Die sonstige Beschaffenheit der Strangfurche bei Erdrosselten ist die
gleiche, wie sie sich bei Erhängten je nach dem Grade der Compression,
der Beschaffenheit des Stranges u. s. w. ergeben kann. Suffusionen
sind, ausgenommen bei Kindern, ebenfalls selten und haben sowohl in
den meisten unseren, als in den zahlreichen von +Casper+ und +Liman+
beobachteten Fällen gefehlt. Auch Verletzungen tieferer Organe des
Halses wurden beim Erdrosseln nur ausnahmsweise beobachtet, obwohl
zugestanden werden muss, dass sie beim Erdrosseln häufiger entstehen
können als beim Erhängen, da der Strang leichter auf den Kehlkopf
oder auf die Trachea zu liegen kommt, als bei letzterer Todesart, und
weil die Zerrung der Theile im Allgemeinen eine stärkere und weniger
gleichmässig und in einem Moment sich vollziehende ist als beim
Erhängen.
Der Mord durch Erdrosseln ist nicht gar selten, bei Kindern, besonders
neugeborenen, sogar verhältnissmässig häufig und zweifellos auch bei
Erwachsenen nicht besonders schwierig auszuführen, da, wie insbesondere
die Erfahrungen bei den „Garotte robberies“ gelehrt haben, und auch aus
der Analogie dieser Todesart mit dem Erhängen geschlossen werden kann,
die Bewusstlosigkeit und daher Hilflosigkeit der Betreffenden, wenn die
Schlinge rasch und mit Kraft zugezogen wurde, in wenigen Augenblicken
eintritt. Daher kann eine solche Tödtung ganz wohl erfolgen, ohne dass
Spuren einer anderen Gewalt oder Zeichen geleisteter Gegenwehr sich
finden müssen, namentlich dann, wenn die Betreffenden im Schlafe oder
während eines Rausches oder dadurch erdrosselt wurden, dass ihnen die
Schlinge unversehens von rückwärts über den Hals geworfen und sofort
zusammengezogen worden war. Die meisten der bisher beobachteten Fälle
haben gelehrt, dass der Thäter sich meist mit dem einfachen Erdrosseln
nicht begnügt, sondern dasselbe mit Würgen combinirt, wodurch in der
Regel Befunde entstehen, die für sich geeignet sind, die Einwirkung
fremder Hand zu verrathen.[359]
[Sidenote: Selbsterdrosselung.]
Selbstmord durch Erdrosseln kommt nur ganz ausnahmsweise vor.
+Casper+-+Liman+ beschreiben vier Fälle, und mehrere hat +Maschka+
(Wiener med. Wochenschr. 1879, Nr. 22-26) publicirt. Wir selbst haben
drei solche Fälle obducirt, die wir unten näher beschreiben. Einen
vierten hat +Haberda+ (Vierteljahrschr. für gerichtl. Med. 1893, V,
229) mitgetheilt. Die Seltenheit derselben ist vielleicht nur eine
zufällige; denn es scheint uns, dass es verhältnissmässig leicht ist,
durch eigenhändiges Zusammenschnüren des Halses mit einem Würgeband die
Luftwege und wenigstens die venösen Gefässe bis zur Undurchgängigkeit
zu comprimiren und rasch Bewusstlosigkeit zu bewirken, worauf, wenn
die Zusammenschnürung mittelst eines Knotens oder Knebels oder
überhaupt auf solche Art geschah, dass sie durch den Eintritt der
Bewusstlosigkeit nicht unterbrochen wurde, nothwendig der Tod erfolgen
muss. Damit stimmt auch die Ansicht +Jacquier+’s[360] überein, welcher
17 Fälle von Selbsterdrosselung beschreibt und dazu bemerkt, dass die
Seltenheit dieser Selbstmordart nicht von wirklicher, sondern von
eingebildeter Schwierigkeit herrühre, was dadurch erwiesen wird, dass
die Zahl der sich selbst Erdrosselnden in jenen Ländern eine viel
grössere ist, wo die Todesstrafe durch Erdrosseln (garrot) dazu die
Idee und sozusagen das Beispiel gibt.
Der erste der von uns obducirten Fälle von Selbsterdrosselung betraf
ein 20jähriges, erst nachträglich agnoscirtes Dienstmädchen, welches
am 15. April 1878 in eine öffentliche Badeanstalt gekommen war und
sich in der ihr zugewiesenen Cabine eingeschlossen hatte. Nachdem
sie nach Verlauf einer halben Stunde auf Klopfen und Rufen nicht
antwortete, wurde die Cabine gewaltsam eröffnet und die Unbekannte
nackt in der Badewanne gefunden, in der Art, dass der Kopf unter
Wasser sich befand und das Gesäss aus letzterem hervorragte. Der Hals
war mit einem dicken, in drei Touren herumgeschlungenen und vorn am
Halse zweimal geknoteten Zuckerspagat so fest zusammengeschnürt,
dass die Haut wulstartig über denselben hervorragte und mit Mühe ein
Messer zwischen den Spagat und die Haut zu bringen war. Das Gesicht
war blauroth angeschwollen und, wie der Polizeibericht angab, dadurch
bis zur Unkenntlichkeit entstellt.
Bei der Obduction fand sich eine auffallende Cyanose des Gesichtes
und der oberen Hälfte des Halses, die an der Strangfurche sich scharf
abgrenzte. Die Augenlider gedunsen, mit punktförmigen Ecchymosen
dicht besetzt. Die Bindehaut injicirt und stark ecchymosirt. Rings um
den Hals verlief in der Höhe des unteren Endes der Kehlkopfkante eine
mehrfache, der Dicke einer Rebschnur entsprechende Strangfurche, von
theils blasser, theils pergamentartig vertrockneter Beschaffenheit,
deren äusserer Verlauf aus Fig. 113 und 114 zu ersehen ist.
Die weichen Schädeldecken waren sehr blutreich, mit Ecchymosen
durchsetzt. Hirn und Hirnhäute sind blutreich. Im Unterhautzellgewebe
und im Bindegewebe zwischen den Muskeln, entsprechend der lividen
Verfärbung des Halses, zerstreute mohnkorn- bis hanfkorngrosse
Ecchymosen (auch im Nacken), ferner eine bohnengrosse, entsprechend
dem oberen Theile des rechten M. hyothyreoideus unter dessen
Scheide, der Muskel selbst an dieser Stelle gequetscht und mit Blut
infiltrirt. Je eine linsengrosse Ecchymose zwischen den beiden M.
cricothyreoidei und dem unteren Rande des Schildknorpels, die Spange
des Ringknorpels rechts von der Mitte leicht nach einwärts geknickt.
Zahlreiche Ecchymosen in der Adventitia und im umgebenden Bindegewebe
der Carotiden entsprechend ihrer Bifurcation. Zungenbein unverletzt,
Schleimhäute des Halses ecchymosirt. Sonst ausgesprochener
Erstickungsbefund. (Nähere Beschreibung des Falles nebst Bemerkungen
über Selbsterdrosselung in der „Wiener med. Presse“, 1879, Nr. 1-6.)
[Illustration: Fig. 113.
Fall von Selbsterdrosselung. Seitenansicht.]
Der zweite unserer Fälle betraf eine 33jährige, verwitwete Wirthin
M. K., welche am Morgen des 20. März 1880 in ihrem Schanklocale auf
der Erde liegend todt aufgefunden wurde. Die Leiche lag auf dem
Rücken und war halb bekleidet. Im Munde befand sich ein aus einer
kleinen Serviette gebildeter Knebel, von welchem ein nur etwa 3 Zoll
langes Stück herausragte. Um den Hals war ein seidenes Tuch ziemlich
fest geknüpft, und nach dessen Entfernung fand man darunter eine
zweimal horizontal um den Hals geschlungene und am Kehlkopf zu einem
Knoten gebundene Zuckerschnur, von deren herabhängenden Enden das
eine eine 4-5 Cm. weite Schlinge bildete. Das Gesicht war gedunsen,
stark cyanotisch und aus beiden Ohren war eine ziemlich starke
Blutung bemerkbar. Die M. K. hatte eben menstruirt, war nach Aussage
von Zeugen in der letzten Zeit trübsinnig gewesen und soll sich
wiederholt geäussert haben: „dass man etwas erleben werde“. Auch war
sie mit ihrer nicht im Hause wohnenden Schwiegermutter im Streite,
weil diese sie zu einer Ehe zwingen wollte. Im Wäschkasten fand
sich ein von der Verstorbenen selbst geschriebener Brief folgenden
Inhalts: „Wertheste Frau Schwiegermutter! Die Vorwürfe, die Sie mir
machten, konnte mein Herz nicht länger ertragen, weil ich sie mir
nicht verdiente und schmerzte mich bis zu diesem Schritte. Der liebe
Gott wird mir verzeihen und mein armes, armes unschuldiges Kind zu
einer guten Christin werden lassen. O, Du armes, unvernünftiges Kind,
zürne Deiner unglücklichen Mutter nicht, aber sie konnte keinen
anderen Schritt thun. Gott segne Dich noch einmal, aber ich konnte
mir nicht helfen.“ Der Selbstmord war sonach zweifellos.
[Illustration: Fig. 114.
Fall von Selbsterdrosselung. Ansicht von vorne.]
Die Obduction ergab einen kräftigen Körper mit starkem Fettpolster,
Gesicht cyanotisch, durch punktförmige Ecchymosen wie gestichelt.
Die Bindehaut injicirt, zahlreiche bis linsengrosse und rechts
eine fast bohnengrosse Ecchymose enthaltend. In der Aushöhlung
beider Ohrmuscheln etwa ein Kaffeelöffel theils flüssigen, theils
geronnenen frischen Blutes, mit welchem auch beide Gehörgänge
gefüllt sind. Hals fett. An der Vorderfläche desselben eine
zwischen Kehlkopf und Zungenbein quer verlaufende, 2-3 Mm. breite,
blasse Furche, welche am vorderen Rande beider Kopfnicker sich
verliert. Am oberen Rande dieser Furche findet sich links neben
der Mittellinie eine quergestellte, 3 Mm. lange, 1 Mm. breite,
braunroth vertrocknete Stelle und einen Querfinger davon nach aussen,
ebenfalls dem oberen Rande der Furche entsprechend, eine gleiche,
mit einem linsengrossen, sugillirten Hofe umgeben. Rechts erscheint
der untere Saum der Furche vom vorderen Rande des Kopfnickers
beginnend in einer Länge von 3 Cm. und einer Breite von 1-2 Mm.
schmutzig violett verfärbt und die Oberhaut daselbst in mehrere,
in einer der Furche parallelen Reihe nebeneinander gestellte, mit
klarem Serum gefüllte Bläschen abgehoben, von denen zwei mittlere
wickenkorngross, die seitlichen hirsekorngross sind. Am rechten
Ellenbogen 3 Cm. lang eine schwach sugillirte Hautaufschürfung. In
der rechten Ellenbeuge zwei linienförmige, lange Hautkratzer. An der
Streckseite des linken Oberarmes neben und unter der Achselfalte
eine kreuzergrosse, bläuliche sugillirte Stelle. Schädeldecke
blutreich, stark ecchymosirt, ebenso beide Schläfemuskeln durch bis
linsengrosse Ecchymosen wie getigert. Hirn und Hirnhäute blutreich.
Die Schleimhaut beider Paukenhöhlen ecchymosirt, im Lumen der
rechten flüssiges Blut. Trommelfelle unverletzt, doch jederseits ein
kleiner Riss im Epidermisüberzuge. Die Epidermis der hintersten
Partien beider äusserer Gehörgänge durch flüssiges Blut blasig
abgehoben, stellenweise geborsten. Im Unterhautzellgewebe unter der
Strangfurche keine Blutaustritte, wohl aber ein linsengrosser am
vorderen Rande des linken Kopfnickers unter dessen Scheide, sowie je
ein bohnengrosser in den Nackentheilen des M. cucullaris unterhalb
dessen äusserer Scheide. Im Rachen und Kehlkopf blutiger Schleim. Die
Schleimhaut dunkelviolett. Kehlkopf und Zungenbein unverletzt. Lungen
angewachsen, blutreich. Herz contrahirt mit punktförmigen Ecchymosen.
Bemerkenswerth ist in beiden Fällen die hochgradige Blutstauung am
Kopfe, die durch besonders starke Cyanose, Ecchymosenbildung und im
zweiten Falle sogar durch Blutung aus den Ohren sich kundgab und sich
daraus erklärt, dass durch das Würgeband vorzugsweise die Venen des
Halses und weniger oder vielleicht gar nicht die Carotiden comprimirt
worden sind.
Einen instructiven Fall von Selbsterdrosselung enthält +Henke+’s
Zeitschrift, 1843, pag. 135, der sich an den bekannten des General
Pichegru anschliesst.
Die Leiche eines Corporals, der wegen Dienstvergehen Bestrafung
zu fürchten hatte, wurde in einem Gebüsche unter einem Baume auf
dem Gesichte liegend gefunden. Zu beiden Seiten des Vorderhalses
standen die Enden eines gewöhnlichen Soldatensäbels vor. Fünf Fuss
von dem Kopfe der Leiche stand ein Baum mit einem in der Höhe von
10 Fuss abgehenden horizontalen starken Aste. An diesem war das
eine Bein einer leinenen Hose fest angebunden, während das andere
bis auf den Boden herabhing. Die Hosennaht war im Spalt auf 1½
Fuss eingerissen. Die Kleider der Leiche waren geordnet. Als man die
Leiche umdrehte, fand man um den Hals ein baumwollenes Tuch fest
zugeschnürt, aus welchem nach vorn eine Schlinge gebildet war, in
welcher ein Militärsäbel mit der Scheide steckte. Rechts neben dem
Kehlkopf war das Tuch zu einem festen Knoten geknüpft. Der unter
das Tuch gesteckte Säbel war offenbar mehrmals herumgedreht worden,
und stak so fest, dass er erst herausgezogen werden konnte, nachdem
man die Klinge aus der Scheide entfernt hatte. Nach mühsamer Lösung
des Knotens des Tuches fand sich am Halse eine horizontal um den
Hals und gerade über den Kehlkopf ziehende, tief eingedrückte, ¾
Zoll breite Rinne, mit einer Ausbreitung, die dem Knoten des Tuches
entsprach. Die Leiche war bereits stark faul und wurde nicht secirt,
so dass über das weitere Verhalten der inneren Organe am Halse
nichts zu ersehen ist. Offenbar hatte sich der Mann früher an seiner
Hose zu erhängen versucht, und da diese die nöthige Tragkraft nicht
besass, sondern im Schlitz zerriss, mit dem um den Hals gelegten und
durch den Säbel als Knebel zusammengeschnürten Tuch sich erdrosselt,
wobei der vorspringende Unterkiefer das Zurückschnellen des Säbels
verhindert hatte.
Ein anderer, nicht minder instructiver Fall wird von +Benetsch+
in der Vierteljahrsschr. f. gerichtl. Med. 1862, XXI, pag. 351
mitgetheilt, der in einigen Beziehungen an den zweiten der von
uns obducirten Fälle erinnert. Ein Matrose kam in ein Gasthaus,
verlangte den Schlüssel vom Abort und wurde dort nach einer halben
Stunde sitzend und todt gefunden. Er hatte früher versucht, mit
einem Federmesser sich die Adern zu durchschneiden und hatte sich
7 Schnitte am linken Handgelenk beigebracht. Um den Hals war ein
halbseidener Matrosenshawl mit einem Knoten fest zugebunden und fest
um den Hals zugezogen. Das eine Ende des Shawls war in der Länge von
2 Fuss in den Mund hineingestopft und die Zähne hielten dasselbe so
fest, dass es nur mit Mühe entfernt werden konnte. Um den Hals fand
man 30 Stunden nach dem Tode eine Strangfurche horizontal verlaufend,
welche unter dem Kehlkopfe verlief, daselbst 2½ Zoll breit und
lederartig vertrocknet war, gegen den Nacken zu sich aber in einen
blos ½ Zoll breiten Streifen verschmälerte.
[Sidenote: Fälle von Selbsterdrosselung.]
Ein interessanter Fall von Selbsterdrosselung nach Selbstmordversuch
durch Halsabschneiden wird von +Schönfeld+ in Brüssel (Annal.
d’hygiène publ. 1879, pag. 257) mitgetheilt. Der Strick fand
sich noch in den Händen der Leiche und davon Eindrücke am Rücken
der linken Hand. Auch verdient ein von +Tardieu+ (l. c. 206)
mitgetheilter Fall +Rendu+’s Erwähnung, weil bei der betreffenden
Person (Frau) an der rechten Hand 4 Finger fehlten und diese
trotzdem im Stande war, sich mit einem seidenen Halstuch zu
erdrosseln. In Friedreich’s Blättern 1889 wird von +Bollinger+
nebst einem interessanten Fall von Erhängen im Liegen auch eine
Selbsterdrosselung in liegender Stellung abgebildet. Die um den
Hals gelegte und mit dem einen Ende am Bettpfosten befestigte lange
Schlinge war durch Anstemmen der Füsse gegen letzteren zugezogen
worden.
[Sidenote: Zufällige Strangulation.]
An die Lehre von der Strangulation mittelst eines Würgebandes wollen
wir noch anschliessen, dass sowohl Erhängen als Erdrosseln auch
zufällig vorkommen kann.
+Taylor+ erwähnt eines Knaben, der sich erhängte, als er, von einer
Hinrichtung kommend, den Gang derselben versuchen wollte; ebenso
eines anderen, der beim Spielen zufällig in eine Schlinge gerieth
und hängen blieb, dann einen ähnlichen Fall von einem Manne, der
in seinem Zimmer Turnübungen an einem Seile anzustellen pflegte.
Man fand ihn hängend, das Seil nicht blos um den Hals, sondern
auch mehrfach um den Körper geschlungen. Nach +Tardieu+ (Annal.
d’hygiène publ. 1870, XXXIII, pag. 98) soll +Bacon+ einen Versuch,
den er anstellte, um den Vorgang beim Erhängen zu studiren, fast mit
dem Tode bezahlt haben, da er nur durch zufällige Hinzukunft eines
Freundes gerettet wurde.
Von +Zülch+ (Zeitschr. f. Medicinalb. 1894, pag. 190) werden zwei
bemerkenswerthe Fälle von zufälligem Erhängen mitgetheilt. Der
eine betraf einen 13jährigen Knaben, der, um nach seinem Vater
auszuschauen, mit stark benützten, daher sehr glatte Sohlen
besitzenden Schlappen auf eine Leiter gestiegen, ausgerutscht und
mit seinem Shawl an einem Haken hängen geblieben war; der zweite
betraf einen Knecht, der in betrunkenem Zustand von einer steilen
Bodentreppe herabgefallen war, und in dem Winkel, welchen die
geländerlose Treppe mit einem Pfahl bildete, am Halse hängend und
todt gefunden wurde. Auch zufällige Erdrosselungen sind wiederholt
vorgekommen.
[Sidenote: Zufällige u. simulirte Strangulation.]
So berichtet +Taylor+ von einem Knaben, der sich damit unterhielt,
dass er ein schweres Gewicht im Zimmer an einer um den Hals gelegten
Schlinge herumtrug. Man fand ihn auf einem Stuhle sitzend todt.
Das Gewicht war hinter die Stuhllehne gerutscht und hatte den Hals
zugeschnürt. Ferner von einem Mädchen, welches einen Korb mit Fischen
mittelst eines um den Hals geschlungenen Riemens trug. Man fand
sie an einer niedrigen Mauer sitzend und todt. Der Riemen ging um
den Hals und war durch die Schwere des Korbes zugeschnürt, welcher
über die Mauer nach hinten zu heruntergefallen war. Wir obducirten
ein 7 Monate altes, kräftiges Kind, welches von seinem Bettchen
herabgerutscht war und mit dem Kopfe zwischen zwei Sprossen eines
angestellten Stuhles steckend und mit dem Vorderhalse auf dessen
Querleiste liegend todt gefunden wurde. Die Obduction ergab eine
schwache Furche am Halse und Erstickungsbefunde. Andere Beispiele von
zufälliger Strangulation finden sich bei +Casper+-+Liman+ (l. c. 729)
und +Maschka+ (l. c. 608 und 623). -- Auch Simulationen von Erhängen
oder Erdrosseln kommen vor. Ein Fall letzterer Art war der von +Roux+
in Montpellier (Maschka’s Handb. I, 627) und über einen Inculpaten,
der, um die simulirte Geisteskrankheit glaublicher zu machen,
Selbsterhängen vorzutäuschen versuchte, dabei aber trotz allem
Raffinement das Bewusstsein verlor, berichtet +Laurent+ (Virchow’s
Jahrb. 1888, I, pag. 463).
[Sidenote: Zufällige Druckstreifen am Halse.]
Noch sei erwähnt, dass etwas fester am Halse anliegende Gegenstände,
wie Hemdkrägen, Bänder, Schnüre, ebenfalls einen streifenförmig um
den Hals verlaufenden Eindruck hinterlassen können. Es ist dies dann
ein blasser, weicher, meist flacher Streif, der aber auch, wenn der
Hals durch Fäulniss anschwillt und das Band nicht nachgibt, sich
rinnenartig vertiefen kann. Bei faulen Wasserleichen hat man nicht
selten Gelegenheit, dies zu beobachten. Die Provenienz eines solchen
Streifens wird sich bei einiger Aufmerksamkeit leicht constatiren
lassen.
Auch jene anämischen Streifen am Halse, die der Tiefe gewisser querer
Hautfalten, namentlich bei wohlgenährten Personen, insbesondere aber
bei Kindern, entsprechen, sind unschwer als solche zu erkennen, da
man beim Strecken und Beugen des Halses sich überzeugen kann, dass
sie einer solchen Hautfalte ihre Entstehung verdanken. Diese Streifen
sind in der Regel weich und blass, anämisch; war jedoch die Stelle,
wie bei kleinen Kindern häufig, nässelnd (Intertrigo), so kann sie
nach dem Tode eintrocknen und mumificirt erscheinen, worauf sehr
zu achten ist, da uns thatsächlich ein Fall vorkam, wo eben der
lederartigen Beschaffenheit wegen eine solche natürliche Furche für
eine Strangfurche gehalten wurde.
[Sidenote: Furchenartige Eindrücke am Halse.]
Auch durch Umschlingung der Nabelschnur um den Hals eines Kindes
kann eine Strangfurche entstehen, entspricht aber dann der Breite
der Nabelschnur, ist weich und lässt sich leicht ausgleichen; auch
konnten wir in einem solchen Falle deutlich einen vom Halse über die
Brust gegen den Nabel zu verlaufenden blassen Streifen unterscheiden,
der die Provenienz der Furche am Halse aufgeklärt hätte, wenn auch
nicht die Schnur noch um den Hals geschlungen gefunden worden wäre.
Auf eine andere Möglichkeit der Entstehung von Strangfurchen, ohne
dass eine Strangulation in vivo stattgefunden hätte, werden wir beim
Ertrinkungstod aufmerksam machen.
3. Das Erwürgen.
Das Erwürgen geschieht durch Compression des Vorderhalses, insbesondere
der Kehlkopfgegend mit der Hand, entweder in der Weise, dass die
betreffende Hand um den Kehlkopf sich zusammenkrallt und diesen
seitlich comprimirt, wobei, wie +Langreuter+ bei seinen oben erwähnten
Beobachtungen mit dem Kehlkopfspiegel constatirte, schon ein äusserst
geringer Druck zum vollkommenen Verschluss der Stimmritze genügt,
oder indem derselbe, oder der Zungengrund, gegen die Wirbelsäule
angedrückt oder nach oben gedrängt wird. Beide Vorgänge verbinden sich
in der Regel gleichzeitig, wobei meistens Kopf und Nacken gegen eine
feste Unterlage angepresst oder mit der anderen Hand der würgenden
entgegengedrückt werden.
[Sidenote: Erscheinungen nach Compression des Kehlkopfs.]
Ein solcher Verschluss genügt natürlich für sich allein, um in
wenigen Augenblicken Erstickung zu bewirken. Trotzdem kann noch ein
anderes Moment beim Erwürgen eine Rolle spielen, und zwar weniger
die Compression der Gefässe am Halse, die meist gar nicht oder
nur einseitig und keineswegs gleichmässig erfolgt, wohl aber die
traumatische Reizung peripherer Vagusendigungen, insbesondere jener
des N. laryngeus superior. Letzteren hat bereits +J. Rosenthal+ als
respiratorischen Hemmungsnerv bezeichnet und +Claude+-+Bernard+ hat
gefunden, dass thatsächlich durch traumatische Reizung des N. laryng.
super. plötzlicher Athemstillstand erzeugt werden könne. Solche
Versuche hat später +F. Falk+[361] mit gleichem Erfolge wiederholt
und auch wir haben ebenfalls solche Resultate erzielt, wenn wir bei
tracheotomirten Hunden den Kehlkopf mit dem Finger zusammenpressten,
wobei wir allerdings, ebenso wie +Falk+, fanden, dass, wenn mit dem
Druck sofort nachgelassen wurde, der Athemstillstand nur einige
Augenblicke dauerte, indem die Respiration wiederkehrte, dass aber,
wenn der Druck fortgesetzt wurde, nach kurzem Athemstillstand Dyspnoe
sich einstellte, die dann aber meist kürzer dauerte als bei einfachem
Verschluss der Trachea. Auch nach Reizung der Endigungen des N.
recurrens beobachtete +Falk+ Aehnliches, ebenso konnte +Bert+, wie
wir bereits oben erwähnt haben, bei Thieren (Enten) sofortigen Tod
hervorrufen, wenn er die Luftröhre zusammenschnürte, und schreibt
dieses der centripetal fortgeleiteten Erregung der Nervenendigungen zu.
Dass auch +Fischer+ den Shock nach Contusion des Kehlkopfes hervorhob,
haben wir bei Besprechung der Kehlkopfverletzungen angeführt.
Von diesen Beobachtungen ist bei der Beurtheilung des Erwürgungstodes
beim Menschen jedenfalls Notiz zu nehmen, umsomehr, als mit Rücksicht
auf die Angaben von Angeklagten die Frage, ob schon ein einmaliges
Zufassen an den Hals eines Individuums, respective ein plötzliches,
aber vorübergehendes Zusammendrücken des Kehlkopfs den Tod bewirken
könne, bereits durch +Casper+ (l. c. II, 653) ventilirt und dahin
beantwortet worden ist, dass ein solcher Hergang zwar möglich, aber
nicht wahrscheinlich sei. Gegenwärtig müssen wir mit Rücksicht auf
die erwähnten experimentellen Beobachtungen die schon von +Casper+
zugestandene Möglichkeit noch mehr zugeben, und wenn wir auch gegenüber
der Angabe, dass schon durch ein einmaliges Zudrücken des Kehlkopfes
der Tod herbeigeführt wurde, höchst vorsichtig sein werden, so müssen
wir doch zugestehen, dass eine sofortige Bewusstlosigkeit nach einem
solchen Insult eintreten kann.