist weniger giftig als die arsenige Säure,

zeigt aber sonst gleiche Wirkungen wie diese. Bei ihrer beschränkten

Verbreitung sind Vergiftungen mit derselben äusserst selten. Die

+Schwefelverbindungen+ des Arsens, das Zweifachschwefelarsen oder

Realgar (As₂S₂) und das Dreifachschwefelarsen oder das Auripigment

(As₂S₃) gelten im reinen Zustand als ungiftig, doch enthalten die

käuflichen Sorten beträchtliche Mengen arseniger Säure und wirken

daher wie diese. Bei Arsenikvergiftungen wird möglicherweise

ein Theil der arsenigen Säure durch den Schwefelwasserstoff des

Darmcanals in das Sulphid umgewandelt und dadurch unlöslich und

unwirksam gemacht. Dass auch erst in der Leiche in Folge der

Einwirkung des Schwefelwasserstoffes der Fäulnissgase solche Sulphide

sich bilden können, haben +Lerch+ und +Buchner+ (Schmidt’s Jahrb.

1848, LX, 275; Friedreich’s Centralarch. 1849, pag. 696) dargethan;

diese Umwandlung kann jedoch entgegen der früheren Annahme, wie ein

von uns beobachteter Fall („Befund von gelbem Schwefelarsenik im

Verdauungstractus nach Vergiftung mit weissem Arsenik.“ Wiener med.

Wochenschrift 1886, Nr. 10-12) gezeigt hat, im Dickdarm, besonders

im Cöcum schon vor der Beerdigung und vielleicht noch während des

Lebens erfolgen. Bei mit weissem ungelösten Arsenik vergifteten und

der Fäulniss überlassenen Hunden konnten wir diese Umwandlung schon

nach 8-14 Tagen nachweisen und instructive Museumpräparate gewinnen.

+Pearson+ (Virchow’s Jahrb. 1888, I, 480) hat sie schon 7 Wochen

nach dem Tode beobachtet. Sehr verbreitet sind die arsenikhaltigen

+grünen Farben+: das Schweinfurtergrün (arseniksaures und essigsaures

Kupferoxyd) und das +Scheele+’sche Grün (arseniksaures Kupfer).

Damit gefärbte Spielwaaren, Esswaaren u. dergl., ebenso Kleider

und Tapeten haben wiederholt sowohl zu acuten, als zu chronischen

Vergiftungen Veranlassung gegeben. In einem unserer Fälle war

Schweinfurtergrün in grossen Mengen zur Vertilgung von Ungeziefer

angewendet worden und hatte eine acute Vergiftung erzeugt, ebenso

haben wir zweimal Selbstmord mit dieser Farbe beobachtet. Die

Substanz ist in Wasser unlöslich, löst sich aber im sauern Magensaft.

Von den mit Arsengrün gefärbten Ballkleidern (Tarlatan) enthalten

nach +Ziurek+ 20 Ellen 300 Grm. Schweinfurtergrün mit 60 Grm.

Arsenik. Beträchtliche Mengen von arseniger Säure enthalten die

meisten Sorten des käuflichen +Fuchsins+, der bekannten rothen

Anilinfarbe, die gegenwärtig stark zum Färben von Liqueuren, aber

auch zur Weinverfälschung benützt wird.[435] Von arsenikhaltigen

Medicamenten ist die Solutio arsenicalis Fowleri zu erwähnen, eine

Lösung von arsensaurem Kali im Wasser (1 Grm. arseniger Säure in

90 Grm. der Solution nach der österr. Pharm., nach der deutschen

1 Theil auf 90 Theile). Der +Arsenwasserstoff+ ist ein ungemein

heftiges Gift. Beim Arbeiten damit sind Prof. +Gehlen+ in München

und Prof. +Britton+ in Dublin um’s Leben gekommen. Ueber eine

solche Vergiftung eines Chemikers und eines Arbeiters durch ein

Knallgasgebläse, in dessen Wasserstoffapparat statt Schwefelsäure

irrthümlich Arsensäure eingebracht worden war, wird im Jahresber. f.

Pharm. 1870, pag. 522, berichtet; über eine andere von +Frost+ in

der Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1873, XVIII, 269, welche 3

Arbeitern das Leben kostete und bei 6 anderen eine schwere Erkrankung

veranlasste, und über eine neuere von +Wächter+ (ibid. XXVIII, 251),

welche 4 Italiener betraf, die sich mit der Füllung von Kinderballons

mit Wasserstoff beschäftigten und sich zur Bereitung des letzteren

arsenhältigen Zinks und käuflicher, zweifellos arsenhaltiger

Schwefelsäure bedient hatten. Unwohlsein, Brechneigung, hochgradige

Schwäche, flüssige Stühle, blutiger Urin, soporöser Zustand, auch

Delirien und bei einzelnen Icterus[436] waren die hauptsächlichsten

Erscheinungen. Die Section bot die Erscheinungen wie bei Vergiftung

mit Arsenik. Wichtig ist auch die Beobachtung von +C. Bischof+

(Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1882, XXXVII, 163) über Bildung

von Arsenwasserstoff aus Arsen durch Schimmelpilze, weil dieselbe bei

manchen Vergiftungen durch arsenhaltige Tapeten eine Rolle spielen

kann. Man hat erstere immer nur von dem sich ablösenden arsenhaltigen

Farbenstaub abgeleitet. Viel gefährlicher jedoch scheinen aber

auf feuchten Mauern klebende Tapeten zu sein, und zwar wegen des

sich bildenden Arsenwasserstoffes. Ueber eine wahrscheinlich auf

diese Weise zu Stande gekommene letale Vergiftung mehrerer Kinder

berichtet +Rossbach+ (Tod durch arsenhaltige Tapeten oder Vergiftung

mit Phosphor. Jena 1890), welche deshalb eine besondere Bedeutung

erhielt, weil der in manchen Beziehungen nicht ganz klargestellte

Fall von anderen Sachverständigen für eine (absichtliche)

Phosphorvergiftung gehalten wurde und noch gehalten wird.

Die +chronische Arsenikvergiftung+ hat nur ein untergeordnetes

forensisches Interesse, und wir verweisen bezüglich dieser auf die

Handbücher der Toxikologie. Davon ist zu unterscheiden die langsame

Vergiftung, welche durch wiederholt beigebrachte, nicht letale,

doch toxische Gaben erzeugt worden ist, wie +Flandin+ (+Taylor+,

l. c. 202) einen solchen Fall erzählt, in welchem ein Weib ihrer

Mitmagd täglich kleine Dosen von Arsenik in der Suppe beibrachte,

die jedesmal Ueblichkeit und Erbrechen und schliesslich einen

hochgradigen Schwächezustand erzeugten. Auch in dem berüchtigten

Falle +Duval+ in Paris (Annal. d’hygiène publ. 1878, Nr. 106, pag.

72) wurde dieser beschuldigt, dass er seine Frau durch wiederholt

gereichte kleine Dosen vergiftet habe.

[Sidenote: Baryumvergiftung.]

Eine gewisse Aehnlichkeit mit Arsenikvergiftungen zeigen Vergiftungen

mit (im Magensaft) löslichen +Baryumsalzen+ (Chlorbaryum,

kohlensaurer Baryt). +Seydel+ berichtet über einen Selbstmord

mit kohlensaurem Baryt, der noch nach der Section für eine

Arsenikvergiftung gehalten wurde (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med.

XXVII, 213) und +Reincke+ (ibid. XXVIII, 248) über eine Vergiftung

von mehreren Personen durch eine Torte, zu welcher mit kohlensaurem

Baryt vermengtes Mehl genommen worden war. Brechdurchfall und

Lähmungserscheinungen waren die Hauptsymptome. Die Section ergab in

dem Falle +Seydel+’s eine hochgradig ecchymosirte Magenschleimhaut

und sandige weisse Körnchen in dem sie bedeckenden Schleim,

zahlreiche Ecchymosen im Duodenum, Schwellung und leichtes Oedem

der Darmschleimhaut. Als Dosis letalis für Chlorbaryum werden von

+Husemann+ schon 15·0 Grm. angegeben.

Die Phosphorvergiftung.

Man unterscheidet bekanntlich den gewöhnlichen, farblosen und den

amorphen oder rothen Phosphor. Letzterer ist als solcher nicht

giftig, ersterer dagegen gehört unter die heftigsten und zugleich

tückischesten Gifte. Als Dosis toxica letalis werden 10-20 Cgrm.

angenommen, doch haben weit geringere Dosen, namentlich bei

Kindern, bereits den Tod herbeigeführt. So erhielt nach +Kessler+

(Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. IV, 271) ein siebenwöchentliches

Kind 6-7 Zündhölzchenköpfchen (mit etwa 8 Mgrm. Phosphor) und starb

nach 3-4 Stunden, und +Sonnenschein+ berichtet sogar von einem 5

wöchentlichen Kinde, das schon in Folge des Verschluckens nur eines

einzigen Zündhölzchenköpfchens gestorben sein soll. Die häufigsten

Vergiftungen geschehen mit den Köpfchen der Phosphorzündhölzchen, die,

da sie in jeder Haushaltung sich finden, immer zur Hand sind. Ihr

Gehalt an Phosphor ist sehr variabel. Durchschnittlich beträgt derselbe

bei der ursprünglichen Zündmasse 6-7 Procent und auf 100 Kuppen werden

etwa 6-8 Cgrm. Phosphor berechnet. Fälle, in denen schon die Köpfchen

+eines+ Päckchens Zündhölzchen zu 80 bis 100 Stück eine tödtliche

Vergiftung Erwachsener bewirkten, sind gewöhnlich. Die Zündmasse der

sogenannten schwedischen Zündhölzchen enthält keinen Phosphor, sondern

nur Kaliumchlorat, Mennige, Schwefelantimon und Kaliumbichromat. Die

Reibfläche der Schachteln besteht aus amorphem Phosphor, der manchmal

arsenhältig zu sein pflegt (Vierteljahrschr. f. gerichtliche Med. 1879,

XXX, 382). Seltener geschieht die Vergiftung mit Phosphorpasta, einer

Mischung von Phosphor mit Mehlteig in verschiedenen Verhältnissen, mit

oder ohne Zusatz von Fett, welche als Mittel zur Vertilgung von Ratten,

Mäusen u. s. w. zur Anwendung kommt. In fetten Oelen ist der Phosphor

etwas löslich (Phosphoröl), weshalb, wenn der Phosphor mit fetten

Substanzen genommen wurde, die Resorption und Allgemeinwirkung leichter

und schneller eintreten kann, anderseits aber das Verabreichen von Oel

und Fett (Milch) als Gegenmittel contraindicirt erscheint.

[Sidenote: Symptome.]

[Sidenote: Acuter und subacuter Verlauf.]

Lehrbuch der Gerichtlichen Medicin · 第 78 / 132 段