Nicht selten wird der Strick doppelt oder mehrfach genommen und man

findet dann eine doppelte oder mehrfache Strangfurche. In der Regel

liegen die Touren des Strickes enge aneinander und daher auch die

ihnen entsprechenden Strangfurchen, so zwar, dass diese nur durch eine

schmale kammartige Hautleiste von einander getrennt sind. Diese Leiste

verläuft, wenn die Stricktouren neben einander lagen, mit den Rändern

der rinnenförmigen Strangfurchen parallel, kreuzt sich aber mit diesen,

wenn dies auch mit den Stricktouren der Fall war. Nur ausnahmsweise

liegen bei doppelt oder mehrfach genommenem Strick die Touren weiter

auseinander, so dass zwischen den einzelnen Strangfurchen bandartige

Hautstreifen sich finden. Letztere sind dann begreiflicherweise wulstig

vorgetrieben und ebenso wie die oben erwähnten Hautkämme mehr weniger

injicirt und selbst punktförmig ecchymosirt. In seltenen Fällen kann es

in Folge der seitlichen Compression zu bläschenförmigen, mit blassem

oder bluthältigem Serum gefüllten Abhebungen der Epidermis kommen.

Wir haben einen einzigen solchen Fall gesehen und +Riecke+ (Ann. der

Staatsarzneikunde, 1838, III, pag. 537) beschreibt einen zweiten.

Verhältnissmässig häufiger scheint, was wir gleich hier erwähnen

wollen, diese Erscheinung beim Erdrosseln vorzukommen, denn +Liman+

(Handb. 7. Aufl., II, 70 und 682) sah dieselbe zweimal und wir einmal

nach Selbsterdrosslung. Ein Oedem der eingeklemmten Hautpartie haben

wir bis jetzt nicht beobachtet, vielleicht nur deshalb, weil es nach

Abnahme der Leiche sich wieder durch Senkung verliert. +Lesser+

(Vierteljahrschr. für gerichtl. Med. XXXII, pag. 9) sah ein solches

einmal bei einem erdrosselten Neugeborenen.

Wurde ein Riemen benützt, so findet man eine entsprechend breite,

glatte, parallelrandige Strangfurche, innerhalb welcher die Haut

excavirt und blass erscheint, ausgenommen an jenen Stellen, die etwa

den Riemenlöchern oder der Schnalle entsprechen, die vorgetrieben,

stark injicirt und meistens auch ecchymosirt sind.

Geschah das Erhängen an einem Tuche (Halstuch, Sacktuch, Handtuch,

zusammengebundene Servietten etc.), so ist die Strangfurche desto

breiter und flacher, und desto weniger scharf begrenzt, je breiter,

weicher und je weniger gleichmässig das Würgeband war. Hatte das

Tuch Knoten, Nähte oder andere theils vorspringende, theils weniger

nachgiebige Stellen, so erscheinen diese in der Strangfurche mehr

weniger ausgeprägt. Gleiches gilt bezüglich der Windungen, wenn das

Tuch strickartig zusammengedreht gewesen war. Auch wenn Stricke,

besonders neue, zur Anwendung kamen, lassen sich in der Strangfurche

häufig, und zwar häufiger als bei zusammengedrehten Tüchern, die

Windungen als parallele schiefe Leistchen erkennen, welche jenen

Hautpartien entsprechen, die zwischen je zwei vorspringende und daher

comprimirende Windungen des Strickes zu liegen kamen. Da nicht selten

zusammengebundene Stricke zum Erhängen genommen werden, oder das eine

Ende des Strickes zu einer Schlinge geknüpft ist, durch welche das

andere Ende hindurchläuft, so werden auch die betreffenden Knoten an

der Strangfurche sich ausprägen, beziehungsweise das gleichmässige

Verhalten derselben unterbrechen. In einem von +Tardieu+ beschriebenen

Falle war das eine Ende des Stranges durch einen am anderen befestigten

Metallring durchgezogen und der Abdruck dieses Ringes an der Leiche

deutlich erkennbar.

[Sidenote: Nähere Beschaffenheit der Strangfurche.]

Ausser von den genannten Umständen hängt das mehr weniger deutliche

Ausgeprägtsein der Strangfurche auch von dem Körpergewichte des

Erhängten ab, ferner davon, ob dieses, wie beim freien Hängen,

vollständig zur Geltung hat kommen können, oder ob der Körper, nachdem

der Tod eingetreten war, eine Stütze irgendwo gefunden hatte, was

namentlich in jenen häufigen Fällen geschieht, wo die Betreffenden

an niedrigen Gegenständen (Thürdrückern u. s. w.) sich aufgehängt

hatten. Auch der Umstand, ob die Leiche kürzer oder länger hängen

blieb, ist von Einfluss, und schliesslich ist nicht zu übersehen, dass

die Strangfurche immer an der dem Knoten entgegengesetzten Stelle des

Halses am deutlichsten ausgeprägt sein muss, weil hier die Compression

am grössten ist, dass aber diese Stelle eine verschiedene ist, je

nachdem das Erhängen in typischer Weise oder so geschah, dass der

Knoten hinter dem einen Ohre oder gar vor dasselbe zu liegen kam.

An der Leiche erscheint die Strangfurche entweder lederartig

(pergamentartig) vertrocknet und dann mehr weniger braungelb bis

braunroth verfärbt, oder weich, in diesem Falle entweder eine

schmutzig-bläuliche oder die gewöhnliche, nur etwas blässere Hautfarbe

bietend. Die +lederartige+ oder mumificirte Beschaffenheit der

+Strangfurche+ bildet sich erst an der Leiche, ist demnach eine

sogenannte Leichenerscheinung; ihr Zustandekommen setzt aber gewisse

Bedingungen voraus, die ein derartiges postmortales Vertrocknen

ermöglichen.

Zu diesen Bedingungen gehört in erster Linie eine genügend starke

Compression des betreffenden Hautstreifens. Durch eine solche

Compression wird nämlich der Hautstreif nicht blos anämisch,

sondern es wird auch jede andere Feuchtigkeit aus demselben

herausgepresst, was zur Folge hat, dass dieser Hautstreif, der

seine comprimirte Beschaffenheit auch nach dem Tode behält, an der

Leiche früher eintrocknet als die umgebende Haut. Da bei schmalen

Strangulationsbändern die Compression des Halses am intensivsten ist,

so begreift es sich auch aus diesem Grunde, warum besonders, wenn

ein Strick benützt wurde, die pergamentartige Strangfurche gefunden

zu werden pflegt. Ausserdem spielt die Aufschürfung der Haut in der

Strangfurche eine Rolle, indem das Corium mehr weniger blossgelegt wird

und an der Leiche ebenso eintrocknet, wie dies bekanntlich bei den

Hautaufschürfungen geschieht (pag. 270). Je rauher und einschneidender

das betreffende Strangulationsband war, desto leichter kann eine

Abschindung der Epidermis zu Stande kommen, daher besonders häufig,

wenn das Erhängen mit einem Stricke, namentlich einem neuen, geschah.

[Sidenote: Die lederartige und die weiche Strangfurche. Fehlen

derselben.]

Die +weiche Strangfurche+ präsentirt sich entweder als ein bläulicher,

vertiefter, oder als ein mehr flacher anämischer Hautstreifen.

Beide kommen zu Stande, wenn die Entstehung der Strangfurche weder

mit Hautabschindung, noch mit besonders starker Compression der

betreffenden Hautpartie verbunden war, daher vorzugsweise, wenn

breite und weiche Strangwerkzeuge, wie Tücher u. dergl., benützt

worden sind. Die blasse Farbe der Strangfurche rührt von der Anämie

her, die durch die Compression des betreffenden Hautstreifens

veranlasst wurde; die blaue Verfärbung ist nur ein höherer Grad dieser

Compressionserscheinung und kommt theils zu Stande, indem die Haut

durch den Druck verdünnt wird und die Musculatur durchscheint, theils

dadurch, dass die comprimirte und dadurch verdichtete Haut selbst, wie

man sich durch Versuche leicht überzeugen kann, eine blaugraue Farbe

anzunehmen pflegt.

Da die pergamentartige Vertrocknung der Strangfurche eine blosse

Leichenerscheinung ist und zu ihrer Entstehung einige Zeit erfordert,

so folgt daraus, dass wir selbst aufgeschürfte oder hochgradig

comprimirte Strangfurchen noch weich finden können, wenn wir die

Untersuchung bald nach der Suspension vornehmen, oder wenn die

Eintrocknung durch äussere Verhältnisse verlangsamt oder verhindert

worden war. Verzögert kann die Eintrocknung werden schon durch das

Hängenbleiben selbst, indem der Strang die betreffende Furche deckt

und dadurch die Einwirkung der äusseren Luft für einige Zeit abhält.

Ebenso wird in feuchter Luft oder im Wasser die Vertrocknung nicht

erfolgen und es wird sogar eine schon lederartig vertrocknet gewesene

Strangfurche wieder weich, wenn sie der Einwirkung von Wasser oder

anderen Feuchtigkeiten ausgesetzt wird. Diese Umstände dürften bei

Wasserleichen nicht übersehen werden.

Zwischen der weichen und pergamentartig vertrockneten Strangfurche

gibt es eine Menge Combinationen und Uebergänge, und es kommt ungemein

häufig vor, namentlich wenn nicht Stricke, sondern zusammengedrehte

Tücher, Leibriemen, Hosenträger, Gurten, Vorhangschnüre und derartige

Strangwerkzeuge benützt worden waren, dass eine und dieselbe

Strangfurche sowohl weiche als vertrocknete Stellen zeigt, so dass sie

wie unterbrochen erscheint.

Eine mit Hautaufschürfung oder starker und gleichmässiger Compression

der Haut verbundene Strangfurche tritt deutlich am Halse hervor und

verschwindet auch bei längerem Liegen der Leiche nicht, und selbst

an faulen Leichen ist sie, wie wir uns wiederholt überzeugt haben,

meist noch sehr deutlich zu erkennen. Jene weichen und undeutlich

begrenzten Strangfurchen aber, wie sie durch Tücher, namentlich

durch dicke wollene Tücher (Shawls), entstehen, sind häufig sehr

undeutlich ausgeprägt und der flache, blos anämische Eindruck, den sie

veranlassen, kann sich an der abgenommenen Leiche sogar so vollkommen

ausgleichen, dass nachträglich keine Spur mehr von einer Strangfurche

zu sehen ist.

[Sidenote: Undeutliche oder fehlende Strangfurche.]

Hatte sich der Betreffende an niedrigen Gegenständen aufgehängt, so

dass nach dem Tode der Körper Unterstützung fand und daher dessen

Schwere nicht zur vollen Geltung kommen konnte, dann kann sich die

bezeichnete Eventualität noch leichter ereignen.

Ein Mann wurde im Walde mit seinem Sacktuch an einem Aste so hängend

gefunden, dass er nicht blos mit den ausgestreckten Füssen den Boden

berührte, sondern auch mit dem Gesässe auf einer Moosbank theilweise

aufruhte, welche sich am Fusse des betreffenden Baumes befand. Das

Abnehmen der Leiche geschah unter Intervention eines Arztes, der

in seinem Berichte die Strangfurche als flachen blassen Eindruck

beschrieb. Bei der Obduction wurde keine Spur einer Strangfurche

gefunden, weshalb die Obducenten nicht blos den Tod durch Erhängen

ausschlossen, sondern auch den erstuntersuchenden Arzt beschuldigten,

schlecht gesehen zu haben. Das Fehlen der Strangfurche liess sich

aber, wie in dem Facultätsgutachten auseinandergesetzt wurde,

ungezwungen aus den Verhältnisses erklären, unter welchen der

Betreffende erhängt gefunden wurde und die wir oben erwähnt haben.

-- Ebenso fanden wir keine Strangfurche bei einem Manne, der in

ähnlicher Stellung wie der Vorige an einem alten Traggurt sich

erhängt hatte, und +Casper+-+Liman+ (l. c. 667) erwähnen mehrerer

solcher Fälle.

Ein theilweises Fehlen der Strangfurche ist noch häufiger und

kommt namentlich dann wieder vor, wenn zusammengelegte oder

zusammengedrehte Tücher das Würgeband gebildet hatten.

Die Strangfurche kann auch dann fehlen oder undeutlich ausgeprägt

sein, wenn das Würgeband nicht über den blossen Hals gelegt wurde,

sondern zwischen diesem und dem Strangwerkzeug weiche Gegenstände

sich befanden. So werden wir unten eines Falles erwähnen, wo

Abdrücke von Hemdknöpfen für Würgespuren genommen wurden und der

Erhängungstod deshalb ausgeschlossen wurde, weil eine Strangfurche

fehlte. Dieses Fehlen liess sich aber ungezwungen daraus erklären,

dass der Betreffende den dicken Zugstrang, an dem er sich erhängte,

über ein mehrfach gefaltetes Tuch gelegt hatte, das noch am Halse

gefunden worden war. -- Auch ein dichter Bart am Vorderhalse kann

die deutliche Ausbildung einer Strangfurche verhindern. Schliesslich

kann sie durch Liegen im Wasser oder durch Fäulniss mehr weniger

unkenntlich werden. Bei einer Frau, die sich an einem Stricke erhängt

hatte und nach 2 Monaten exhumirt wurde, weil das (unbegründete)

Gerede entstand, dass sie von ihrem Manne umgebracht und dann

aufgehängt worden sei, fand sich keine Spur der bei der ersten

Todtenbeschau sehr deutlich gewesenen Strangfurche, wohl aber eine

Fractur beider oberer Kehlkopfhörner.

[Sidenote: Innere Befunde am Halse.]

Von den +inneren Befunden+ wollen wir die localen am Halse als die

wichtigsten zunächst besprechen.

Die Haut der Strangfurche und das Unterhautgewebe daselbst erscheinen

comprimirt, blutleer und trocken. Suffusionen im Unterhautbindegewebe

unter der Strangfurche gehören zu den seltensten Befunden, sind uns

jedoch bereits mehrmals vorgekommen, darunter einmal im Nacken und

zwischen den Nackenmuskeln, in einem Falle, wo der Knoten fast unter

dem Kinne lag.[348] Die Seltenheit derselben erklärt sich daraus, dass

in der Regel die Gefässe in und unmittelbar neben der Strangfurche

nur eine Compression, respective mässige Zerrung erleiden, aber

nicht zerrissen werden, woraus sich auch begreift, warum auch bei

Wiederbelebten in der Regel nur reactive Röthung und Schwellung der

strangulirten Hautpartie und nur ausnahmsweise Suffusion beobachtet

wird. Wenn in älteren Büchern von blutrünstigen Strangfurchen

gesprochen wird, so liegt der Grund darin, dass entweder die manchmal

blaue Färbung der Strangfurche, deren Erklärung wir oben gegeben haben,

für eine Suffusion gehalten wurde oder, was noch wahrscheinlicher

ist, dass man jenen lividen Saum dafür nahm, der sich nicht selten,

namentlich wenn die Leiche lange gehangen hatte, am oberen Rande der

durch den Strang veranlassten Einschnürung zu finden pflegt, der aber

eine sehr erklärliche Leichenerscheinung, eine Hypostase, darstellt,

die dadurch entsteht, dass das aus dem Kopfe sich herabsenkende Blut

über der eingeschnürten Stelle sich ansammelt und dort jene Verfärbung

der Haut veranlasst, die wir an „Todtenflecken“ überhaupt zu sehen

gewohnt sind.

[Sidenote: Ecchymosen unter der Strangfurche.]

Häufiger, obwohl im Grossen und Ganzen doch nur ausnahmsweise, kommen

Ecchymosen in anderen Theilen des Zellgewebes, in oder neben der

Strangulationsebene des Halses vor, verhältnissmässig am häufigsten in

den Scheiden der tiefen Halsgefässe und im intermusculären Bindegewebe,

sehr selten in oder unter den Schleimhäuten. Eine beträchtlichere

Grösse erreichen dieselben niemals, da einestheils der Tod rasch

eintritt und anderseits, wenigstens in typischen Fällen, die plötzliche

und gleichzeitige Compression der grossen, sowohl venösen, als

arteriellen Gefässe am Halse den Kreislauf fast vollständig sistirt,

woraus sich erklärt, warum selbst grössere Läsionen, die mitunter

beim Erhängen entstehen, wie z. B. die Fracturen der Kehlkopf- und

Zungenbeinhörner, meist ganz unbedeutend suffundirt erscheinen.

[Sidenote: Muskelrupturen.]

Zerreissungen der Muskeln am Halse haben wir wiederholt gesehen;

meist war der Kopfnicker, und zwar entweder beiderseits oder bei

asymmetrisch angelegter Schlinge an der dem Knoten entgegengesetzten

Stelle, einmal ein Musculus thyreohyoideus zerrissen, respective in

den äusseren Portionen eingerissen und in einem Falle (Fig. 94), in

welchem der Strick quer auf dem Ligamentum cricothyreoideum gelegen

war, ergab sich ausser einem Doppelbruch der Spange des Ringknorpels

eine partielle Zerreissung beider Kopfnicker und ein furchenartiger

Eindruck beiderseits an den Brust- und Zungenbeinmuskeln. +Lesser+[349]

fand bei 50 Erhängten 11 Mal Muskelrupturen, und zwar 7 Mal eines,

3 Mal beider Kopfnicker, 5 Mal des Platysma, 2 Mal der Musculi

sternohyoidei und thyreoidei und 1 Mal des Omohyoideus. Diese

Muskelrupturen können, doch nur selten, in vivo entstehen und sind

dann mehr weniger suffundirt, in der Regel sind sie ganz reactionslos

und sind dann offenbar erst postmortal, und zwar meistens erst bei der

Section durch das Strecken und Drehen des todtenstarren Halses, wie es

insbesondere beim Eröffnen des Schädels und den diesem vorangegangenen

Manipulationen stattfindet, künstlich an den eingeschnürt gewesenen

Stellen erzeugt worden. Auch bei suffundirten solchen Rupturen ist die

Möglichkeit einer postmortalen Entstehung nicht sofort ausgeschlossen,

da auch letztere, wenn gleichzeitig bluthältige Gefässe zerrissen sind

und dem Austritte des Blutes einige Zeit gegönnt war, wie suffundirt

erscheinen können.[350]

[Illustration: Fig. 94.

Partielle Ruptur beider Kopfnicker bei einem erhängten Selbstmörder.

Rinnenförmige Querfurchen in beiden Brustzungenbeinmuskeln. Doppelbruch

der Spange des Ringknorpels.]

[Sidenote: Fracturen des Zungenbeins und des Kehlkopfes.]

Auch bei den zwei mehrfach erwähnten Justificirten fanden wir die

Kehlkopf-Zungenbeinmusculatur rechterseits zerquetscht, was aber

durch einen Knoten erzeugt worden war, den der Scharfrichter an

dieser Stelle des Stranges angebracht und während des Hängens

mit aller Kraft gegen den Kehlkopf gedrückt hatte. Diese

Scharfrichterpraxis scheint sehr alt zu sein, denn schon +Morgagni+

(l. c. Epist. XIX) berichtet, dass bei einer solchen Hinrichtung:

Carnificis laqueus musculos, qui os hyoides cum larynge proximisque

partibus connectunt, disruperat, ut illud os ab larynge esset

separatum. Muskelzerreissungen bei 4 Hinrichtungen beschreibt auch

+Maschka+ (l. c. 602) und bemerkt, dass er solche bei Selbstmördern

niemals beobachtet habe.

[Illustration: Fig. 95.

Typische Fractur der Kehlkopf- und Zungenbeinhörner bei Erhängten.]

[Illustration: Fig. 96.

Kehlkopf allein von Fig. 94; zeigt die Details der Doppelfractur des

Ringknorpels.]

Fracturen der Zungenbeinhörner trifft man häufig, meist nahe an ihren

hinteren Enden. Ebenfalls häufig sind, wie wir bereits in der zweiten

Auflage dieses Buches (1881, pag. 482) hervorhoben, die Fracturen der

oberen Kehlkopfhörner, besonders wenn sie bereits verknöchert sind, und

zwar entweder vor ihrem peripheren Ende oder an der Basis (Fig. 95).

Diese Fracturen entstehen wenigstens beim typischen Erhängen nicht,

wie man meinen könnte, durch directen Druck des Stranges, sondern,

wie in unserem Institute, insbesondere durch +Haumeder+ (l. c.),

nachgewiesen wurde, indirect, d. h. als Theilerscheinung und Folge des

oben erwähnten Angedrücktwerdens des Ligamentum thyreohyoideum medium

an die Wirbelsäule und consecutive Zerrung der Ligamenta hyothyreoidea

lateralia, die sich bekanntlich an den Enden des Zungenbeines

einerseits und der Kehlkopfhörner andererseits inseriren. Daher sind

auch die Oeffnungen der Fracturwinkel bei letzteren stets nach oben,

beim ersteren in der Regel nach unten gekehrt.

[Sidenote: Kehlkopffracturen und Rupturen der Carotis bei Erhängten.]

Beschädigungen des eigentlichen Kehlkopfes sind beim typischen

Erhängen sehr selten, doch ist ihr Zustandekommen aus dem erwähnten

Angedrücktwerden des oberen Kehlkopfrandes an die Wirbelsäule und

consecutivem Auseinanderweichen der Schildknorpelplatten begreiflich,

besonders bei fragilen (älteren) Kehlköpfen. Wir selbst haben noch

keinen solchen Fall beobachtet, +Lesser+ dagegen sah zweimal

Infractionen der Schildknorpelplatten.

Am günstigsten ist die Gelegenheit für Entstehung von Kehlkopfbrüchen

dann, wenn der Strang direct auf den Kehlkopf, insbesondere auf die

Membrana crico-thyreoidea, zu liegen kommt. In diesem Falle werden

nicht blos die Schildknorpel direct gequetscht, sondern die vordere

Spange des Ringknorpels nach rückwärts gezerrt, so dass leicht

Fracturen, namentlich des letzteren, entstehen können. +Lesser+ bildet

eine so entstandene Doppelfractur des Ringknorpels ab und eine gleiche

von uns beobachtete zeigt Fig. 94 und 96.

[Sidenote: Ruptur der Intima carotis.]

Zu den localen Befunden, die sich bei Erhängten an den Weichtheilen

des Halses ergeben können, gehört auch die Ruptur der Intima carotis.

+Amussat+ hat zuerst auf diese Ruptur aufmerksam gemacht und seitdem

wurde sie nicht blos bei Erhängten beobachtet, sondern auch bei

Erhängungsversuchen mit Leichen künstlich erzeugt.[351] Nach der

Zusammenstellung von +Peham+ („Ueber Carotisrupturen bei Erhängten.“

Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1894, VIII, Suppl. pag. 176)

fanden sich in unserem Institute solche Rupturen in 8·06 Procent, bei

Justificirten unter 7 Fällen 5mal. Im Ganzen gehören sie demnach bei

Selbstmördern nicht zu den häufigen Befunden, obgleich +Simon+ sie

bei sechs Erhängten zwei Mal und +Lesser+ in 50 Fällen sieben Mal

gesehen hat. In sämmtlichen unserer Fälle, sowie in fast allen der

von Anderen beobachteten befand sich die Ruptur unmittelbar unter

der Theilungsstelle der Carotis, also dort, wo, wie wir uns durch

die oben erwähnten Versuche überzeugt haben, die Carotiden durch

das Würgeband bis zur Undurchgängigkeit comprimirt und gegen die

Wirbelsäule angepresst werden, doch kann sie auch in den Aesten der

Carotis vorkommen. Dieser Druck und die gleichzeitige Zerrung des

Gefässrohrs nach oben bewirkt die Ruptur. +Ignatowski+ (l. c.) legt das

Hauptgewicht auf die Zerrung, während den Versuchen +Peham+’s zufolge

diesem Moment nur eine untergeordnete Bedeutung zukommt. Die Ruptur ist

immer quergestellt, einfach oder mehrfach, und betrifft in der Regel

nur einen Theil der Peripherie des Gefässlumens (Fig. 97), selten die

ganze. In den meisten unserer Fälle war der betreffende Riss etwas,

doch immer nur unbedeutend, sugillirt. Es scheint, dass namentlich

dünne und daher stark einschnürende Strangwerkzeuge solche Rupturen

bewirken können; denn in allen unseren Fällen, mit Ausnahme eines

einzigen, wo ein Riemen in Anwendung kam, hatten sich die Betreffenden

an einem Strick aufgehängt. Dass eine gewisse Rigidität der Arterien,

insbesondere ein bestehender atheromatöser Process, das Zustandekommen

der Ruptur erleichtere, können wir nicht bestätigen, denn die meisten

Individuen, bei denen wir sie sahen, befanden sich noch im jüngeren

Alter. Auch können wir nicht behaupten, dass die grössere oder

geringere Stärke des Halses dabei von wesentlichem Einfluss sei. Leicht

können solche Rupturen beim unvorsichtigen Aufschlitzen der Carotiden

entstehen, worauf zu achten wäre.

[Illustration: Fig. 97.

Einfache Querruptur der Intima carotis eines erhängten Selbstmörders

unmittelbar vor der Bifurcation. Nat. Gr.]

[Sidenote: Verletzungen der Wirbelsäule.]

Fracturen, Luxationen oder Zerreissungen der Wirbelsäule gehören

beim Selbstmord durch Erhängen zu den allergrössten Seltenheiten und

kommen wohl nur bei ganz besonderen Verhältnissen vor. +Lesser+ fand

einmal eine partielle Zerreissung der vierten Zwischenwirbelscheibe

mit Fractur der darüber befindlichen periostitischen Osteophyten bei

einer 61jährigen Frau und wir eine Abreissung der Bandscheibe zwischen

dem 3. und 4. Halswirbel vom letzteren zugleich mit der angrenzenden

Corticalis des sehr porotischen Wirbelkörpers bei einem 83jährigen

marastischen Manne, den wir als Leiche aufgehängt hatten.[352] Doch

können, wie wir bereits oben (pag. 360) bemerkten, bei so brüchigen

Knochen die Fracturen der Halswirbelsäule auch erst am Obductionstisch

geschehen. Auch bei der gewöhnlichen Justification durch den Strang

kommen Beschädigungen der Halswirbelsäule wohl nur ausnahmsweise vor.

Dagegen wurden, wie +Kinkead+ (Virchow’s Jahrb. 1885, I, pag. 527) und

+Pellereau+ (Annal. d’hygiène publ. 1886, XVI, pag. 108) berichten,

bei der englischen Hängemethode, bei welcher der Delinquent aus

bedeutender Höhe an einem langen dicken, unter dem Kinn geknüpften

Strick plötzlich fallen gelassen wird, vollständige Abreissungen der

Halswirbelsäule beobachtet. In einem Falle war sogar fast der ganze

Kopf abgerissen.[353]

Lehrbuch der Gerichtlichen Medicin · 第 61 / 132 段