der Ingestion des Giftes eintretenden Schmerzen in der Magengegend,
beziehungsweise auch in den Schlingorganen, in Brechneigung und meist
wirklichem und heftigem Erbrechen, zu welchem sich Spannung des
Unterleibes, unstillbarer Durst, grosse Unruhe, häufig auch Diarrhöe
und Tenesmus hinzugesellen, und führen diese meistens in wenigen
Stunden unter Collapsus zum Tode, wenn sie nicht eine protrahirtere
Erkrankung bedingen, welche entweder ebenfalls mit dem Tode oder mit
vollständiger oder unvollständiger Genesung enden kann. Die genannten
Symptome sind für sich allein weder für ein bestimmtes Gift, noch
für eine Vergiftung überhaupt absolut charakteristisch, können
vielmehr auch durch natürliche Erkrankung hervorgerufen werden, und
zwar sowohl durch solche localer als allgemeiner Natur. Zu ersteren
gehören acute Magen- und Darmcatarrhe, Incarcerationen, namentlich
innere, und die Peritonitis, insbesondere die P. perforativa und, wie
in einem von +Späth+ (Württemb. Correspondenzbl. 1882, Nr. 26)
mitgetheilten Falle, die Embolie des Stammes der Gekrösarterien, zu
letzteren acute Infectionskrankheiten und von diesen in erster Linie
die Cholera, und zwar sowohl die epidemische, als die Cholera nostras,
deren Aehnlichkeit mit Arsenikvergiftung immer wieder und mit vollem
Recht hervorgehoben wird. Auch die innere Verblutung, besonders die
abdominale, wie sie nach Berstung der schwangeren Tuba, oder von
Aneurysmen der Art. lienalis etc. nicht gar selten vorkommt, führt
unter gastrischen Erscheinungen, namentlich auch unter Erbrechen, zum
Tode.
Jene Gifte, welche erst nach erfolgter Resorption ihre Wirkung äussern,
bewirken entweder Störungen im Stoffwechsel, oder sie rufen Reizung
oder Lähmung von Nervenapparaten hervor.
[Sidenote: Vergiftungssymptom ante mortem.]
Im +ersteren+ Falle sehen wir entweder den Tod unter
Erstickungserscheinungen erfolgen, so z. B. wenn durch das in das
Blut gelangte Gift die respiratorische Function desselben unmöglich
gemacht wurde, wie bei der Vergiftung mit Kohlenoxydgas, oder es treten
subacute oder auch chronische Ernährungsstörungen auf, von denen viele
auf körnige oder fettige Degeneration der Organe zurückgeführt werden
können, wovon insbesondere die Phosphorvergiftung und die chronische
Arsenikvergiftung ein Beispiel liefert. Im +letzteren+ Falle ist
der Verlauf der Vergiftung in der Regel ein sehr acuter, häufig ein
fulminanter, ein Umstand, der bewirkt, dass von einer Beobachtung und
Verfolgung der dem Tode vorausgegangenen klinischen Erscheinungen durch
Andere, insbesondere durch einen Arzt, meist gar keine Rede sein kann
und das Plötzliche oder Unerwartete des Eintrittes des Todes in der
Regel das Einzige ist, was man zu erheben vermag. Bei so fulminantem
Verlauf tritt der Tod fast immer unter den Erscheinungen der Erstickung
auf, die sich durch Dyspnoe, rasche Bewusstlosigkeit und Convulsionen
kundgibt. In nicht so rapiden Fällen lassen sich eher klinische
Symptome constatiren, die diagnostisch verwerthet werden können; so
die Erscheinungen der Narcose, die auf ein narcotisches Gift, die des
Tetanus, die auf Strychnin und ihm verwandte Gifte schliessen lassen.
Auch die genannten Symptome sind für sich allein nicht im Stande,
eine Vergiftung zu beweisen, da gleiche oder ähnliche auch bei
verschiedenen natürlichen Erkrankungen, respective Todesarten,
vorkommen können. So erinnern wir an die Aehnlichkeit des
Krankheitsbildes der Phosphorvergiftung mit acuter Leberatrophie, mit
pyämischen und septischen Processen und selbst mit jenen eines heftigen
Gastroduodenalcatarrhs, und an die Thatsache, dass alle möglichen
plötzlichen oder mindestens raschen Todesarten, wie Hirnhämorrhagie
(besonders H. intermeningealis, welcher in der Regel Berstung eines
Aneurysmas einer der Basilararterien zu Grunde liegt), der so häufige
Tod durch Herzlähmung, ferner jener durch innere Verblutung, dann der
plötzliche Tod im Wochenbett u. dergl. schon zum Verdacht bestehender
Vergiftung Veranlassung gegeben haben, und dass auch Septicämie,
Urämie (Eclampsie der Schwangeren), Acetonämie und manche andere acute
Processe für eine äussere Intoxication gehalten werden können und
thatsächlich gehalten wurden, wovon wir eine ganze Reihe von Fällen aus
unserer eigenen Erfahrung anzuführen im Stande wären.[403] Unter diesen
waren zwei, wo die in dem einen Falle durch Pericarditis, im anderen
durch Pneumonie bewirkte Agonie für eine durch medicinale Anwendung von
Morphium veranlasste letale Narcose gehalten worden war.
Es ist ferner zu beachten, dass bei vielen Giften eine locale mit
der Resorptionswirkung sich combinirt, und dass es, wie bereits vom
Arsenik bemerkt wurde, auch nur von den Umständen abhängen kann,
ob die eine oder die andere Wirkung stärker hervortritt, beides
Thatsachen, die nicht geeignet sind, die Diagnose einer stattgehabten
Vergiftung und noch weniger die Erkennung des Giftes selbst blos aus
den während des Lebens aufgetretenen Erscheinungen zu erleichtern.
Ausserdem ist noch zu bemerken, dass selbst dann, wenn Gelegenheit
war, die Symptome während des Lebens zu beobachten, diese Beobachtung
häufig nur durch Laien gemacht wird, nicht aber durch einen Arzt, der
entweder gar nicht oder bereits zu spät gerufen wurde, wodurch die
einschlägigen Angaben, abgesehen davon, dass sie auch absichtlich
gefälscht werden können, an Verlässlichkeit und diagnostischem Werth
einbüssen müssen.
[Sidenote: Eintritt und Verlauf der Vergiftungssymptome.]
Der Zeitpunkt des Eintrittes der ersten Intoxicationserscheinungen
fällt keineswegs immer zusammen mit dem der Einverleibung des Giftes.
Augenblickliche Wirkung treffen wir nur bei den stark ätzenden Giften,
und diese macht sich schon geltend in dem Momente, in welchem die
Substanz geschluckt wird. Bei allen übrigen Giften verstreicht zwischen
der Einverleibung des Giftes und den ersten Intoxicationserscheinungen
eine gewisse Zeit, die allerdings von wenigen Augenblicken bis zu
mehreren Stunden variiren kann. Die Dauer derselben wird abhängen
einerseits von der Natur der Giftsubstanz, anderseits von der Grösse
der Gabe und den bereits oben erwähnten Verhältnissen, welche die
Giftwirkung theils zu befördern, theils zu verzögern im Stande
sind. Sehr rasch und in der Regel schon wenige Augenblicke nach der
Ingestion treten die Vergiftungserscheinungen nach Blausäure und nach
Cyankalium auf, doch werden wir Fälle kennen lernen, die zeigen,
dass auch bei diesen Giften die Wirkung nicht immer sofort sich
einstellt, sondern die betreffenden Individuen noch im Stande sein
können, nicht blos eine Strecke zu gehen, sondern selbst complicirtere
Handlungen zu unternehmen. Die Wirkung der metallischen Gifte sehen
wir keineswegs immer schon in der ersten halben Stunde nach der
Ingestion sich einstellen, sondern können häufig beobachten, dass
über eine Stunde, mitunter selbst mehrere Stunden vergehen, bevor
Vergiftungserscheinungen sich zeigen. Bei diesen Giften ist besonders
der Umstand von Einfluss, ob dasselbe bereits im gelösten Zustande
oder ungelöst gegeben wurde, und namentlich im letzteren Falle, ob der
Magen gerade leer oder mit Speisen gefüllt gewesen ist. Bezüglich der
giftigen Alkaloide wissen wir ebenfalls, dass die Wirkung selten früher
als nach beiläufig einer halben Stunde eintritt und selbst stundenlang
auf sich warten lassen kann; dies gilt besonders vom Morphium und vom
Strychnin. Hierbei ist ausser der Dosis, dem Mageninhalt etc. auch der
Umstand von Einfluss, ob das reine Alkaloid oder ein Salz desselben
genommen wurde, da es bekannt ist, dass ersteres nur schwer, letzteres
dagegen leicht im Wasser sich löst, daher dieses früher als jenes zur
Resorption gelangen wird.
Die Resorption von den Lungen aus geht sehr rasch vor sich, daher ist
auch die Wirkung gasförmiger oder flüchtiger Gifte, die inspirirt
werden, eine meist schnelle, und zwar eine desto schnellere, je mehr
davon in der Respirationsluft enthalten ist. Kommen die giftigen Gase
ausschliesslich oder nur mit wenig atmosphärischer Luft vermischt zur
Einathmung, so kann das Zusammenstürzen schon nach wenigen Athemzügen
erfolgen, wie dies z. B. häufig beim Reinigen von Abtrittsgruben oder
Brunnen der Fall ist, während in einem Raume, in welchem die Luft
mit dem giftigen Gase nicht übersättigt war, erst nach mehr weniger
längerem Verweilen Intoxicationserscheinungen sich einstellen, die
aber selten plötzlich dem Leben ein Ende machen, sondern erst nach
fortgesetzter Inhalation zum Tode führen, wie wir z. B. bei der
Vergiftung durch Kohlenoxydgas sehen.
Bei acuten und letal endenden Vergiftungen halten die
Vergiftungserscheinungen in der Regel vom Momente ihres ersten
Auftretens bis zum Tode an und nehmen an Intensität gleichmässig zu.
Nur ausnahmsweise geschieht es, dass die Intoxicationserscheinungen für
einige Zeit nachlassen, um, nachdem sich der Kranke scheinbar erholt,
neuerlich und meist mit vermehrter Heftigkeit einzutreten. Solches
wurde in ganz vereinzelten Fällen von Vergiftung mit mineralischen
Giften beobachtet, wiederholt dagegen nach Vergiftungen mit Narcoticis
und als remittirende Form der betreffenden Vergiftung beschrieben.
Es handelt sich in solchen Fällen entweder um neuerliche Resorption
von anfangs nicht mit den Schleimhäuten in Berührung gekommenen
Giftmengen oder um Folgezustände, die durch die Vergiftung veranlasst
wurden und die acut zum Tode führen können, nachdem der erste Sturm
der Vergiftungserscheinungen bereits abgelaufen ist. Wir werden auf
diesen Umstand bei Besprechung der narcotischen Gifte zurückkommen
und wollen hier nur bemerken, dass ein solcher Verlauf deshalb von
grosser Wichtigkeit ist, weil eine neuerliche Exacerbation der
Erscheinungen auf eine abermalige Beibringung von Gift bezogen
werden könnte, also auf einen Vorgang, der bei Giftmorden wiederholt
eingeschlagen worden ist. Von solchen acuten Folgezuständen, die
noch als primäre Giftwirkung aufgefasst werden können, sind die
Erkrankungen zu unterscheiden, die erst nachträglich in Folge der durch
das Gift gesetzten Veränderungen, insbesondere in Folge der reactiven
entzündlichen Processe, eintreten und mitunter erst nach langer Zeit
zum Tode führen können.
[Sidenote: Genesung. Ausscheidung von Giften.]
Der +Ausgang in Genesung+ erfordert erstens die Ausscheidung des im
Körper befindlichen Giftes und zweitens die Beseitigung der durch das
Gift veranlassten Veränderungen. Ein gewisser Theil des Giftes wird
häufig, noch bevor er zur Wirkung gelangt, durch Erbrechen aus dem
Körper entfernt. Je früher das Erbrechen eintritt und je intensiver
sich dasselbe gestaltet, von desto günstigerem Einflusse ist dasselbe
und es kann allein dadurch besonders bei schwerer löslichen und
schwerer resorbirbaren Substanzen die Wirkung grosser Giftdosen
paralysirt oder wesentlich abgeschwächt werden. Solche Substanzen
können aber auch unverändert in den Darm gelangen, und wenn sie nicht
von hier aus zur Resorption kommen oder anderweitig gebunden oder
zerstört werden, mit dem Stuhle abgehen. Die Ausscheidung resorbirter
Gifte geschieht vorzugsweise durch die Nieren, ausserdem aber auch
durch die Speicheldrüsen, die Galle, den Darmcanal und die äussere
Haut, und, wodurch Vergiftung von Säuglingen erfolgen kann, auch
durch die Milch (+Brouardel+, Annal. d’hygiène publ. 1885, pag. 73;
+Fehling+, Arch. f. Gyn. XXVIII), jene der flüchtigen auch durch die
Lungen. Die Ausscheidung der +resorbirten+ Gifte durch den Darmcanal
scheint häufiger vorzukommen als man bisher dachte. Vom Arsenik ist
dieses schon lange bekannt, jetzt kann dieses auch vom Sublimat und
anderen Quecksilberverbindungen als erwiesen angesehen werden und
neuestens auch von der Carbolsäure.[404] +Tauber+ (Arch. f. experim.
Path. 1890, XXVII, pag. 335) hat dieses auch bezüglich des Morphins
gefunden, insbesondere dargethan, dass subcutan einverleibtes
Morphin unverändert durch den Magendarmcanal, respective durch die
Fäces ausgeschieden wird. An den Ausscheidungsstellen kann es zu
krankhaften Veränderungen kommen, so z. B. zu Nephritis, toxischen
Dermatosen, katarrhalischen und selbst nekrotischen Erscheinungen an
der Schleimhaut des Respirations- oder Darmtractus. Bei einzelnen
Giften, namentlich bei den gasförmigen, sowie bei den Alkaloiden und
bei den leichtlöslichen mineralischen Giften erfolgt die Ausscheidung
schnell und die meisten lassen sich schon in den ersten Stunden, d.
h. bald nach dem Auftreten der ersten Intoxicationserscheinungen im
Harne nachweisen, eine Thatsache, die uns den Wink gibt, in allen
solchen verdächtigen Krankheitsfällen zu trachten, den Harn zu
sammeln und der chemischen Untersuchung zu übergeben. Bei Giften,
welche mit den Bestandtheilen des Organismus festere Verbindungen
eingehen, erfolgt die Ausscheidung ungleich langsamer. Hierher
gehören viele metallische Gifte, die eine grosse Affinität zu den
Eiweisskörpern besitzen oder durch Assimilation im Körper verbleiben,
selbst in der Art, dass normale anorganische Bestandtheile des
Körpers durch sie ersetzt werden können.[405]
Die meisten der forensisch wichtigen Gifte werden unverändert
ausgeschieden, andere, nachdem sie im Körper gewisse Veränderungen,
namentlich durch Oxydation erlitten haben. Zu ersteren gehören
insbesondere die metallischen Gifte und Alkaloide[406], zu letzteren
der Phosphor und das Kohlenoxydgas, dann die Säuren und Alkalien,
welche im Harne und in anderen Ausscheidungen als Salze erscheinen.
Die Restitutio ad integrum erfolgt nach Vergiftung mit Alkaloiden,
sowie mit flüchtigen und gasförmigen Giften in der Regel sehr bald
und vollständig, keineswegs aber immer. Namentlich können in jenen
Fällen, wo der Stoffwechsel wichtiger Nervencentren, insbesondere
des Gehirns, durch längere Zeit gestört oder verhindert war, schwere
Functionsstörungen zurückbleiben, an denen, wie z. B. schwere
Kohlenoxydvergiftungen zeigen, die Betreffenden monate- und jahrelang
zu laboriren haben. Die Vergiftungen mit mineralischen Giften zeigen
nicht blos häufig einen protrahirten Verlauf, sondern enden auch
nicht selten mit nur unvollständiger Genesung. Insbesondere sehen wir
nach Vergiftungen mit ätzenden Substanzen Stricturen des Oesophagus,
hochgradige Verdauungsstörungen und in deren Folge Zustände
zurückbleiben, die sogar als „Siechthum“ im Sinne des Gesetzes
bezeichnet werden müssen. Auch nach Vergiftungen mit metallischen
Giften können langdauernde Ernährungsstörungen, namentlich in Folge
der meist eingetretenen körnigen und fettigen Degenerationen,
restiren, in anderen Fällen wieder Störungen der Nervenfunctionen,
wie wir sie manchmal nach Arsenikvergiftung, am häufigsten aber nach
Vergiftungen mit Bleisalzen beobachten können.
2. Der Sectionsbefund.
Bei einzelnen Vergiftungen zeigt schon die äussere Besichtigung der
Leiche gewisse auffallende Befunde. Es gehört hierher die icterische
Färbung der Haut und der Schleimhäute bei der Phosphorvergiftung
und die auffallend hellrothe Farbe der Todtenflecke bei Individuen,
die im Kohlenoxydgas um’s Leben gekommen sind, sowie die graue bei
der typischen Vergiftung mit Kaliumchlorid. Ebenso sehen wir bei
Vergiftungen mit ätzenden Flüssigkeiten, besonders mit Schwefelsäure,
nicht blos die Lippen und die Mundschleimhaut verschorft, sondern
können häufig von den Mundwinkeln herabziehende, lederartige, meist
hellbraun verfärbte Streifen bemerken, die vom Ueberfliessen der
ätzenden Flüssigkeit herrühren. In anderen Fällen kann die Leiche
einen auffallenden Geruch, z. B. nach bitteren Mandeln, ausströmen,
und es ist vorgekommen, dass bei sehr acuten Phosphorvergiftungen (mit
Phosphorpaste) im Dunkeln leuchtende Dämpfe von der Leiche ausgingen
und schon dadurch die Todesart ausser Zweifel stellten.
In den meisten Fällen unterscheiden sich die Leichen Vergifteter
äusserlich nicht wesentlich von anderen, oder bieten wenigstens kein
äusseres Merkmal, welches, wie einzelne der oben genannten, schon für
sich allein den Schluss gestattet, dass eine Vergiftung stattgefunden
habe.
Die innere Untersuchung kann locale oder solche Befunde ergeben, die
erst durch Resorption des Giftes veranlasst wurden.
[Sidenote: Mageninhalt.]
Der Sitz der wichtigsten +localen Befunde+ ist der Magen, und es
ist in dieser Beziehung sowohl der +Mageninhalt+ als das Verhalten
der +Magenwand+ zu beachten.
[Sidenote: Geruch.]
Ersterer kann zunächst einen eigenthümlichen Geruch bieten, so z. B.
nach Phosphor, nach bitteren Mandeln, nach Alkohol, Chloroform, Sabina,
Opium etc. Solche Erscheinungen sind äusserst wichtig und machen sich
besonders in dem Momente bemerkbar, in welchem man den Magen eröffnet,
auch tritt der Geruch deutlicher hervor, wenn man den Mageninhalt in
ein Gefäss verschliesst und nach einiger Zeit wieder dazu riecht.
Nicht jeder eigenthümliche Geruch, den der Mageninhalt bietet, ist
auf eine stattgehabte Vergiftung zu beziehen. So findet sich der
Alkoholgeruch ungemein häufig bei den verschiedensten Todesarten,
welche mit dem Alkoholgenuss in keiner oder doch nur in entfernter
Beziehung stehen; ebenso kann ein ätherischer oder diesem ähnlicher
Geruch von Medicamenten herrühren, die gegeben wurden, und es sind
uns nicht einmal, sondern wiederholt Fälle vorgekommen, wo nicht
blos der Magen, sondern, wie dies auch bei vielen der erwähnten
Vergiftungen häufig sich findet, auch die Lungen und das Gehirn einen
eigenthümlichen Geruch entwickelten, obgleich die Personen zweifellos
eines natürlichen Todes verstorben waren, und wo sich herausstellte,
dass derselbe von belebenden Tropfen (meist Aethertropfen), die
kurz vor dem Sterben gereicht worden waren, oder von subcutanen
Aether- oder Kampherinjectionen herrührten. Einmal fanden wir einen
auffallenden Geruch nach Moschus, der als Analepticum gegeben worden
war und wiederholt den Geruch nach ätherischen Oelen, der von
Genussmitteln herrührte.
Blutiger Mageninhalt ist nach Vergiftung mit ätzenden sowohl als mit
irritirenden Giften sehr häufig und rührt meist von Läsionen der
Gefässe der Magenschleimhaut her, die durch Arosion veranlasst wurden.
Nicht selten kommt jedoch der blutige Mageninhalt erst postmortal zu
Stande, entweder durch Transsudation des Blutes aus der hochgradig
injicirten oder ecchymosirten Magenschleimhaut in die Magenhöhle,
oder dadurch, dass der stark sauere oder alkalische Mageninhalt das
Blut aus der hyperämischen Magenwand in sich aufnimmt, wobei das
Hämoglobin gleichzeitig zum grössten Theile in Hämatin sich zersetzt.
Je weiter diese Zersetzung, sei es schon während des Lebens oder erst
nach dem Tode, gediehen ist, desto mehr ist das Blut in seiner Farbe
verändert und kann schwarzbraun bis schwarz erscheinen. Doch kann
auch die gewöhnliche Magensäure eine kaffeesatzfärbige Zersetzung des
ausgetretenen Blutes bewirken. Nach gewissen Vergiftungen, wie z. B.
nach Cyankaliumvergiftung, kann der blutige Mageninhalt auffallend roth
oder braunroth erscheinen, was in einer specifischen Wirkung des Giftes
auf den Blutfarbstoff seinen Grund hat.
[Sidenote: Farbe und Reaction.]
Auch andere als durch Blut veranlasste und mitunter eigenthümliche
Verfärbungen des Mageninhaltes können vorkommen, so grüne nach
Vergiftung mit chlorophyllhaltigen Pflanzentheilen (Sabina) oder,
wie wir wiederholt sahen, nach Vergiftungen mit Arsengrün, gelbe,
wenn Laud. liq. Sydenhami, Jod oder chromsaures Kali, blaue, wenn
Kupfervitriol genommen wurde u. s. w. Sie können auch von einem
Farbstoff herrühren, mit welchem das Gift gemengt war, was z. B. bei
Zündhölzchenköpfchen und bei Sublimatpastillen vorkommt.[407]
Die Reaction des Mageninhaltes zu prüfen darf niemals unterlassen
werden, und kann namentlich bei Vergiftungen mit stark sauren oder
stark alkalischen Substanzen eine hohe Bedeutung erlangen. Doch ist
nicht zu übersehen, dass die ursprüngliche Reaction theils durch
gereichte Gegengifte, theils erst nachträglich an der Leiche sich
ändern kann. Von noch höherer Bedeutung sind verdächtige Substanzen,
die im Magen gefunden werden können, so verdächtige Pflanzentheile,
insbesondere aber körnige oder krystallinische Körper, die entweder
im Mageninhalt oder in dem der Magenschleimhaut anhaftenden Schleime
eingebettet sind. Letzterer Befund ergibt sich am häufigsten bei der
Arsenikvergiftung und ist hier besonders in der schweren Löslichkeit
des Arseniks begründet. Der Befund anderer Gifte in Körnchen-
oder Krystallform ist im Ganzen selten, doch fanden wir in einem
Falle Bleizucker, in einem anderen Sublimat in Substanz und in
einem dritten eine Menge Krystalle von Strychninum purum. Grössere
Körner oder Krystalle sind verhältnissmässig leicht aufzufinden,
kleinere müssen mehr mit dem Gefühl, als mit den Augen aufgesucht
werden, ein Verfahren, das uns schon wiederholt, namentlich bei
Arsenikvergiftungen, ausgezeichnete Dienste geleistet hat. Bei sehr
faulen, insbesondere bei exhumirten Leichen finden sich häufig
krystallinische, sandig anzufühlende Niederschläge auf der Magen-
und Darmschleimhaut und auf anderen freien Flächen, welche entweder
aus Tyrosinkrystallen oder aus Tripelphosphaten bestehen und, wie
auch +Auerbach+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. XL, pag.
66) angibt, für Arsenikkörnchen gehalten werden können. Unser Museum
bewahrt schöne solche Präparate.
[Sidenote: Magenwand nach Vergiftungen.]