von jener durch Schwefelsäure. Da selbst concentrirte Salzsäure
die Haut nicht verätzt, so ist +Husemann+ und mit ihm +Lesser+ der
Ansicht, dass das Fehlen von Hautanätzungen an den Mundwinkeln als
differential-diagnostisches -- wenn auch nicht als pathognomisches --
Merkmal der Salzsäureintoxication gegenüber der durch Schwefelsäure
aufzustellen ist. Leider kommen solche braune lederartige, von
den Mundwinkeln herabziehende Streifen mitunter auch als blosse
Leichenerscheinung vor, und wir haben unter Anderem einen Fall mit
+Chiari+ untersucht wo ein solcher Streif Verdacht auf Vergiftung
erregt hatte, während er offenbar durch Ueberfliessen von in
der Agone erbrochenem gewöhnlichen Mageninhalt entstanden war.
Die frühere Durchfeuchtung und nachträgliche Eintrocknung hatte
denselben bewirkt. Die inneren Befunde inclusive der eigenthümlichen
Eindickung des Blutes in den Gefässen sind dieselben wie bei der
Schwefelsäurevergiftung. In einem nach 5 Stunden letalen Falle
(Salzsäure durch Destillation des Mageninhaltes nachgewiesen) fanden
wir ausser nach abwärts abnehmender grauer Verätzung der Schleimhaut
des oberen Dünndarmes ein über den ganzen übrigen Darm ausgebreitetes
Oedem der Schleimhaut mit zahlreichen Ecchymosen in jener des
Dickdarmes. Bei einem 5 Tage alten Kinde, welches gegen Hämatemesis
Ferrum sesquichloratum (10 Tropfen auf 50 Aq.) erhalten hatte und am
dritten Tage verstorben war, fanden wir blutroth geschwellte Lippen,
die obere Hälfte des Oesophagus geschwellt, hellroth injicirt, mit
zwei seitlichen, bohnengrossen, roth erweichten Stellen im Schlund;
in der unteren Hälfte die Schleimhaut fast überall bis auf die
Muscularis fehlend, die den Substanzverlust begrenzenden Ränder
scharf, geröthet und geschwellt. Der Grund schwarzbraun mit schwarz
injicirten Gefässen, welche trockene Blutcylinder enthalten. Im Magen
viel frisch geronnenes Blut, ebenso im Darm. An der Pyloruspartie
eine 3 Cm. breite, rundliche, missfärbige, fetzige Stelle mit schwarz
injicirten Gefässen im Grunde. Ausserdem zahlreiche hämorrhagische
bis linsengrosse Erosionen entlang der grossen Curvatur. Das
Medicament ergab bei der Untersuchung stark sauere Reaction und
freie Salzsäure. Sonach lag offenbar Combination von Vergiftung mit
Salzsäure und bereits früher bestandenen hämorrhagischen Erosionen
und consecutiver Meläna vor. Auch neutrales Eisenchlorid ätzt in
stärkerer Concentration und bewirkt eine der Farbe des Ferrum
sesquichloratum entsprechende Verfärbung der Schorfe.
[Sidenote: Vergiftung mit Salpetersäure.]
Concentrirte +Salpetersäure+ bewirkt durch Bildung von
Xanthoproteinsäure die bekannte Gelbfärbung der verätzten Partien,
verdünnte dagegen nur die einfache graue Verätzung mit ihren weiteren
Consequenzen. Am ehesten kann man daher der Gelbfärbung im Schlunde
und Oesophagus, wo noch die concentrirte Säure einwirkte, begegnen.
Seltener findet man sie im Magen oder gar im Darm. Einen instructiven
Fall ersterer Art, ein mit rauchender Salpetersäure absichtlich
vergiftetes dreitägiges Kind betreffend, bildet +Lesser+ im 1. Hefte
seines Atlas ab, ebenso +Ipsen+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med.
1893, VI, pag. 11), und zwei letzterer Art (Selbstmord) bewahrt
unser Museum. Die sonstigen Befunde sind von jenen der Schwefel- und
Salzsäurevergiftung nicht wesentlich verschieden, doch scheinen
Hämatinimbibitionen von jener Schwärze und Intensität, wie sie bei
den letztgenannten Vergiftungen so gewöhnlich zu sehen sind, nach
Salpetersäure nicht vorzukommen, da letztere selbst im concentrirten
Zustande das Blut nicht mit jener Leichtigkeit auflöst, wie dies
Schwefel- und Salzsäure thun.
[Sidenote: Vergiftung durch Essigsäure.]
Eine Vergiftung mit concentrirter +Essigsäure+ (Essigessenz) haben
wir bei einem Epileptiker gefunden, dem während des Anfalles
ein damit getränkter Schwamm an den Mund gehalten worden war;
der Tod erfolgte nach 3 Tagen. Die Obduction ergab epitheliale
weissgraue Verschorfung im Mund, Oesophagus und den Luftwegen und
ausgebreitete Pneumonie, keinen Essiggeruch. Epitheliale Verätzungen
durch gewöhnlich als Belebungsmittel angewendeten Essig haben
wir wiederholt gesehen, unter Anderem bei einem in Steisslage
todtgeborenen Kinde (Fractur des Oberarms und beider Orbitaldächer)
im ganzen Schlingtractus und im Magen, der deutlich nach Essig roch.
[Sidenote: Vergiftung durch Carbolsäure.]
Seitdem die +Carbolsäure+ als Desinfections- und Verbandmittel so
allgemein in Gebrauch kommt, sind zufällige, insbesondere medicinale,
durch innerliche sowohl, als durch äusserliche Anwendung veranlasste
Vergiftungen verhältnissmässig häufig vorgekommen.[429] Auch
Selbstmorde sind nicht selten und wir haben bereits eine ansehnliche
Zahl derselben obducirt, von denen drei Hebammen betrafen. Selbst ein
Mord durch Carbolsäure ist uns vorgekommen. Derselbe wurde an einem
kranken, im Bette liegenden Manne von einer Geisteskranken begangen,
welche denselben zuerst durch Schläge mit einem Holzscheit betäubte
und dann dem wahrscheinlich schon Agonisirenden Carbolsäure in den
Mund goss, welche sie auch der hinzugekommenen Frau des Mannes in’s
Gesicht spritzte. Die tödtliche Dosis bei Hunden wird von +Bert+
und +Joyet+ auf 2-3 Grm., von +Ferrand+ (Schuchardt, l. c. 130)
auf 10-20 Grm., bei Kaninchen schon auf 0·3 Grm. geschätzt. Die
niedrigste letale Dosis für den erwachsenen Menschen soll 30-50 Grm.
betragen. Kinder scheinen ungemein empfindlich zu sein. Bei externer
Anwendung ist die Gefährlichkeit der Carbolsäure weniger mit der
Concentration als mit der Zeit proportional, durch welche die Säure
mit der Wundfläche etc. in Contact gelassen wird. Im Krankheitsbilde
treten, obgleich die Carbolsäure schon in geringer Concentration im
Munde Brennen verursacht, nach dem Verschlucken weniger die Symptome
der Gastroenteritis toxica in die Erscheinung, sondern, wie nach
externer Intoxication, intensive Allgemeinsymptome, insbesondere
rasche Bewusstlosigkeit und Collapsus häufig mit Muskelzuckungen,
seltener mit eigentlichen Convulsionen verbunden. Der Harn zeigt
in nicht ganz acuten Fällen häufig, aber nicht immer, eine
olivengrüne, von Zersetzungsproducten des Hydrochinons, respective
der Hydrochinonschwefelsäure herrührende Farbe, die übrigens nach
+Ludwig+ (Wiener med. Blätter. 1883, pag. 445) auch am Kairinharn
beobachtet wird, und enthält Carbolsäure. Die Section ergibt weisse
Verätzung der Schleimhaut der Schlingorgane und des Magens (eventuell
anderer Theile, z. B. von Wundflächen), Befunde, die durch die
stark coagulirende Eigenschaft der Carbolsäure veranlasst werden.
Die Schorfe nach reiner und nur in Wasser gelöster Carbolsäure
zeichnen sich durch ihre in ihrer Intensität mit der Concentration
der Säure proportionale, fast milchweisse Farbe aus, die sich auch
im Magen gut erhält, da der Carbolsäure die Fähigkeit abgebt,
Hämoglobin in gelöstes Hämatin zu verwandeln und damit die Schorfe
zu imbibiren. Wurde rohe, rothbraune oder gar theerartig aussehende
Carbolsäure benützt, so können die Schorfe mehr weniger braun
erscheinen. Das durch Carbolsäure coagulirte Blut ist auffallend
hellroth, weshalb die Verschorfungen und ihre Nachbarschaft einen
eigenthümlichen röthlichen Stich darbieten und die grösseren Gefässe
rothe Thromben erhalten. Diese Befunde und der lange haftende
Geruch nach Carbolsäure werden die Diagnose gestatten. Ausserdem
kann erstere durch Destillation der Leichentheile nachgewiesen
werden, wie dies +Salkowski+ auch bei dem Blute damit vergifteter
Thiere gelang, ebenso im Harn, in welchem sich die Carbolsäure als
phenylschwefelsaures Salz findet (+Baumann+, +Sonnenberg+, +E.
Ludwig+), durch Destillation desselben mit verdünnten Mineralsäuren.
Vergiftung unter Krämpfen nach Einathmung von Carbolsäuregas hat
+Schmitz+ (Med. Centralbl. 1886, pag. 784) zweimal beobachtet.
[Sidenote: Carbolsäure und deren Präparate. Lysol.]
Aehnlich wie die Carbolsäure wirken die Carbolsäurepräparate,
von denen insbesondere das jetzt stark verbreitete +Lysol+
Erwähnung verdient. Das Lysol besteht nach +M. Gruber+ („Oesterr.
Sanitätswesen.“ 1892, Beilage zu Nr. 32) aus neutraler Kaliseife
von Fettsäuren, etwas Wasser und circa 50 Volumprocenten Kresolen.
Die anfänglich behauptete Ungiftigkeit hat sich nicht bestätigt. Es
besitzt im unverdünnten Zustande, aber auch noch in 10-20procentigen
Lösungen eine deutliche Aetzwirkung, namentlich auf Schleimhäute und
seröse Membranen, doch ist die Aetzwirkung bedeutend geringer als bei
Carbolsäure. Durch continuirliche Anwendung können auch hartnäckige
Dermatitiden entstehen (+Kämpfer+, Deutsche med. Wochenschr.
1894, Nr. 34). Die Resorptionswirkungen zeigen keine wesentliche
Verschiedenheit, wenigstens trat in den bisher beobachteten Fällen
(s. diese zusammengestellt bei +Fagerlund+, Vierteljahrschr.
f. gerichtl. Med. 1894, VIII. Suppl., pag. 64 und +Friedberg+,
Centralbl. f. innere Med. 1894, Nr. 9) sowohl bei durch äussere als
durch innere Anwendung verursachten Lysolvergiftungen fast stets
rasch Bewusstlosigkeit ein, wie bei Carbol. In fast allen diesen
Fällen war die Vergiftung zufällig entstanden, und zwar zweimal mit
letalem Ausgang. Einen Selbstmord hat +Fagerlund+ beobachtet und über
einen an einem Kinde ausgeführten Mord hat +Haberda+ auf der Wiener
Naturforscherversammlung referirt. Das Sectionsbild war in diesen
Fällen ziemlich gleich. Im Munde und in den oberen Schlingorganen
fanden sich theils graue, theils bräunliche Verschorfungen des
Epithels, in den tieferen Partien des Oesophagus und im Magen aber
traten die durch Aetzung veranlassten Veränderungen zurück und es
ergab ausser dem unangenehmen Geruch nach Lysol sich ein Befund, der
an den nach Vergiftung von Laugenessenz erinnerte, da die Schleimhaut
gequollen, braunroth und seifenartig schlüpfrig war, ein Befund, der
offenbar von der Nachwirkung der Kaliseife herrührt.
[Sidenote: Creoline, Solveol, Solutol.]
Die +Creoline+ sind nach +Gruber+ im Wesentlichen Theeröle, welchen
Seifen, besonders Harzseife, zugesetzt sind. Auch kommen Gemische von
Carbolsäure oder Cresolen mit Schwefelsäure im Handel vor. Das von
+Hueppe+ eingeführte +Solveol+ ist eine neutrale wässerige Lösung
der Cresole in creolinsaurem Natron, das +Solutol+ eine alkalische
Auflösung der Cresole in Cresolalkali. Ersteres ätzt nach +Gruber+
nicht, letzteres in unverdünntem Zustand. -- Ueber eine letale,
zufällige Vergiftung mit sogenanntem +Carbolineum+ hat +Flatten+
(Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1894, pag. 316) berichtet.
Verlauf und Sectionsbefunde entsprachen im Allgemeinen denen bei
Carbolsäurevergiftung.
[Sidenote: Vergiftung durch Oxalsäure.]
Vergiftungen mit +Oxalsäure+ und deren Kalisalz (sogenanntes Kleesalz
oder Zuckersäure) sind verhältnissmässig selten. Wir selbst haben
erst eine gesehen. Die meisten sind medicinale, in Folge Verwechslung
mit Bittersalz etc. geschehene Vergiftungen, doch wurden auch,
besonders in Berlin, Selbstmorde wiederholt beobachtet. Als Dosis
letalis für den Menschen werden 10-30 Grm. angenommen (+Hermann+).
Der Säure, besonders der concentrirten, kommen heftig irritirende
und ätzende, ausserdem aber auch Allgemeinwirkungen zu, namentlich,
wie es scheint, lähmende auf das Centralnervensystem. Es werden
demnach während des Lebens sowohl die Symptome der Gastroenteritis
toxica, als Bewusstlosigkeit und Herzlähmung beobachtet. Doch
stellt +Sarganek+ (Berliner Dissert. 1883) auf Grund von fünf
klinischen Beobachtungen eine specifische Wirkung der Oxalsäure auf
das Herz in Abrede und in einem Falle von +Strassmann+ konnte der
Betreffende trotz der beträchtlichen Menge der genommenen Oxalsäure
noch einen Selbstmord durch Erhängen verüben. Die Befunde an der
Leiche können nach sehr verdünnten Lösungen ziemlich unscheinbar
ausfallen, nach concentrirten findet sich weissgraue Verfärbung
der Schleimhäute der Schlingorgane, brauner bis schwarzbrauner,
stark saurer Mageninhalt, die Magenschleimhaut geschwollen, stark
injicirt, blutig imbibirt und in verschieden hohem Grade verätzt.
Die Schleimhaut ist sehr leicht, häufig schon durch blosses Abspülen
zu entfernen und die Magenwand darunter eigenthümlich durchscheinend
(+Liman+), von mit schwärzlichem Gerinnsel gefüllten Gefässen
durchzogen. Nach +Lesser+ (l. c.) erreichen sowohl die Irritations-,
als die Verätzungserscheinungen niemals einen so hohen Grad, wie bei
Schwefelsäurevergiftung. Fast regelmässig fand er auf der Schleimhaut
weissliche Trübungen, die sich bei der mikroskopischen Untersuchung
als Niederschläge von oxalsaurem Kalk erwiesen. Die Krystalle finden
sich auch in den schwärzlichen Gerinnseln innerhalb der Blutgefässe
der verätzten oder erweichten Partien und (übereinstimmend mit den
Angaben von +Robert+, +Küssner+ und +Münzer+) in den Harncanälchen.
Im Dünndarm äussert sich die Wirkung des Giftes als weissgraue
Verätzung, ebenso imbibirt sich die Säure auch in die Nachbarorgane
und bewirkt dort ähnliche Veränderungen, wie wir sie z. B. bei
der Schwefelsäurevergiftung so häufig sehen. Sie unterscheiden
sich jedoch von letzterer durch den Befund von Krystallen von
Kalkoxalat in den betreffenden Gefässen (+Lesser+). Perforationen des
Magengrundes wurden wiederholt beobachtet, doch scheinen die meisten
erst beim Herausheben des erweichten Magens entstanden zu sein.
Aetzlaugenvergiftung.
Die Aetzlaugenvergiftung ist in grossen Städten nichts Seltenes
und geschieht meistens mit der sogenannten „+Laugenessenz+“, einer
Natronlauge, welche früher nur dann im Kleinhandel verkauft werden
durfte, wenn sie das specifische Gewicht von 1·2 nicht überstieg
(Min.-Erl. vom 16. Mai 1863). In Wien kommen die Selbstmorde mit
Laugenessenz ebenso häufig vor, wie jene mit Schwefelsäure, meistens
bei Weibern, und die Vergiftungen durch zufälliges Trinken derselben
sind sehr gewöhnlich, namentlich bei Kindern. Im Jahre 1878 kam
auch ein Mord durch Laugenessenz zur Beobachtung, begangen an einem
16jährigen, hochgradig tuberculösen Knaben durch die eigene Mutter
desselben, die sich dann auf gleiche Weise tödtete, und im Jahre
1885 ein Fall, wo eine Mutter ihre 2 Kinder und dann sich selbst
vergiftete. Die Vergiftungserscheinungen treten, wenn auch nicht
immer sofort, doch in der Regel in wenigen Augenblicken ein und
bieten das gewöhnliche Bild der Gastroenteritis toxica. Mit dem meist
heftigen und andauernden Erbrechen werden stark alkalische, erst
später blutige und dadurch braune bis schwarzbraune Massen entleert.
Intermission des Erbrechens scheint häufiger vorzukommen, als bei der
Schwefelsäurevergiftung. Diarrhöen können anfangs fehlen, später sind
sie in der Regel vorhanden und sind nicht selten blutig. Harn spärlich,
stark alkalisch. Der Verlauf ist seltener ein so acuter, wie bei den
meisten Schwefelsäurevergiftungen, in der Regel erfolgt der Tod erst
nach 2-3 Tagen unter Collapsus, häufig erst in Folge der Nachwirkungen
der Verätzung.
In acut verlaufenden Fällen findet man an der Leiche das Epithel der
Mundhöhle und des Oesophagus grau verfärbt, getrübt, gequollen, die
oberen Schichten der Schleimhaut ebenfalls missfärbig und mehr weniger
gequollen. Der Magen zusammengezogen, in den Wandungen verdickt,
blutig-schleimige, meist gelatinöse, stark alkalische Massen von
schwarzbrauner Farbe enthaltend. Wiederholt ist uns ein Geruch nach
Häringslake (Trimethylamin) aufgefallen, den wir auch in einzelnen
Fällen von Cyankaliumvergiftung bemerkt haben. Die Magenschleimhaut
erscheint an den meisten lädirten Stellen in einen fast schwarzen,
weichen Schorf verwandelt, an anderen dunkelbraunroth, gequollen,
häufig auf der Faltenhöhe wie transparent und ebenso wie der
Mageninhalt +seifenartig+ anzufühlen, an den übrigen mehr weniger
geröthet und geschwellt. Die Röthung der Magenschleimhaut ist durch
Injection und Ecchymosirung, die Schwärzung, respective braunrothe
Färbung der Schorfe durch Imbibition mit dem durch die Lauge gelösten
(zu Hämatin in alkalischer Lösung verwandelten) Blutfarbstoff bedingt,
während die Quellung, Transparenz und Weichheit dieser Partien durch
die quellende und klärende Wirkung der Lauge sich erklärt und daher
desto deutlicher ausgebildet ist, je mehr von letzterer noch im
Magen zurückgeblieben war. Die Verschorfung dringt mehr weniger tief
in die Schleimhaut, doch haben wir Perforation niemals beobachtet,
dagegen wiederholt eine postmortale Transsudation der Lauge durch die
Magenwand, in Folge welcher die anstossenden Organe, besonders Milz
und linke Niere, eigenthümlich gequollen und transparent erschienen.
Das Blut in den Kranzgefässen des Magens ist locker geronnen, häufig
schmierig.
War der Verlauf, wie meistens, ein protrahirter, so tritt mit der
Erschöpfung oder Neutralisation des Alkali dessen quellende und
klärende Wirkung immer mehr zurück und die verschorften Partien
unterscheiden sich nicht mehr wesentlich von anderweitigen mit
Hämatin imbibirten Necrosen. Auch sind die nun eintretenden
Entzündungserscheinungen und Abstossungsvorgänge die gleichen
wie bei der Schwefel- und Salzsäurevergiftung. Doch kann noch in
späteren Stadien die der letztgenannten Vergiftung eigenthümliche,
der Aetzlaugenvergiftung aber nicht zukommende Eindickung des
innerhalb der Gefässe befindlichen Blutes zu brüchigen Cylindern
eine Differentialdiagnose ermöglichen. Auch kommt es bei der
Laugenessenzvergiftung nicht leicht zu so mächtigen Extravasaten wie
bei der Schwefelsäurevergiftung und natürlich auch nicht zu jener
durch Coagulation und Wasserentziehung bedingten eigenthümlichen
Härtung des extravasirten Blutes, wie sie gewöhnlich bei der
Schwefelsäurevergiftung gefunden wird. Die Anätzung erstreckt sich
manchmal ziemlich weit in den Darm hinein und gibt sich anfangs durch
die eigenthümliche Quellung der Gewebe zu erkennen, in späteren Stadien
ist sie von anderen Anätzungen nicht zu unterscheiden. Der übrige Darm
zeigt meist umschriebenen oder diffusen Catarrh. „Trübe Schwellung“ in
den Nieren und in der Leber tritt bei der Laugenvergiftung ebenso auf,
wie nach jener mit Säuren und es zeigen besonders nach protrahirtem
Verlaufe die betreffenden Organe, sowie auch die Musculatur die
körnige und fettige Degeneration in mehr weniger ausgesprochener
Weise. Pneumonische Processe sind ebenfalls häufig. Bemerkt sei
noch, dass in einzelnen Fällen, ebenso wie wir dies manchmal bei der
Schwefelsäurevergiftung beobachten können, die ätzende Substanz nur in
den Oesophagus, aber nicht in den Magen gelangt, indem sie einestheils
schon während des Schlingactes durch sofortige Würgebewegungen
entleert wird, anderseits durch eben vorhandenen reichlichen,
insbesondere breiigen Mageninhalt von der Magenwand abgehalten wird.
Trotzdem können auch solche Fälle, namentlich bei Kindern, sowohl
durch die Verätzung und consecutive, häufig croupöse oder phlegmonöse
Entzündung der Schlingorgane, als durch Lungenaffection zum Tode
führen, noch häufiger aber zur Entstehung von Stricturen Veranlassung
geben.
[Sidenote: Ammoniakvergiftung.]
Vergiftungen mit +Ammoniak+ kommen hier und da als zufällige
oder fahrlässige Vergiftung (z. B. bei ungeschickter Anwendung
des Ammoniaks als Analepticum) vor und nur ganz ausnahmsweise
als Selbstmord. Es reizt die Schleimhaut, insbesondere die der
Respirationswege, in sehr heftiger Weise, ausserdem bewirkt es
locale, meist nur auf das Epithel beschränkte Ertödtung der Gewebe,
die aber, da Ammoniak Eiweisskörper nicht coagulirt, wenigstens nicht
ursprünglich, als weissgraue mit Consistenzvermehrung einhergehende
Trübung, sondern eher als Quellung und Aufhellung sich präsentirt.
Dem Blute entzieht das Ammoniak das Hämoglobin in Form einer
hellrothen, erst später sich bräunenden Hämatinlösung. Nach dem
Verschlucken tritt sofort heftiges Brennen in den Schlingorganen
ein und Symptome heftiger Bronchialreizung, frühzeitige Abstossung
des Epithels und starke Röthung und Schwellung, im weiteren
Verlauf croupöse Entzündung der Schleimhaut und dem entsprechende
Sectionsbefunde. Die Magenbefunde scheinen in der Regel gegen die in
den Schlingorganen und Respirationsorganen sehr zurückzutreten, da
wohl nur selten grössere Mengen der Substanz geschluckt werden. Einen
Selbstmord durch etwa einen Kaffeelöffel voll 10%ige Ammoniaklösung
(Salmiakgeist) hat +Kauders+ (Wiener med. Blätter. 1881, Nr. 17)
mitgetheilt. Sofort waren heftige Schmerzen in den Schlingorganen,
aber kein Erbrechen eingetreten. Nach drei Stunden fand +Kauders+
fetzige Ablösung des Epithels der Mund- und Rachenschleimhaut,
intensive Schwellung und Röthung der letzteren, Heiserkeit,
Trachealrasseln, Speichelfluss; nach zwei Stunden plötzlich
Erstickungserscheinungen und in wenigen Augenblicken Tod. Die
Obduction ergab Blässe und gallertige Schwellung der Schleimhaut des
Pharynx, des Kehlkopfeinganges und der Trachea mit theils fehlendem,
theils leicht abstreifbarem Epithel, starke Röthung der des Epithels
grösstentheils beraubten Schleimhaut des Oesophagus, blutige
Schwellung und Röthung der Magenschleimhaut, weissliche Trübung
des Epithels im Magen und im oberen Dünndarm. Kein Ammoniakgeruch.
Gleiche Befunde ergab die von uns vorgenommene Section eines
Mannes, der, statt zu einem Fläschchen mit Ammoniak, das ihm als
Schnupfenmittel gereicht wurde, zu riechen, davon getrunken hatte und
2½ Stunden darnach unter Erscheinungen des Glottisödems gestorben
war. -- Auch durch Einathmen von Ammoniakgas, wie beim Springen von
Ammoniakballons oder bei Explosion von Ammoniak-Eismaschinen, werden
ähnliche Symptome veranlasst (+Lehmann+, Arch. f. Hygiene. V, pag.
59).
Sublimatvergiftung.
Von den ätzenden Metallsalzen ist das Quecksilberchlorid (Hydrargyrum
bichloratum corrosivum), gewöhnlich Sublimat genannt, das wichtigste,
einestheils wegen seiner besonders heftigen Giftwirkung und anderseits
wegen der seit der Einführung des Sublimats als Antisepticum und daher
dessen stärkerer Verbreitung immer häufiger werdenden Vergiftungen mit
demselben.
Man kann acute und subacute Vergiftungen unterscheiden. Acute, d. h.
in wenigen Stunden oder im Laufe des ersten Tages letal ablaufende
Fälle kommen als Selbstmord oder nach zufälligem Trinken stärkerer
Sublimatlösungen vor. Es treten sofort Symptome der Gastroenteritis
toxica auf, man bemerkt weissgraue Verschorfung der Mundschleimhaut und
der Tod erfolgt unter Collaps. Der Obductionsbefund ist, da Sublimat
ebenfalls blos coagulirt, aber Hämatin nicht löst, ähnlich wie nach
acuter Vergiftung mit Carbolsäure, und ergibt eine wie gekochte, mehr
weniger in die Tiefe dringende Beschaffenheit der Schleimhaut der
Schlingwege und des Magens, die sich bis in den Dünndarm fortsetzen
und durch Imbibition auch auf die Nachbarorgane des Magens übergehen
kann, wie dies bei zwei von uns obducirten Selbstmördern der Fall war.
Es fehlt jedoch der charakteristische Geruch und die Schorfe sind
auch weniger weiss als die durch Carbolsäure erzeugten und bekommen
namentlich beim Liegen an der Luft, im Wasser oder im Spiritus eine
fast bleigraue Farbe. Das in den grösseren Gefässen der verschorften
Partien befindliche coagulirte Blut ist ebenfalls eigenthümlich roth
gefärbt. Geschah die Vergiftung, wie uns bereits zweimal vorkam, mit
Sublimatpastillen, so kann sich die entsprechende meist anilinrothe
Färbung auch am Mageninhalt und an der Magenwand finden.